Reise in die Erlebniswelt Musikinstrumentenbau

Tief beeindruckt und voller neuer Eindrücke bin ich letzten Sonntag aus dem Vogtland, genauer gesagt aus dem Musikwinkel Markneukirchen-Klingenthal zurückgekehrt. Als „blinder Passagier“ durfte ich eine Gruppe von 30 Tubisten des Deutschen Tuba Forums auf ihrer Reise durch die Musikinstrumentenwelt von Markneukirchen begleiten. Mit 30 tiefenentspannten und immer froh gelaunten Tubisten auf Tour zu gehen war ja an sich schon ein Erlebnis und ich habe vor dem Konzert am Samstag Nachmittag im Kurort Bad Elster tatsächlich noch nie ein Ensemble aus so vielen Tubisten gehört. Gehört ist in diesem Fall das falsche Wort, durch und durch gespürt trifft es schon eher…

Markneukirchen
Blick über Markneukirchen und die hügelige Landschaft des Vogtlandes

Doch jetzt erst einmal der Reihe nach. Im Einzugsgebiet von Markneukirchen und Klingenthal sind seit ungefähr 350 Jahren dutzende von Musikinstrumentenherstellern angesiedelt. Begonnen hat die Tradition mit Geigenbauern aus Böhmen, die aus Glaubensgründen aus ihrer Heimat fliehen mußten. Bald schon gründeten sie eine Geigenbauerinnung – der Beginn ganzer Generationen von Musikinstrumentenbauern für Streichinstrumente, Zupfinstrumente, später dann Handzug- und Blasinstrumente mit allen möglichen Zuliefer-Handwerksfirmen. Bei einem Streifzug durch Markneukirchen sieht man allerorten die berühmten Namen Meinel oder Meinl, Mönnig, Hammig – sogar die Bäcker, Buchhändler und Maler heißen so… Und viele Instrumentenmacher sind in den Bürgerhäusern im Ortskern zu finden zum Beispiel HSM – Hermann Schmidt Metallblasinstrumentenbau, Hammig Flötenbau oder die Firma Gebrüder Mönnig / Oscar Adler & Co, die in einer

Mönnig-Adler
Villa der Firma Mönnig – Adler Holzblasinstrumentenbau in Markneukirchen

wunderschönen Villa hoch über der Stadt ihre Produktionsstätte haben. Noch immer gibt es über 100 Instrumentenmacher im Musikwinkel, vom kleinen Ein-Mann-Betrieb über kleine und mittelständische Betriebe bis hin zur Musikinstrumentenindustrie. Und alle liefern seit alters her ihre Instrumente und das Zubehör in alle Welt.

Viele der im Vogtland ansässigen Musikinstrumenten- und Zubehörhersteller sind im Verein Musicon Valley – Erlebniswelt Musikinstrumentenbau organisiert, mit dem Ziel Musikerinnnen und Musiker ins Vogtland zu holen um mit diesen in Kontakt zu treten, mit ihnen zu „Fachsimpeln“, ihnen das Musikinstrumentenmacherhandwerk nahe zu bringen und natürlich – sehr wichtig! – für ihre Instrumente zu werben. Neben vielen anderen Aufgaben, wie zum Beispiel Fördergelder für Forschungsprojekte im Musikinstrumentenbau zu organisieren fungiert der Verein als „Reisebüro“ für Orchester aller Art. Sie organisieren Gruppenreisen von der Unterbringung über die für die Region typische Verpflegung, Besichtigungen von Instrumentenwerkstätten und Industriebetrieben, Museumsbesuchen bis hin zum Konzertauftritt im nahegelegenen Kurort Bad Elster. So eben auch die Reise der Mitglieder des Deutschen Tuba Forums, die ich (als Flötistin geduldet) begleiten durfte.

Markneukirchen B&S
B & S – Blechblasinstrumentenhersteller

Für die Tubisten stand am Freitag Abend nach der individuellen Anreise und einem deftigen Abendessen zuerst einmal eine erste und einzige gemeinsame Probe für das Konzert am Samstag Nachmittag an. Samstag früh um 8 Uhr ging die Sightseeing-Tour durch die Erlebniswelt Musikinstrumentenbau dann los. Erster Programmpunkt: die Besichtigung der B & S (Buffet Crampon-Gruppe), in der nicht nur die Metallblasinstrumente von B & S, sondern auch von Besson, Meister Hoyer, Courtois und Meister Scherzer gebaut werden. Der Werksleiter Carsten Göpf persönlich führte die Tuba-Gruppe (plus eine Flötistin) durch das große Werk. Er erklärte sehr anschaulich die Herstellungsweise eines Blechblasinstruments. Sehr viel Zeit verbrachten wir in der Schallstückfertigung – ein besonders wichtiges Instrumententeil. Regelrecht gelöchert wurde er durch die Tubisten mit fachspezifischen Fragen, die er als Markneukirchen B&S GöpfMetallblasinstrumentenmachermeister natürlich mit hoher Fachkompetenz hervorragend beantworten konnte. All zu viel möchte ich hier über die Besichtigung nicht berichten – bei der B & S haben wir so viel gesehen und erfahren, dass das ein eigener Blasmusikblogbeitrag wert ist. (Demnächst hier auf dem Blasmusikblog)

Nach dem Besuch der B & S stand eine weitere Blechblasinstrumentenfirma auf dem Programm: die Firma Jürgen Voigt Metallblasinstrumentenbau. Die Inhaberin Frau Kerstin Voigt begrüßte die Gruppe und führte persönlich durch ihre Firma. Zunächst hatte ich die Befürchtung, dass sich hier vieles wiederholt – Metallblasinstrumentenbau ist jedoch nicht gleich Metallblasinstrumentenbau. Bei der Firma Voigt steht das Handwerk und die

Markneukirchen Voigt Kerstin1
Bei der Firma Jürgen Voigt, Inhaberin Kerstin Vogt

handwerkliche Fertigung auch bei Spezial- und Sonderwünschen im Vordergrund. Als Metallblasinstrumentenmachermeisterin konnte Kerstin Vogt vieles zeigen. Zum Beispiel wie ein Rohr gebogen wird, wie ein Rohr gezogen wird oder wie Schallstücke und Bögen ausgebeult werden können. Leider war hier die Zeit viel zu kurz – alle waren von der Expertenkompetenz und dem Können von Kerstin Voigt fasziniert und begeistert.

Ein richtig uriges und musikalisch ausgestattetes Gasthaus war Ziel unserer kurzen Mittagspause: das Gasthaus Heiterer Blick. Ein Blick in dieses Gasthaus lohnt sich für jede Musikerin / jeden Musiker: es ist ausgestattet wie ein kleines

Gasthaus Heiterer Blick
Im Gasthaus Heiterer Blick

Museum. Überall an den Wänden Instrumente, Instrumentenzubehör – sogar die Deckenlampen bestehen aus Geigenkorpussen. Ich muß hier unbedingt erwähnen, dass der Wirt besonders gastfreundlich zu Musikern und das Essen bodenständig hervorragend ist!

Nach dem Essen machte sich die Gruppe auf nach Bad Elster zum Kurkonzert. Die Konzertbesucher staunten nicht schlecht: Normalerweise sind sie es gewohnt, dass hier Blasorchester, Akkordeonorchester, Streich- und Sinfonieorchester – die ganz oft auch als Gruppenreise des Musicon Valley unterwegs sind – konzertieren. Das Tubaensemble präsentierte launige Musik vom Star Wars Thema, über klassische Bearbeitungen bis hin zu Musicalbearbeitungen und zum Beispiel dem Muppet Show-Thema, das prompt als zweite Zugabe nochmals vom Publikum gewünscht wurde. Wolfram Krumme, der erste Vorsitzende des Deutschen Tuba

Bad Elster Konzert 1
Konzert des Tuba-Ensembles in Bad Elster

Forums – das im übrigen über 600 Mitglieder hat – führte mit Witz und Esprit durch das Programm. Seine Begeisterung für die Tuba, die alle Tubisten des Ensembles teilen, sprang sofort auf das Publikum in der Kunst-Wandelhalle Bad Elster über. Abends wurde der Erfolg natürlich ausgiebig gefeiert.

Markneukirchen Museum Frau Eichler
Museumsleiterin Frau Heidrun Eichler

Am Sonntag morgen um 10 Uhr begrüßte uns die Leiterin des Musikinstrumentenmuseums in Markneukirchen, Frau Heidrun Eichler und führte uns auch selbst durch das Museum. Die Tubisten waren alle natürlich schon sehr nervös und konnten es kaum erwarten, „Ilse“ zu treffen, die größte spielbare Tuba der Welt. Über 3.500 Exponate besitzt das Museum. Es wurde 1883 ursprünglich als Anschauungs-Museum für die Musikinstrumentenfirmen gegründet. Instrumente aus aller Welt sollten sie zu Neuentwicklungen inspirieren. Über dieses Museum kann so viel berichtet werden, dass auch das Musikinstrumentenmuseum demnächst einen eigenen Beitrag auf dem Blasmusikblog.com bekommt.

Markneukirchen Ilse
“Ilse” – die größte spielbare Tuba der Welt!

Ihr seht aus diesem Bericht über die Reise des Tuba Forums nach Markneukirchen schon, dass das Vogtland die ideale Destination für eine Musikvereinsreise ist. Es gibt so vieles in dieser Region zu sehen. Natürlich können neben der B & S und der Firma Jürgen Voigt auch Holzblasinstrumentenmacherwerkstätten bzw. –firmen besichtigt werden. Es gibt auch vieles zu sehen und zu erleben, was nichts mit Musik zu tun hat. Nicht weit von Markneukirchen liegt zum Beispiel Klingenthal mit der Vogtland-Arena und der dazugehörigen Skisprungschanze. Oder das Raumfahrtmuseum im Geburtsort des ersten deutschen Kosmonauten Dr. Siegmund Jähn in Morgenröthe-Rautenkranz. Die Mitarbeiter des Musicon

Raumfahreranzug
Raumfahreranzug in der Deutschen Raumfahrtausstellung

Valley können einiges organisieren und machen alle Wünsche der Vereine möglich. Ihr könnt auf Eurer Vereinsreise wie das Tuba Forum auch entweder am Samstag Nachmittag oder am Sonntag Morgen mit einem Konzert in Bad Elster Euren Ausflug krönen – dadurch dass Bad Elster ein Kurort mit Ganzjahresbetrieb ist, ist Publikum garantiert, Ihr müßt also nicht vor leerem Saal spielen.

Der Verein Musicon Valley belegt im großen Gebäude der Musikschule Markneukirchen ein ganzes Stockwerk. Neben den Büros wurden Schauwerkstätten eingerichtet. Es gibt eine Geigenbau-Werkstatt, eine Kontrabasswerkstatt und demnächst eine Blechblasinstrumentenwerkstatt. Mit Terminabsprache können diese besichtigt werden und ein jeweiliger Instrumentenbauer ist dann vor Ort und berichtet anschaulich über die Herstellung und Geschichte der Instrumente.

Also, wenn Ihr zufällig momentan über eine Reise Eures Musikvereins nachdenkt, sei Euch Markneukirchen sehr ans Herz gelegt. Garantieren kann ich Euch besondere musikalische Erlebnisse, sehr interessante Erkenntnisse über den Musikinstrumentenbau und eine hervorragende Betreuung und Organisation vor Ort.

Mein ganz persönlicher Dank für diese inspirierende Reise gilt der Projektleiterin Jacqueline

Frau Jacqueline Korb von Musicon Valley
Frau Jacqueline Korb von Musicon Valley

Korb, die sehr persönlich auf meine speziellen Wünsche einging und es zum Beispiel möglich machte, dass ich selbst noch die Herstellerfirma meines Piccolos Philip Hammig besuchen konnte und dass ich von Michael Lederer in seine Werkstatt für Alt- und Bassquerflöten eingeladen wurde. Über diesen Teil meiner Reise berichte ich auch demnächst noch ausführlich! (Auch auf Flötennoten.com)

Meine letzte Reise in das Vogtland war das sicherlich nicht! Zu vieles und zu viele Werkstätten interessieren mich noch und möchte ich auf jeden Fall noch sehen. Außerdem brauche ich für die Geschichte der einzelnen Instrumente noch viel mehr Zeit im Musikinstrumentenmuseum in Markneukirchen. Bei einem Mal durchgehen hat man wirklich nicht alles genau betrachten und alle Informationen aufnehmen können.

Zum Schluß hier noch die Kontaktdaten und die Homepage des Musicon Valley, auf der Ihr alle Informationen für Eure Musikvereinsreise bekommt. Frau Korb vom Musicon Valley freut sich ganz bestimmt über Euren Anruf und Eure unverbindliche Anfrage und kümmert sich hervorragend um alle Eure Wünsche.

Erlebniswelt Musikinstrumentenbau®
Musicon Valley® e.V.

Johann-Sebastian-Bach-Straße 13
D-08258 Markneukirchen

+49 (0) 37422 402940
erlebniswelt@musiconvalley.de

Hier noch eine kleine Foto-Galerie:

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Musik ist ein sehr wichtiger Bestandteil meines Lebens. Musizierende Menschen zusammen zu bringen meine Leidenschaft.

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