Notationsprogramme – Antworten von denjenigen, die sich auskennen

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Unter Dirigenten und Komponisten habe ich immer wieder Diskussionen und Gespräche über Notationsprogramme mitbekommen. Vielen, die vor der Wahl eines Notationsprogramms stehen, fällt genau diese schwer. Vielleicht auch deshalb, weil im Prinzip nur zwei verschiedene Notationsprogramme wirklich bei ernsthaftem Gebrauch in die enge Wahl gezogen werden können.

Ich selbst arbeite mit keinem Notationsprogramm. War auch noch nie in der Lage, eines zu brauchen, weil ich kein Dirigent und schon gar kein Komponist bin. Ich bin jedoch sicher, dass sich viele meiner Leserinnen und Leser für Notationsprogramme interessieren. Und was ist besser bei einer Entscheidungsfindung als auf „O-Töne“ von denjenigen, die sich wirklich damit auskennen und arbeiten zurückgreifen zu können? Ich habe insgesamt 10 Komponisten gefragt, folgende drei Fragen für die Blasmusikblog-Leserinnen und –Leser zu beantworten:

  1. Mit welchem Notationsprogramm arbeitest Du und warum gerade mit diesem?
  2. Welche Eigenschaften / Features / Funktionen schätzt Du am meisten an diesem Notationsprogramm?
  3. Hast Du andere Notationsprogramme schon einmal ausprobiert? Wenn ja, welche und warum hast Du dann doch wieder gewechselt?

Im Folgenden könnt Ihr die Antworten von Thomas Asanger, Jacob de Haan, Johan de Meij, Patrick Egge, Miguel Etchegoncelay, Hubert Hoche, Christaan Janssen, Tim Kleren, Thorsten Reinau und Marco Pütz lesen.

Thomas Asanger

  1. Mit welchem Notationsprogramm arbeitest Du und warum gerade mit diesem?

Finale 25 KlemmIch arbeite schon seit mehr als 15 Jahren mit dem Notationsprogramm Finale. Meine Mutter, die Musiklehrerin an einem Gymnasium ist, hat damals ein Notationsprogramm nachhause gebracht. Seitdem habe ich nahezu alle Upgrades des Herstellers mitgemacht und arbeite derzeit mit Finale 25. Die Entscheidung, welches Programm ich nütze, wurde mir also abgenommen.

  1. Welche Eigenschaften / Features / Funktionen schätzt Du am meisten an diesem Notationsprogramm?

Ich bin in der glücklichen Lage, dass meine Partituren, bevor sie von Verlegern publiziert werden, noch von professionellen Notengrafikern gestaltet sind. Die von mir verwendeten Funktionen sind eher elementar und betreffen vorwiegend den Notentext. Grundsätzlich erlebe ich das Programm aber sehr bedienerfreundlich und die Handhabung ist sehr intuitiv. Wenn es dann um die Layout-Gestaltung geht, braucht es allerdings schon eine sehr intensive Beschäftigung mit der Materie, dass man zu einem professionellen Ergebnis kommt.

  1. Hast Du andere Notationsprogramme schon einmal ausprobiert? Wenn ja, welche und warum hast Du dann doch wieder gewechselt?

Meinen Schülerinnen und Schülern im Fach Ensembleleitung empfehle ich die Arbeit mit der Freeware MuseScore. Sie ist intuitiv zu bedienen und daher für den schnellen Gebrauch sehr empfehlenswert. Ich nutze allerdings ausschließlich Finale und habe bezüglich anderer professioneller Programme keine Erfahrungen.

Jacob de Haan

Ich arbeite seit Mitte der 90er Jahre mit Finale, weil es damals für Apple das einzige Notenprogramm war. Ich hab seitdem nie einen Anlass gesehen zu einem anderen Programm zu wechseln. Habe auch nie etwas anderes probiert, da es mir ausgezeichnet gefällt.

Ich arbeite auch mit Logic Pro, ein Studioprogramm mit vielen wunderbaren Samples von Instrumenten. Auch dieses Programm hat ein Notenprogramm aber das ist nicht so ausgezeichnet. Es gibt leider noch keine Möglichkeit das Notenprogramm und die Samples mit Finale zu integrieren, obwohl es dafür in der Zukunft Pläne gibt.

Johan de Meij

1 & 2) Ich arbeite seit 2005 mit Sibelius. Das Programm gefällt mir sehr gut, ich kann tatsächlich alles was ich notieren will, ziemlich einfach finden und einführen. Das Programm hat sich auch gut verbessert in den letzten Jahren, ich habe jetzt die letzte Version 2018 Sibelius Ultimate. Dazu brauche ich ein Programm das heißt  NotePerformer, und das Abspielen von der Partitur klingt viel besser als die Standard Playback Funktion von Sibelius.

3) Ich habe Anfang der Neunziger Jahre ein anderes Programm versucht zu lernen, das war Composer, das später Finale geworden ist. Die ganze Sinfonie Herr der Ringe ist damals in diesem Programm von einer Firma gesetzt worden. Ich habe damals nur meine Bearbeitung der Aladin Suite von Nielsen damit produziert, aber ich war nicht zufrieden, weil es so beschränkt war. Es sah einfach nicht gut aus! Dann habe ich noch versucht Finale zu lernen, ich fand das aber sehr schwer, und bin einfach wieder zum Bleistift und Papier zurückgekehrt, also bis 2005. Das erste große Werk das ich in Sibelius notiert habe war Extreme Makeover, und alle weitere Ausgaben von Amstel Music danach.

Patrick Egge

  1. Mit welchem Notationsprogramm arbeitest Du und warum gerade mit diesem?

Für meine Arbeit als Komponist und Arrangeur verwende ich zurzeit das Programm „Sibelius 7“. Meine ersten Versuche begann ich damals im Studium mit „Sibelius 5“ und arbeitete mich autodidaktisch in das Programm ein. Dazu unterhielt ich mich immer wieder mit befreundeten Musikern über Tipps und erlangte so eine solide Handhabung. Kurz arbeitete ich dann noch mit der sechsten Version und stellte dann auf die aktuelle siebte Version um. Die Advanced Sounds von Sibelius 7 sind schon relativ ansprechend und zumindest für eine grobe Vorstellung sehr hilfreich. Für eine gute Demoversion jedoch bei weitem noch nicht ausreichend, ebenso wie bei allen anderen Programmen. Die Übersicht des Arbeitsfensters ist ähnlich wie bei einem Wordprogramm und die Suchleiste ist großartig und sehr hilfreich. Man kann also problemlos seine ersten Schritte als Komponist und Arrangeur mit Sibelius 7 machen.

  1. Welche Eigenschaften / Features / Funktionen schätzt Du am meisten an diesem Notationsprogramm?

Umso länger man mit dem Programm arbeitet, umso schneller bringt man Noten auch auf das Papier. Noten eingeben, Notenwerte ändern, Taktarten ändern, Tonarten ändern, Notenschlüssel setzen und Partituren individuell mit Stimmen versehen sind selbst erklärend und benötigt nur ein wenig Übung. Man kann in eine Notenzeile bis zu vier Stimmen mit unterschiedlichen Halsrichtungen verarbeiten. Dies ist sehr hilfreich für Chorsätze. Transponieren ist mit Hilfe von Markierungen sehr einfach. Dynamik, Artikulationen und Spieltechniken, wie zum Beispiel „arco/pizz.“ sind übersichtlich angeordnet und werden beim Abspielen der Musik erkannt und grundsätzlich ausgeführt. Generell ist diese Arbeit aber mühsam, da einfach viele Töne einzeln oder in Abschnitten bearbeitet werden müssen. Laut Aussagen von Kollegen ist das aber bei allen anderen Programmen genauso.

Sehr hilfreich sind die intelligenten Arbeitsmöglichkeiten, wie zum Beispiel Stimmen zu trennen oder zusammenfassen. Nur ein kurzes Beispiel: drei Posaunenstimmen sollen zu einer Stimme im Klavier zusammengefasst werden. Gibt man hierzu einen Befehl, dann erstellt das Programm von selbst, auch bei rhythmisch unterschiedlichen Stimmen, eine sehr sinnvolle und übersichtliche neue Zeile. Umgekehrt funktioniert das auch. Das erspart sehr oft langwierige und langweilige Arbeit.

Um Arbeitsblätter für die Schule oder ähnliches zu erstellen, kann ich das Programm auch nur empfehlen. Durch die Funktion „Grafiken erstellen“ kann man kleine oder einzelne Zeilen sehr leicht extrahieren und in ein Wordprogramm einsetzen.

Mit Sibelius 7 kann man auch sehr schöne „Verlagsfertige“ Produkte erzeugen. Das Layouting ist sinnvoll und intelligent angeordnet. Diese Arbeit braucht aber zu Anfang sehr viel Zeit oder man holt sich bei Youtube-Tutorials Hilfe.

  1. Hast Du andere Notationsprogramme schon einmal ausprobiert? Wenn ja, welche und warum hast Du dann doch wieder gewechselt?

Ich habe mich in Sibelius eingearbeitet und war damit stets zufrieden. Deshalb habe ich nie ernsthaft gewechselt. Bevor man aber die Investition von mehreren hundert Euro tätigt, sollte man sich im Klaren sein, ob sich diese für einen selbst lohnt. Kleine vierstimmige Sätze zum Beispiel können auch mit kostenlosen Programmen bewältigt werden. Man muss sich aber auf jeden Fall immer in ein Programm einarbeiten. Oft sind die Hotkeys und Eingaben dann sehr ähnlich.

Miguel Etchegoncelay

  1. Ich arbeite mit Sibelius seit über 15 Jahren. Ich finde es sehr einfach, ergonomisch, freundlich und sehr leistungsfähig. Mittlerweile hat sich das Programm wesentlich entwickelt, viele professionelle Komponisten und Verlage verwenden es. Ich persönlich habe immer das schnelle und einfache Layout geschätzt (gegenüber Finale!).
  2. Wie gesagt, Layout ist super einfach und professionell. Die so genannten Dynamic Parts ist auch sehr schön. Man editiert/korrigiert einmal, entweder Partitur oder Einzelstimme und alles wird automatisch überall verändert. Sibelius Sounds sind auch super, man kann wirklich mit höchster Klang-Qualität arbeiten, sogar mit speziellen Notation-Systemen, wie z.B. Moderne Musik. Einfache Audio Muster oder schnelle PDFs für die Musiker sind auch super gemacht.
  3. Ich habe verschiedene Programme ausprobiert. Aber lange her! z.B Capella, oder Finale… aber wie gesagt, seit ich Sibelius gefunden habe wollte ich nichts anderes haben!

Hubert Hoche

  1. Mit welchem Notationsprogramm arbeitest Du und warum gerade mit diesem?

Ich arbeite mit Finale 25. Seit 1992 arbeite ich mit einem Notationsprogramm und damals gab es auf professioneller Basis nur Finale.

  1. Welche Eigenschaften / Features / Funktionen schätzt Du am meisten an diesem Notationsprogramm?

Die fast unendlichen Möglichkeiten sind das große Plus von Finale. Ob traditionell notiert oder ganz modern und zeitgenössisch. Meiner Ansicht nach liegen bei Finale die Grenzen in der eigenen Phantasie. Bisher habe ich immer einen Weg gefunden meinen Wünschen entsprechend zu notieren. Manchmal muss man um die Ecke denken, aber es funktioniert. Die Bibliotheken sind ebenso ein großes Plus und sparen mittel- und langfristig sehr viel Zeit und man erkennt dadurch auch die „Handschrift“ des Autors, sofern er nicht verlagstechnischen Zwängen unterliegt.

  1. Hast Du andere Notationsprogramme schon einmal ausprobiert? Wenn ja, welche und warum hast Du dann doch wieder gewechselt?

Natürlich habe ich auch schon Sibelius (zuerst die Version 3, später dann die Version 7.5) und Capella getestet. Letzteres war nach Betrachtung für meine Zwecke nicht testenswert, da meine Partituren oft zu komplex sind. Beim zweiten Sibelius-Wechsel habe ich wirklich ganz ernsthaft überlegt zu wechseln, da es bei Finale eine Zeit gab, wo das Programm so viele schwerwiegende Bugs hatte, dass man sich auf das Programm nicht mehr verlassen konnte und eine professionelle Notation fast nicht mehr möglich war. Außerdem sagten damals viele, dass Finale so umständlich wäre (man müsste so viele Klicks machen um ans Ziel zu kommen etc) und ich eben an einen Neuanfang gedacht habe.

Ein Kompositionskollege, der mit Sibelius arbeitete, nahm sich einen Tag Zeit für mich und führte mir Sibelius an Hand der Erstellung und Eingabe eines Werkes für Blasorchester vor. Letztendlich habe ich mich desillusioniert dafür entschieden bei Finale zu bleiben, da ich deutlich erkannt habe, dass Sibelius nicht weniger Klicks benötigt als Finale und warum sollte ich dann komplett umlernen, wenn es mir mittel- und langfristig keine Zeitersparnis bringt. Gewisse Details sind bei Sibelius für vorwiegend traditionell notierende Kollegen scheinbar einfacher, aber die Flexibilität von Finale ist im Moment (noch) nicht schlagbar und das benötige ich einfach. Ein Notationsprogramm darf den kreativen Kompositionsprozess nicht negativ beeinflussen. Finale hat die starke Konkurrenz gut getan, wodurch wir User natürlich wieder profitiert haben und das Programmierteam sich sehr angestrengt hat die Bugs aufzuarbeiten. Jedes Programm hat seine Macken und man muss sich eben entscheiden mit welchen man leben kann und mit welchen nicht.

Zum Schluß möchte ich deutlich sagen: Nein, ich bekomme von MakeMusic/Klemm keinen Cent für diesen Bericht. Ich bin einfach so überzeugt davon!

Christiaan Janssen

  1. Finale V25 – Ich habe immer schon mit Finale gearbeitet und das gefällt mir sehr gut. Alles ist möglich, was ich brauche für meine Arbeit.
  2. Multifunktionalität. Nur 1 datafile ist nötig um eine komplette Partitur und Einzelstimme zu konstruieren. Auch die Midi-Optionen sind ausgezeichnet. So ist es einfach ein gutes Midi/mp3 Beispiel zu machen.
  3. Musiscore: zu wenig und zu schwierige Handlungen für eine schöne Partitur. Dorico: Sehr gut aber noch nicht der hohe Standard von Finale und Sibelius. Sibelius: Sehr gut aber anders. Es ist was Du lieber hast. Sibelius ist wie Samsung und Apple – beide sehr gut aber anders, doch beide sehr gut.

Tim Kleren

  1. Mit welchem Notationsprogramm arbeitest Du und warum gerade mit diesem?

Als mein Vater vor 30 Jahren, seine ersten Werke oder Bearbeitungen für Ensembles oder Blasorchester auf seinem Atari schrieb, war jeder von dem Notator Programm begeistert. Heutzutage würde sich jeder über dieses unsaubere Layout ärgern. Trotz allem waren das die ersten Schritte, vom Analogen zum Digitalen in der Musik. Als die Pc und Mac Welle in den 90ern kam, wechselte mein Vater vom Atari zum Windows Pc, folglich dessen auch das Notationsprogramm. Er entschied sich für’s Sibelius Programm, weil das unter seinen Kollegen schwer am Kommen war. Da war ich ungefähr 11, und wuchs quasi mit dem Sibelius-Programm auf.

Heute schreibe ich selber Musik und bin bei dem Sibelius-Programm geblieben, weil ich mich von Anfang zu diesem Programm hingezogen fühlte, und vor allem das Programm gut kenne, und trotzdem jeden Tag was Neues entdecke. (Vor allem die Details um das Arbeiten noch schneller zu machen (Kürzel, oder Plug ins….)

Wichtig für mich ist auch das super schöne Layout, was es meinen Musiker leichter macht, das Blatt zu lesen und zu spielen.
Heutzutage schreibt man die Partitur und verbessert manuell das Layout der Einzelstimmen, macht Pdf’s daraus und schickt es per Mail an den Verlag. Das ist ein sehr effizienter Weg ohne Zwischenstationen, und freut darum jeden, der damit zu tun hat.

Für manche Musiker ist es auch wichtig das Stück einmal vor der Premiere zu hören, deshalb hat Sibelius eine mp3 Funktion, mit der man die Partitur in eine Audio mp3 umwandeln und verschicken kann. Das hilft auch bei der Wahrnehmung des Werkes.

  1. Welche Eigenschaften / Features / Funktionen schätzt Du am meisten an diesem Notationsprogramm?

Die Effizienz und das Layout von Sibelius habe ich über die Jahre am meisten schätzen gelernt. Die pdf, mp3, oder direkt auf Youtube-setz- Funktion, sind heutzutage sehr wichtige Elemente um eine gute Arbeit abzugeben.

Wenn man mit anderen Leuten zusammen arbeitet, kann das Kommentar-Feature (gelber Kasten) helfen um den anderen mit Verbesserungsvorschläge am jeweiligen Takt ins Bild zu setzen, ohne es nachher im Layout wiederzufinden.

Die Filter sind super. Unter anderem, wenn man die unterste Note von einer Akkordfolge auswählen und zum Beispiel löschen möchte.
Man kann einen Akkord auf die jeweilige Instrumente mit einem Klick aufteilen lassen…

Bei Jazzwerken kann man die geschriebenen Achtelnoten akkustisch swingen lassen.
Im Mixer (M drücken) kann man zum Beispiel zur Kontrolle nur das Holzregister, oder einzelne Instrumente spielen lassen. Bei Cue-Noten, kann man den Sound abkuppeln, oder bei der 2ten, 3ten oder 4ten Wiederholung spielen lassen.
Die Plug ins vereinfachen mir immer wieder aufs Neue das Schreiben.

Man kann eine Vorprogrammierte und ausgeschriebene Schlagzeug-Groove-Stimme hinzufügen, um auf die schnelle eine halbwegs vernünftige Drumset-Stimme zu haben.
Den Gesangstext unter den Noten komplett kopieren und ihn ins Schreibprogramm einzufügen (Word…)

Der Text wird automatisch unter die richtige Note geschrieben, mit Hilfe der Spacetaste, schreibt man einen Bindestrich.

Man kann den Notenwert mit einem Klick, verdoppeln, halbieren, spiegeln oder krebsen.
Man kann leere Notenzeilen ausblenden oder anzeigen lassen. Mit einem Klick kann man die Partitur oder Einzelstimme optimieren.

Und ein sehr gutes Feature für Komponisten ist der Button Instrument kopieren und wechseln, wird sehr hilfreich beim Erstellen einer Dynamischen Einzelstimme zum Beispiel: der Extra-parts (wie Posaune in B)

Es gibt aber bei jedem, auch bei Sibelius noch Luft nach oben. Das Layout der Einzelstimmen, beim ersten Öffnen, könnte besser sein. Es kann schon nerven wenn man immer wieder den gleichen Text, oder Dynamikzeichen auf jeder Einzelstimme zurechtrücken soll…

  1. Hast Du andere Notationsprogramme schon einmal ausprobiert? Wenn ja, welche und warum hast Du dann doch wieder gewechselt?

In meinem Studium am Maastrichter Conservatorium, übten wir am Finale Notationsprogramm. Es war schon eine Umstellung um damit klar zu kommen, weil es für mich eher unübersichtlicher aufgebaut ist, aber deshalb kann man alles schreiben was man will, gerade bei zeitgenössischer Notation, bringt – meiner Meinung nach – dieses Programm einen schnelleren Erfolg. Weil ich aber tonale Blasorchesterwerke schreibe,war dieser Punkt für mich nicht so wichtig. Ich fand auch, dass das Layout weniger gut aussah, als bei Sibelius. Deshalb kam für mich nur diesen Satz in Frage: Schuster bleib bei deinen Leisten.

Marco Pütz

  1. Antwort:

Ich arbeite mit dem Sibelius Notationsprogramm und zwar von Anfang an. Ich habe auch nie ein anderes Programm ausprobiert.

Damals (2006) empfahlen mir einige Kollegen dieses Programm und ich schätze es seitdem sehr, vor allem, weil es weniger schwer und umständlich zu bedienen ist als z.B.

das Finale-Programm. Ich bin ein recht ungeduldiger Mensch (nur was das Notationsprogramm betrifft, natürlich :-)))) und mag es halt nicht zu umständlich, wenn ich mal schnell voran kommen möchte. Und da ist das Sibelius-Programm für mich sehr entgegenkommend: Layout, Schriften, Zeichen und auch Umänderungen (Instrumente plus oder weniger, Takte dazu oder weg, usw. alles geht sehr fix und unkompliziert. Bis Sibelius 3 oder 4, war das Schlagzeug vielleicht ein wenig spärlicher ausgestattet, aber das hat sich bis heute doch sehr positiv entwickelt uns ich bin sehr zufrieden damit.

  1. Antwort:

Wie bereits unter 1.) erwähnt: vor allem die einfache Bedienung, das schnelle Kopieren, die einfache Noteneingabe (auch über Keyboard), die vielen Möglichkeiten um Zusatzzeichen in die Partitur einzubringen, die einfachen Tempi-Veränderungen, nachträgliche Verbesserungen einbringen, oder das ganze Layout ändern, auch wenn die Partitur bereits ganz fertig ist (für einen bestimmten Verlag, z.B.). Generell: die riesige Flexibilität innerhalb des Programms und das unkomplizierte Handling.

  1. Antwort:

Nein

Thorsten Reinau

  1. Mit welchem Notationsprogramm arbeitest Du und warum gerade mit diesem?

Zunächst einmal muss man sagen, dass die Meinung, welches Notationsprogramm das Beste ist, vor allem zwischen Sibelius- und Finaleanwendern, schon fast eine Glaubensfrage geworden ist.

Ich arbeite schon jahrelang zufrieden und erfolgreich mit Finale. Da ich es nicht nur als Komponist/Arrangeur nutze, sondern vor allem auch als Verleger, stelle ich an ein Programm vor allem hinsichtlich Layout und Grafik hohe Ansprüche, die mir bei Finale am idealsten umgesetzt erscheinen.

  1. Welche Eigenschaften / Features / Funktionen schätzt Du am meisten an diesem Notationsprogramm?

Wie oben schon beschrieben, ist mir für die Veröffentlichung meiner Verlagswerke die Möglichkeit der optimalen graphischen Umsetzung und ein überzeugendes Layout besonders wichtig. Finale bietet hier Features, die es mir erlauben, nahezu alles genauso darstellen zu können, wie ich es mir vorstelle. Da mir auch “Corporate Identity” sehr wichtig ist, kommen mir diese Eigenschaften natürlich sehr entgegen.

Außerdem hat man bei Finale einen ausgezeichneten Support an der Hand, der bis jetzt jedes auftretende Problem schnell und kompetent gelöst hat.

  1. Hast Du andere Notationsprogramme schon einmal ausprobiert? Wenn ja, welche und warum hast Du dann doch wieder gewechselt?

Ehrlich gesagt arbeite ich schon immer mit Finale, kenne mich bei den anderen Programmen nur bedingt aus. Deshalb möchte ich auch keine Wertung über diese hier abgeben. Ich denke, dass gerade die beiden bekanntesten – Finale und Sibelius – inzwischen ziemlich gleich auf sind.

Jeder muss eben entscheiden, was ihm wichtig ist und wie gut er mit der Anwendung zurecht kommt.

Fazit

Die Unterschiede zwischen Finale und Sibelius scheinen nicht sehr groß zu sein. Leichte Vorteile da, leichte Vorteile dort. Für die Nachteile gilt das Gleiche. Es scheint vor allen Dingen Gewohnheit zu sein: das Programm, mit dem man einmal angefangen hat, nutzt man weiter.

Ein herzliches Dankeschön an die Komponisten für ihre Mitarbeit!

Mit welchen Notationsprogrammen arbeitet Ihr? Wo seht Ihr die Vorteile in Eurem Notationsprogramm? Antworten wie immer gerne in das Kommentarfeld unter diesem Beitrag.

 

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Dieser Beitrag ist mit freundlicher Unterstützung von Klemm Music Technology zustande gekommen. Die Firma Klemm hat keinerlei Einfluss auf diesen Text und die Antworten der Komponisten genommen. Ich danke der Firma Klemm für die freundliche Unterstützung meiner Arbeit mit dem Blasmusikblog.com.

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Musik ist ein sehr wichtiger Bestandteil meines Lebens. Musizierende Menschen zusammen zu bringen meine Leidenschaft.

8 thoughts on “Notationsprogramme – Antworten von denjenigen, die sich auskennen

  • 13. September 2018 at 17:25
    Permalink

    Ich nutze Finale für Arrangements für ein Brass Enseble.
    Ich habe noch keine anderes professionelles Tool ausprobiert.
    Ich halte viele Funktionen in Finale für NICHT intuitiv nutzbar.
    Für Anwender, die nur gelegentlich oder selten das Programm nutzen, halte ich die Benutzung für kompliziert. Wer das Programm sehr oft nutzt, weiss irgendwann im Schlaf wo er hingreifen muss
    Nach einer langen Einarbeitung überzeugt dennoch das Ergebnis.
    Eingabe, Abspielen, Layout und Druck.
    Für meine Umfänge sehr gut.

    Reply
  • 14. September 2018 at 9:06
    Permalink

    Ich arbeite seit ca. 10 Jahren mit Finale und bin damit sehr zufrieden!

    Reply
  • 14. September 2018 at 9:24
    Permalink

    Ich habe lange Jahre mit Capella gearbeitet – schon zu der Zeit, als es noch unter DOS lief – bis hin zur Version 2008.
    Aber es traten immer Fehler in den erzeugten Stimmen auf, die so nicht in der Partitur waren.
    Also sichte ich etwas anderes. Ich fand MuseScore, ein OpenSource Programm, welches auch immer weiter entwickelt wird und eine große internationale Anhängerschar hat.
    Für z. B. Choralbücher mit vierstimmiger Direktionsstimme und Stimmauszügen in allen notwendigen Tonarten taugze aber keines der mir bekannten Programme.
    Hier fand ich im Netz Lilypond, ein Programm, bei welchem man Noten in Textdateien schreibt, die dann übersetzt werden und PDF-Dateien erzeugen. Extrem aufwändig zu erlernen.
    Bei einem Seminar wurde ich dann auf Finale 25 aufmerksam gemacht. Das habe ich mir jetzt gekauft, weil mir ein professioneller Notensetzer sagte, dieses Programm erzeugt seiner Meinung nach als einziges Notenbilder nach dem klassischen Nozensatz.
    Ich bin gerade dabei mich einzuarbeiten und bin gespannt, wie zufrieden ich mit diesem Programm sein werde. Überzeugt haben mich schon das Angebot als Umsteiger eines anderen Notationsprogramms und die Einbindung der Garitanbibliotheken, die man optional dazu kaufen kann.

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  • 14. September 2018 at 10:50
    Permalink

    Hallo, ich bin kein Komponist sondern nur Dirigent eines Blasorchesters und nutze Finale um Zusatzstimmen zu gekauften Stücken zu schreiben, wenn diese im gekauften Notensatz nicht vorhanden sind, (Geige, Mundharmonica,etc) oder auch um Noten zu transponieren ( Posaune in C zu B, Tuba in C zu B, F-Horn zu Es-Horn). Was mich sehr stört, ist die Scannfunktion. Hier werden sehr oft nicht alle Noten erkannt, bzw. Artikulationszeichen usw. nicht mit übernommen. Da muß dann sehr viel von Hand nachgearbeitet werden. Mich würde mal interessieren, ob es ein Programm gibt, dass gerade fürs scannen und transponieren einer Stimme besser geeignet ist, bzw. Was ihr als Dirigentenkollegen dafür nutzt. Für einen Tipp wäre ich euch sehr dankbar.

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  • 14. September 2018 at 11:03
    Permalink

    Ein interessantes Thema. Ich arbeite (noch) nicht mit einem Programm möchte dies aber ändern.
    Als Leiter einer kleinen Musikkapelle, wäre mir die Scanfunktion wichtig, damit Stimmen transponiert werden können, ohne dass dies mühsehlig per Hand eingetippt werden muss.

    Welche Programme können dies leisten?

    Reply
    • 14. September 2018 at 16:07
      Permalink

      Ein Programm das speziell auf die Erkennung gescannter Noten und von Noten im PDF-Dateiformat ausgerichtet ist, nennt sich SmartScore X2. Es liegt in fünf verschiedenen Editionen vor und bietet damit für jeden Bedarf die richtige Programmkonstellation.

      Die zugrunde liegende Technik von Notenscanprogrammen bringt es mit sich, dass die Qualität der Erkennung immer in Abhängigkeit zur Qualität der Notenvorlage (Scan oder PDF) steht. So wird etwa eine PDF-Vorlage einer modernen Notenausgabe in SmartScore X2 sehr gut umgesetzt, während eine weniger gute Notenkopie oder ein schlechter Notenausdruck nachvollziehbar ein größeres Maß an Nachbearbeitung erfordert. So oder so enthält SmartScore X2 jedoch zahlreiche Bearbeitungs- und Notationswerkzeuge, mit denen sich die Nachbearbeitungen der erkannten Notentexte schnell umsetzen lassen. Zudem stehen verschiedene Tools zur Verfügung, um entstandene Erkennungsfehler selbst in einem umfangreichen Notentext schnell ausfindig machen zu können, etwa mit den parallel und synchron verlaufenden Vergleichsansichten von Originalvorlage und Erkennungsergebnis.

      Reply
      • Alexandra Link
        14. September 2018 at 17:05
        Permalink

        Vielen Dank an den Support von Klemm Music Technology für die sachkundige Beantwortung der Fragen!

        Reply
  • 17. September 2018 at 10:49
    Permalink

    Gerade bei Notationssoftware gibt es heute noch kein Multitalent, dass auf alle Bedürfnisse zugeschnitten ist, einem alle kleinen Nebenaufgaben abnimmt, darum ist es so wichtig, dass ständig weiterentwickelt wird, und auch der Basiscode immer gepflegt wird.
    Finale hat den Fehler gemacht sich um letzteres ewig nicht zu kümmern. Das Programm war voller Fehler, ist dadurch gerne einfach abgestürzt oder hat z.B. in den Einzelstimmen einfach Takte verschluckt. Ich warte bis heute auf einen kostenlosen Fix für zumindest letzteres Problem. (Ich habe für das Programm schließlich 600€ bezahlt?) Statt sich darum zu kümmern, war man mit der eiligen Umstellung auf 64-Bit beschäftigt, und so gab es die letzten 5 Jahre seit 2011 kein nennenswertes Update, das Ausgaben von ~100€ wert wäre. Ich bin gespannt, ob MakeMusic aus seiner Komfortzone nochmal heraus kommt, aus meiner Sicht ist das Programm allerdings tot.

    Sibelius 7 ist in der Einfachheit der Noteneingabe, dem magnetischen Layout und dem Einsatz von Samples Finale 2011 um Jahre voraus, bietet dafür aber nicht die hochkomplexen Möglichkeiten beim End-Layout wie Finale, die aber fast nur für Verlage von Bedeutung sind. Leider hat Sibelius ein ähnliches Schicksal erleidet wie Finale:
    Aus reiner Geldgier, hat man das Haupt-Entwicklerteam aus dem UK auf die Straße gesetzt und dafür Programmierer aus der Ukraine eingestellt. Das Ergebnis: Seit Sibelius 7 dümpelt das Programm vor sich hin und nutzt wie Finale in den 2000ern noch die Reste seines Ruhms, ein Update lohnt aber nicht mehr. Im Gegensatz zu MakeMusic, hat Avid keine Möglichkeit mehr, seinen Fehler rückgängig zu machen.

    Denn 2012 wurde das Entwicklerteam von Steinberg eingestellt. (Zum Leidwesen vieler OpenSource vertreter, die auf die Entsthung/Weiterentwicklung freier Software hofften) Seither wird an Dorico gearbeitet. Die erste Version hat bereits gezeigt wie viel Potential das Programm hat, in dem eine funktionale Lücke der großen Konkurrenten nach der Anderen geschlossen wurde. Während (wie Herr Jannsen ja schon anmerkte) die erste Version noch vieles missen ließ und für professionelle Arbeit deshalb noch ungeeignet war, ist mit Erscheinen der Version 2 im Sommer ein Stück Software auf den Markt gekommen, das sich sehen lassen kann. Einzelstimmen-Formatieren gehört damit quasi der Vergangenheit an und in der Partitur wird einem (insb. was Divisi angeht) auch massiv Arbeit abgenommen. Das Programm hat Fehler, ja, aber es ist momentan das einzige der großen Programme, das sichtbar weiterentwickelt wird. Als jemand der mit allen drei Programmen schon viel gearbeitet hat, muss ich für Dorico eine klare Empfehlung aussprechen. Gerade die integrierte DAW (Cubase Code-Teile) macht die Integration von Samples zum Kinderspiel und der Verzicht auf das Numpad bei der Eingabe ist gewöhnungsbedürftig, aber die Lernkurve fantastisch und optimal für kleine Laptops und Unterwegs.
    ABER: Bekannterweise gehört Steinberg zu den ganz großen Paranoiden. Mit Dorico muss man sich mit sogenannten Dongles rumschlagen. Für das Unterwegs-Arbeiten ist das völlig ungeeignet und nervig. iLok2 löst das mit Lizenzen auf dem Mainboard bereits wesentlich geschickter, insofern kann man hoffen dass auch Steinberg irgendwann mit dem Problem fertig wird, seine Kunden unter Generalverdacht zu stellen.

    Zum Notenscannen: Habe das MakeMusic-Produkt noch nie getestet. PhotoScore Ultimate hat bei mir selbst mit den besten Scans miserable Ergebnisse erzielt, wäre interessant zu hören, wie sich SmartScore da schlägt.

    Schöne Grüße,
    Julien

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