Über den Stellenwert von passiven Mitgliedern für Musikvereine

Passive Mitglieder finden und binden

Passive Mitglieder tragen maßgeblich zur Finanzierung des Musikvereins bei. Leider ist bei vielen Musikvereinen jedoch der einzige Kontakt zum Fördermitglied das jährliche Abbuchen des Mitgliedbeitrags.

Beschäftigen wir uns zunächst mit dem Finden neuer passiver Mitglieder. Die Frage die hierbei im Vordergrund steht ist: „Was hat ein potentielles passives Mitglied von der Mitgliedschaft?“

Was der Musikverein von ihm will ist klar: den jährlichen Mitgliedsbeitrag. Schön wäre es, wenn alle passiven Mitglieder auch noch die Veranstaltungen des Musikvereins besuchen und am besten noch bei den außermusikalischen Aktivitäten, wie zum Beispiel beim Hock bzw. Straßenfest helfen. Ganz schön viel verlangt.

Passive Mitglieder sind unsere besten Kunden

Was hat nun aber das potentiell zukünftige Fördermitglied von einer Mitgliedschaft im Musikverein?

Fangen wir zunächst damit an, unsere passiven Mitglieder als unsere beste Kunden zu sehen und nicht als selbstlose Geldgeber.

Wer sich für eine passive Mitgliedschaft entscheidet, hat schon einmal eine Nähe zum Verein. An uns selbst liegt es, unsere Fördermitglieder nicht nur zu unseren besten Kunden zu machen, sondern zu unseren „Fans“. Zu einer guten Kundenbeziehung in diesem Sinne gehört einerseits eine umfassende Informationspolitik. Eine schriftliche Einladung zu allen Veranstaltungen des Musikvereins sollte Standard sein und beim Jahreskonzert der Einladung eine Freikarte beizulegen ebenso. Ab einem bestimmten Alter bei runden Geburtstagen zu spielen wird in den meisten Musikvereinen gepflegt. Eine Geburtstagskarte bei allen anderen Geburtstagen ist eine kleine Aufmerksamkeit mit großer Wirkung. Selbstverständlich sollte ebenso die Einbeziehung der passiven Mitglieder in alle Aktivitäten des Musikverein sein. Die persönliche Ansprache und ein regelmäßiger Austausch mit den passiven Mitgliedern ist sehr wichtig, die zwischenmenschliche Komponente nicht zu unterschätzen. Hierzu ist es auch notwendig, dass zumindest die Vorstandschaft die passiven Mitglieder persönlich kennt. Um die Vorstandschaft zu entlasten kann ein Team „Mitgliederbetreuung“ eingesetzt werden, das hauptsächlich die Aufgabe hat, Kontakt zu den passiven Mitgliedern zu pflegen und wichtige Termine wie Geburtstage, Hochzeitstage usw. zu überwachen.

Mögliche Argumente für eine passive Mitgliedschaft können sein:

  • Unterstützung des kulturellen Angebots innerhalb der Gemeinde
  • Unterstützung der musikalischen Ausbildung von Kindern und Jugendlichen („Musikalisierung“)

Und ganz handfest, wie bereits weiter oben beschrieben

  • Newsletter mit allen Informationen rund um den Musikverein
  • Persönliche Einladung zu allen Konzerten und Veranstaltungen
  • Eine Freikarte zum Jahreskonzert (möglicherweise mit einem Gutschein für 1 Glas Sekt)
  • Glückwunschkarte zum Geburtstag
  • Ständerle zu runden Geburtstagen (genau festgelegt, z. B. 70, 75, 80, usw.) und anderen wichtigen Familienfeierlichkeiten in Absprache bzw. zum Sonderpreis

Über eine musikalische Umrahmung der Trauerfeier spricht man natürlich nicht gern. Es ist fraglich, ob das bei einer Mitgliederwerbung kommuniziert werden soll. Jedoch sollten genaue Regeln bestehen, wie mit dem Begräbnis eines passiven Mitglieds umgegangen wird. Ist es beispielsweise üblich, dass der komplette Musikverein spielt, dann muß das auch bei jedem Mitglied so beibehalten werden. Da dies immer schwieriger wird kann eine Regel auch sein, dass einmal im Jahr ein ökumenischer Gottesdienst vom Musikverein umrahmt wird, in dem aller verstorbener Mitglieder gedacht wird. Welche Variante der Musikverein auch wählt, es muß besonders bei diesem heiklen Thema klar kommuniziert werden.

Die Vorteile, die ein Musikverein einem passiven Mitglied bietet, können je nach Gepflogenheiten von Ort zu Ort unterschiedlich sein. Es hängt auch mit der Anzahl und der Art der Veranstaltungen ab. Wichtig ist, dass die Vorteile klar formuliert werden.

Wie finden wir neue passive Mitglieder?

Zunächst einmal ist es völlig legitim, Eltern von Musikern in Ausbildung zu einer passiven Mitgliedschaft zu verpflichten. In der Regel wird der Instrumentalunterricht komplett durch die Eltern finanziert, aber die Kosten für Vororchester oder Jugendkapelle trägt der Verein allein. Hierzu gehören die Verpflichtung eines Dirigenten, die Beschaffung von Noten und Zubehör und vielerorts auch die Instrumente und deren Unterhalt. Vorteile für ihre Kinder die durch eine Mitgliedschaft minimal honoriert werden.

Dass ein Verein neue Mitglieder sucht, sollte ständig mit entsprechenden Mitteln kommuniziert werden. Durch einen jährlichen Beitrag in den örtlichen Medien beispielsweise. Oder durch den Abdruck der Beitrittserklärung in den Konzertprogrammen. Auch ein Imageflyer, in dem die Vorteile einer Mitgliedschaft kommuniziert werden, ist hilfreich. Alle Informationen und die Beitrittserklärung sollen auch auf der Vereinshomepage zu finden sein.

Die beste Methode jedoch ist, mit potentiellen Fördermitgliedern persönlich zu sprechen. Dies ist wiederum nicht allein die Aufgabe der Vorstandschaft, sondern von allen Musikerinnen und Musiker im Musikverein. Ein jährlicher kleiner Wettbewerb unter den Aktiven ist vielleicht eine gute Idee: wer innerhalb einer bestimmten Zeit die meisten Mitglieder wirbt, gewinnt beispielsweise einen Gutschein in einem örtlichen Restaurant. Meist hilft es aber schon die Notwendigkeit mit den Aktiven regelmäßig zu kommunizieren.

Zusammenfassend ist zu sagen, schafft einen Mehrwert für passive Mitglieder, kommuniziert die Vorteile einer Mitgliedschaft, behandelt Eure Fördermitglied wie Ihr Eure besten Kunden behandeln würdet und schafft jährliche Routinen der Mitgliederwerbung.

 

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Musik ist ein sehr wichtiger Bestandteil meines Lebens. Musizierende Menschen zusammen zu bringen meine Leidenschaft.

2 thoughts on “Über den Stellenwert von passiven Mitgliedern für Musikvereine

  • Pingback: Wie interne Kommunikation im Musikverein gelingt! – Blasmusik

  • 28. November 2017 at 13:27
    Permalink

    Naja, wenn man anfängt jedem passiven Mitglied eine Freikarte beizulegen, kommt ja beim Konzert gar nichts mehr rein bzw. die Karte frisst gleich mal 50-80% vom Mitgliedsbeitrag auf.
    Und wenn für “Mitgliederbetreuung” zu viel Geld ausgegeben wird, klopft ganz schnell das Finanzamt an, denn wenn man mehr für Mitglieder ausgibt als durch Beiträge reinkommt ist die Anerkennung der Gemeinnützigkeit gefährdet.

    Reply

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