6 Fragen an Helmut Hubov zur Teilnahme am Wettbewerb in Karlsruhe

Das Musikfest Baden-Württemberg in Karlsruhe rückt näher und damit auch die Wettbewerbe und Wertungsspiele. Nahezu 200 Blasorchester sind in den letzten Zügen der Vorbereitung, um sich am Wochenende in Bestform präsentieren zu können. Meine Fragen zu den Wettbewerben bzw. Wertungsspielen beantwortet heute Helmut Hubov, u. a. Musikdirektor in Stockach.

  1. Mit welchen Orchestern trittst Du in Karlsruhe an, in welcher Stufe tretet ihr an, welche Werke hast Du jeweils ausgesucht und warum hast Du für Deine Orchester speziell diese Werke ausgesucht?

Mit der Stadtharmonie Winterthur-Töss beim Wettbewerb Klasse 4 und mit der Stadtmusik Stockach beim Wettbewerb Klasse 5.

Für Winterthur habe ich zusammen mit der Musikkommission das Pflichtstück „Deliverance“ und das Selbstwahlstück „Incantation and Dance“ ausgesucht. Für Winterthur haben wir diese Werke ausgesucht, weil sie musikalisch eine große Herausforderung sind. „Deliverance“ bietet dem Orchester viele Möglichkeiten des Musizierens an, ist sehr kammermusikalisch angelegt, sehr transparent, verschiedene Sätze mit unterschiedlichem Charakter……dagegen „Incantation and Dance“ bis auf das Intro (geprägt von atonalen mysteriösen Klängen) sehr wild und komplex, z. T. hämmernd mit rhythmischen Synkopenfiguren, eine große rhythmische Herausforderung für das ganze Orchester und vor allem dem Percussionregister.

Für Stockach habe ich das Pflichtstück „Suite voor Harmonieorkest“ und das Selbstwahlstück „Vesuvius“ ausgesucht. Für Stockach habe ich eher „untypische“ Werke ausgesucht……die – denke ich – das Orchester auch weiterbringen. Untypisch deshalb, weil unsere Besetzung im Moment 96 MusikerInnen hat. Beim Landesmusikfest werden wir dann aber „glücklicherweise“ mit nur über 70 Musiker antreten, da nicht alle mitmachen können. Wer diese beiden Werke kennt, weiß wie schwierig sie sind: sie sollen sehr leicht und transparent klingen; meine Aufgabe ist es, dann im Klangkörper einzugreifen und Reduktionen vorzunehmen, damit es nicht zu „dick“ und „schwerfällig“ klingt; auf die Balance zu achten……usw.

Eher Werke für „kleinere“ Besetzungen !

  1. Seit wann proben die Orchester die Wettbewerbs-Werke und wie bereitest Du die Orchester für den großen Auftritt in Karlsruhe vor?

Beide Orchester haben 8-10 Proben und einige Registerproben. Es sind also nicht mehr Proben wie bei einer Konzertvorbereitung, beide Orchester sind das gewohnt.

  1. Auf was legst Du bei der Probenarbeit zum Wettbewerb großen Wert/den größten Wert?

Wie immer: auf eine entspannte Probenatmosphäre……dann passt „meistens“ auch alles andere. Zu viel Druck erzeugen bringt musikalisch gar nichts, die Musiker „blockieren“ und bekommen unnötig Stress.

Man muß aber in erster Linie bei sich selber anfangen: gut vorbereitet zu sein und in der Anspannung „entspannt“ zu bleiben……allerdings nicht zu entspannt, fordernd und fördernd sollte das Ganze schon sein.

  1. Die Entscheidung zur Teilnahme am Wettbewerb / an den Wertungsspielen: war große Überzeugungsarbeit bei den Orchestern notwendig, oder ist die Teilnahme eine Selbstverständlichkeit?

Die Teilnahme bei Wettbewerben ist für beide Orchester – alle 2 Jahre – selbstverständlich.

Ich bin ja selbst auch oft in Jurys und deshalb ist es auch für mich immer wieder aufregend und spannend auf „der anderen Seite“ zu stehen und die Meinung der Kollegen zu hören.

Außerdem trifft man ja auch viele Kollegen und Musiker, es ist immer sehr schön.

  1. Welchen Stellenwert hat die Teilnahme am Wettbewerb / an den Wertungsspielen im Vereinsgeschehen?

Ich denke für jeden Verein oder auch Dirigent ist es wichtig immer wieder über den Tellerrand hinauszuschauen. Orchester die diese regelmäßige Herausforderung suchen „bilden“ sich ja auch musikalisch weiter.

Der Weg ist das Ziel.

Am Tag X, zur Uhrzeit X in einen (am liebsten) Konzertsaal hineinzugehen, kurz einspielen und danach das Programm so gut wie möglich abzuliefern…..ich denke, das ist für jedes Orchester und jeden Dirigenten spannend.

  1. Was spricht Deiner Meinung nach für, was spricht gegen eine Teilnahme an Wertungsspielen generell?

…….dagegen spricht nichts….dafür: siehe Punkt 5

Herzlichen Dank, Helmut Hubov, für die Beantwortung der Fragen und Dir und Deinen Orchestern viel Erfolg in Karlsruhe!

Helmut Hubov
Helmut Hubov

Über Helmut Hubov:

Helmut Hubov (*1960) ist ein viel beschäftigter Musiker, Musikschulleiter und Dirigent verschiedener Orchester. Neben der Stadtmusik Stockach und der Stadtharmonie Winterthur-Töss ist er musikalischer Leiter des Sinfonischen Verbandsblasorchester Markgräflerland und des Verbandsjugendblasorchester Bodensee. Seine Ausbildung begann er in seinem Geburtsland Rumänien. Dort studierte er Trompete und war Mitglied in der rumänischen Staatsphilharmonie in Arad. An der Bundesakademie in Trossingen und an der Musikhochschule Zürich studierte er Blasorchesterdirektion. Zu seinen Lehrern gehörten u. a. Hans-Walter Berg, Motti Miron und Hans-Peter Blaser. Er belegte zahlreiche Meisterkurse auf dem Fachgebiet Trompete (Maurice André), Dirigieren (Robert Reynolds, Henk van Lijnschooten, Eugene Corporon, Pierre Boulez, u. a.) und Komposition (A. Iannaconne, F. Ticheli, Dana Wilson). Außerdem absolvierte er ein Privatstudium im Fach Trompete in Winterthur, ein Kompositionsstudium bei Jean-Balissat in Lausanne und eine Kapellmeisterausbildung bei Sylvia Caduff in Luzern. Helmut Hubov ist Mitglied der WASBE, Wertungsrichter im Bund Deutscher Blasmusikverbände, vielgefragter Juror bei Musikwettbewerben aller Art, Dozent für Dirigieren, Orchesterleitung und Literaturkunde und Verbandsdirigent im Hegau-Musikverband.

 

Bildnachweis Beitragsbild: Stadtmusik Stockach, Fotograf Uli Zeller. Herzlichen Dank!

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