Dirigent im Fokus: Helmut Hubov

Helmut Hubov (*1960) ist bereits seit 1989 Stadtkapellmeister und Leiter der Stadtmusik Stockach. Als er die Stadtmusik übernommen hat zählte diese 23 Musiker und spielte auf einem niederen Mittelstufen-Niveau. Doch Stockach war ein fruchtbarer musikalischer Boden, auf dem Helmut Hubov aufbauen konnte. Die Entwicklung der Stadtmusik Stockach bis hin zum heutigen großen Sinfonischen Blasorchester mit etwa 90 Musikerinnen und Musikern ging Hand in Hand mit dem sukzessiven Auf- und Ausbau der Musikschule Stockach. Die Leitung der Musikschule Stockach liegt schon seit 1984 in den Händen des studierten Trompeters und Dirigenten, dessen Wurzeln in Lugosch, Rumänien, liegen.

In seiner Funktion als Musikschulleiter und Trompetenlehrer an der Musikschule Stockach leitet Helmut Hubov in der Zwischenzeit drei Bläserensembles. Das Gruppenspiel (Klasse 1/Anfängerstufe), das Schulorchester (Klasse 2/Unterstufe)und das Jugendblasorchester (Klasse 3-4/Mittelstufe). In diesen drei Orchestern musizieren jeweils zwischen 50 und 60 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 5 und 18 Jahren. Helmut Hubov bezeichnet die Arbeit mit den Jugendlichen als toll und herausfordernd. Die Gruppenspiel-Probe ist für ihn die anstrengendste Probe. „Die Kinder muß man immer beschäftigen und Detailarbeit ist da sehr schwer. Die sind wie ein Sack voller Flöhe“, so Helmut Hubov.

Mit der Stadtmusik Stockach kann Helmut Hubov auf höchstem Niveau proben und arbeiten. Außerdem sehr fokussiert. Als Vorbereitung auf ein Konzert oder auf einen Wettbewerb sind etwa 8 bis 10 Proben angesetzt, in denen konzentriert geprobt wird. Das schätzen sowohl Musiker als auch er als Dirigent. Resultat dieser effektiven Probenarbeit sind regelmäßig große Konzertprojekte. Dazu zählen die Aufführung des „Requiem“ von Frigyes Hidas, „The Queen Symphony“ von Tolga Kashif, „Concert for Group and Orchestra“ von Jon Lord und das „Stabat Mater Requiem“ von Karl Jenkins. Dabei arbeitet er auch immer wieder mit den besten Solisten und auch direkt mit den Komponisten zusammen. So auch im Hinblick und während der Konzertreise der Stadtmusik Stockach nach New York im Juni diesen Jahres. Der amerikanische Komponist Dr. Brett Abigana komponierte im Auftrag der World Projects Corporation das Werk „Vox Populi“ und wurde am 13. Juni 2017 von der Stadtmusik in der Carnegie Hall in New York uraufgeführt. Schon die Proben für diese Uraufführung waren spannend. Per Skype wurde der Komponist zu den Proben geschaltet.

Helmut Hubov ist in der glücklichen Lage, dass er immer von Seiten der Stadt Stockach Unterstützung hatte. Sowohl in seiner Anstellung als Stadtmusikdirektor als auch in den finanziellen Möglichkeiten die ihm für die Musikschule und die Stadtmusik geschaffen wurden. Zu verdanken ist dies dem ehemaligen Bürgermeister der Stadt Stockach Franz Ziwey und dem jetzigen Bürgermeister Rainer Stolz. Zwei Bürgermeister, die den Wert der Musik in ihrer Gemeinde hoch schätzen, wie wir es uns in der Blasmusikszene flächendeckend wünschen würden. So hat die Stadt Stockach beispielsweise einen neuen Probenraum für die Musikschule und die Stadtmusik zur gemeinsamen Benutzung gebaut. Die Durchführung von besonderen Projekten wird jedoch auch durch eine gut funktionierende Vorstandschaft gewährleistet und regelmäßig zum Erfolg. Hugo Lehmann und Michael Grüninger, zwei sehr erfolgreiche Geschäftsleute, möchte Helmut Hubov in diesem Zusammenhang besonders nennen.

In der Schweiz leitet Helmut Hubov seit 2005 die Stadtharmonie Winterthur-Töss. Das Orchester ist im Gegensatz zum großen Sinfonischen Blasorchester in Stockach wie ein Wind Ensemble besetzt. Durch den sehr transparenten, leichten Klang der Stadtharmonie Winterthur-Töss kann Helmut Hubov eine ganz andere Literatur auf sehr hohem Niveau einstudieren. Wettbewerbe haben einen hohen Stellenwert und auch mit diesem Ensemble arbeiten immer wieder Top-Solisten.

VBOEin weiteres Orchester, das Helmut Hubov bereits seit 2003 leitet, ist das Sinfonische Verbandsblasorchester Markgräflerland VBO. Und hier kann ich ganz persönlich werden. Es ist das Orchester, das mir seit mehr als 25 Jahren am Herzen liegt. Ich bin Gründungsmitglied dieses Orchesters, habe zwischendurch wegen einer Babypause und aus beruflichen Gründen ein paar Jahre pausiert und darf nun seit 2010 unter der künstlerischen Leitung von Helmut Hubov spielen. Das VBO ist ein Projektorchester mit je einer Proben- und Konzertphase im Frühjahr und im Herbst. Helmut Hubov sagt zu unserem Orchester: „Mit dem Sinfonischen Verbandsblasorchester Markgräflerland bin ich sehr verbunden. Ein ganz tolles Orchester mit fantastischen Musikern. Mit diesem Orchester habe ich über die ganzen Jahre die Möglichkeit, höchstklassige Werke aus der U- und E-Musik einzustudieren und kann darüber hinaus auch immer wieder mit Solisten zusammen arbeiten. Es sind Musikerinnen und Musiker, die bestrebt sind, sehr gute Musik auf hohem Niveau – ohne Wettbewerbsstress – mit ganz wenigen Proben zu spielen. Da gibt es sehr viel Spielfreude.“

Apropos Spielfreude, diese ist ihm als Dirigent ein besonderes „Augenmerk“. Spielfreude und grundsätzlich die Freude an der Musik ist für ihn wichtiger als verbissener Perfektionismus. Dies möchte er allen Musikerinnen und Musikern, mit denen er zusammenarbeitet vermitteln. Und deshalb arbeitet er auch so gerne mit Amateurmusikern zusammen. Er empfindet die Musizierfreude und das Interesse an der Musik bei Amateuren unglaublich. So ist für ihn in einer Probe und beim Dirigieren eine gute Atmosphäre ein großes Anliegen. „Eine gute Atmosphäre schaffen, dann stimmt meist auch das Resultat“, ist Helmut Hubov überzeugt.

Helmut Hubov
Helmut Hubov

Helmut Hubov ist in Rumänien in einer Musikerfamilie aufgewachsen. Musik war allgegenwärtig. Begonnen hat er sehr früh mit Akkordeonunterricht bei seinem Vater Nikolaus Hubov. Danach lernte er Trompete bei seinem Großvater Peter Schmidt, einem ehemaligen Militärmusiker. Mit 14 Jahren kam er auf eine Musikschule mit Internat. Pro Woche hatte er 15 verschiedene Musikfächer. Das hat ihn sehr geprägt, wenn er das auch die ersten Jahre nicht so ernst genommen hat. Nach dem Trompetenstudium war Helmut Hubov Mitglied der Rumänischen Staatsphilharmonie Arad. Nach seiner Übersiedlung nach Deutschland folgte ein Studium der Blasorchesterdirektion an der Bundesakademie in Trossingen, sowie an der Musikhochschule Zürich. Zu seinen Lehrern zählten Hans-Walter Berg, Motti Miron und Hans-Peter Blaser. Er belegte Meisterkurse für Trompete bei Maurice André und Dirigieren bei Robert Reynolds, Henk van Lijnschooten, Colonel Arnald D. Gabriel, Eugene Corporon, Jan Cober, Timothy Reynish, David Zinman, Zubin Mehta, Helmuth Rilling, Sir Roger Norrington, Pierre Boulez und Bernard Haitink, sowie für Komposition bei Anthony Iannaconne, Frank Ticheli und Dana Wilson. Außerdem absolvierte er ein Privatstudium im Fach Trompete bei Claude Rippas, im Fach Komposition bei Jean Balissat und eine Kapellmeisterausbildung bei Sylvia Caduff.

Die Musik gibt ihm viel für seine Seele. Aber auch die Begegnungen mit musikalischen Menschen schätzt er sehr. Die Möglichkeiten in der bläserischen Musik empfindet er als sehr vielfältig. Die Möglichkeiten in der Literatur und der Klangfarben sind für ihn immens.

Helmut HubovHelmut Hubov hat ein enormes Repertoire-Wissen. Er besitzt fast 1300 Partituren. Eine gute Grundlage also für die Auswahl und Zusammenstellung eines Konzertprogramms. Er hatte Glück sehr gute Lehrer, wie zum Beispiel Motti Miron oder Franco Cesarini in Literaturkunde gehabt zu haben. Er sucht aber auch immer wieder den Austausch mit Kollegen und Komponisten in Literaturfragen.

Bei der Auswahl der Literatur für ein Konzert ist für ihn zunächst der Anlass Ausgangspunkt. Wo findet das Konzert statt? Sind Solisten oder ein Chor dabei? Welche Besetzung ist zur Verfügung? Welches sind die Stärken und Schwächen des Orchesters? Das sind die Fragen, die er sich vor der Auswahl der Werke zuerst stellt. Er sucht dann Stücke aus, die zu diesen Kriterien passen. Er findet meist zwischen 15 und 20 Werke, aus der er dann eine engere Wahl trifft. Die Reihenfolge braucht für ihn einen roten Faden, einen Spannungsbogen oder eine gewisse Dramaturgie. „Und die Zugaben sind ja auch nicht so unwichtig“, so Helmut Hubov….

Seine Vorliebe liegt auf originaler, sinfonischer Blasmusik. Für ihn gibt es wenig gute Transkriptionen für Blasorchester. Helmut Hubov: „Wenn man die Originalwerke kennt, stellt sich für mich die Frage: muß das sein?“

Hubov Trachsel Blaser
Helmut Hubov mit dem Schweizer Komponisten Thomas Trachsel mit Begleitung, Martine Blaser und Band Coach Hans-Peter Blaser

Lieblingskomponisten mag Helmut Hubov keine nennen. Aber es gibt schon viele gute Komponisten, die er immer wieder gerne studiert und auch gerne dirigiert. Vor allem, weil sie auch gehaltvolle Musik schreiben. Er freut sich immer sehr über neue Stücke und ist an Uraufführungen sehr interessiert. Wie vorher schon erwähnt ist ihm der Austausch mit Komponisten wichtig. Helmut Hubov hatte früher beispielweise regelmäßig Kontakt mit dem leider viel zu früh verstorbenen Franz Cibulka. Auch den viel zu frühen Tod von David Maslanka, den er bei der WASBE-Konferenz in Luzern kennen gelernt hat, bedauert er wie wir alle sehr. Helmut Hubov bekommt regelmäßig Partituren von verschiedenen Komponisten zugeschickt. Diese wissen, sie sind bei ihm in guten Händen und haben damit Potential aufgeführt zu werden.

Helmut Hubov und Johan de Meij
Der Dirigent der Stadtmusik Stockach, Helmut Hubov mit dem in New York lebenden Komponisten Johan de Meij

Momentan hat er einen engen Kontakt zu Johan de Meij. Für 2019 ist bereits ein großes Projekt mit Johan de Meij in Stockach in Planung.

Helmut Hubov bringt sich auch in die Verbandsarbeit ein. Er ist Verbandsdirigent im Blasmusikverband Hegau-Bodensee. Helmut Hubov: „Wir haben im Blasmusikverband Hegau-Bodensee eine gut funktionierende Vorstandschaft mit regem Austausch und wir organisieren regelmäßig Treffen mit den Bezirksdirigenten um uns musikalisch auszutauschen“. Am Dienstag, den 31. Oktober ist Helmut Hubov in seiner Funktion als Verbandsdirigent Gastgeber für einen „Meet & Greet“-Abend mit Otto M. Schwarz. An diesem Abend stellt Otto M. Schwarz sich und seine Werke vor. Für Helmut Hubov ist es ein erstes persönliches Kennenlernen mit Otto M. Schwarz. Wie ich beide kenne, bin ich sicher, dass sie sich gut verstehen…

Nach dem Konzert ist auch für Helmut Hubov immer vor dem Konzert. Es ist nicht verwunderlich, dass auch diesen Herbst wieder jede Menge musikalische Projekte für Helmut Hubov anstehen. Hier eine Übersicht:

1VBO-Konzert 2017 Plakat5.Oktober Konzert mit dem Sinfonischen Blasorchester Markgräflerland und dem Gastdirigenten Ignatius Wang aus Singapur

22.Oktober Konzert Sinfonisches Blasorchester Stockach / Solist : Fabio Alexandre Monteiro da Silva ( Saxophon ) Motto: AMERICAN SALUTE

11.November „Schülermusical“ / Konzert der Stadtharmonie Winterthur Töss gemeinsam mit 150 Schülerinnen und Schülern des Schulhauses Rebwiesen, Schülermusical „Rumpelwolf und Dornenstilzchen“, Regisseur: Thomas Hauck ( Regisseur, Filmemacher und Kinderbuchautor)

26.November „40 Jahre Musikschule Stockach“ Lehrerkonzert u.a. „La creation du monde“ von Darius Milhaud

23.Dezember „Festliches Weihnachtskonzert“ der Stadtmusik Stockach

Und seit einem Jahr laufen bereits die Vorbereitungen für das gemeinsame Großprojekt „Carmina Burana“ am 3. und 4. November 2018 in Winterthur und Stockach.

Helmut Hubov hat ein spannendes, abwechslungsreiches, ausgefülltes, blasmusikalisches Leben, unterstützt und mitgelebt von seiner tollen Familie, guten Freunden und Bekannten. Und das macht ihn besonders glücklich und zufrieden.

 

 

 

 

 

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Musik ist ein sehr wichtiger Bestandteil meines Lebens. Musizierende Menschen zusammen zu bringen meine Leidenschaft.

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