Komponist des Monats: Mathias Wehr

Großes Interesse am Komponieren hatte Mathias Wehr (*1984) irgendwie schon immer. Bereits im Klarinettenunterricht an der Musikschule mit 10 Jahren wollte er die Klarinetten-Kadenz für das Stamitz-Konzert selbst schreiben. Später komponierte er dann erste Werke für sein Klarinetten-Quartett. Die richtige Zündung setzte allerdings der niederländische Komponist Ed de Boer, der ihn während des Dirigierstudiums am Leopold-Mozart-Zentrum der Universität Augsburg im Fach Komposition unterrichtete. Ed de Boer ermutigte ihn zu eigenen Kompositionen für großes Blasorchester. Und mit dem Hochschulblasorchester hatte er dann auch gleich die Möglichkeit, seine ersten Werke zu hören.

Das erste erfolgreiche Werk von Mathias Wehr war „Infinity“. Dieses Werk gewann den internationalen Schönwerth-Kompositionswettbewerb des Nordbayerischen Musikbunds im Jahr 2011. Bis heute ist es sein erfolgreichstes Werk, u. a. auch deswegen, weil es auf einige Pflichtwerklisten für Wertungsspiele aufgenommen wurde und immer noch wird. Eine weitere Komposition von Mathias Wehr erhielt den 2. Preis beim Kompositionswettbewerb des Volksmusikerbundes NRW: „Deep Water Night“.

Dominik Wagner Mathias Wehr
Dominik Wagner (2. Preis) & Mathias Wehr (1. Preis)

Erst kürzlich hat eine weitere Komposition von Mathias Wehr einen Kompositionswettbewerb gewonnen. „Throne of the North“ gewann den ersten Preis und den speziellen Orchesterpreis beim internationalen Kompositionswettbewerb „Symphonic Society of Mantzaros“ auf Korfu, Griechenland. Für Mathias Wehr war es schon großartig, unter die sechs Finalisten zu kommen, die nach Korfu zur Final-Runde eingeladen wurden. Insgesamt wurden mehr als 20 Werke eingereicht. In einem Konzert wurden alle sechs Werke der Finalrunde unter Anwesenheit aller Kandidaten vorgestellt und anschließend von einer Fach-Jury, in der u. a. Bert Appermont saß, bewertet und gekürt.

Sein Horn-Konzert „Menosgada“, hat für ihn persönlich die größte Bedeutung. Der Auftrag für dieses Werk kam von seinem Freund Rupert Motschenbacher, der seiner Frau (sie ist Hornistin) zu Weihnachten eine eigens für sie geschriebene Komposition schenken wollte. Seine Wünsche: „Schreib mal was für Horn und Blasorchester, da gibt es nicht so viel Literatur. Und am besten über unseren Hausberg, den Staffelberg, denn dort oben ist ca. 200 v. Chr. die keltische Metropole Menosgada entstanden“. Das fand Mathias Wehr sehr spannend, besuchte den Staffelberg und lies sich inspirieren.

Auch sein Kindermusical „Das fliegende Kästchen“ gehört zu seinen Auftragskompositionen. Seine Werke werden seit Sommer 2015 professionell eingespielt und erscheinen beim Musikverlag Peter Frank in der Schweiz.

Mathias Wehr komponiert hauptsächlich und am liebsten für Blasorchester: „Ich bin sehr glücklich, ein Blasorchester-Komponist zu sein.“ Aber mittlerweile erhält er auch Aufträge für exotischere Besetzungen. Wie zum Beispiel für Naturton-Orchester, Flöten-Orchester und Spielmannszug.

Er ist der Meinung, wenn ein Komponist sich selbst verwirklichen will, sollte er es einfach ohne Zwänge und Vorgaben machen. Einfach ans Klavier setzen und anfangen. Auf Auftragswerke kann er sich dennoch gut einstellen, schließlich soll das Werk individuell auf das Orchester abgestimmt sein. Deswegen kann er jedoch trotzdem sich selbst bleiben und verliert nicht seine persönliche Handschrift. Mathias Wehr stellt sich gerne der Herausforderung, die Wünsche und Ideen seiner Auftraggeber mit seinen eigenen Ideen zu verbinden.

Die Herangehensweise an eine Komposition ist bei Mathias Wehr sehr unterschiedlich von Werk zu Werk. Manchmal inspiriert ihn ein anderes Werk oder ein vorgegebenes Motiv. Manchmal kommen ihm die Ideen einfach, wenn er am Klavier sitzt. Dies ist seine liebste Herangehensweise: „Ich setz mich gerne ans Klavier und probiere einfach mal was aus.“ Es ist bei ihm nicht selten der Fall, dass eine zuerst angedachte Titelmelodie im Laufe des Schaffens immer weniger Bedeutung bekommt und am Ende nur als Begleitung erscheint. Oder nebenbei erfundene Phrasen plötzlich zur Haupteigenschaft des Werks werden.

Zu seinen persönlichen Vorbildern zählt David Maslanka, der im vergangenen Sommer so plötzlich verstarb. Sein Tod hat ihn wie uns alle in der Blasmusikwelt tief erschüttert. „Give us this day“, „Traveller“ oder „A Childs Garden of Dreams“ zählen seiner Meinung nach zu den Meisterwerken für sinfonisches Blasorchester. Auch die Tonsprache und Instrumentation von Steven Bryant gefällt ihm besonders in „Dusk“ oder „Anthem“ gut.

Mathias WehrNeben dem Komponieren dirigiert Mathias Wehr sehr viel. Seine festen Orchester sind zur Zeit die Bläserphilharmonie Forchheim, der Musikzug Burgfarrnbach und die Nordbayerische Brass Band. Aber auch Gastdirigate und Dirigierkurse im Auftrag des Nordbayerischen Musikbunds füllen seinen Kalender. Außerdem hat er Lehraufträge an der Volkshochschule Beilngries und zwei Musikschulen im Fach Klarinette und Saxophon.

Als Dirigent hat Mathias Wehr schon einige Preise gewonnen. Zum Beispiel wurde er beim 4. Europäischen Dirigentenwettbewerb in Stavanger, Norwegen, „European Conductor of the year 2008“. Außerdem erhielt er im Jahr darauf den silbernen Taktstock beim „World Music Conductors Contest in Kerkrade, Holland“.

Seine erste Anstellung als musikalischer Leiter bekam er mit 18 Jahren beim Großen Blasorchester Burgfarrnbach. Mit dem Blasorchester Unterpleichfeld, das er von 2006 – 2016 leitete, gewann er 2007 den internationalen Höchststufenwettbewerb des Deutschen Musikfests und 2010 den internationalen Wettbewerb des Jungfrau Music Festivals in Interlaken, Schweiz. Mit der Bläserphilharmonie Forchheim gewann er 2013 den 1. Preis beim Deutschen Musikfest in Chemnitz und belegte beim internationalen Wettbewerb Flicorno d’Oro in Riva del Garda den zweiten Platz in der Superiore.

Mathias WehrFür sein musikalisches Engagement bekam Mathis Wehr bereits die Kulturförderpreise der Stadt Schwabach Fürth und Forchheim verliehen.

Blasmusik hat für Mathias Wehr einen sehr hohen Stellenwert. Man kann schon sagen, Blasmusik ist sein Leben. An der Blasorchesterszene liebt er das lockere, unbekümmerte „Miteinander“ der MusikerInnen. Egal ob diese eher traditionell oder sinfonisch eingestellt sind, man spürt eine enge Verbundenheit. Dennoch sieht auch er die mehr und mehr auftretenden Probleme, vor die Musikvereine gestellt sind und werden. Das Angebot an Freizeitgestaltung übertrifft bei weitem die Nachfrage. Nahezu jeder Verein, egal ob im Sport oder in der Musik ist mittlerweile bestens aufgestellt und wirbt schon in der Grundschule für sich. Fast jeder hat einen vollen Terminkalender, vom Schüler, über die Hausfrau mit drei Kindern oder dem Manager bis hin zu den Studenten, die sich immer mehr auch im Ausland beweisen wollen und müssen. Zeit ist Mangelware geworden und so ist es schwierig mit einem Vereinsorchester ein paar Jahre mit der gleichen Besetzung zu spielen. Ein Musikverein darf nicht nur gut organisiert werden, sondern auch hauptsächlich von den aktiven Musikern von ganzem Herzen „gelebt“ werden. Nur so hat eine Vereinsstruktur Überlebenschancen.

Wenn Mathias Wehr für einen Tag das Sagen in der Blasorchesterszene hätte, würde er die Wettbewerbsordnungen in Deutschland gründlich überarbeiten. Mathias Wehr: „Hier hinken wir im europäischen Vergleich stark hinterher und haben völlig veraltete Strukturen und Denkweisen. Wir können hier zum Beispiel sehr viel von der Brass Band Szene lernen. England und Norwegen ist uns in Sachen Wettbewerbsordnungen weit voraus.“

 

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Musik ist ein sehr wichtiger Bestandteil meines Lebens. Musizierende Menschen zusammen zu bringen meine Leidenschaft.

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