Musikalisches Salzkammergut

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Ein geschäftlich-blasmusikalischer Zufall wollte es, dass ich Anfang November drei Tage im Salzkammergut verbracht habe. Es war eine gute Entscheidung, das Geschäftliche mit einem Kurzurlaub in diesem wunderbaren Stückchen Erde zu verbinden. Einmal, weil das Salzkammergut durch die Abwechslung von Bergen, Seen, Grünen Wiesen, (zur Zeit) bunten Wäldern und gemütlichen Städtchen eine großartige Urlaubsregion ist. Und dann trifft man allerorten auf Spuren von großen Komponisten und auf musikalische Geschichten.

Schon als ich in die Hotel-Halle in Fuschl am See gekommen bin, stand ich diesem Wandbild gegenüber:

Gustav Mahler

Ich konnte nicht herausfinden, ob Gustav Mahler in diesem Hotel schon genächtigt hat. Hier geht es wohl eher um den Aspekt der Tradition, die diesem Hause, das seit Generationen im Familienbesitz ist, zu Grunde liegt.

Für diesen Beitrag habe ich mir vorgenommen, alle musikalischen Zeichen, denen ich im Salzkammergut begegnet bin, mit Blasorchesterwerken zu verbinden. Dabei geht es mir nicht darum, nur Transkriptionen vorzustellen, sondern Euch auch Werke nahe zu bringen, die von Komponisten, auf deren Spuren ich gestoßen bin, inspiriert sind oder in irgendeinem Zusammenhang mit dem Salzkammergut stehen. Ihr kennt meine Vorliebe für originale Blasorchesterwerke…. (oder meine Aversion gegen Transkriptionen?).

Passend in die Jahreszeit und zum oben gezeigten Zitat von Gustav Mahler passt ein Werk von Piet Swerts: Epitaph – A tribute to Gustav Mahler.

Epitaph bedeutet “Grabschrift”. Piet Swerts schrieb eine abstrakte Komposition zum Thema “Begräbnismusik”, eine Art Trauerschmarsch, der mit seinen eigenartigen harmonischen Wendungen an die Musik Gustav Mahlers erinnert. Für Dozenten von Dirigentenlehrgängen ist vielleicht interessant, dass es von diesem Werk auch eine Ausgabe für Klavier zu vier Händen gibt.

 

Bad Ischl war wohl der Urlaubsort Nr. 1 für Komponisten und andere Künstler im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert. Anscheinend dadurch, weil der gesamte Kaiserhof um Kaiser Franz Josef und seiner Sisi dort regelmäßig „in der Sommerfrische“ waren. Wo sich der Kaiserhof befand, traf man auf einflussreiche, wohlhabende Menschen. Nicht ganz unwichtig für den Brötchenerwerb der Komponisten der damaligen Zeit.

An der Kirche St. Nikolaus hängt links neben dem Eingang diese Gedenktafel:

 

Anton Bruckner

 

Schon von klein auf war Anton Bruckner mit dem Augustiner Chorherrenstift St. Florian in der Nähe von Linz verbunden. Dort wurde er auch auf eigenen Wunsch in der Gruft der Stiftsbasilika direkt unter seinem Lieblingsinstrument – der großen Orgel des Franz Xaver Krismann – bestattet. Der Komponist Thomas Doss sagt von sich selbst, dass die Musik Bruckners ihn in seinem kompositorischen Schaffen geprägt hat. Deshalb möchte ich euch den St. Florian Choral – eine bescheidene Hommage an Anton Bruckner – von Thomas Doss vorstellen:

 

 

Von Anton Bruckner ist auch seine zweite Sinfonie Symphony in Green inspiriert. Darin hat er das Ave Maria, das Bruckner für siebenstimmigen Chor geschrieben hat, verwendet. Selbiges Ave Maria hat Thomas Doss auch als separate Transkription erstellt. Außerdem gibt es die beiden Bruckner-Werke Os Justi und Ecce Sacerdos in einer Transkription von Thomas Doss.

Schlendert man durch Bad Ischl, kommt man an einigen altehrwürden Kaffeehäusern vorbei – oder eben auch nicht (was hat’s da nicht alles für Leckereien)… Ein Treffpunkt von Komponisten, Künstlern, Musikern war das Café Ramsauer, das sehr stolz auf seine Vergangenheit ist und die berühmten Gäste, die das Café einstmals besuchten.

An der Außenseite sind gleich zwei Gedenktafeln angebracht.

 

Johann Strauss Sohn

 

Passend dazu erscheint mir der Konzertwalzer Wein, Weib und Gesang von Johann Strauß Sohn. Empfehlen möchte ich gerne die Transkription von Wil van der Beek. Er ist Meister darin, die Partitur bei seinen Transkriptionen so einzurichten, dass der Charakter und die Klangvorstellung erhalten bleiben, das Werk aber für die meisten Blasorchester auch wirklich spielbar ist.

Hier die zweite Gedenktafel, die an der Hauswand des Cafés angebracht ist. Es handelt sich dabei um einen Gästebucheintrag von Robert und Einzi Stolz:

 

Robert Stolz

 

Das Lied „Die ganze Welt ist himmelblau“, ist eines von zwei Liedern, die Robert Stolz (zum Verdruss des Komponisten Ralph Benatzky) zur Operette Im Weißen Rössl beigesteuert hat. Eine Transkription dieses Liedes für Blasorchester, also eine Einzelausgabe, habe ich leider nicht gefunden. Ein Werk von Robert Stolz möchte ich Euch in einem anderen Zusammenhang vorstellen:

 

Franz Lehár

 

Franz Lehár lebte eine Zeit lang in Bad Ischl in einer am Fluss Traun liegenden Villa, die heute nach ihm benannt ist. Er ist auch auf dem Friedhof in Bad Ischl begraben. Beide Komponisten waren wohl eng befreundet, denn Robert Stolz schrieb bereits im Jahr 1907 den Lehár-Marsch op. 43 mit folgender Widmung: „Meinem lieben Freunde Franz Lehár in größter Verehrung gewidmet“. Eine gelungene Instrumentation für Sinfonisches Blasorchester gibt es von Siegmund Andraschek:

 

 

Mein absoluter Lieblingswalzer von Franz Lehár ist Lippen schweigen, s flüstern Geigen aus der Operette Die lustige Witwe. Eine Transkription gibt es von Jos van den Brak.

 

 

Okay, die Aufnahme lässt zu wünschen übrig…. Aber man kann’s sich vorstellen. Es gibt eine Ausgabe mit Sopran und Tenor (hier) und eine Version rein orchestral (hier).

Es ist belegt, dass Johannes Brahms seine Akademische Festouvertüre c-moll op. 80 in Bad Ischl komponiert hat. Auf Wikipedia ist nachzulesen: „Am 6. September 1880 schrieb Brahms an seinen Verleger Fritz Simrock: „…Die Akademische empfehle ich Ihnen aber für Militärmusik setzen zu lassen. Das lockt mich selbst, wenn ich nur genauer damit Bescheid wüßte…«  (Es wird wohl mangelndes Fachwissen über die Gegebenheiten der Militärmusik gewesen sein, das viele Komponisten davon abhielt. Johannes Brahms war wenigsten so ehrlich, dies zuzugeben.) Jedenfalls erschien eine Ausgabe für diese Besetzung, die der Breslauer Militärkapellmeister A. Reindel schuf; die aber erst 1889 veröffentlicht wurde. (siehe: Vorwort der Eulenburg-Partitur E.E. 4562)“ Der kursive Satz könnte von mir sein, ist er aber nicht…

Bei meinem Spaziergang durch Bad Ischl wurde mir schnell klar, dass es wohl nicht nur die Nähe zum Kaiserhof war, die Komponisten zu Werken beflügelten. Es ist halt auch ein wirklich schöner Ort, mit guter Luft, zwischen Bergen und dem Frische bringenden Flüssen Ischl und Traun. Erfreut hat mich diese Wandtafel am Probenhaus der Bürgermusik Bad Ischl:

Bürgermusikkapelle Bad Ischl

Da hat mir dann nur die Bürgermusik selbst und ein bisschen Blasmusik gefehlt….

Peter AlexanderNicht weit von Bad Ischl liegt der idyllische Wolfgangsee. Gut, der See und der Ort St. Wolfgang kam mir wohl nur so idyllisch vor, weil Anfang November keine Feriensaison im Salzkammergut ist. Viele Läden in St. Wolfgang waren zu, aber die mehrsprachigen Schaufensteraufschriften mit fremdartigen Zeichen lassen darauf schließen, dass es im Sommer hier hoch her gehen muß. Ich hatte zwar nicht sehr viel Zeit, aber das Weisse Rössl muß ich als erklärter Peter-Alexander-Fan doch wenigstens einmal in meinem Leben gesehen haben. Peter Alexander ist/war für mich ein einzigartiger Künstler, der auf vielen Gebieten einmalig war: als Schauspieler, als Sänger, als Musiker, als Tänzer, als Entertainer und Moderator. Wo gibt es solche Künstler heutzutage noch, die wirklich alles können (und alles irgendwann einmal von der Picke auf gelernt haben)? Bald geht die Weihnachtszeit los. Die erste Weihnachts-CD, die jedes Jahr in meinem CD-Player landet ist die Weihnachts-CD von Peter Alexander!

Aber zurück zum Weissen Rössl.

Im Weissen Rössl

 

Diese Operette habe ich als Bühnenfassung leider noch nie gesehen. In Erinnerung ist und bleibt aber natürlich der Film mit Peter Alexander in der Hauptrolle des Zahlkellners Leopold. Eine Gedenktafel am Weissen Rössl weißt darauf hin, dass Ralph Benatzky die Lieder zu dieser Operette geschrieben hat. Erst bei einer Facebook-Diskussion beim Posten des Fotos wurde ich darauf aufmerksam gemacht, dass auch Robert Stolz zwei Lieder dazu beigetragen hat. Und das Lied „Was kann der Siegismund dafür“ ist auch nicht von Benatzky…

Ralph Benatzky

 

Einen Querschnitt durch die Operette Im Weissen Rössl hat Stefan Schwalgin zusammengestellt und für Blasorchester eingerichtet.

 

 

Ebenfalls am Wolfgangsee liegt der Ort St. Gilgen, der uns Deutschen vor allem als ehemaliger Urlaubsort unsereres ehemaligen Bundeskanzlers Dr. Helmut Kohl bekannt ist. Weniger bekannt war mir, dass das Geburtshaus von Mozarts Mutter Anna Maria Walburga Pertl in St. Gilgen steht. In diesem Haus hat auch die Schwester von Mozart, Nannerl, gelebt. In diesem Zusammenhang passt wohl am besten ein Werk von Wolfgang Amadeus Mozarts Vater Leopold: Die Kindersinfonie (in einer Bearbeitung von Bart Picqueur für Blasorchester lieferbar).

 

Mozarthaus Sankt Gilgen

 

Mozart Mutter und SchwesterIch dachte beim Besichtigen des Mozarthauses in St. Gilgen aber auch an The Young Amadeus von Jan de Haan. Verarbeitet hat Jan de Haan in diesem kleinen Werk die Melodie aus dem zweiten Satz aus dem Konzert für Klarinette und Orchester, das Andante.

Es gibt davon sehr viele Aufnahmen auf Youtube, aber alle eher in schlechterer Qualität. Ihr könnt Euch da ja mal durch hören…

Einen kurzen Abstecher habe ich auch nach Ebensee am Traunsee, der Heimat des Komponisten Fritz „Frigo“ Neuböck, gemacht. Frigo habe ich leider nicht getroffen, ich möchte Euch jedoch trotzdem ein Werk von ihm vorstellen, das ein Motiv seiner Heimat zum Thema hat: Schloss Orth.

 

 

Ich habe dieses Werk unter seiner Leitung schon selbst gespielt. Das muß so ungefähr 2003 gewesen sein, bei den unvergessenen Taubertäler Bläsertagen – was hatten wir da für einen Spaß!

 

austrianconnection
Thomas Doss, Otto M. Schwarz, Fritz Neuböck vor vielen Jahren in Ried….

 

Zwei weitere Werke habe ich noch gefunden, die direkt in Verbindung mit dem Salzkammergut stehen. Ein für nicht sehr viele Orchester spielbares und ein spielbares!

Friedrich Gulda komponierte für den Cellisten Heinrich Schiff das Konzert für Violoncello und Blasorchester. Heinrich Schiff ist im Salzkammergut geboren, Friedrich Gulda war anscheinend auch öfters da in Ferien. Auf jeden Fall bezieht sich der zweite Satz „Idylle“ auf die Landschaft des Salzkammerguts. Das Werk gibt es nur als Leihmaterial.

Zum Abschluss dieses Beitrags nochmals Thomas Doss: Mystic River.

Mystic River beschreibt den Flußverlauf der Traun (Bad Ischl liegt zum Beispiel an der Traun), der im Toten Gebirge in der Steiermark aus mehreren Quellen entspringt und einige Seen durchfließt. Zur Vorbereitung auf den Kompositionsprozess für diesen Auftrag ist Thomas Doss den kompletten Flußlauf vom Traunursprung bis zum Einfluss in die Donau abgefahren.

Bezug stellt Thomas Doss im Werk zum Gedicht von Eduard Mörike “Der Fluß” her. Ein Kindersopran singt einen Abschnitt aus diesem Gedicht:

“Der Himmel, blau und kinderrein,
Worin die Wellen singen,
Der Himmel ist die Seele dein:
O lass mich ihn durchdringen!
Ich tauche mich mit Geist und Sinn
Durch die vertiefte Bläue hin
Und kann sie nicht erschwingen!”

Die talentierte Sängerin der folgenden Aufnahme ist Thomas Doss’ Tochter Teresa. Sie hat auch die Uraufführung gesungen und bereits mit einigen weiteren Orchestern dieses Werk aufgeführt. Alternativ kann der Gesang auch durch eine Blockflöte oder Piccoloflöte ersetzt werden.

 

 

Wer einen kleinen Hotel-Tipp für das Salzkammergut möchte, dem kann ich Ebner’s Waldhof in Fuschl am See wärmstens empfehlen. Schönes Hotel, idyllische Lage mit Aussicht auf den Fuschlsee, gutes Essen, gemütliche Wellnessabteilung, mehrere Pools, davon ein wunderbares Solebecken, freundliche Leute, hervorragende Ausgangslage für die Erkundung des Salzkammergutes und nicht weit von Salzburg: was will man mehr?

Es war nicht mein letzter Besuch im Salzkammergut. Das nächste Mal bleibe ich länger und dann wandere ich ganz bestimmt auch um den Fuschl-See, wie Du, Christine W.!

Fuschlsee
Der Fuschlsee
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Musik ist ein sehr wichtiger Bestandteil meines Lebens. Musizierende Menschen zusammen zu bringen meine Leidenschaft.

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