Konzerte attraktiv gestalten

Vorneweg: Ein Patentrezept wie Konzerte attraktiv, kreativ und erfolgreich gestaltet werden können, gibt es nicht. Hier muß jeder Musikverein, jedes Blasorchester unter Berücksichtung der örtlichen Verhältnisse und Lokalitäten selbst sein eigenes Konzept, oder besser: seine eigenen Konzepte finden. Wichtig ist die intensive Beschäftigung mit der Frage: Wie gestalten wir unsere Konzerte so, dass unsere Besucher gerne und zahlreich kommen!??

In der Regel sind dies unsere Konzerte: Jahreskonzerte, Frühjahrs-, Herbst- und Weihnachtskonzerte, Kirchenkonzerte, usw. Die meisten Konzerte heißen wie beschrieben. Die Konzertprogramme folgen mehr oder weniger dieser Struktur:

Eröffnungswerk

Klassische Ouvertüre (Bearbeitung bzw. Transkription)

Originales Werk

Langsames Werk

Originales Werk

– Pause –

Eröffnungswerk mit unterhaltsamem Charakter

Unterhaltende Originalliteratur

Eventuell Polka, Walzer, Marsch

Film-, Musical-, Pop-Bearbeitungen

Rausschmeißer oder Zugabe

Meist stehen auf dem Programm zwischen 6 und 10 Werke – je nach Niveau des Orchesters (je höher das Niveau, desto weniger Werke stehen auf dem Programm).

Solange genügend Besucher zu den Konzerten die wir anbieten kommen, der Saal also voll besetzt ist, ist alles gut!

Gedanken sollte der Musikverein / das Blasorchester sich dann machen, wenn immer weniger Besucher kommen. Es ist ja nun mal so, dass wir nicht für uns selbst spielen, sondern im Normalfall für unser Publikum spielen. Unsere Konzertbesucher möchten wir mit unseren Darbietungen erfreuen. Um das Ganze mit einem Marketing-Begriff zu versehen: das ist unsere Zielgruppe, die allerdings nicht homogen ist.

Wer kommt zu unseren Konzerten? In erster Linie sind das Familie, Freunde, Kollegen und Bekannte der Musikerinnen und Musiker. Dann Menschen aus der Gemeinde, die eine bestimmte Funktion ausüben (Bürgermeister, Stadt-/Gemeinderäte, Pfarrer, Lehrer, usw.) und, wenn zum Beispiel Ehrungen anstehen, auch Funktionäre aus dem Blasmusikverband. Musikerinnen und Musiker anderer Musikvereine zählen natürlich auch zu den gern gesehenen Gästen. Hauptsächlich kommen jedoch Besucher die in einer persönlichen Beziehungen zu den Musikern auf der Bühne stehen.

Bleiben die Besucher aus müssen wir uns zunächst einmal fragen, welche Besucher sollen zu uns kommen? Und gleich anschließend, welche Art Event müssen wir veranstalten, damit diese kommen und letztendlich auch, was möchten diese Besucher, die wir gerne im Saal hätten, hören? Und da fangen die Konflikte natürlich schon an. Was dem Dirigent gefällt, gefällt nicht jedem Musiker und eventuell schon gar nicht dem Publikum. Wir Musiker sind bei interessanten, komplexen Werken gegenüber jedem Besucher immer im Vorteil: wir hatten viel länger Zeit, uns mit dem Werk zu beschäftigen, in der Regel haben wir es „verstanden“. Der Besucher hat nur eine einzige Chance das Werk zu hören. Bei diesem einmaligen Hören fällt dieser sein Urteil.

Viele verfallen der irrigen Annahme, dass man dann ja nur noch Werke spielen könnte, dessen Melodie der Zuhörer schon kennt. Überhaupt nicht. Aber vielleicht müssen wir dem Zuhörer bei konzertanten Originalwerken kleine Hilfestellungen geben. Eine humorige Ansage beispielsweise, in der eine Geschichte zum Werk erzählt wird (bitte keine Aufzählung der Lebensdaten des Komponisten und bitte auch keine Wiedergabe des Promotextes aus dem Verlagskatalog!). Eine Unterstützung mittels einer Bild- oder Videoproduktion. Durch einen Rezitator, durch Tänzer oder Akrobaten. Der Kreativität sind hier lediglich durch ein „zu viel“ von allem Grenzen gesetzt.

Um das Publikum zu begeistern reicht leider die Musik allein heutzutage nicht mehr aus. Vor allem nicht bei dem Publikum, das oben angesprochen wurde: Familie, Freunde, Bekannte und Kollegen.

Wollen wir vor allem Fachbesucher im Publikum sitzen haben sieht die Sache auch nochmals ganz anders aus. Da muß die Auswahl des Programmes mit hochwertiger Literatur und beste Qualität der Aufführung gewährleistet sein.

Aber bleiben wir beim üblichen Konzert eines durchschnittlichen Musikvereins. Wenn die Besucher aus bleiben, haben wir vier Möglichkeiten, unsere Veranstaltung attraktiver zu machen.

Möglichkeit 1: Motto- oder Themenkonzert

Themen- / Mottokonzerte
Gruppenarbeit “Themen- / Mottokonzerte” – Tagesworkshop beim KV Freudenstadt

Konzerte, die einem bestimmten Motto folgen, können sehr gut für ein in der Blasmusik nicht so bewandertes Publikum aufbereitet werden. Die Werbung kann optimal darauf abgestimmt werden, durch Dekoration des Konzertsaals, Moderation, Kostümierung der Musiker, besondere Einlagen und Überraschungen, usw. Die Gefahr bei einem Themenkonzert: ein musikalischer Einheitsbrei und zu viele visuelle Aspekte.

Es ist schon viel Kreativität und Repertoire-Wissen des Dirigenten nötig, um trotz Thema ein interessantes, abwechslungsreiches Programm zusammen zu stellen. Auch bei einem Motto- bzw. Themenkonzert ist es nicht schlecht, sich oben genanntem Schema zu bedienen. Leider liest man nicht selten Mottos wie „Magische Momente“, „Klänge, Skizzen, Impressionen“, „Kontraste“, „Reflektionen“, „Länder, Menschen, Abenteuer“. Die beliebtesten Themen „Musikalische Reise um die Welt“, gefolgt von „Filmmusik-Konzert“. Themen, bei dem man jedes Werk irgendwie passend machen kann. Naja. Ein bisschen mehr Kreativität ist schon gefragt.

Möglichkeit 2: Kooperationen

Kooperationskonzerte
Gruppenarbeit “Kooperationskonzerte” – Tagesworkshop KV Freudenstadt

Kooperationen bringen uns Menschen ins Publikum, die normalerweise nicht zu einem Blasorchesterkonzert kommen würden. Möglichkeiten, bei einem Konzert zu kooperieren gibt es sehr viele. Konzerte mit einem Chor, ein Doppelkonzert mit einem Sinfonieorchester, Akkordeonorchester, Gitarrenorchester, Gamelanorchester oder einer Rockband beispielsweise. Oder Kooperationen mit Kindergarten, Schule, Jugendzentrum, Musikschule. Eine Kooperation mit einer Tanzschule, die unser Konzert zu einer Tanzveranstaltung macht. Oder mit einer Ballettschule die bei dem ein oder anderen Werk tanzt. Die Möglichkeiten sind hier schier unbegrenzt, verlangen aber auch eine kreative Programmauswahl durch den Dirigenten.

Möglichkeit 3: Außergewöhnliche Orte

Konzerte an besonderen Orten
Gruppenarbeit “Konzerte an besonderen Orten” – Tagesworkshop KV Freudenstadt

Warum muß das Konzert immer in der Stadthalle, Gemeindesaal oder Kirche stattfinden? Wieso nicht einmal einen außergewöhnlichen Ort für das Konzert wählen und das Programm darauf abstimmen? Als Orte eignen sich: Werkshallen, Gärtnereien, Garagen eines Busunternehmens, andere Firmenstandorte, ein Steinbruch, ein Burginnenhof, eine Gedenkstätte, ein Kloster, usw. Auch hier gilt: eine gute Auswahl des Konzertprogramms, das zu der jeweiligen Umgebung passt.

Ein Motto-Konzert mit dem Thema „Musikalische Reise“, das bei einem Busunternehmen stattfindet, der zu jedem Werk noch die passende Reise vorstellt, wird dann zum runden Konzept.

Möglichkeit 4: Events mit Blasmusik

Events mit Blasmusik
Gruppenarbeit “Events mit Blasmusik” – Tagesworkshop KV Freudenstadt

Die vierte Möglichkeit ist, unser „Konzert“ nur als Beiwerk zu einer anderen Veranstaltung zu sehen. Ein Oktoberfest beispielsweise, bei dem nur Polka, Walzer, Marsch gespielt wird. Ein Kaffeeklatsch-Konzert am Sonntagnachmittag, bei dem das gesellige Beisammensein mit Musik im Vordergrund steht. Eine Kooperation mit einem Restaurant, das ein mehrgängiges Menü serviert und das Blasorchester zwischen den Gängen die passende Musik spielt. Usw. Bei dieser Art von Event können wir mit unserer Musik die Menschen so begeistern, dass sie dann auch beim folgenden Kirchenkonzert oder Jahreskonzert zu uns kommen.

Wer mehr zum Thema „Blasmusik mal anders“ wissen möchte: Der Blasmusikverband Hegau-Bodensee veranstaltet am 1. April 2017 einen Tagesworkshop, bei dem genau diese Themen besprochen werden.

Hier kannst Du den Beitrag in Deinen Sozialen Netzwerken teilen, Danke!
Alexandra Link

Alexandra Link

Musik ist ein sehr wichtiger Bestandteil meines Lebens. Musizierende Menschen zusammen zu bringen meine Leidenschaft.

4 thoughts on “Konzerte attraktiv gestalten

  • 21. März 2017 at 11:34
    Permalink

    “Um das Publikum zu begeistern reicht leider die Musik allein heutzutage nicht mehr aus. Vor allem nicht bei dem Publikum, das oben angesprochen wurde: Familie, Freunde, Bekannte und Kollegen.”
    Diesem Satz kann ich nur sehr bedingt zustimmen und schlage darum Möglichkeit 5 vor:

    Die musikalische Qualität des Orchesters erhöhen.
    Nach meiner Erfahrung kommen die Zuhörer gerne, wenn ein Orchester zum einen gut spielt, vor allem aber, wenn es über die Jahre immer besser wird. Dies wird vom breiten Publikum bemerkt und motiviert die Leute, zum Wiederkommen. Vor allem, wenn es sich um Familie, Freunde, Bekannte und Kollegen handelt.
    Durch die modernen Medien sind die Höransprüche gewachsen, da jeder jederzeit Zugang zu hervorragend gespielter Musik hat. Deshalb können auch nicht Musiker viel mehr als früher beurteilen , ob etwas gut gespielt ist und deshalb gut klingt oder nicht.

    Reply
  • Pingback: Finanzierung des „Unternehmens“ Musikverein – Blasmusik

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Keinen Beitrag auf dem Blasmusikblog.com verpassen!

Hinterlasse hier Deinen Namen und Deine Mail-Adresse und Du bekommst eine kurze Nachricht, sobald ein neuer Beitrag erschienen ist:

[mlw_quizmaster quiz=3]