6 Fragen an Stefan Roth zu den Wettbewerben in Karlsruhe

Mit Stefan Roth beantwortet in diesem Beitrag zum ersten Mal ein Schweizer Dirigent die Fragen zu den Wettbewerben in Karlsruhe. Wie Ihr hier selbst lesen könnt, haben die Schweizer eine hochprofessionelle Einstellung zu Wettbewerben bzw. Wertungsspielen. Ich würde mir wünschen, dass sich diese Einstellung, dieses Selbstverständnis auch in Deutschland durchsetzt!

Hier die Antworten von Stefan Roth:

  1. Mit welchen Orchestern trittst Du in Karlsruhe an, in welcher Stufe tretet ihr an, welche Werke hast Du jeweils ausgesucht und warum hast Du für Deine Orchester speziell diese Werke ausgesucht?

Ich trete mit dem Musikverein Kradolf-Schönenberg im Konzertwettbewerb Kategorie 4 und dem Symphonischen Blasorchester Kreuzlingen im Wertungsspiel Kategorie 6 an.

Mit dem Musikverein Kradolf-Schönenberg spielen wir «The Seafarer» von Hayd Wood und «Of Sailors and Whales» von Francis McBeth. Beide Werke sind für uns enorm grosse Herausforderungen und somit optimales Arbeitsmaterial im Hinblick auf die Teilnahme am Eidgenössischen Musikfest im nächsten Jahr.

Mit dem Symphonischen Blasorchester haben wir uns für «JAD-A-DAJ» von Carlos Pellicier und «La Passiò de Crist» von Ferrer Ferran entschieden. «La Passiò de Crist» haben wir Ende März an drei Konzerten aufgeführt und aus diesem Grund war dieses Werk als Selbstwahlstück gesetzt. «JAD-A-DAJ» stellte für uns einen Exkurs in die Welt der abstrakten Musik dar, ein interessanter Kontrapunkt zur absolut programmatischen Ferran-Symphonie.

  1. Seit wann proben die Orchester die Wettbewerbs-Werke und wie bereitest Du die Orchester für den großen Auftritt in Karlsruhe vor?

Mit dem Musikverein Kradolf-Schönenberg haben wir die beiden Werke bereits an unserem Kirchenkonzert im November 2014 aufgeführt, dann aber bis Anfang April zur Seite gelegt um in den letzten sechs Wochen intensiv daran zu arbeiten.

Das Symphonische Blasorchester Kreuzlingen hat das Selbstwahlstück von Januar bis Ende März einstudiert. Für das Aufgabestück standen uns gerade einmal sechs Proben zur Verfügung.

Grundsätzlich arbeite ich in den Proben gerne mit einer sehr hohen Kadenz. Spielen, korrigieren, spielen, etc. Möglichst wenig unnötige Ausführungen. Das Ziel ist es die Probezahl möglichst tief zu halten, in der Hoffnung, dadurch einen höheren Besuch derselben zu erreichen und so möglichst effizient qualitativ hochstehende Musik zu machen. Dabei gibt es für mich keinen grossen Unterschied zwischen Konzert- und Wettbewerbsvorbereitung. Jeder Zuhörer, der ein Konzert oder eine Wettbewerbsaufführung von uns besucht, hätte das Anrecht auf dieselbe musikalische Qualität. Ich weiss, hätte …

  1. Auf was legst Du bei der Probenarbeit zum Wettbewerb großen Wert/den größten Wert?

Für mich stehen an erster Stelle der Klang und die Stilistik. In den Artikulationen kann ich mich verlieren. Dann folgen Dynamik und Intonation. Aber wenn der Orchesterklang den Zuhörer berührt und die musikalische Aussage ihn mitreisst, dann wird einem ein nicht ganz perfekter Akkord auch meistens verziehen.

  1. Die Entscheidung zur Teilnahme am Wettbewerb / an den Wertungsspielen: war große Überzeugungsarbeit bei den Orchestern notwendig, oder ist die Teilnahme eine Selbstverständlichkeit?

In beiden Vereinen ist die jährliche Teilnahme an einem Wettbewerb selbstverständlich. Dies hängt wohl einerseits mit dem Wettbewerbs-Obligatorium im Kanton Thurgau zusammen (das Kantonalmusikfest und der um 2 Jahre verschobene Kreismusiktag, jeweils alle fünf Jahre stattfindend, sind Pflicht), andererseits sind es wohl auch die positiven Ergebnisse in den letzten Jahren, welche den Entscheid zu einer Teilnahme erleichtern.

  1. Welchen Stellenwert hat die Teilnahme am Wettbewerb / an den Wertungsspielen im Vereinsgeschehen?

In Kreuzlingen sind die Wettbewerbe und Wertungsspiele eine Art «Leistungszertifikat». Bei meinem Amtsantritt im Oktober 2009 bestand das einstmalige Höchststufenorchester noch aus 17 Mitgliedern und bewegte sich in den musikalischen Untiefen der Kategorie 2; dies, nebenbei bemerkt, äusserst erfolglos. Jede erfolgreiche Wettbewerbsteilnahme bestätigt unsere intensive Arbeit und hilft uns das Symphonische Blasorchester Kreuzlingen wieder als wertvollen Kulturträger in der Region zu etablieren.

Kradolf-Schönenberg ist ein Wettbewerbsverein. Gezielt auf einen Anlass hin zu arbeiten, bei dem es um Ruhm und Ehre geht, ist dabei gleichwertig mit dem Festen und Feiern nach dem Wettspiel.

  1. Was spricht Deiner Meinung nach für, was spricht gegen eine Teilnahme an Wertungsspielen generell?

Musizierende in einem Blasorchester unterscheiden leider viel zu oft zwischen Auftritten verschiedener Wichtigkeiten. Dabei steht, auf Grund der fassbaren Bewertung durch eine Fachjury, im Normalfall der Wettbewerb zuoberst. Für einen Wettbewerb sind die Musizierenden bereit, ein Wochenende für Proben zu Opfern, zusätzliche Register- und Satzproben zu besuchen und in der letzten Woche auch drei oder vier Proben zu besuchen. Es soll ja auch was rausschauen.

Genau diese Bereitschaft in die Vorbereitung zu investieren, ermöglicht es der musikalischen Leitung Inputs zu geben, welche auch für die übrige Zeit im Jahr von Nutzen sind.

Herzlichen Dank, Stefan, für Deine Beantwortung der Fragen. Dir und Deinen Orchestern wünsche ich für Karlsruhe viel Glück und Erfolg.

 

Über Stefan Roth:

Stefan Roth
Stefan Roth

In Winterthur geboren verbrachte Stefan Roth seine Jugend in Aadorf und lebt heute in Bischofszell.

Stefan Roth besuchte am Conservatorium in Maastricht NL den Unterricht in den Hauptfächern «HaFa Directie» bei Jan Cober, sowie «Euphonium» bei Piet Joris und schloss sein Studium 2008 erfolgreich als Bachelor of Arts in Music ab.

Nach zweijährigem Masterstudium bei Ludwig Wicki, Dominique Roggen, Rolf Schumacher, Oliver Waespi und Thomas Rüedi erwarb er 2012 an der Hochschule der Künste Bern den Titel Master of Arts in «Windband Conducting» mit Auszeichnung.

Stefan Roth bildet sich durch regelmässig besuchte Meisterkurse weiter.
Er amtet zurzeit äusserst erfolgreich als Dirigent des Blasorchesters der Jugendmusik Kreuzlingen, des Symphonischen Blasorchesters Kreuzlingen, sowie des Musikvereins Kradolf-Schönenberg, der Bürgermusik Untereggen und der Uniun da Musica Sagogn.

Zudem ist Stefan Roth musikalischer Leiter des Blasorchesterprojektes «Philharmonic Winds – Das Blasorchester der Ostschweiz».

 

Hier kannst Du den Beitrag in Deinen Sozialen Netzwerken teilen, Danke!

One thought on “6 Fragen an Stefan Roth zu den Wettbewerben in Karlsruhe

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Immer informiert!

Gib hier Deine Mail-Adresse ein, um eine Nachricht zu bekommen, sobald ein neuer Beitrag online ist.