Thursday, September 17, 2026
Otto M. SchwarzSinfonischWerke

Blasorchesterrepertoire: 6 Komponist:innen, die eine Entdeckung wert sind

Neue Werke aus dem Verlag Symphonic Dimensions Publishing

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Symphonic Dimensions Publishing ist gerade mal 6 Jahre alt und in dieser kurzen Zeit bereits zu einem der Hauptakteure in der Blasmusikverlagswelt geworden. Der Gründer und Inhaber, Otto M. Schwarz, setzte von Anfang an auf junge Komponisten. Und was er diesen bietet, sucht in der Blasmusikverlagswelt seinesgleichen. Er sorgt nicht nur für einwandfreie, grafisch ansprechende Gestaltung der Ausgaben, sondern auch dafür, dass jedes Werk auf bestmögliche Weise, in der Regel mit professionellen oder semiprofessionellen Blasorchestern wie z. B. der JWF KMK, der Musiqe Militaire Grand-Ducal Luxemburg, der Militärmusik Niederösterreich und anderen eingespielt wird. Wer Otto M. Schwarz auch nur ein wenig kennt der weiß, dass er sehr penibel, akkurat und viel arbeitet. Für ihn gibt es immer nur ganz oder gar nicht. Das kommt allen Ausgaben bzw. Werken, die in seinem Verlag erscheinen, zugute. Nicht nur seinen eigenen! Ich durfte das schon oft selbst erleben, „seine“ Komponisten sind wie eine Familie; der Zusammenhalt unter den Komponisten ist nicht nur kollegial, sondern freundschaftlich. Im Prinzip ganz so, wie ich es aus meiner De-Haske-Zeit (1996-2012) kenne.

In diesem Beitrag stelle ich Euch sechs entdeckenswerte Komponist:innen vor, die Ihr eventuell schon kennt… aber eventuell auch noch nicht. Falls noch nicht: Kommt mit mir auf Entdeckungsreise und lernt Susanne Zabl, Matthias K. Weber, Georges Sadeler, François Rousselot, Tim Kleren und Andreas Ziegelbäck bzw. ihre neuesten Werke kennen. Zum Schluss stelle ich Euch noch die zwei neuesten Werke des Meisters selbst vor.

Susanne Zabl (*1979)

Susanne Zabl
Susanne Zabl

Habt Ihr schon einmal große Blechtonnen auf der Bühne in Szene gesetzt? Nun, wenn Donner, dann richtig, dachte sich Susanne Zabl und lässt genau mit diesen das Donnerwetter im Konzertsaal hör- und spürbar werden. Steel Thunder heißt ihr Werk. Und in diesem Werk lässt sie laut, rastlos und kraftvoll die Atmosphäre einer Großbaustelle aufleben. Innenstadtverdichtung. Industriegebietbebauung. Autobahnverbreiterung. Lebens- und Arbeitsraumerweiterung für die Menschen. Doch wo bleibt die Natur? Nachdenklich erklingt das Vibraphon. Der sogenannte Fortschritt ist jedoch nicht aufzuhalten. Somit ist Steel Thunder einerseits ein mitreißendes Werk, aber eines, das sehr zum Nachdenken anregt.

Die Oberösterreicherin Susanne Zabl ist ausgebildete Dirigentin und nahm bei verschiedenen Komponisten Unterricht. Durch ihre Arbeit als Notensetzerin für viele Komponisten und Musikverlage gehen bei ihr sehr viele Kompositionen durch „die Finger“. Auch durch diese Tätigkeit, die sie bereits seit mehr als 20 Jahre für viele Komponisten und Musikverlage ausübt, schulte sie ihr Gespür für Orchestrierung und Instrumentation.

Steel Thunder | Grad 4,5 | 7:18
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Matthias K. Weber (*1994)

Matthias K. Weber
Matthias K. Weber

Tontechniker, Musiker und Komponist in fließenden Übergängen. Jazz und Popularmusik sind seine ersten Lieben. Während seiner Zeit bei der Militärmusik Niederösterreich erwachte bei ihm jedoch auch das Interesse am Klangkörper eines Sinfonischen Blasorchesters.

Zwei seiner neuesten Werke möchte ich Euch stellvertretend für sein Schaffen in diesem Beitrag vorstellen. Mit Echoes of the Horizon legt er einen großartigen Konzertopener vor.

Doch der wahre Hit im Reigen der neuen Produktionen von Symphonic Dimensions ist sein Ritmo de la Noche. Musik, die keinen still sitzen lässt. Ich möchte schon fast schreiben, das ist eine g…e Nummer… So cool! Und Euren Startrompeter könnt Ihr auch noch in Szene setzen. Überzeugt Euch und hört Euch das Teil hier an:

Ich bin schon sehr gespannt, was wir weiter mit Matthias in musikalischer Hinsicht erleben werden…

Echoes of the Horizon | Grad 4 | 3:03
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Ritmo de la Noche | Grad 3,5 | 4:10
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Georges Sadeler (*1988)

Georges Sadeler
Georges Sadeler

Der Luxemburger Georges Sadeler gehört zusammen mit Andreas Ziegelbäck in der Komponistenrunde zu den jetzt schon in weiten Kreisen bekannten Komponisten. Wer sich von Euch noch nie mit seinen Kompositionen beschäftigt hat, dem rate ich dringend, das nun jetzt sofort nachzuholen.

Obwohl ein – vergleichsweise – noch sehr junger Komponist, erhält Georges Sadeler schon jetzt sehr viele Aufträge für Kompositionen. Von Georges – übrigens ein Schüler von Marco Pütz – stelle ich insgesamt vier neue Werke vor.

Landscapes ist ein Auftragswerk von drei Musikvereinen aus Luxemburg, die ein gemeinsames Konzert mit über 100 Musikanten gespielt haben. Die Idee war, jedes Dorf in einem Teil zu beschreiben. Da jedoch 3 Minuten pro Teil nicht für eine ganze Geschichte reichen, hat sich Georges je ein Landschaftsbild aus jedem Dorf erwählt: die alte Burg aus Fels (auch Burg Larochette genannt), den schönsten Wald in Luxemburg im Müllerthal, genannt “die luxemburgische Schweiz”, und den alten Bahnhof aus Medernach, wo früher ein bekannter Zug namens “Jangeli” durchgefahren ist. Und da diese Landschaften durchaus universell sind, sprechen sie schon jetzt viele andere Musikvereine an.

Zu Fantasy of Five German Folk Songs gibt es eine interessante Entstehungsgeschichte. Ich habe mich gewundert, dass Georges die alten Volkslieder Kein schöner Land, Der Mond ist aufgegangen, Ännchen von Tharau, Die Gedanken sind frei und Guten Abend, gut‘ Nacht kennt, deshalb habe ich bei ihm nachgefragt. Die Auswahl stammt von Daniel Ridder, den viele von Euch als Tubist des Musikkorps der Bundeswehr kennen. Er wünschte sich diese Lieder von Georges Sadeler in einer Fassung für Tuba und Klavier. Während die „Urfassung“ momentan nur Daniel vorbehalten ist, dürfen die Blasorchester ihre „Fassung“ schon spielen!
Diese Volkslieder sind altmodisch. Und doch haben sie, wenn wir die Texte studieren, noch sehr viel Aktualität. Georges Sadeler schreibt dazu: „Diese Lieder singen von Natur, Krieg, Freiheit, Wahrheit, Trost, Liebe, Ruhe und vieles mehr. All das ist (leider) sehr aktuell. Auch wenn die Texte nicht mehr zu 100 Prozent zeitgemäß sind, so ist die Essenz im Text immer noch richtig und wichtig. Und genau damit habe ich gearbeitet, ich wollte die Lieder musikalisch neu interpretieren und nicht nur ein Arrangement machen. Zum Beispiel: bei Die Gedanken sind frei soll das Publikum einfach 3 Minuten zum Tagträumen bekommen. Die Zuhörer sollen sich ihre eigenen freien Gedanken machen. Der Mond ist aufgegangen ist kein zuckersüßes Kinderlied mehr, sondern spielt zwischen Wissen und Unwissen. Also allgemein habe ich zwar die Melodie jedes Mal beachtet, mich jedoch melodisch und vor allem harmonisch davon gelöst und es der Stimmung und Nachricht des Textes angepasst. 

Guten Abend Gute Nacht ist quasi eine persönliche Interpretation, denn man könnte ja denken, dass die Kinder abends müde sind und bei einem schönen ruhigen Schlaflied schlafen sollten. Doch oft kommt abends vor dem Schlafengehen nochmal die Restenergie der Kinder heraus bis sie dann doch irgendwann ohne Kraft in den Schlaf fallen.

Das Publikum soll die Texte differenziert und kritisch vor Augen haben. Sonst könnte man enttäuscht werden, wenn man nur fröhliche Arrangements erwartet. Geheimtipp: Die Texte vor jedem Teil vorlesen, so kann das Publikum sich noch besser hineinversetzen.“

Mit Shadows of Steel greift nach Susanne Zabl auch Georges Sadeler das Thema der Schattenseiten der Industrialisierung auf. Ganz speziell den Niedergang der Stahlindustrie in Belgien. Wir könnten hier jedoch auch an die Industriegeschichte des Saarlandes oder des Ruhrgebiets denken.

Shadows of Steel ist ein Auftrag der Feuerwehrkapelle der belgischen Stadt Althus. Althus ist, wie viele andere Städte auch, durch die Stahlindustrie extrem schnell gewachsen. Nach der Schließung des Stahlwerks wurde sie in eine Art Geisterstadt verwandelt. Was geschah mit den Menschen, den Arbeitern, der Landschaft und was geschieht letztendlich mit den Industriebauten? Shadows of Steel kann einen zum Nachdenken bringen.

Im Jahr 2025 stand im Großherzogtum Luxemburg ein Thronwechsel an. Dafür sollte es einen neuen Marsch geben und ein Kompositionswettbewerb wurde dafür ausgeschrieben. Große Freude für Georges Sadeler, der diesen Wettbewerb gewann. Er schreibt selbst dazu:

„Die Bedeutung des Marche Grand-Duc Guillaume ist schon sehr speziell für mich. Einen Marsch zu schreiben der unserem neuen Großherzog gewidmet wurde und jedes Mal bei seiner Präsenz bei Militärparaden aufgeführt wird, erfüllt mich schon sehr mit Stolz.

Da es ein Kompositionswettbewerb war, der von einer Jury und Publikum entschieden wurde, musste ich viel musikalische Recherche machen und mir klar werden, was ich ausdrücken will. Luxemburgische Märsche haben eigene Klangfarben und Muster, die ich unbedingt weiterführen wollte. Der Marsch sollte dann auch in meinen Augen kraftvoll klingen und doch volksnah sein, mit einem leicht einprägsamen Thema. Darum ist es dann auch die eher traditionelle Klangsprache geworden.“

Landscapes | Grad 2,5 | 10:00
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Fantasy of Five German Folksongs | Grade 4,5 | 11:47
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Shadows of Steel | Grad 4 | 9:22
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Marche Grand-Duc Guillaume | Grad 4 | 5:00
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François Rousselot (*1984)

François Rousselot
François Rousselot

Der französische Komponist François Rousselot stammt gebürtig aus Colmar im Elsass. Während in Frankreich seine Werke in sehr vielen Konzertprogrammen der Blasorchester schon lange Zeit zu finden sind, ist er im deutschsprachigen Europa tatsächlich eine echte Neuentdeckung. Gleich drei neue Werke legt er vor, die ich Euch hier gerne vorstellen möchte.

Hinter The Adventure of a Tin Soldier steckt sehr viel mehr Tragik als man zunächst vermuten würde. Gewidmet ist das Werk dem französischen Militärarzt Alban Gervaise, der in Marseille, als er seine Kinder morgens in die Schule gebracht hat, mit mehreren Messerstichen von einem vermeintlich psychisch Kranken ermordet wurde. François Rousselot steht in einem freundschaftlichen Verhältnis zur Familie des Ermordeten. Metaphorisch steht der Zinnsoldat für unbeirrbare Treue, Pflichtbewusstsein, Standhaftigkeit, treues Ausharren und eine stoische Haltung in widrigen Umständen. Geprägt wurde diese Vorstellung vor allem durch das Märchen Der standhafte Zinnsoldat von Hans Christian Andersen. The Adventure of a Tin Soldier ist einerseits ein Ventil der Empörung, andererseits aber auch eine Hommage an einen verdienten Menschen, der tragisch dem Leben und seiner Frau sowie seinen drei Kindern entrissen wurde.

Die Geschichte von Dracula muss nicht erklärt werden – wir alle kennen sie durch den Vampirroman von Bram Stoker sowie unzähligen Filmen, die auf diesem Buch basieren. Stoff für eine düstere, furchterregende, aufregende, aber auch melancholische Komposition, die François Rousselot hier vorlegt:

Dem Thema entsprechend klingt Galaxy von Françoise Rousselot sehr viel abstrakter als die beiden zuvor vorgestellten Werke. Beim Hören habe ich vermutet, dass François ein Sternengucker ist… dem ist aber nicht so. Ihn persönlich fasziniert am Weltraum und an fernen Galaxien die unendliche Weite, die der Fantasie freien Lauf lässt. Schließlich wissen wir alle nicht so genau, was sich in den fernen Galaxien verbirgt….

The Adventure of a Tin Soldier | Grad 3,5 | 7:43
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Dracula | Grad 4 | 8:31
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Galaxy | Grad 4 | 10:11
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Tim Kleren (*1982)

Tim Kleren
Tim Kleren

Der Luxemburger Tim Kleren ist ein Musikkollege von Georges Sadeler. Sie spielen beide in der Musique Militaire Grand-Ducal Luxemburg unter der Leitung von Jean-Claude Braun. Auch Tim war für Orchestrierung und Instrumentation ein Schüler von Marco Pütz. Tim Kleren hält außerdem einen Master für Blasorchesterdirektion, den er bei Jan Cober in Maastricht erworben hat, inne. Beste Voraussetzungen für hervorragende Kompositionen! Von Tim stelle ich Euch in diesem Beitrag zwei davon vor:

Der Konzertmarsch Unity for Freedom ist für Euch genau die richtige Wahl, wenn ihr einen grandiosen, aber auch harmonischen Konzertopener sucht! Der festliche Ausdruck des Konzertmarsches kommt nicht zuletzt aus dem 6/8-Takt. Verarbeitet ist am Ende des Marsches die Hymne der großherzoglichen Familie, „De Wilhelmus“. Diese wird immer bei Auftritten des Großherzogs und seiner Familie gespielt.

Intonation, Rhythmus und Zusammenspiel sind die wichtigsten Kriterien in Wettbewerben und Wertungsspielen für Blasorchester. Damit ein Orchester genau in diesen Bereichen seine Stärken beweisen kann, ist The Epic Rise entstanden. Die Musikerinnen und Musiker sollen sich aber damit nicht nur für einen Wettbewerb vorbereiten, sondern beim Einstudieren an und mit dieser Musik wachsen. The Epic Rise ist jedoch weit mehr als nur pädagogische Musik: Es wird als zentrales Werk im ersten Konzertteil Eures Blasorchesters für Begeisterung bei Musiker:innen und Publikum sorgen.

Unity for Freedom | Grad 3,5 | 4:18
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The Epic Rise | Grad 3,5 | 6:29
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Andreas Ziegelbäck (*1997)

Andreas Ziegelbäck
Andreas Ziegelbäck

Bei Andreas Ziegelbäck möchte ich beinahe schreiben: das Beste kommt zum Schluss. Das wäre aber für alle anderen in diesem Beitrag nicht sehr fair, denn alle hier vorgestellten Komponist:innen werden ihren eigenen Weg in die Konzertprogramme der Blasorchester finden. Warum? Weil sie gut sind. Und doch: als ich die neuen Werke von Andreas Ziegelbäck gehört habe, war ich extrem begeistert. Eine enorme Entwicklung, die dieser junge Kerl (Jahrgang 1997!) seit seinen Erstlings-Werken hingelegt hat. Mittlerweile hat er sein Kompositionsstudium in Bern bei Oliver Waespi abgeschlossen. Die zwei Jahre, die der Österreicher Andreas Ziegelbäck an der Hochschule der Künste in Bern (HKB) verbracht hat, waren eine fruchtbar investierte Zeit. Genug der Worte. Seine neue Musik – oder zumindest eine Auswahl davon:

Lament of Peace hörte ich bei der österreichischen Erstaufführung durch das Sinfonische Jugendblasorchester Oberösterreich unter der Leitung von Sandro Blank beim oberösterreichischen Dirigententag im Februar 2026 in Marchtrenk. Sandro Blank war an der HKB u. a. der Dirigierlehrer von Andreas Ziegelbäck. Bereits beim ersten Hören war ich begeistert. Ein Werk in ganz eigener Klangsprache, das jedoch im Mittelteil von einer großen Melodie geprägt ist. Thematisch basiert das Werk auf dem gleichnamigen Text von Erasmus von Rotterdam (Die Klage des Friedens). Obwohl bereits über 500 Jahre alt, enthält dieses Schriftstück so viele Botschaften und Mahnungen, die man auch auf heutige politische und gesellschaftliche Situationen und Konflikte anwenden kann.

Ich habe Andreas gefragt, wie er überhaupt auf diesen Text gekommen ist. Seine Antwort: „Ganz generell muss ich sagen, dass mich das Thema Krieg(e) und auch der Umstand, dass Eroberung wieder mehr und mehr ein vermeintlich probates politisches Mittel wird, als historisch und politisch interessierter Mensch sehr beschäftigt. Ich habe als Lehramtsstudium auch Geschichte studiert und dabei ist mir als junger Student erstmals der Name Erasmus von Rotterdam als Vertreter des Humanismus der Renaissance untergekommen. Als ich mit den Arbeiten an meiner Komposition begonnen habe, war mir klar, dass ich ein großes Werk schaffen möchte, dass sich mit dem Thema Krieg auseinandersetzt, aber am Ende trotzdem eine hoffnungsvolle Musik und auch Botschaft in sich trägt. Dabei kam ich mit meinen Gedanken wieder zum Humanismus der Renaissance, der ebenfalls von einem positiven Menschenbild geprägt ist. Ich stieß dann in alten Unterlagen aus meiner Studienzeit auf Erasmus von Rotterdam und auf seine Schrift Die Klage des Friedens. Ich war fasziniert, wie viele Parallelen man daraus auf die heutige Zeit ableiten konnte. Dieses Schriftstück ist über 500 Jahre alt und enthält so viele Botschaften und Mahnungen, die man auch auf heutige politische und gesellschaftliche Situationen und Konflikte anwenden kann. Und dennoch ist Die Klage des Friedens ein optimistischer Versuch an die Menschen beziehungsweise politischen Kräfte zu appellieren. Einerseits mitzuerleben, dass auf der Welt wieder mehr und mehr Kriege entstehen und sich andererseits dennoch ein positives Menschheitsbild zu bewahren, haben mich dazu veranlasst Erasmus von Rotterdams Die Klage des Friedens ins Zentrum meiner Komposition zu stellen.“ Mit Lament of Peace ist Musik entstanden, die die Welt zwar nicht verbessert, aber zumindest einen gesellschaftlichen und sozialen Mehrwert hat: In unserem Mikrokosmos Blasorchester, der Menschen miteinander verbindet.

„Kemman d’Spielleut z’samm und Musikanntn, wird vagessn, wo da Alltag druckt. Bei de Tanzln und de stadn Weisn uns da Herrgott in das Herzerl guckt.
Und das Losn is das Aller schena, selber hört ma si eh häufti gnua, mecht ma netter selber Musi macha, spirrt ma s’Musikantntürl zua.
Gibt nix Scheners als a so a Musi, alle spürn ma, wia ma z’sammaghörn, wanns aa hoaßt, iatzt müass ma Abschied nehma, denk ma oiweil an die Stundn gern.“

Das ist der Text des Liedes aus Oberösterreich, auf dem das Werk Call of Home basiert. Das Lied ist die Basis. Die große Frage, die jedoch hinter diesem Werk steht, heißt: Was bedeutet Heimat? Und wie bringen wir als Menschen unser Heimweh in Einklang mit dem Drang, die Welt zu entdecken, also dem Fernweh?

Beim Werk Europe Forever fühlte ich mich thematisch an Bridge between Nations aus dem Jahr 2004 von Jacob de Haan erinnert. Beide Komponisten nehmen als verbindendes Element in ihrem Werk die Europahymne aus der 9. Symphonie von Ludwig van Beethoven „Ode an die Freude“. Während Jacob de Haan in seinem Bridge between Nations die im Jahr 2004 zur EU gehörenden plus die Länder der damaligen Osterweiterung verarbeitete, besann sich Andreas Ziegelbäck auf die Gründungsnationen der EGKS – der europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl. Sie gilt als Vorläufer der Europäischen Union und ist somit Grundstein für das größte europäische Friedensprojekt aller Zeiten. Die Gründungsstaaten dieser Gemeinschaft waren Belgien, Deutschland, Frankreich, Italien, Luxemburg und die Niederlande. Folgende genau benannten Hymnen kommen in Europe Forever in variierten Formen vor:

Belgien: La Brabançonne von François Van Campenhout
Deutschland: Deutschlandlied von Joseph Haydn
Frankreich: Marseillaise von Claude Joseph Rouget de Lisle
Italien: Il Canto degli Italiani von Michele Novaro und dem Text von Goffredo Mameli
Luxemburg: Ons Heemecht von Johann-Anton Zinnen
Niederlande: Het Wilhelmus von Adriaen Valerius

Das Stück wurde von der Militärmusik Oberösterreich und ihrem Militärkapellmeister Oberstleutnant Gernot Haidegger für ihr Galakonzert 2025 in Auftrag gegeben. Der Wunsch der Militärmusik war es, viele verschiedene Hymnen in einem Stück präsentieren zu können und dass ein Chor und eine Orgel im Stück vorkommen sollen. Die Nationalhymnen dieser Länder sind sehr unterschiedlich. Ich habe Andreas deshalb gefragt, wie er bei der Arbeit an diesem Werk vorgegangen ist, um diese unterschiedlichen Melodien zu vereinen:

„Mir war von Anfang an klar, dass ich bei dieser Komposition einerseits Arrangierarbeit leisten muss, andererseits wollte ich aber auch meine persönliche kompositorische Note einbringen, weswegen ich mich dazu entschieden habe, mit mal mehr und mal weniger starken Variationsformen der jeweiligen Hymnen zu arbeiten. Der schwierigste Prozess bei dieser Komposition war die Planung des dramaturgischen Ablaufs. Mir wurde nämlich nicht vorgegeben, welche Hymnen ich in das Stück einbauen sollte.
Daher habe ich lange überlegt, welche Hymen ich verwende. Als ich mich dann auf die Gründungsnationen der EGKS festgelegt habe, war die Herausforderung all diese Hymnen in ein Stück mit rund acht Minuten Länge zu platzieren, und zwar so, dass jeder Teil auch einen dramaturgisch und musikalischen Wert besitzt. Überspitzt formuliert kann man sagen, die Zeit, die ich normalerweise darauf verwende, eigene Motive und Themen zu entwickeln brauchte ich bei diesem Stück, um die bereits vorhandenen Motive innerhalb einer Komposition zu strukturieren.
Die Schwierigkeit von Europe Forever sind mit Sicherheit die Variationen der Hymnen. Auch wenn die Hymnen per se einfach sind (abgesehen vom Auszug aus Beethovens 9. Symphonie), werden sie durch die Variationen virtuoser und anspruchsvoller. Dieses Phänomen ist aber keine Neuheit bei meinem Stück. Ich habe mich im Vorfeld dieser Komposition sehr viel mit Variationsstücken auseinandergesetzt und da findet man das sehr oft, dass die Ursprungsmelodien einfach sind, aber die Variationen immer schwieriger werden (z.B.: Paganini Variationen oder Schumann – Geister Variationen). Jene Hymnen, die ich nur wenig variiert habe, sind auch einfacher zu bewältigen, als jene, wo sehr viel Variantenreichtum vorkommt.“

Lament of Peace | Grad 5,5 | 13:52
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Call of Home | Grad 3,5 | 8:49
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Europe Forever | Grad 5 | 8:39
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Otto M. Schwarz

Otto M. Schwarz
Otto M. Schwarz

Vom Meister und Verlagsgründer von Symphonic Dimensions, Otto M. Schwarz, gibt’s natürlich auch noch Neues:

Zunächst Eiffel Tower, das im Jahr 2026 Pflichtstück beim Flicorno d’oro in Riva del Garda war. Der Titel spricht für sich. Den Eiffel-Turm in Paris kennt jeder und die meisten meiner Leser:innen haben ihn sicherlich auch schon vor Ort bewundert. Sehr klasse finde ich, dass Otto M. Schwarz ein Akkordeon in die Musik einbezogen hat.

Mit Generations – A Symphonic Opener bekommt Ihr eine tolle Eröffnungskomposition für Euer nächstes Konzert, sogar auch geeignet, wenn es ein Filmmusikkonzert sein sollte. Denn hier zeigt Otto M. Schwarz alles, was er im filmmusikalischen Genre drauf hat – genau so, wie viele von uns es lieben!

Eiffel Tower | Grad 4  | 8:57
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Generations – A Symphonic Opener | Grad 4 | 7:20
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Generations – A Symphonic Opener (Hebu, print)
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Alexandra Link

Musik ist ein sehr wichtiger Bestandteil meines Lebens. Musizierende Menschen zusammen zu bringen meine Leidenschaft.

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