Antonín Dvořák zum 175. Geburtstag

Antonín Dvořák wurde am 8. September 1841, also heute genau vor 175 Jahren in Nelahozeves (Mühlhausen) im damaligen Böhmen bzw. heutigen Tschechien geboren. Ein Grund, heute an ihn zu erinnern.

Bei manchen Komponisten finde ich es sehr schade, dass sie nicht für Blasorchester komponiert haben. Antonín Dvořák gehört dazu. Klar, damals gab es das Blasorchester in seiner heutigen Form noch nicht. Aber wenn es das gegeben hätte….. Bleibt uns heute also nur, seine Werke in transkribierter Fassung zu spielen.

Wer mich kennt weiß, dass ich ein Originalwerk jeder Transkription vorziehen würde. Ich bin ein Verfechter der modernen sinfonischen Blasmusik und von Musik von „lebenden Komponisten“ – wie wir manchmal scherzend sagen. Doch wie oben schon gesagt, bei manchen Komponisten kommen meine Prinzipien etwas ins Wanken.

Mit dem Bläserensemble 13 haben wir in einem der letzten Programme seine „Tschechische Suite op. 39“ in der Besetzung 2 Flöten, 2 Oboen, 2 Klarinetten, 2 Hörner und 2 Fagotte gespielt. Ich war damals sehr begeistert von dieser Musik. Besonders der letzte Satz, Finale, wurde von uns heiß geliebt und entsprechend leidenschaftlich gespielt.

An viele seiner Werke haben sich die Spezialisten für Blasorchestertranskriptionen noch nicht gewagt. Es gibt mehr oder weniger gut gemacht die „Slawischen Tänze“ und natürlich seine Sinfonie „Aus der neuen Welt“ für Blasorchester eingerichtet. Sonst? Ich wüßte nicht – gespielt habe ich sonst noch nichts…. (Wer etwas weiß, kann es gerne unter diesem Beitrag in das Kommentarfeld schreiben.)

Johan de Meij, einer der sein Transkriptionshandwerk in allen Facetten beherrscht, hat nun eine Bearbeitung der „Amerikanischen Suite op 98b“ vorgelegt. Sie besteht aus den Sätzen Andante con moto – Allegro – Moderato (alla Pollacca) – Andante – Finale und ist ca. 20 Minuten lang.

CD FELLINIEntdeckt habe ich die „Amerikanische Suite op 98b“ auf der neuen CD Fellini, welche er mit der Musique Militaire Grand-Ducale de Luxembourg unter der Leitung von Johan de Meij erst kürzlich eingespielt hat. In der „Amerikanischen Suite“ sind deutliche Einflüsse der amerikanischen Volksmusik zu finden. Wie zum Beispiel auch in der Sinfonie „Aus der neuen Welt“ verwendet Antonín Dvořák pentatonische Tonleitern und synkopische Rhythmen.

Antonín Dvořák reiste 1892 nach New York um dort eine Stelle als Direktor des National Conservatory of Music anzunehmen. Antonín Dvořáks Hauptziel in Amerika war die Suche nach der authentischen amerikanischen Musik – so wie er früher in seiner Heimat die tschechische Volksmusik in seinen eigenen Kompositionen verwendet hat studierte er die Spirituals der schwarzen Plantagenarbeiter und Indianermelodien in denen er die Grundlage der für eine charakteristisch amerikanische Musik sah.

Während des Aufenthalts in New York (bis 1895) schuf er neben der schon genannten Sinfonie “Aus der Neuen Welt” auch sein berühmtes Cellokonzert, sein „amerikanisches“ Streichquartett und die Klaviersuite (opus 98). Antonín Dvořák selbst hat die Klaviersuite ein Jahr nach Vollendung der Originalversion für Streichquartett orchestriert und sie als „American Suite opus 98b“ bezeichnet. Seine „Slawischen Tänze“ und die „Legenden“ waren ursprünglich auch Klavierwerke, die er später orchestrierte. Leider hat Antonín Dvořák die Orchesterversion nie gehört, da die Uraufführung erst sechs Jahre nach seinem Tod am 1. März 1910 in Prag, Dvořáks letztem Wohnort, stattgefunden hat.

Nach seiner Rückkehr von Amerika nach Prag kaufte er dort übrigens ein Anwesen, dem er den Namen „Villa Amerika“ gab. Ein Indiz dafür, wie ihn Amerika in seinem Schaffen inspiriert hat. Dieses Haus existiert noch – dort ist heute ein Dvořák-Museum untergebracht.

Wer die Musik von Antonín Dvořáks auch liebt und der gerne einmal etwas anderes als seine Sinfonie „Aus der neuen Welt“ oder den „Slawischen Tänzen“ mit seinem Blasorchester spielen möchte, dem sei die „American Suite“ wärmstens empfohlen. Die CD Fellini und natürlich auch alle Noten der darauf eingespielten Werke sind bei allen Blasmusikhändlern lieferbar. Eine Aufnahme der Transkription für Blasorchestger in Youtube oder in Apple i-Tunes gibt es momentan noch nicht (kommt sicher noch). Die Original-Fassung jedoch kann man von verschiedenen Orchestern in Youtube finden.

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Musik ist ein sehr wichtiger Bestandteil meines Lebens. Musizierende Menschen zusammen zu bringen meine Leidenschaft.

2 thoughts on “Antonín Dvořák zum 175. Geburtstag

  • 11. September 2016 at 10:28
    Permalink

    Liebe Alexandra,
    zu weiteren Werken bzw. Bearbeitungen von Doráks Musik für Bläser verweise ich auf meinen Aufsatz, der in CLARINO 7-8/2016 erschienen ist. Dort gehe ich auch auf die Serenade d-Moll op. 44 ein, instrumentiert für je 2 Oboen, Klarinetten und Fagotte, Kontrafagott ad lib., 3 Hörner, Violoncello und Kontrabass.

    Zu deinem Anfangs geäußerten Thema Original / Bearbeitung kann man ein neues “Fass” aufmachen. Ich sehe es etwas differenzierter und versuche, es schlagwortartig zusammenzufassen:
    – pro Orignalwerk, wenn das betreffende Stück aufgrund seiner musikalischen Qualität geeignet ist, negative Vorurteile über die Blasmusik zu beseitigen
    – Wenn man aber überwiegend bis ausschließlich auf Originalwerke setzt, nimmt man den meisten Blasmusikern – und auch dem Publikum – die Chance, wirklich große Werke der klassischen Musik kennenzulernen. Wolfgang Suppans Argument, dass die Blasmusik im Zeitalter der audiovisuellen Medien weitestgehend auf klassische Transkrtiptionen verzichten können, greift nicht. Das Publikum muss erst einmal angeregt werden, sich überhaupt mit klassischer Musik zu beschäftigen. Die CDs und DVDs sind da, aber man kauft sie ja nicht automatisch.

    Herzliche Grüße
    Joachim

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    • Alexandra Link
      12. September 2016 at 11:41
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      Vielen Dank für Deinen Kommentar, Joachim!

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