Monday, October 5, 2026
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Dirigeren ohne Machtspiel: Umgang mit Widerstand oder Infragestellung

Round-Up zum Thema Dirigieren ohne Machtspiel – wie gelingt dirigentische Führung auf Augenhöhe?

Im fünften Round-Up-Beitrag lest Ihr die Antworten zur Frage: „Wie gehst Du mit Widerstand oder Infragestellung Deiner Entscheidungen um?“

Herzlichen Dank an die vier Dirigenten Stefan Klein, Gregor Kovacic, Daniel Niederegger und David Schöpf für ihre wertvollen Antworten!

Stefan Klein

Stefan Klein
Stefan Klein

Stefan Klein dirigiert die Musikfreunde Fidelia Wormersdorf und ist Hornist im Musikkorps der Bundeswehr

Kommunikation! Häufig können Missverständnisse schnell aus dem Weg geräumt werden,

wenn man miteinander redet. Häufig ist eine frühzeitige und umfassende Kommunikation die Lösung vieler Probleme bzw. lässt die gar nicht erst entstehen.

Gregor Kovacic

Gregor Kovacic
Gregor Kovacic

Gregor Kovacic ist Dirigent Salzburger Landesblasorchesters, der Kammerharmonie Salzburg, des Blasorchesters Ravne (Pihalni orkester Železarjev Ravne, Slowenien) und des Blasorchesters Loibach (JTK Loibach, Kärnten). Er ist Autor des Buches Dirigieren oder Dirigiert werden.

Wenn jemand eine andere Meinung als ich hat, sehe ich das nicht als Widerstand, sondern als Ausdruck von Engagement und Eigenverantwortung. Natürlich ist es nicht immer einfach, Kritik oder Widerspruch zu hören – das gehört zu unserer menschlichen Natur. Aber im Laufe der Jahre habe ich gelernt, solche Momente nicht als Bedrohung, sondern als Chance für meine eigene wachsen zu betrachten.

Jede Infragestellung meiner Entscheidungen zwingt mich, ehrlich auf mich selbst zu schauen: Warum fühle ich so wie ich mich fühle? Könnte es auch anders sein und wie? Diese Fragen sind wertvoll, weil sie mich dazu bringen, bewusster und reflektierter zu handeln. Ich versuche, jede Bemerkung oder jedes Gegenargument als eine Art Lektion leise zu verstehen – nicht als Kritik im negativen Sinn, sondern als Möglichkeit, zu wachsen und meine Perspektive zu beiken. Am Ende geht es nicht darum, recht zu haben, sondern gemeinsam der Musik zu dienen. Und wenn dieser Gedanke im Mittelpunkt bleibt, wird aus „Widerstand“ meist ein fruchtbarer Dialog.

Daniel Niederegger

Daniel Niederegger
Daniel Niederegger

Daniel Niederegger ist Dirigent der Stadtmusikkapelle Amras (AT), der Musikkapelle St. Johann im Ahrntal (IT/Südtirol) und der Brass Band Pustertal (IT/Südtirol)

Widerstand ist für mich kein Problem, sondern ein Hinweis auf Gesprächsbedarf. Ich versuche zunächst zu verstehen: Was steckt dahinter? Oft lösen sich Spannungen bereits durch Transparenz über Hintergründe und Entscheidungen.

Gleichzeitig braucht es einen Punkt, an dem eine Entscheidung steht – und dann wird sie gemeinsam getragen. Führung bedeutet für mich Haltung zeigen, nicht Recht haben.

Wenn Menschen sich verstanden fühlen, entsteht Akzeptanz statt Widerstand.

Fazit

Musikalische Leitung ist heute weit mehr als das Geben des Takts. Sie ist Beziehungsarbeit, Kommunikationsarbeit und Kulturarbeit. Führung auf Augenhöhe, klare Strukturen, gelebte Eigenverantwortung und ein wertschätzender Umgang schaffen die Bedingungen, unter denen musikalische Qualität erst richtig wachsen kann.

David Schöpf

David Schöpf
David Schöpf

David Schöpf dirigiert die Stadtkapelle Illertissen, die Musikkapelle Opfenbach, den Musikverein Lamerdingen, den Musikverein Mattsies sowie die Bezirksjugendblasorchester ASM Bezirk 5 Kaufbeuren und  ASM Bezirk 7 Lindau. Außerdem die Schwäbische Jugend Brass Band. 

Hier kommt es ganz darauf an, um welche Entscheidungen es geht. Bei terminlichen oder strukturellen Entscheidungen binde ich den Verein oder die Vorstandschaft immer mit ein und lasse dadurch erst keinen Widerstand aufkommen. Langfristige Entscheidungen, in welche Richtung sich der Verein entwickeln möchte oder welche Wettbewerbe in der Zukunft gespielt werden, treffe ich auch nicht allein, sondern immer im Team. Natürlich habe ich meine Vorstellung, in welche Richtung sich entwickelt werden sollte, das gleiche ich aber ab, bevor ich eine Stelle bei einem Orchester antrete. Transparenz ist hier wieder das Zauberwort. Wenn sich erst im Nachhinein rausstellt, wohin sich das Orchester entwickeln will, kann ein großes Konfliktpotential entstehen von Seiten des Vereins, aber auch des Dirigenten.

Bei musikalischen Entscheidungen, bei denen ich immer allein agiere – bis auf das Feedback der Satzführer oder Vorstandschaft zu meiner Stückauswahl –, versuche ich erstmal auf die MusikerInnen zuzugehen und den Konflikt direkt anzusprechen, falls es einen geben sollte. Meist steckt mehr dahinter als nur Unmut über eine musikalische Entscheidung, sondern es ist oft auch ein persönlicher Konflikt, der gar nicht um den Dirigenten, den Verein oder einzelne Entscheidungen geht.
Sollte sich dann herausstellen, dass es wirklich um musikalische Entscheidungen geht, die den Unmut schüren, versuche ich zu erklären, warum ich diese getroffen habe und was ich damit beabsichtige. Meinem Weg bleibe ich aber treu. Diese Gespräche führe ich ausschließlich nach oder vor der Probe, da diese nicht für Gespräche da ist, die auch mal länger dauern können.
Ich habe mit dieser Methode nur gute Erfahrungen gemacht. Auch wenn MusikerInnen manchmal etwas Zeit brauchen, Dinge zu verstehen, oder erst einen Erfolg, z.B. im Konzert, brauchen, um die Entscheidung zu befürworten. Damit konnte ich von meinen ca. 250 MusikerInnen, die ich wöchentlich sehe, alle bis auf einen, immer überzeugen. Und manchmal ist es auch egal was man macht – es menschelt ja überall. Also nicht zu schnell nervös werden, mit den Leuten reden und auf die eigenen Fähigkeiten vertrauen ist für mich als junger Dirigent bisher der beste Weg gewesen.

Übersicht über das fünfteilige Round-Up zum Thema Dirigieren ohne Machtspiel – wie gelingt dirigentische Führung auf Augenhöhe?:

Dirigieren ohne Machtspiel: Führung auf Augenhöhe
Dirigieren ohne Machtspiel: Eigenverantwortung des Orchesters
Dirigieren ohne Machtspiel: Grenzen der Eigenverantwortung
Dirigieren ohne Machtspiel: Partizipation im musikalischen Entscheidungsprozess
Dirigieren ohne Machtspiel: Umgang mit Widerstand oder Infragestellung

Alexandra Link

Musik ist ein sehr wichtiger Bestandteil meines Lebens. Musizierende Menschen zusammen zu bringen meine Leidenschaft.

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