Ein orchestraler Höhenflug bis ins All

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Date(s) - 02/09/2023 - 09/09/2023
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Das Swiss Symphonic Wind Orchestra präsentiert sein drittes Programm: mit viel Schweizer Musik und einer gesellschaftskritischen Uraufführung.

Corona, Ukraine, Klima, etcetera – eine Krise folgt auf die nächste, und die (sozialen) Medien schüren die Panik in ihrer Gier nach Klicks noch zusätzlich. «Die Gesellschaft befindet sich in einem emotionalen Dauerstress», sagt der Schweizer Komponist Stephan Hodel, der diesen Stress in seinem Stück Information Overload in Klänge übersetzt hat. In ganz unterschiedliche Klänge: Hodel hat sich mit Klassik ebenso auseinandersetzt wie mit Jazz und HipHop – und sorgt dafür, dass sein musikalischer «Overload» das Publikum nicht stresst, sondern anregt, bewegt, beflügelt.

Die Uraufführung spielt nun passenderweise ein Ensemble, das gerade während einer Krise gegründet wurde. Der Dirigent Niki Wüthrich hatte schon lange die Idee eines semiprofessionellen sinfonischen Blasorchesters; während der Corona-Pandemie, als alles stillstand, konkretisierte er sie. 2021 ging das rund 60-köpfige Swiss Symphonic Wind Orchestra (SSWO) erstmals auf Tournee, mit drei Zielen: Erstens sollte das Publikum hochkarätige Blasmusik erleben, «Musik jenseits aller Bierzeltklischees», wie Niki Wüthrich es formuliert. Zweitens wollte man Schweizer Werke in den Fokus stellen, nicht zuletzt mit einer jährlichen Uraufführung. Und drittens sollte das Orchester ambitionierten Laien die Möglichkeit geben, eng mit Profis an den Stimmführerpulten zusammenzuarbeiten.

Diese Ziele sind auch beim nun anstehenden dritten Projekt dieselben geblieben. Rund um die Uraufführung von Stephan Hodels Information Overload gruppiert das SSWO ein Programm mit schweizerischen und anderen Raritäten. Da findet sich zum Beispiel die Symphony in B-flat major von Paul Hindemith – tatsächlich, dieser oft als spröde und intellektuell empfundene (und zeitweise auch in Zürich wirkende) Komponist hat ein alles andere als sprödes Stück für eine amerikanische Blaskapelle geschrieben.

Zwei weitere Werke werden dank Bearbeitungen in ein neues Licht gestellt: Da ist zum einen Kurt Weills Dreigroschenmusik, die auch in einer gegenüber dem Original deutlich vergrösserten Bläserbesetzung nichts von ihrer sozialkritischen Kraft und musikalischen Frechheit verliert. Und zum anderen das Praeludium, das Othmar Schoeck 1933 zur Jahrhundertfeier der Universität Zürich geschrieben hat: Ein «herbes Wiegenlied» hat der Komponist aus Brunnen das Werk selbst genannt; es ist auch ein festliches, gewaltiges, schroffes, dämonisches – und viel zu selten gespieltes.

Schoecks Praeludium, das dem ganzen Programm seinen Titel gibt, wurde nicht zuletzt deshalb ausgewählt, weil das erste Konzert der Tournee am Schoeck-Festival in Brunnen stattfindet. Auch in Stäfa erschliesst man sich einen neuen Konzertort, in Frauenfeld dagegen wurde das SSWO schon auf den vergangenen Tourneen bejubelt. «Wir erweitern unseren Radius, musikalisch und geografisch», sagt Niki Wüthrich. Und setzt mit Oliver Waespis Deep Space entsprechend auch noch einen musikalischen Höhenflug aufs Programm: einen, der bis ins All führt, zu langsam rotierenden Sternen und Klängen …

Präludium Tour: Konzertdaten
Samstag, 2. September 2023, 20:00 Uhr, Werkhalle Dettling Holzbau
Sonntag, 3. September 2023, 17:00 Uhr, Ref. Kirche Stäfa
Samstag, 9. September 2023, 19:30 Uhr, Casino Frauenfeld

Weitere Infos und Tickets unter www.sswo.ch

Susanne Kübler

Alexandra Link

Musik ist ein sehr wichtiger Bestandteil meines Lebens. Musizierende Menschen zusammen zu bringen meine Leidenschaft.