Ehrungen: pro und contra und vor allem, in welchem Rahmen?

Ende November 2016 habe ich auf dem Blasmusikblog.com eine Umfrage gestartet mit der Frage: Gehören Ehrungen verdienter Musiker wirklich ins Konzert?

Auf Grund dieser Umfrage wurden ganz schnell auch folgende Themen diskutiert:

Sind Ehrungen überhaupt noch zeitgemäß?

Welchen Zweck haben Nadeln und Urkunden?

Müssen Ehrungen verdienter Musikerinnen und Musiker gleichgesetzt werden mit der Verleihung der JMLA-Abzeichen?

Doch bevor wir uns diesen Themen widmen, hier erst einmal das Umfrageergebnis:

Zu diesem Thema haben mich zahlreiche Reaktionen erreicht. Es haben Dirigenten, Vorstände, Musiker, aber auch ein Verbandspräsident reagiert. Alle haben ihre Meinung natürlich aus ihrer Perspektive geäußert.

Aus diesen Reaktionen fasse ich nun zunächst die Argumente zusammen die für und gegen eine Ehrung im Konzert sprechen:

Für die Ehrung im Konzert spricht:

  • Verdiente Mitglieder müssen im entsprechenden öffentlichen Rahmen geehrt werden.
  • Die Ehrung innerhalb des Konzerts drückt die Wertschätzung z. B. auch für passive Mitglieder aus, Stichwort „Dankeskultur“.
  • Verbandsverantwortliche „ehren“, hören das Orchester, sind also über den Stand des Orchesters informiert und können Kontakte zu Orchester und zu anderen Orchestern (Besucher) intensivieren
  • JMLA-Verleihung während des Konzerts bringt Besucher (Eltern, Großeltern)

Gegen die Ehrung im Konzert spricht:

  • Besucher möchten Musik hören
  • Abriss des Spannungsbogens innerhalb des Konzertprogramms
  • Passive Mitglieder sind oft nicht beim Konzert, obwohl eine Ehrung ansteht.

Gegen eine Ehrung in der Generalversammlung sprechen folgende Argumente:

  • keine öffentliche Wertschätzung möglich mangels Öffentlichkeit (bei der GV sind meistens nur die aktiven Musiker anwesend und wenige Passive)
  • für Verbandsverantwortliche aus zeitlichen Gründen schwierig zu realisieren.

Zentrale Ehrungsfeiern für verdiente Mitglieder (nicht JMLA) auf Verbands- bzw. Kreisverbandsebene kommt für viele nicht in Frage. Zum einen ist da der Aufwand, eine solche Feier zu organisieren. Dann steht die Frage im Raum: Werden die zu Ehrenden überhaupt kommen? Zentrale Ehrungsfeiern sind bei uns im Gegensatz zur Schweiz nicht üblich. Es ist sehr schwierig hier eine neue Tradition zu entwickeln, zumal viele Vereinsverantwortliche eine solche Ehrungsfeier auch nicht unterstützen würden. Andererseits kann eine zentrale Ehrungsfeier sehr würdig gestaltet werden. Mit einem schönen Abendessen und guter Musik zum Beispiel. Vielleicht sollten wir uns hier einmal in den Verbänden darauf einlassen und es einfach einmal ausprobieren, wie das angenommen wird. Zugunsten von mehr Musik und weniger offiziellem Gerede während der Konzerte, die dann auch wirklich nur Konzerte sind. Und gleichzeitig einer Feier, in der wirklich nur die Geehrten im Mittelpunkt stehen.

Fragen wir uns einmal, warum Ehrungen – und hier spreche ich vor allem über Ehrungen verdienter Mitglieder – überhaupt notwendig sind. Dem Verein ist es ein großes Anliegen, Mitgliedern für die lange Zeit der Unterstützung, sei es durch das Mitspielen im Orchester, das Mitwirken innerhalb der Vorstandschaft oder die monetäre Unterstützung zu danken und diese Unterstützung zu würdigen.

Interessiert es den Konzertbesucher, wie lange jemand diesen Verein schon unterstützt oder in diesem Verein schon mitspielt? Die meisten nicht. Die Familie und die engen Freunde des Geehrten vielleicht schon.

Nehmen wir einmal an, zwei Personen werden für 40 Jahre Mitgliedschaft geehrt. Beide bekommen eine Urkunde, eine Nadel und die öffentliche Wertschätzung in Form einer Ansprache vom Verbandspräsident und vom Vorstand. Person 1 fehlt jede dritte Probe und bei den Proben, die er da ist, kommt er regelmäßig 10 Minuten zu spät. Bei außermusikalischen Einsätzen glänzt er durch Abwesenheit. Person 2 fehlt kaum eine Probe, ist immer pünktlich, war bereits 25 Jahre Beisitzer in der Vorstandschaft und ist seit 15 verantwortlich für die Noten. Und nun? Ist das gerecht? Wird durch die gleiche Würdigung des eines nicht die Wertschätzung des anderen gemindert?

Sind Ehrungen nicht überhaupt überholt? Früher war eine Ehrung für eine langjährige Mitgliedschaft vielleicht noch Motivation, aber heute?

Meine Meinung: Heute ist den Blasmusikern doch die Musik an sich wichtig, die musikalischen Erfolge, der Applaus und die Begeisterung des Publikums, das Spielen in der Gemeinschaft, die Kameradschaft. Wir spielen doch auch im Verein um uns selbst etwas Gutes zu tun und ziehen aus dieser Befriedigung unsere Motivation. Ich spiele (dieses Jahr) 40 Jahre Blasmusik und bin noch nie geehrt worden (doch, halt beim Musikverein Hartheim für 10 Jahre). Ich bin aber nicht der Durchschnitt, weil ich immer nur da gespielt habe, wo ich wollte und mich an einen Verein über eine so lange Zeit gar nicht gebunden habe. Bei jedem Verein, bei dem ich gespielt habe, wollte ich keine Ehrung. Ich ziehe meine volle Motivation und Zufriedenheit aus dem Spielen in der Gemeinschaft selbst. Und wenn ich ein Konzert besuche gilt für mich: ich möchte die Musik hören, deshalb bin ich da! Und mir ist es wirklich egal, ob der Trompeter, der ein tolles Solo gespielt hat nun schon 10, 25 oder 40 Jahre in diesem Verein spielt. Besonders grauslig finde ich es, wenn dann für die Geehrten mehr schlecht als recht die “Alten Kameraden” gespielt werden. Wenn ich Blasmusiker frage, warum sie im Musikverein bzw. im Blasorchester spielen, hat mir noch nie einer geantwortet: “Weil ich dann eine Nadel, eine Urkunde, ein kleines Geschenk und eine öffentliche Ehrung erhalte, wenn ich 40 Jahre lang im Musikverein spiele”. Soweit zu meiner persönlichen Meinung.

Als Zwischenfazit aus den Reaktionen zur Umfrage möchte ich zunächst Folgendes festhalten:

  • Es gibt verschiedene Arten von Ehrungen. Hauptsächlich geht es um die Ehrung langjähriger Mitglieder oder um die Ehrung zu den JMLAs.
  • Die Musikvereine und Blasorchester sind sehr unterschiedlich. Auch das Vereinsleben.
  • Ehrungen sind ein sensibles Thema. Manche legen großen Wert darauf, manche legen keinen Wert darauf.

Und die Lösungsansätze zu dieser Thematik?

Folgende Vorschläge konnte ich aus den Reaktionen zur Umfrage herauslesen:

  • Es sollen neue Gestaltungsformen entwickelt werden.
  • In der Generalversammlung ehren, beim Konzert erwähnen.
  • Das Jahreskonzert als reines Konzert gestalten. Ein zweites Konzert im Jahr mit unterhaltendem Charakter mit Ehrungen verbinden.
  • Die Ehrung von Verbandsseite kurz halten, besser von Vereinsseite persönliche Worte finden.

Letztendlich müssen sich die Vereine selbst entscheiden, wie sie das Thema „Ehrungen“ angehen und was für ihren Verein die beste Art der Ehrung ist.

Eine sehr ausführliche Reaktion hat mich von Georg Bruder erreicht. Er hat sehr gute Ansätze und Lösungsvorschläge, deshalb möchte ich hier mit seiner Genehmigung den kompletten Beitrag wiedergeben:

„Das (Jahres-)Konzert ist die eine, öffentliche Veranstaltung, auf die alle in dieser Gemeinschaft lange hinarbeiten. Das nach außen sichtbare Ergebnis des gemeinsamen Engagements für eine gemeinsame Sache. Wo sonst sollte man einem Menschen denn „Danke!“ sagen? Danke, dass du ein Teil von uns bist. Danke, dass du dich schon so lange für unsere Gemeinschaft engagierst. Danke, dass du so viel Zeit mit uns ver- und für den Musikverein aufbringst. Und das lässt sich doch nirgendwo würdiger und angemessener machen als bei diesem Ereignis – das der Jubilar/die Jubilarin seit Jahren mitgestaltet und bei dem nicht nur die Freunde aus dem Verein, sondern auch die Familie und weitere Freunde anwesend sind.

Die Frage ist für mich eher die Durchführung einer solchen Ehrung. Denn, und wir alle kennen das: In vielen Vereinen wird zwar monatelang auf DAS Ereignis im Jahresverlauf geprobt. Takt für Takt, Lauf für Lauf. Alles ist optimal abgestimmt. Aber bei den Ehrungen beschleicht uns des Öfteren das Gefühl von Fremdscham. Ein Vorsitzender, der nicht unbedingt als Redner geboren wurde. 20 Jugendliche, die nacheinander aufgerufen werden und dann ihr Leistungsabzeichen überreicht und angesteckt bekommen. Ab-zei-chen-für-Ab-zei-chen. Ur-kun-de-für-Ur-kun-de. Dann die zehnjährigen Vereinsmitglieder…usw.
Bis die wirklich wichtigen Jubilare mit 40 oder 50 Jahren endlich dran sind, kann sich schon niemand mehr auf dem Sitz halten. Und spätestens wenn dann auch noch ein Verbandsvertreter seine obligatorischen Redenbausteine aneinanderreiht, hat die Begeisterung bei allen Besuchern definitiv ihre Grenzen erreicht. Statt zum Höhepunkt für die verdienten Musiker, wird der Programmteil Ehrung zum Tiefpunkt fürs Publikum. Schade.

Was tun?

1. Plant die Ehrung genauso professionell wie jeden anderen Konzertteil auch!

2. Gebt der Ehrung eine eigene Dramaturgie. Wie bei jedem Musikstück lässt sich auch eine Ehrung durch bestimmte Elemente spannend gestalten.

3. Warum z.B. immer auf die 50-er Jubilare als Höhepunkt zusteuern? Warum nicht auch mal mit dem größten Jubiläum beginnen?

4. Eine andere Idee: Warum nicht die verdienten Jubilare mit den Leistungsabzeichen mixen? Die Bronze-Jugendlichen bekommen ihre Urkunde und überreichen gleichzeitig jeweils eine Rose an den 50er- Jubilar A. Mit den Silber-Jugendlichen wird auch 50er-Jubilar B mit Rosen geehrt. Das ist nicht nur spannender. Es sieht auch noch gut aus!

5. Und noch ne ganz andere Idee: Wer sagt denn, dass die Ehrung immer ein eigener Block im Programm sein muss? Vielleicht haben die verdienten Musiker ja Lieblingsstücke im Programm oder einen anderen Bezug zu den Stücken? (z.B. der Sepp an der Tuba ist einfach immer für nen gute Marsch zu haben. Die Elisabeth an der Klarinette freut sich, wenn sie bei den Ouvertüren was zum Üben hat) Warum also nicht den entsprechenden Jubilar vor dem Stück in die Moderation einbinden? Das setzt denjenigen schön in Szene, hebt die Lebensleistung auch wirklich heraus – und ist für viele Besucher sicher interessanter und einprägsamer als die Lebensdaten des Komponisten oder die Stückbeschreibung aus der Partitur!

6. Sucht euch einen professionellen Moderator. Oder jemand aus dem Verein, der das einfach gut kann. Der Moderator zieht die Ehrung durch, der Vorsitzende widmet sich voll und ganz dem Überreichen des Geschenks und der persönlichen Zuwendung. Und wenn der Verbandsvertreter unbedingt dabei sein will, dann kann er auch an dieser Stelle persönlich gratulieren.

Gut (dramaturgisch) geplant und professionell durchgeführt, ist so eine Ehrung also nicht nur ein schönes Erlebnis und ein kleiner Dank für den Jubilar. Es wertet auch den ein- oder anderen Vereinsvorsitzenden auf und ist eine Bereicherung fürs Konzert und die Vereinsgemeinschaft!“

Mit diesen Gedanken von Georg Bruder möchte ich es auch vorerst belassen. Ein sehr herzliches Dankschön dafür an ihn!

Es darf gerne öffentlich hier auf dem Blog weiterdiskutiert werden. Nutzt das Kommentarfeld weiter unten auf dieser Seite!

Hinweis zum Beitragsbild: das Bild zeigt mich (in der Mitte) mit meiner Schwester und meinem Bruder als wir gleichzeitig das JMLA in Gold und mein Bruder zusätzlich noch die Urkunde zur C3-Prüfung erhalten hat.

 

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Musik ist ein sehr wichtiger Bestandteil meines Lebens. Musizierende Menschen zusammen zu bringen meine Leidenschaft.

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