Österreich – Was für ein Blasmusikland!
Woodstock – Promenadenkonzerte – Mideurope
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Drei riesige Schaufenster für alles, was unsere Blasmusik zu bieten hat – innerhalb von 5 Wochen – in einem Land:
Österreich!
Nicht minder wie ich die Schweizer Blasmusikszene schätze, bin ich begeistert von der in Österreich! Ich habe Euch auf dem Blasmusikblog schon von der vorbildlichen Blasorchesterdirigenten-Ausbildung am Beispiel Oberösterreich erzählt: Ensembleleitung Blasorchester EBO – vorbildliches Ausbildungssystem in Oberösterreich. Schon drei Mal habe ich über das Blasmusik Forum in Ossiach berichtet:
Österreichisches Blasmusikforum – Musik, Austausch und Vernetzung
Österreichisches Blasmusikforum: Musizieren, Fortbilden, Netzwerken
Ossiach: Ein Ort der Begegnung, der Freundschaft, des Musizierens
In den Beiträgen über den Flicorno d’oro in Riva del Garda stehen jedes Mal österreichische Blasorchester auf den Siegertreppen im Fokus.
Und jedes Jahr im Monat Juli, plus dem Wochenende davor heißt es zuerst Woodstock der Blasmusik, dann den ganzen Monat über Promenadenkonzerte in Innsbruck und das Blasmusikfestival Mideurope in Schladming (i.d.R. in der zweiten Juli-Woche). So auch in diesem Jahr!
Woodstock der Blasmusik
Über Woodstock der Blasmusik brauche ich Euch nichts mehr zu erzählen. Das hat mein Sohn Lukas ausgiebig in seinem Gastbeitrag Woodstock der Blasmusik, mehr als nur „Uftata“-Musik?! getan. In Woodstock kommen alle Liebhaber von Polka, Walzer, Marsch und der fetzigen Blasmusik, zu der alle feiern können, im Fokus. Unglaubliche 100.000 Fans der verschiedenen Formationen pilgerten in diesem Jahr nach Woodstock!
Ich selbst besuchte dieses Jahr erstmalig drei Konzerte bei den Innsbrucker Promenadenkonzerten und nach vielen Jahren wieder einmal die Mideurope in Schladming/Steiermark, weshalb ich Euch selbst von diesen beiden Veranstaltungen berichten kann.

Innsbrucker Promenadenkonzerte
Seit 30 Jahren steht der Juli in Innsbruck im Zeichen der Blas- und Bläsermusik! Fast jeden Tag gibt es mindestens ein Konzert mit einem Blasorchester, einer Formation, bei der die Bläser die Hauptakteure sind oder einem Ensemble, in dem auch Bläser musizieren. In diesem Jahr stehen wieder einige der besten Sinfonischen Blasorchester, die Europa zu bieten hat, auf dem Programm. Unter dem Motto „Klang trifft Kulisse“ musizieren u. a. folgende Formationen im Innenhof der Kaiserlichen Hofburg in Innsbruck:

- The Royal Band of the Belgian Navy (BE)
- Polizeiorchester Bayern (DE)
- Stadtmusikkapelle Wilten (AT)
- Euregio Jugendblasorchester (Südtriol, Tirol, Trentino)
- Tiroler Symphonie Orchester Innsbruck (AT)
- Sinfonisches Blasorchester Tirol (AT)
- Königliche Fanfare Kempenbloei Achel (BE)
- Vienna Clarinet Connection (AT)
- Sächsische Bläserphilharmonie (DE)
- Orchester der französischen Marine (FR)
- German Brass & Brass Band Fröschl Hall (DE & AT)
- Niederländisches Zollorchester (NL)
- Philharmonic Generations Vienna (AT)
- Musikverein Nidarholm (NO)
- Thomas Gansch & Blasmusik Supergroup (AT)
- Südtiroler Jugendblasorchester (IT)
- Musikkapelle Peter Mayr Pfeffersberg (IT, Südtirol)
Der Blasmusikverband Tirol feiert in diesem Jahr sein 100-jähriges Bestehen. Deshalb konzertierten im Rahmen der Feierlichkeiten am ersten Sonntag im Juli vier Orchester aus Tirol: BMK St. Ulrich am Pillersee, Musikkapelle St. Anton am Arlberg, Musikkapelle Anras und Stadtmusikkapelle Innsbruck-Amras.


In diesem Jahr konnte auch ich endlich einmal die Innsbrucker Promenadenkonzerte besuchen. Leider nicht alle – wie es auf meiner Bucketlist steht… Aber ich hatte einen großartigen Konzertabend mit dem Sinfonischen Blasorchester Tirol, konnte das Konzert des Tiroler Symphonie Orchester Innsbruck erleben (mit einem lateinamerikanischen Programm) und wenigstens die erste Kapelle am Tag der Tiroler Blasmusik, die BMK St. Ulrich am Pillersee, wo ich u. a. viel Spaß mit Inspiration von Jan de Haan und Sisi – Kaiserin von Österreich von Otto M. Schwarz hatte. Leider musste ich danach Innsbruck lassen, weil mich meine Reise nach Schladming zur Mideurope weiterführte. Darüber berichte ich Euch gleich anschließend.
Ein ganz besonderes Dankeschön an Bernhard Schlögl, den künstlerischen Leiter der Innsbrucker Promenadenkonzerte! Nicht nur für sein besonderes Wirken im Rahmen der Innsbrucker Promenadenkonzerte, sondern privat und ganz speziell für seine öffentlichen überaus wertschätzenden Worte für mich und meine Arbeit! Bernhard, nun hast Du für immer und ewig bei mir „ein Stein im Brett“.

Blasmusikfestival Mideurope in Schladming
Da diese Information uns Musiker:innen knapp vor der Eröffnungsfeier der Mideurope erreichte, beginne ich meinen kurzen Bericht über die diesjährige Mideurope auch damit. Am voran gegangenen Samstag mussten die Verantwortlichen die schmerzliche Entscheidung treffen, dass es die letzte Mideurope in Schladming ist. Sowohl das Land Steiermark als auch der Tourismusverband haben die finanzielle Unterstützung teils gekürzt, teils gestrichen. Es wird an der Kultur gespart… (Obwohl… an den Back Street Boys wird nicht gespart… – achso, keine Kultur!)
Nichtsdestotrotz war die Devise, die 26. Mideurope in Schladming noch einmal so richtig zu feiern und zu genießen.
Ich selbst spielte in diesem Jahr im WAWOP, dem World Adult Wind Orchestra Project, mit. Etwa zwei Drittel des Orchesters waren Amateurmusiker:innen aus den USA. Weiter musizierten Australier, Deutsche, Mexikaner, eine Belgierin, eine Gruppe Schweizer, zwei Kanadier, eine Schwedin und ein Österreicher in diesem Orchester. Hier die gespielte Literatur des Abschlusskonzertes mit dem jeweiligen Dirigenten, der jeweiligen Dirigentin:
The Directorate | John Philip Sousa | Kevin Sedatole | |
Olympic Fanfare & Theme | John Williams, arr. James Curnow | Verena Mösenbichler-Bryant | |
Aloft | Steven Bryant | Dana Sedatole | |
Wiener Bürger | Karl Michael Ziehrer / Arr. Louis Martinus | Johann Mösenbichler | |
Of Endless Miles and Empty Rafts* | Michele Fernández | Philip Riggs | |
Sons of the Midnight Sun* | Timo Forsström | Sami Ruusuvuori | |
Melodious Thunk | David Biedenbender | Dana Sedatole | |
Czardas | Gabor Varga | Vittorio Monti / Arr. W. Maas | Johann Mösenbichler |
Danse Diabolique | Joseph Hellmesberger / Arr. Tohru Takahashi | Kevin Sedatole |
*meine Lieblingstitel… meine Empfehlung!
Im WYWOP – dem Jugend-Pendent dazu – musizierten sogar noch Musiker:innen aus weiteren Nationen mit: neben den oben genannten z. B. aus Costa Rica, Singapur oder Frankreich.
Das Programm mit dem jeweiligen Dirigenten:
Feria de Julio | Fernando Bonete Piqueras | Verena Mösenbichler-Bryant | |
La Procession du Rocio | Joaquín Turina / Arr. Alfred Reed | Kevin Sedatole | |
This Cruel Moon | John Mackey | Verena Mösenbichler-Bryant | |
Introduction, Theme and Variations | Gábor Varga | Gioachino Rossini / Arr. Ralph Hermann | Johann Mösenbichler |
Bright Shadow Fanfare | Nicole Piunno | Verena Mösenbichler-Bryant | |
Paris Sketches: 1. Saint Germain-des-Prés; 2. Pigalle; 3. Père Lachaise; 4. Les Halles | Martin Ellerby | Sami Ruusuvuori | |
Downey Overture | Oscar Navarro | Kevin Sedatole |
Beide Orchester probten die ganze Woche über mehrere Stunden am Tag. Die freie Zeit verbrachten die Musiker:innen in der Stadt, auf der Planai oder dem Dachstein, düsten in Go-Karts den Berg runter, feierten in einer Berggaststätte mit Bergen von Steirischen Spezialitäten oder besuchten Konzerte, die während des Festivals in der Congress-Halle oder auf einer der zahlreichen Bühnen in der Innenstadt von Schladming stattfanden.

Schon vor der Eröffnungszeremonie sorgte die mit fast 300 Musikerinnen und Musikern angereiste Univerity of Michigan Marching Band für ein großartiges Spektakel vor der Halle. Im Eröffnungskonzert musizierten sie zusammen mit dem Polizeiorchester Bayern die Nationalhymne, die Europahymne und zum Abschluss Stars and Stripes forever. Auf dem Programm des Polizeiorchesters Bayern standen u. a. die Fantasy Variations (James Barnes) und Orient Express (Philip Sparke).

Die University of Michigan Marching Band waren die heimlichen (oder absoluten?) Stars bei der diesjährigen Mideurope. Sie zeigten ihre spektakuläre Show nicht nur vor der Eröffnungszeremonie und im Eröffnungskonzert, sondern auch bei der Langen Nacht im Ortszentrum und dem Schladming Tattoo im Planai-Stadion.
Ich selbst war die meiste Zeit in Schladming in den Proben des WAWOP eingebunden. Dennoch konnte ich auch mal kurz in die Meisterklasse Dirigieren reinhüpfen. Die 15 Dirigentinnen und Dirigenten konnten sowohl von den anwesenden Dirigierdozenten aus den USA als auch von Sami Ruusuvuori, dem Chefdirigenten des Polizeiorchesters in Helsinki, lernen.
Von einem Hallenkonzert war ich noch begeistert: Die Musikgesellschaft Brass Band Oberrüti aus der Schweiz legte unter der Leitung von Jonas Danuser mit einer prachtvoll musizierten Glory Fanfare von Otto M. Schwarz los. Emotional berührt hat sie mit ihrer Interpretation des alten Schweizer Volkslied S’isch äbe-n-e Mönsch uf Ärde und Spaß brachten sie mit dem Urnerbodä-Kafi auf die Bühne. Anspruchsvoll die Valaisia Variants von Tom Davoren, schmissig der Marsch Lenzburg und aufregend Fire in the Blood von Paul Lovatt-Cooper. Meine Worte zu Jonas: „3xS: Super Sound, super Programm, super musiziert!“

Hervorragend war auch das zusammen mit dem WYWOP durchgeführte Kinderkonzert zum Thema Polizei. Die Musikvermittler Katharina Eckerstorfer und Philip Haas verstanden es prächtig die anwesenden Kids einerseits die Instrumente näherzubringen, andererseits Regeln des Straßenverkehrs zu vermitteln. Wie sie das schafften? In wenigen Worten nicht zu erklären, Ihr hättet dabei sein sollen! Ich habe allerdings mit Kathi ausgemacht, dass wir zusammen einen Beitrag für den Blasmusikblog machen, der Euch erklärt, wie auch Ihr ein Kinderkonzertkonzept entwickeln und gestalten könnt.
Obwohl es teilweise aus allen Wolken schüttete, ließen es sich die Touristen und die in Schladming anwesenden Musikerinnen und Musiker nicht nehmen, ausgiebig die Lange Nacht zu feiern. Wir spielten auch mit dem WAWOP. Ich habe tatsächlich zum ersten Mal Auf der Vogelwiese gespielt – Premiere! Weitere Unterhaltungstitel haben wir jeweils unter einem Dirigenten bzw. Dozenten des Projekts zur Freude des Publikums auf die Bühne gebracht. Das Publikum hat von Anfang an geklatscht, getanzt und geschunkelt. Menschen, die mich kennen, wissen, dass das nicht meine Musik ist. Trotzdem hat es mir riesig viel Spaß gemacht!
Oben habe ich schon geschrieben, dass die University of Michigan beim Schladming Tattoo begeistert hat. Nicht minder begeistert hat mich die Militärmusik Oberösterreich mit ihrer Show. Die Choreografie war witzig und spannend und außerdem hat die Militärmusik Oberösterreich auch noch klasse gespielt! Gehen, marschieren, tanzen, hüpfen und gleichzeitig toll musizieren… Respekt und Hut ab!

Im Laufe der 28 Jahre, in denen die Mideurope in Schladming 26mal stattfand, hat es immer einmal wieder Konzeptänderungen gegeben. Auch Änderungen, die teilweise heftig diskutiert und kritisiert wurden. Dass nun jedoch Schluss sein soll, ist schon schwer zu fassen. Sehr leid tut es mir für Verena Mösenbichler-Bryant und Johann Mösenbichler, deren ganzes Herzblut seit Jahren-Jahrzehnten in diese Veranstaltung geflossen ist. In irgendeiner Weise, in irgendeiner Form wird es weitergehen – zumindest in Teilen. So haben sie versprochen. Wie und wo – darüber nachzudenken wird den beiden erst in den nächsten Wochen möglich sein. Ein Neubeginn ist auch immer eine Chance. Oder wie es Hermann Hesse schon so treffend formulierte: „… jedem neuen Anfang wohnt ein Zauber inne…“.
Hallo Alex, ich war sicher 15 Jahre in Schladming in irgendeiner Form dabei, und musste feststellen, dass die Schwächen, welche seit Anbeginn existierten, nie abgestellt wurden.
• Schwacher Medienauftritt – jedes Bierzelt, jedes Bezirksfest macht das besser!
• Keine Hinweise in form von Wegweisern in Schladming selbst
• teilweise schlechtes Niveau der Ausübenden – da wird oft bei den Konzertwertungen besser musiziert
Das alles und noch viel mehr haben die Geldgeber auch bemerkt, deshalb wird in Zeiten, wo Geld knapp ist, auch dort zuerst gespart.
Ich selber habe mir einen Teil dieses Jahr angehört, natürlich war auch viel gutes dabei, aber es hilft gar nichts, wenn man nicht hinfindet
Hallo Alexandra, vielen Dank für den tollen Beitrag. Ich selbst war bei der Mideurope in den letzten beiden Jahren mit dabei (2024 mit dem gesamten Orchester und 2025 mit einer Vereinsdelegation zum Hören und Genießen; wir sind uns ja begegnet!) und es wäre wirklich schade, wenn hier nicht ein Neuanfang gelingen würde. Die Mischung der verschiedenen Blasmusikstile und die unterschiedlichen Programmpunkte, die Orchester und Projekte aus der ganzen Welt, die kurzen Wege, eingebettet in eine tolle Landschaft, sind ein absolutes Markenzeichen! Ich kann auch Boris in seinen Kritikpunkten wirklich nicht zustimmen, denn die Veranstaltungsorte sind fast alle in Sicht- und Hörweite und mit Werbematerialien wurde man eigentlich sehr gut bedient. Überhaupt möchte ich ein ausdrückliches Lob an die Orga-Arbeit aussprechen. Das habe ich bei anderen internationalen Festivals schon deutlich schlechter erlebt. Dass das Geld bei den Sponsoren einerseits nicht mehr so locker sitzt und andererseits die Kosten, z.B. durch Sicherheitsauflagen überproportional steigen, kennen wir Vereinsverantwortliche aus eigener Erfahrung. Ich wünsche mir auf jeden Fall sehr, und bin mir auch sicher, dass es 2027 weiter gehen wird. Gerne auch mit kleineren konzeptionellen Feinjustierungen. Für eine Mischung aus Vereinsausflug mit eigenem musikalischem Beitrag ist die Mideurope allemal eine Top-Adresse für jedes Orchester (jeder Stilrichtung). Und zur Not sollte es an ein paar zusätzlichen Hinweisschildern nun wirklich nicht scheitern…