Gedanken zur Musik bei Trauerfeiern

Keine Angst. Ich bin weder krank, noch ist sonstwie meine baldige Beerdigung absehbar. Ich bin gesund und munter und hoffe, dass ich noch viele Jahre Blogbeiträge schreiben darf.

Aber eine Beerdigung eines ehemaligen Musikkameraden aus einem Musikverein in dem ich früher einmal mitgespielt habe, hat mich zum Nachdenken darüber gebracht, was ich gerne einmal bei meiner Beerdigung hören möchte. Ja, ich glaube fest daran, dass ich dann auf einer Wolke sitze und genau höre was gesprochen und vor allem von meinen Blasmusikfreunden gespielt wird.

Und eines soll mir bitte nicht passieren. Genau das, was bei der Beerdigung meines ehemaligen Musikkameraden gespielt wurde: die ewig alten, ständig immer wieder gespielten gleichen Trauerchoräle, die schon seit 30 Jahren in der Mappe sind…. Schön war bei der Trauerfeier, dass sie seinem Wunsch nachgekommen sind und eine schöne Polka von Franz Watz gespielt haben.

Was wären denn die Alternativen zu diesen traurigen Schauerchorälen?

Ich habe mich mal auf die Suche gemacht.

Meistens ist es ja so, dass vor einer Beerdigung nicht viel Zeit für aufwändiges Proben ist. Die Stücke, die bei der Trauerfeier gespielt werden, sollen entweder aus dem laufenden Programm, also in der Mappe sein, oder mit einer Probe aufführungsreif einstudiert werden können.

Gone von Scott McAllister fällt damit schon mal raus. Obwohl es sich für eine Trauerfeier ganz wunderbar eignen würde. Wir haben Gone im Sinfonischen Verbandsblasorchester Markgräflerland bei unserem Jubiläumskonzert 25 Jahre VBO im Gedenken an unsere Mitspieler, die uns voraus gegangen sind, gespielt. Hört selbst, wie klasse das Werk ist:

 

 

Der Komponist Scott McAllister schreibt über Gone auf seiner Website: “Gone für Bläserensemble ist eine Transkription des sechsten Satzes aus meinem 60-minütigen Konzert für Klarinette, dem Epic Concerto. Jede Bewegung des Konzertes bezieht sich auf verschiedene Säulenmomente meines Lebens als Klarinettist. 1994 wurde meine Spielerlaufbahn bei einem Autounfall beendet. Es geht um Verlust und die Emotionen und den Prozess des Heilens und Lernens, um nach einem lebensverändernden Ereignis weiterzugehen.

In die gleiche Kategorie, ewig schön und für eine Trauerfeier geeignet, aber in kurzer Zeit nicht realisierbar (für die Orchester, für die es überhaupt spielbar wäre), fällt der dritte Satz „Mesto (For Nathalie)“ von James Barnes aus seiner dritten Sinfonie.

 

 

Auch dieses Werk habe ich vor langer Zeit einmal in einem Konzert in Gedenken an eine viel zu früh verstorbene Musikfreundin gespielt. Aber das ist heavy, das kann ich Euch sagen. Zu spielen, wenn einen die Gefühle fast übermannen. Da bist Du hinterher fix und fertig. Aber es ist ja oft so, wenn etwas muß ist man erstaunt, wie stark man sein kann.

Für die meisten Orchester sind weder Gone noch Nathalie spielbar. Deswegen hier ein paar Vorschläge, die von überwiegend allen Blasorchestern bewältigt werden können. Die mit nur einer Probe spielbar sind. Alle Werke sind jedoch auch als Einspielstücke gut verwendbar. Und gut, wenn man davon ein paar auf Lager und präsent hat. Die Gelegenheiten, sie aus der Mappe zu ziehen sind leider manchmal viel schneller da als man denkt und will.

Kein Geheimtipp: Bei Jacob de Haan wird man immer fündig!

Ammerland und Yellow Mountains sind Beispiele dafür. Beide Werke sind andächtig und doch auch hoffnungsfroh.

 

 

 

Recht neu ist Jacob de Haans In Memoriam:

 

 

Ganz wunderbar und bei vielen Blasorchesterdirigenten fast in Vergessenheit geraten: Air for Band von Frank Erickson. Auf den Konzertprogrammen habe ich es auch schon lange nicht mehr gesehen. Geschrieben hat es Erickson (*1923 †1996) bereits im Jahr 1956 und hat es 1966 nochmals – in die heutige Form – überarbeitet.

Hört selbst:

 

 

Auch der im Jahr 2015 verstorbene André Waignein hat uns wunderbare Musik hinterlassen, die durchaus auch für eine Trauerfeier geeignet ist: Air for Winds. (Hier habe ich übrigens einen Beitrag über André Waignein geschrieben.)

 

 

Ein weiteres Werk, das uns etwas aus dem Blick gefallen ist: Hymn à la Musique von Serge Lancen. Auch dieses Werk eignet sich als Klangstudie, für ein Konzert und meiner Meinung nach auch für eine Trauerfeier.

 

 

Von Jan Van der Roost möchte ich Euch auch zwei Werke empfehlen: Canterbury Choral und das weniger bekannte Adagio for Winds.

 

 

 

Beim Auseinandersetzen mit diesem Thema habe ich festgestellt, dass es gar nicht so einfach ist, geeignete Literatur jenseits der althergebrachten Trauerchoräle zu finden, die leicht zu spielen und dem Anlass angemessen sind. Und dann spielt ja auch mein persönlicher Geschmack noch eine Rolle – der nicht unbedingt Euer Geschmack sein muß. Ich denke, Musik für eine Trauerfeier soll nachdenklich, besinnlich, aber auch feierlich und hoffnungsvoll klingen. Man hatte mit dem Verstorbenen ja nicht nur traurige Momente, sondern vor allen Dingen auch schöne, fröhliche, witzige Erlebnisse. Diese sollten sich dann auch in der gespielten Musik wiederspiegeln. Aber jeder hat da natürlich seine eigene Meinung. Die oben genannten Werke sind nur Beispiele und Anregungen. Das sind sicherlich nicht alle Werke unserer vielfältigen Blasorchesterliteratur, die für Trauerfeiern geeignet sind. Da gibt es bestimmt noch eine Menge mehr. Wenn Ihr noch ein schönes Werk für traurige Anlässe kennt, könnt Ihr gerne einen Kommentar weiter unten auf dieser Seite hinterlassen.

An meiner eigenen Beerdigung darf gerne eines der oben genannten Werke gespielt werden. Einen ganz speziellen Wunsch habe ich jedoch. Auf jeden Fall soll Evening Song von Jan de Haan gespielt werden. Es ist eine Bearbeitung des Chorals „Der Tag mein Gott ist nun vergangen“. Leider habe ich auf Youtube nur eine Brass-Band-Fassung gefunden, die anhörbar ist (Wahnsinn, welch schleche Live-Aufnahmen teilweise in Youtube eingestellt werden….)

 

 

Dankend verzichte ich auf das Lied vom guten Kameraden. Die Gründe könnt Ihr hier nachlesen.

Aber hoffen wir, dass dieser Tag noch weit in der Zukunft liegt. Man weiß es ja Gott sei Dank nicht….

 

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Musik ist ein sehr wichtiger Bestandteil meines Lebens. Musizierende Menschen zusammen zu bringen meine Leidenschaft.

8 thoughts on “Gedanken zur Musik bei Trauerfeiern

  • 24. Juni 2018 at 8:37
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    Ich kenne einen Verein in Österreich, in dem es eine Liste für Beerdigungen gibt. Jeder Musiker hat in diese Liste eingetragen, welches Stück bei seiner eigenen Beerdigung gespielt werden soll. Einerseits eine kreative Idee. Man könnte es als eine letzte musikalische Botschaft des Verstorbenen an die Hinterbliebenen verstehen.
    Aber die Musik bei Beerdigungen wird eben für die Hinterbliebenen gespielt und ich frage mich, inwiefern Botschaften eines Verstorbenen in dieser Situation hilfreich sind. Die Hinterbliebenen müssen mit ihrer Trauer umgehen und Musik kann helfen, Emotionen zu verarbeiten. Vielleicht sollte daher eher auf deren Bedürfnisse in dem Moment eingegangen werden. Diese Bedürfnisse könnten etwas anders verlangen, als die Botschaft, die jemand zu Lebzeiten festgelegt hat, ohne die Umstände des eigenen Todes zu kennen. Und diese Umstände beeinflussen die emotionale Lage der Hinterbliebenen erheblich.
    Wenn ich mir vorstelle, dass ich zu Lebzeiten bestimmen möchte, wie meine Hinterbliebenen in diesem Prozess durch Musik begleitet werden, habe ich kein gutes Gefühl, weil ich das als zu wenig emphatisch empfinde. Diese Entscheidung möchte ich lieber denen überlassen, die es dann betrifft. Ich werde eh nichts mehr hören.

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  • 25. Juni 2018 at 19:15
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    Weil James Barnes schon erwähnt wurde: “Yorkshire Ballad” vielleicht? Ansonsten fällt natürlich Maslankas “Traveler” in die Kategorie “passend, aber nicht machbar” (immerhin wäre da der Choral “Nicht so traurig, nicht so sehr” verarbeitet). Generell halte ich es für eine gute Idee (wie z. B. in der Liste in einem Kommentar weiter oben festgehalten), den Musikgeschmack des Kameraden zu würdigen. Wieso sollte man nicht die “Munti-Polka” oder “Auf der Vogelwiese” spielen, wenn das nun einmal das absolute Lieblingsstück des Musikers war?

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    • Alexandra Link
      25. Juni 2018 at 19:19
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      Danke für Eure Kommentare Christoph, Gerhard und Florian! Und auch für die weiteren Vorschläge.
      Ich bin auch dafür, die Wünsche des Verstorbenen zu erfüllen. Schließlich ist es eine Art Anerkennung und Würdigung, wenn auch eine späte…
      Viele Grüße
      Alexandra

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  • 26. Juni 2018 at 11:06
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    Zunächst einmal: Danke für diesen schön geschriebenen Artikel. Erfahrungsgemäß wird diese etwas unangenehme Thematik nur allzu gerne bis zum Ernstfall vor sich her geschoben.

    Ein Werk, das mir beim durchlesen dieses Artikels wieder in den Sinn kam, ist ,,Heaven’s Light” von Steven Reineke, welches extra für einen entsprechenden Anlass kommisioniert wurde und in seiner Musik sowohl Trauer als auch Hoffnung recht eindrucksvoll wiederspiegelt.
    Ein weiteres symbolträchtiges Stück, das mir bei diesem Thema einfällt, ist ,,Honorisia” von Ben Hemhouts. Ursprünglich als Ehrerbietung für einen ehemaligen Vereinsvorstand gedacht, ist es meiner Ansicht nach auch eine schöne Geste, mit einem Werk einem verstorbenen Kollegen ,,Danke” zu sagen.

    Beide Stücke sind auch für kleinere Ensembles im Bereich Mittelstufe recht gut spielbar.

    Viele Grüße!

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    • Alexandra Link
      26. Juni 2018 at 11:21
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      Danke, Florian B., für Deine Vorschläge!

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  • 29. Juni 2018 at 9:50
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    Hallo Alexandra,

    wir haben vor einigen Jahren zu Ehren eines viel zu früh verstorbenen Musikers (53 Jahre alt) bei einem Adventskonzert das Stück “And hold in Memory” von Johnnie Vinson gespielt (Grade 3). Ursprünglich war dieses Werk für einen jungen Musiker einer Highschool-Band geschrieben worden. Sehr ergreifend und eine wunderschöne Melodie!

    Reply
    • Alexandra Link
      29. Juni 2018 at 9:55
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      Danke für den Tipp, Christoph!

      Reply

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