In Memoriam André Waignein

Ein lebensfroher Mensch, ein leidenschaftlicher Komponist und Musiker, der Grandseigneur der Blasmusik hat uns am Fest der Hl. Cäcilia, der Schutzheiligen der Musiker, für immer verlassen. Seine Musik bleibt.

Alexandra Link und André Waignein
Alexandra Link und André Waignein

Als ich André während es Eidgenössischen Musikfest 1996 in Interlaken, Schweiz, kennen gelernt habe, hatte ich gerade erst begonnen, für den De Haske-Verlag zu arbeiten. Er war so lange ich bei De Haske war immer der „Mann für alle Fälle“. Wenn ich mal wieder mit meinen vielen Ideen für Arrangements und Blasorchester-Ausgaben zu Jan de Haan gekommen bin, sagte Jan immer wieder: „das kann André machen!“ Egal ob es um eine Bearbeitung eines aktuellen Popsongs ging oder darum, kleine Werke in variabler Besetzung für Jugendorchester zu schreiben, André arrangierte und komponierte unsere Wünsche perfekt, schnell und zuverlässig.

Aber im Zentrum seines Schaffens stehen nicht diese Verlagsaufträge. Zeit, dass wir uns an seine bedeutenden Werke erinnern. Dazu gehören sicherlich Alternances, Diagram und Dunamis, aber auch seine Messen, die Missa Solemnis für Sopran, Gemischten Chor und Blasorchester oder die Missa Tornacum für Gemischten Chor und Blasorchester, die er für seine Heimatstadt Tournai, Belgien, schrieb. Sehr besonders finde ich die Reminiscencia Gitana. Es wird Zeit, dass dieses Werk wieder vermehrt auf die Konzertprogramme kommt. Es ist ein von den Dirigenten vernachlässigtes Werk, das vermutlich in der Flut der Neuerscheinungen untergegangen ist. Reminiscencia Gitana zeigt seine ganze Leidenschaft für die Musik und Andrés eigene Fröhlichkeit und Überschwänglichkeit.

André Waignein, Garmt van der Veen, Alexandra Link
André Waignein, Garmt van der Veen, Alexandra Link

André Waignein hatte die besondere Gabe, dass er wohlklingende, gut-tuende, unkomplizierte Musik für Blasorchester in kleineren, unvollständigen Besetzungen, die im Unter- und Mittelstufenbereich spielen zu schreiben. So werden landauf landab und auch weltweit seine Werke Air for Winds, Classical Canon oder Cantabile for Winds (Rob Ares) in den Kirchenkonzerten gespielt; seine Dynamic Fantasy, Broadway Impressions, Tribute to Lionel, El Valse del Camino, Song and Dance oder das Concertino for Flute in den Jahreskonzerten und seine Arrangements in den Unterhaltungskonzerten. Fast kein Konzert von Unter- und Mittelstufen-Blasorchestern ohne dass ein Werk von André Waignein (oder eines seiner „Freunde“ Roland Kernen, Rob Ares, usw.) auf dem Programm steht. Ich kann seine Bestseller hier gar nicht alle auflisten. Er wußte, was er schreiben muß, um den Blasorchestern Werke zu bieten, die sie bewältigen können, die Spaß machen und das Publikum begeistern. Handwerklich, instrumentiertechnisch, melodisch: perfekt!

Nicht vergessen dürfen wir all das pädagogische Material, das er für Klavier und andere Instrumente geschrieben hat. Bei vielen pädagogischen Ausgaben sorgte er für die Klavierbegleitungen, so zum Beispiel beim großen Projekt „Hören, lesen & spielen“. Da er Klavierlehrer war, wußte er worauf es ankam, damit die Klavierbegleitungen auch von Klavierschülern gespielt werden können und nicht unbedingt ein Profi am Klavier sitzen muß.

Ich habe es schon erwähnt, er war ein leidenschaftlicher Komponist, einer der nie aufhörte zu Komponieren. Er erzählte mir einmal, dass er ständig komponieren muß. Er hat sogar auf seinem Nachttisch ein Notizblock liegen, damit er gleich morgens notieren konnte, was ihm in den Sinn kam.

Ich habe einige seiner Weggefährten gebeten, ein paar Sätze über André Waignein zu schreiben und möchte als erstes seinen langjährigen Verleger und Freund Jan de Haan (Gründer des De Haske-Verlags und langjähriger Verlagschef) zu Wort kommen lassen:

„Als De Haske den Musikverlag Scherzando aus Antwerpen übernahm, wurde unser Katalog durch viele Werke von André gefüllt. Das war der Zeitpunkt, an dem eine mehr als 20-jährige Zusammenarbeit mit ihm begann. Ich habe André als einen vielseitigen, fähigen Komponisten und Arrangeur kennen gelernt. Als Verleger war es für mich ideal einen Mann wie André Waignein im Haus zu haben. Er lieferte die Arrangements, die er oft im Auftrag des Verlags schrieb, immer sehr schnell und qualitativ sehr gut ab. André war dafür bekannt, dass er Werke für Blasorchester am „laufenden Band“ schrieb. Für einen Verlag war das nicht immer leicht. Wir haben deshalb darüber auch viele Diskussionen geführt. Es war nicht immer leicht, aber immer geprägt von einem hohen gegenseitigen Respekt. Diese Gespräche fanden deshalb auch immer in einer guten Atmosphäre statt und wir haben uns jederzeit sehr gut verstanden.

Mit dem Tod von André Waignein verlieren wir eine markante Persönlichkeit der Blasorchesterwelt. Ein Mann, der über Jahre hinweg sehr viel für die Amateur-Blasorchesterszene bedeutet hat und auch weiterhin mit seinen Werken präsent bleiben wird.“ Jan de Haan

Ein langjähriger Wegbegleiter und Freund in Belgien ist und war Jan Van der Roost, der sehr gefühlvolle Worte für André Waignein findet:

„André Waignein war ein besonderer Mann, der mit einer ungezügelten Energie und einem unermüdlichen Enthusiasmus gearbeitet, gelehrt, komponiert und gelebt hat. Er hatte das Pech, dass seine erste Frau Rita Defoort relativ früh gestorben ist, was prägend für sein weiteres Leben war. Das hat seiner musikalischen Kreativität aber nicht im Weg gestanden: Es ist unglaublich, was er alles in seinem reich gefüllten Leben geschrieben hat! Und obwohl es in den letzten Jahren etwas ruhiger um ihn geworden ist, seine Musik bleibt im Blickpunkt und wird oft und gerne im In- und Ausland gespielt.

Letztes Jahr hatte ich noch das Vergnügen sein „Rhapsody for Alto Saxohone“ in Japan aufzuführen und auch aufzunehmen: Sein Sachverstand als Komponist gepaart mit seinem ausgeprägten melodischen Input (besonders im zweiten Satz des Werks) sind kennzeichnend für viele seiner Werke. Er pflegte und beherrschte viele Genres und Stile und hatte einen „Wiedererkennungswert“ und ein „Naturell“ das man nicht bei jedem Komponisten antrifft.

Auch als Mensch habe ich ihn gut gekannt und habe besonders seinen ansteckenden Enthusiasmus und sein breites Lachen genossen! Er ermutigte andere Komponisten für Blasorchester zu schreiben und war in der Regel allezeit positiv gegenüber Kollegen eingestellt. André Waignein war ein Mann mit einem großen Herz für die Musik aber auch für andere Aspekte des Lebens: eine herzliche Persönlichkeit und ein begeisternder Mensch ist von uns gegangen. Es möge symbolisch sein, dass er gerade am 22. November, am Tag der Heiligen Cäcilia, der Schutzheiligen der Musik, gestorben ist. Dies möge uns ein Trost sein, wenn uns jemand durch den Tod genommen wurde, dessen Leben ganz im Zeichen der Musik stand.

Danke für alles, André: Dein Beitrag zum Blasorchester-Repertoire war und ist beeindruckend und wird noch viele Jahre Musiker und Zuhörer wo auch immer auf der Welt Glück und Freude schenken.“ Jan Van der Roost

Wie sehr der Tod von André Waignein die Blasmusikwelt getroffen hat, zeigen die Worte von Franco Cesarini:

Das erste Mal, dass ich André Waignein traf, war nicht persönlich, sondern durch seine Musik. Mitte der achtziger Jahre war eines seiner Stücke,”Proclamation for Winds” im Programm des ersten Blasorchester das ich geleitet habe. Ein paar Jahre später gab es auch das erste persönliche Treffen. Es war in Heerenveen in den Niederlanden im Jahr 1990, dem Sitz unseres Verlages. Vom ersten Moment an gab es Sympathie und Freundschaft, die sich über die Jahre zunehmend verstärkt hat.  Viele Tagungen, Festivals, Jurys, Seminare und Meisterklassen gaben uns Gelegenheit zusammen zu arbeiten. Ein Mann, der jede Art von Musik schreiben konnte,  von den einfachsten (viele der Stücke, die ihn beliebt bei den Amateur Orchester gemacht haben), bis hin zu den entwickelsten Formen. Das letzte Mal als wir uns trafen, hatte ich ihn in Top Form gefunden, und desto mehr überraschte mich die Nachricht von seinem Tod. Ich war überzeugt, er wäre noch für viele Jahre am Schaffen seiner Musik, voller Optimismus und Temperament, die ihn auszeichneten.

Wir werden dich vermissen André Waignein: wir werden den Mensch, die Person, den Freund vermissen, denn seine Musik bleibt! Franco Cesarini

André Waignein und Michiel Oldenkamp
André Waignein und Michiel Oldenkamp

Jemand, der im pädagogischen Bereich viel mit André Waignein zusammen gearbeitet hat, ist Michiel Oldenkamp, einer der Autoren von Hören, Lesen & Spielen:

„Ein toller Mensch ist von uns gegangen. Ich hatte das Glück, mit André zusammenarbeiten zu dürfen. Dabei habe ich ihn als einen unglaublich freundlichen, lieben, lustigen und zuverlässigen Menschen kennengelernt. Wenn ich ihn fragte, ob er Zeit finden konnte, etwas für mich zu schreiben, hat er immer zugesagt und Spaß daran gefunden, sogar für die allerkleinsten Kinder etwas Schönes zu schreiben. Dabei denke ich vor allem an die vielen Beiträge für „Hören, lesen & spielen“ aber natürlich auch an seine anderen Werke, womit er nicht nur die Unterrichtsliteratur in ganz Europa, vor allem aber die Blasmusik bereichert hat.

Lieber André, ruhe in Frieden. Möge deine Musik nie verklingen.“ Michiel Oldenkamp

Und zum Schluß möchte ich noch einen Komponisten zu Wort kommen lassen, für den André Waignein ein Vorbild war: Otto M. Schwarz.

„Als junger Kapellmeister war ich auf der Suche nach neuer, innovativer Musik. Die Musik von Andre Waignein fiel mir sofort auf, besonders die Werke Alternances oder Diagram haben mich sehr begeistert. Für mich war dieser Mann ein Weltstar – ihn zu treffen habe ich mir nie im Traum vorstellen können.

Später als ich selbst Komponist bei DE HASKE war, traf ich ihn persönlich zum ersten Mal in der deutschen Niederlassung in Eschbach. Seine ersten Worte zu mir waren: “Ah, Sie sind der junge österreichische Komponist, der so gut instrumentiert!” – ich war von seiner Freundlichkeit, seiner “Normalität” und seiner Offenheit einfach nur beeindruckt. Als Komponist für mich ein großes Vorbild, war er doch einer der Wenigen, der so gut wie in allen Stilrichtungen zuhause war. Später waren wir noch gemeinsam in der Jury des Wettbewerbes in Riva del Garda, wo wir viele Gemeinsamkeiten herausfanden – so schrieb er z.B. auch für Werbungen die Musik (Coca Cola, L´Oreal etc.) und war auch immer offen in Richtung Jazz, Pop und Film.

Nicht nur ein sehr wichtiger Komponist ist von uns gegangen, sondern eine großartige Persönlichkeit. Leider haben wir uns viel zu wenig oft persönlich getroffen.

RIP – Andre Waignein – du wirst in deiner Musik und in Gedanken immer bei uns sein.“ Otto M. Schwarz.

Au revoir, Grandseigneur der Blasmusik, tot ziens! Merci beaucoup, dank je wel für die Musik, die uns bleibt!

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Alexandra Link

Alexandra Link

Musik ist ein sehr wichtiger Bestandteil meines Lebens. Musizierende Menschen zusammen zu bringen meine Leidenschaft.

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