Vom „passiven Aktivmusiker“….

Bei meiner Umfrage hat eine Person bei der Frage nach der Funktion im Musikverein in das freie Feld geschrieben: „passiver Aktivmusiker“.

„Hoppla“ dachte ich, „da ist einer, der macht gerne Musik, hat aber offensichtlich nicht den für sich passenden Club.“ Für wie viele leidenschaftliche Musikerinnen und Musiker gilt das noch? Wie viele sind frustriert von zähen Proben, weil die Leute ihre Stimme nicht geübt haben? Oder weil wieder ein Drittel der Musiker in der Probe fehlen? Oder weil die Musik, die gespielt wird totlangweilig ist? Oder weil der Jahresablauf im Musikverein immer der gleiche ist: Jahreskonzert, Standkonzerte, Prozession, Sommerprogramm im Festzelt oder auf dem Hock? Oder, oder, oder? Wie viele ehemalige Musikerinnen und Musiker könnten wieder „reanimiert“ werden, wenn nur die Bedingungen anders wären?

Oder sind hier allein „äußere Umstände“ wie zum Beispiel zu hoher Druck und zu große zeitliche Belastung im Beruf der Grund, warum es viele „Ehemalige“ gibt?

Vermutlich etwas von allem. Egal warum ein Musiker irgendwann mal aufgehört hat im Verein zu Musizieren: hier gibt es ein enormes Potential für die Vereine, ihr Orchester zu erweitern. Von alleine kommen die „passiven Aktivmusiker“ aber nicht zurück. Es gibt innerhalb der Städte und Gemeinden schließlich genügend Möglichkeiten die Freizeit zu gestalten.

Und wie gehen wir das an? Erstens einen schriftlichen Aufruf starten. Zum Beispiel im Gemeindeblatt, Stadtanzeiger oder in sonstigen Medien – print und online. Natürlich sollten auch ausführliche Informationen zusammen mit dem Aufruf für Interessierte auf der Vereinshomepage zu finden sein.

Zweitens und meiner Meinung nach die beste Möglichkeit: die Leute direkt ansprechen! Die Vereinsmitglieder dazu animieren, dass sie sich umhören, vielleicht gibt es ja musizierende Menschen die erst kürzlich in die Gemeinde gezogen sind. Oder die Mitgliederliste der „Ehemaligen“ durchsehen und systematisch mit diesen reden. Das muß nicht zwingend der Vorstand machen. Ein Team von 2 Musikern kann das gut übernehmen. Davon einer von den „Jungen“ und einer von den Erfahrenen. Mit den „Ehemaligen“ zu reden hat gleichzeitig noch den Nebeneffekt, dass klar wird, aus welchen Gründen jemand nicht mehr in einem Verein musiziert.

Voraussetzung für die erfolgreiche „Reanimierung“: im Verein muß es stimmen, die Konzerte müssen das Publikum begeistern, die Musikerinnen und Musiker müssen von ihrem Verein überzeugt sein und von der tollen Atmosphäre schwärmen. Wie man das erreicht ist ungefähr genau so schwierig zu beantworten, wie die Frage an einen Komponisten wie man einen Bestseller schreibt. Aber vielleicht kennt ja der „passive Aktivmusiker“ die Antwort! Oder kennst Du die Antwort?

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7 thoughts on “Vom „passiven Aktivmusiker“….

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    5. März 2015 at 15:50
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    Hallo Alexandra, ich kann Deine Meinung absolut nur unterstreichen. Wir versuche in unserem Orchester jedes Jahr mit neuen Aktionen die Ehemaligen zu reaktivieren. Wichtig dabei ist aber sicher die Bezeichnung “Ehemalige” nicht nur auf die Vereinsehemaligen zu beziehen, sondern vielmehr auch auf alle “ehemaligen Musiker”, die in anderen Vereinen gespielt haben und die durch Beruf, Studium oder Familie ihren Standort gewechselt, aber am neuen Standort nicht mehr in einem Verein begonnen haben. Als Wege versuchen wir viel über neuen Medien (Facebook, WhatsUp,…) mit Musikern in Kontakt zu bleiben bzw. zu kommen. Aber auch über persönliche Kontakte und Nachfragen versuchen wir dies. Aktionen starten wir z.B. Grillfeste für Ehemalige und Wiedereinsteiger, Konzertprojekte als Ehemaligentreffen, Vereinsaustausch zwischen Vereinen in denen ehemalige von uns nun mitspielen, etc. Das ganze Thema ist aber sehr “kleinteilig” und zeitaufwendig, so dass es viel Durchhaltevermögen braucht und man darf seine Ziele nicht zu hoch setzen. Wir haben als Jahresziel z.B. “Reaktivierung von 5 ehemaligen Musikern” gesetzt. Und die größten Erfolge haben wir bisher mit großem Abstand durch die Webseite, da wir dort sehr viel Energie in eine gute Suchmaschinenplatzierung investieren. Bin gespannt auf weitere Erfahrungsberichte.

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    5. März 2015 at 17:36
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    Hallo!

    Ich kann das nicht ganz verstehen. Ich (47) bin, seit meinem 14ten Lebensjahr leidenschaftliche Klarinettistin. Durch Umzüge musste ich mir immer einen neuen Verein finden, und es fand sich in jedem Ort ein oder sogar mehrere Vereine, bei denen ich mitspielen durfte,
    In meinem jetzigen Verein habe ich schon mehrere Dirigenten erlebt und war auch schon mal kurz davor, aufzuhören, weil ich mich mit der Musik, die der Dirigent spielte, nicht mehr identifizieren konnte. Schlussendlich ging der Dirigent, aber selbst, wenn er geblieben wäre, hätte ich einen anderen Verein gefunden.
    Ich finde, wenn jemand mit Leidenschaft Musik macht, hört er damit nicht einfach auf! Es gibt immer einen Weg, und mit ein bisschen Durchhaltevermögen übersteht man auch Durststrecken.
    Ich würde niemals das aktive Musizieren aufgeben!

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    7. März 2015 at 12:36
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    Vor zwanzig Jahren hätte ich mich meiner Namensvetterin angeschlossen. Leben ohne Musik war undenkbar, ich war Mitglied im LBO, in einem Musikverein, habe dirigiert und viele Kurse besucht und hatte eine ausgefüllte Freizeit.

    In der Zwischenzeit war ich drei Jahre nicht nur passiv sondern inaktiv. Seit 2012 spiele ich wieder in einem Symphonieorchester, seit zwei Jahren auch im regionalen Verbandsblasorchester. Musikverein kommt für mich nicht mehr in Frage.

    Warum? Die Antwort die ich einem Vorstand, den ich ja unter Umständen hier im Dorf auf der Straße treffe, geben würde, wäre, meine Lebensumstände haben sich geändert. Das ist aber höchstens die halbe Wahrheit. Da gibt es außerdem:

    – Heckenfeste 1: unmotiverte Musiker spielen Musik die sie nicht mögen für Menschen die sie nicht hören wollen. Zitat einer Zuhörerin nach einem Auftritt mit meinem Musikverein: Das war fantastisch, ihr spielt so schön leise, da kann man sich gut unterhalten. –Ja, Danke auch.

    – Heckenfeste 2: Helfen. Nach einer körperlich anstrengenden 45-Stunden-Woche (im „richtigen Leben“ arbeite ich als Versuchsingenieurin –Messgeräte schleppen, Beleuchtung aufbauen, zu testende Bauteile einbauen, mal mit der Flex was anpassen und so), und einem Samstag lang staubsaugen, putzen, aufräumen, Wäsche waschen, Unkraut jäten, einkaufen, gibt es nicht schöneres als am Sonntag acht weitere Stunden an einem Pommes- oder Weinstand zu stehen, während mir sechzehnjährige Schüler erklären sie müssten das ganze Wochenende lernen und könnten leider nicht kommen. Aha…

    – Musikstunde 1: Nachdem Viertel nach acht auch der vorletzte Musiker erschienen ist, sind so gegen Neun die Ereignisse der letzten Woche erzählt und man kann sich der Planung des nächsten Wochenendes widmen, was bis Zehn erledigt ist, so dass man zum gemütlichen Teil übergehen kann. Es ginge schneller, wenn der Spielverderber da vorne nicht ständig dazwischen quatschen würde.

    – Musikstunde 2: Nachdem Viertel nach acht auch der vorletzte Musiker erschienen ist und sich damit erfolgreich ums Einspielen gedrückt hat, was man die nächste Viertelstunde an der Intonation hören wird, ist man in den folgenden beiden Stunden damit beschäftigt … [drei DIN-A4 Seiten Text gelöscht- Fazit: Ich liebe dirigieren- ich tue mich nur schwer mit Musikstunden]

    – Musikstunde 3 bis 999: Natürlich kenne ich nicht alle Musikvereine, vielleicht gibt es irgendwo einen bei dem alles toll ist, alle Musiker üben, die Proben still und zielführend sind, der Dirigent entsprechend kompetent, das anschließende Beisammensein tatsächlich gemütlich, die Dienste an Heckenfesten kurz, die wenigen Ständchen von allen Musikern wahrgenommen werden, die gutbesuchten Konzerte Stuhlkonzerte sind und nicht in einer Turnhalle stattfinden, nur- ich fürchte, die brauchen mich nicht….

    Warum ich überhaupt wieder Musik mache? Ich kann nichts anderes. Hab’s probiert, funktioniert nicht. Meine Strickteile sind ziemlich hässlich, in meinem Garten kultiviere ich nur Unkraut, Malen kann ein Fünfjähriger besser, Chinesisch ist doch ziemlich schwer, Yoga ist toll aber auch nichts für mehrere Stunden täglich.
    Aber Musikverein?- lieber nicht….

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      8. März 2015 at 9:17
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      Hallo Kirsten,
      woher kennst du meinen Musikverein :-). Kann Dir nur eins zu eins beipflichten. Du könntest mein Double sein nur daß ich halt männlich bin.Habe fast haargenau das Gleiche durchgemacht aber ein Patentrezept kann ich leider auch nicht anbieten.

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      8. März 2015 at 10:29
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      Da ist viel wahres dran! Als ich angefangen habe, war am Dienstag Abend Probe. Punkt! Keine Ausreden, keine Alternativen. Die Pflichten eines Vereinsmusikers sind sehr beliebig geworden, und kaum eine Dirigent/Vorstand setzt mal Leute vor die Tür. Nein, jemand kommt nach Wochen wieder (natürlich zu einem attraktiven Auftritt) und bekommt noch den A…. gepudert. Ich wünsche mir eine Ersatzbank wie beim Sport…

      Was hilft einem Verein? Meiner Meinung nach: Klare Richtung. Dabei ist es egal, ob es Big Band, Egerländer oder sinfonisch ist. Ein Orchester, das alles spielt, spielt nix richtig…

      Wir erleben es in unserem Verein gerade: DIe Richtung ist klar, die Konzerte haben Konzept und an den “Pflichtauftritten” wird gearbeitet, es werden finanzstarke Alternativen gesucht.
      Der Erfolg? In 2 Jahren 8 neue Mitglieder, davon 3, die jetzt wieder Zeit haben, Musik zu machen.

      Dazu muss man wissen, das unser Orchester keine Jugendarbeit betreiben kann, da es vor Ort ein selbstständiges JO mit Musikschulbetrieb gibt. Leider ist der früherer Automatismus, das die Leute aus dem JO zu uns kommen, nicht mehr da (Studium etc.).

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