Sonntag, Juli 14, 2024
DirigentenVereinsmanagement

10 x 3 Gründe warum es sich lohnt, einen Musikverein zu übernehmen

Ein Round-Up zur Dirigent:innen-Motivation

Dirigent bzw. Dirigentin eines Musikvereins bzw. Blasorchesters zu sein ist oft mühselig, anstrengend und zeitintensiv. Dazu kommt, dass die Bezahlung oftmals in einem schlechten Verhältnis zum Aufwand ist, die Erwartungen auf allen Seiten hoch sind, die Disziplin und Einstellung zum Musikverein bei einigen Musiker:innen ungenügend ist. Das demotiviert.

Wenn jedoch die Voraussetzungen im Musikverein geschaffen sind, beispielsweise durch engagierte Vereinsverantwortliche, vielen helfen Händen, musikalischen Allianzen mit Registerleitern, Vize-Dirigent:innen, Musikkommission, Notenwarten, einer top aufgestellten Jugendarbeit und motivierten Musiker:innen, dann ist die Aufgabe „Dirigent:in eines Blasorchesters“ sehr bereichernd. Was sich wiederum auf die Qualität des Blasorchester auswirkt.

10 sehr motivierte und engagierte Dirigent:innen erzählen in diesem Beitrag, warum es sich lohnt, einen Musikverein bzw. ein Blasorchester zu übernehmen. Die befragten Dirigent:innen nennen jeweils drei Gründe. Sie sollen vor allem jungen Dirigentinnen und Dirigenten Mut machen, das Abenteuer zu wagen und einen Musikverein zu übernehmen!

Die 10 Dirigent:innen, die im Folgenden erzählen, haben sich alle auf einen Aufruf von mir in Facebook dazu entschieden, bei diesem Round-Up-Post mitzumachen. Herzlichen Dank dafür an Sandra Durniok, Melanie Eltges, Maria Fuchsluger, Anne-Christin Kalwa, Ria Kornet, Norbert Langeheine, Julia Midden, Tanja Schneider, Robert Schwärzle und Andreas Weller.

Sandra Durniok (Saarland)

Sandra Durniok
Sandra Durniok

Musikverein Germania Differten

Als ich mir die Frage durch den Kopf gehen ließ, musste ich feststellen, dass diese gar nicht so leicht zu beantworten ist. Der Lohn ist etwas, womit man für eine Leistung entschädigt wird. Den meisten wird hier sofort der monetäre Lohn in den Sinn kommen, der ohne Zweifel auch eine Rolle spielt, in meinem Fall aber definitiv eine untergeordnete, da ich meine Tätigkeit als Dirigentin nicht hauptberuflich ausübe. Ich musste mir also erstmal die Frage stellen: Was ist mein „Lohn“.

1.Spaß, ein Orchester zu dirigieren

Zunächst muss ich glaub ich sagen, dass ich einfach einen riesigen Spaß daran habe, ein Blasorchester zu leiten. Als Dirigentin im Amateur-Bereich, die in kleinen Orchestern groß geworden ist, sehe ich mich nicht nur als musikalische Leiterin, die in den Proben allein die Musik in den Mittelpunkt stellt, sondern mir ist auch wichtig, dass sowohl ich als auch die Musikerinnen und Musiker mit Spaß an der Sache dabei sind. Wenn ich es als Dirigentin geschafft habe, dass meine Leute – auch wenn sie vorher vielleicht einen schlechten Tag hatten – mit einem zufriedenen Lächeln den Proberaum verlassen, dann ist das für mich der erste Lohn.

2. Eigene Interpretationen von Werken

Nach dem Menschlichen kommt aber selbstverständlich auch das Musikalische. Jedem Werk liegen selbstverständlich die Vorgaben des Komponisten zu Grunde, aber letztlich hat doch jeder seine eigene Interpretation eines Musikstückes. Wenn ich als Musiker im Orchester sitze, dann unterliege ich den musikalischen Vorstellungen meines Dirigenten. Ich jedoch liebe es, eine Partitur zu sichten, mir vielleicht noch dazu eine entsprechende Aufnahme anzuhören und mir dabei zu überlegen, wie ich das Stück musikalisch interpretiere. Dies dann auch noch mit meinem Orchester umsetzen zu dürfen, dafür lohnt es sich definitiv, Dirigent zu sein!

3. Der Applaus des Publikums

Und der letzte und nicht zu unterschätzende Lohn für einen Dirigenten, wie aber auch für jeden Musiker, ist der Applaus am Ende eines gelungenen Konzertes. Dem Voraus geht in der Regel eine intensive Probezeit, bei der es meines Erachtens darum geht, dass die ausgewählten Stücke nicht nur dem Publikum und dem Orchester gefallen, sondern dieses sich dadurch auch weiterentwickeln kann. Wie oft legt man ein neues Konzertstück auf, bei dessen ersten Anspielen die Musiker verzweifeln, das im Konzert aber sauber über die Bühne geht und von lautem Applaus gekrönt wird. Da hierin für mich im Amateurbereich auch ein Großteil der Arbeit des Dirigenten liegt, nämlich das Weiterentwickeln und Ausbilden eines Orchesters, ist entsprechender Applaus nicht nur darin zu sehen, dass das Orchester eine gute Leistung erbracht hat, sondern auch der Dirigent einen guten Job gemacht hat.

Am Ende ist es der Applaus, für den es sich immer wieder lohnt!

Melanie Eltges (Rheinland-Pfalz)

Melanie Eltges
Melanie Eltges

Jugendorchester Bergweiler-Wittlich, Musikfreunde Dreis-Dörbach und Musikverein Niederöfflingen

1.Die Gemeinschaft

Wenn man einen Musikverein oder Blasorchester dirigiert, hat man einen Haufen von Laienmusikern vor sich sitzen. Die haben natürlich ihre Grenzen und die liegen unterschiedlich hoch. Aber das ist die Herausforderung. Und dann kommt die Gemeinschaft ins Spiel. Besonders in den Dorfvereinen halten alle zusammen und das „schwächste Glied“ wird nicht einfach zurückgelassen. Es wird unterstützt und von der Gemeinschaft getragen. Es ist toll, ein Teil einer solchen Gemeinschaft zu sein. 

2. Es sind die kleinen Bühnen des Lebens

Es sind vielleicht nicht die größten Bühnen, aber es sind oft sehr dankbare Bühnen! Beispielsweise hatte ich neulich einen Auftritt auf einem Seniorennachmittag. Nun bin ich 27 Jahre alt und mag andere Genres lieber als Marsch und Polka. Aber wir haben losgelegt und die Zuhörer hatten solche Freude an unserer Darbietung. Ich bin selbst Enkelin, habe lange Zeit mit meinem Opa zusammen im Verein gespielt und bei diesem Auftritt konnten wir einem ganzen Raum voller Menschen wie meinem Opa eine so große Freude bereiten – das war wirklich schön und wertvoll für beide Seiten! 

3. Das Erfolgserlebnis

Wenn ich Konzerte plane, habe ich immer ein Stück im Programm, welches die Musiker:innen vor eine Herausforderung stellt. Eine Herausforderung, die ein hartes Stück arbeitet bedeutet, was nicht immer schön ist. Aber dann wird es langsam besser, es fängt an zu laufen und irgendwann macht es „Klick“ und es funktioniert. Dann gilt es diesen Klick in Begeisterung zu wandeln, damit nicht nur Noten gespielt werden, sondern Musik daraus wird. Am Konzert geht man dann mit Anspannung an das Stück und wenn man dann seine tolle Leistung zeigt, den Applaus erntet für diese harte Arbeit, ist man daran gewachsen.

Maria Fuchsluger (Niederösterreich)

MVOK Gresten

1.Neugierde

Eine Motivation für mich, meinen Musikverein als musikalische Leiterin zu übernehmen, war bestimmt auch mit Neugierde verbunden. Die Blasmusikszene hat sich in den letzten, sagen wir 20 Jahren, extrem weiter entwickelt, schon alleine was die Literatur angeht. So viele junge Komponist:innen haben die symphonische Blasmusik für sich entdeckt und bereichern mit ihren Stücken Konzertmusikbewertungen und Konzerte. Blasmusik ist so unfassbar vielfältig. Von Marschmusik, Kirchenmusik, Unterhaltungsmusik bis zu grandioser symphonischer Blasmusik ist alles dabei. Mein Herz schlägt auch für die Musikvermittlung und da schlummern noch viele Ideen in mir, die mich motivieren, mit meinen Musiker:innen zu arbeiten.

2. Orchesterentwicklung

Ein wichtiger Aspekt ist für mich, mein Orchester entwickeln zu wollen. Ich bin in dieser Kapelle aufgewachsen, spiele Klarinette und viele kennen mich eben auch schon so lange und noch länger. Meine Vorgänger sind tolle Musiker und entwickelten das Orchester immer weiter. In dieser Zeit durfte ich sehr viel lernen und später dann auch in die Aufgaben eines Dirigenten hineinschnuppern und immer wieder Erfahrungen sammeln. Daraus entwickelten sich im Laufe der Jahre eigene Ideen, eine eigene Meinung, was mir bei meinem Orchester wichtig ist, wie es klingen soll, was es dafür braucht und wie man das umsetzen kann.

3. Gemeinschaft

Der für mich wohl wichtigste und schönste Grund ist das Gemeinschaftliche. Wo erlebt man das schon, dass der 12-jährige Bursche, neben dem 70-jährigen sitzt, jeder gleich wichtig ist, sich einbringt, gemeinsam Zeit verbringt, gemeinsame Ziele verfolgt usw.? Es zählt für mich nicht, wie erreiche ich möglichst viele Punkte bei einem Wertungsspiel, sondern dass die Musiker:innen gerne zur Probe kommen, sich freuen einander zu sehen und gemeinsam Ziele verfolgen. Einen funktionierenden Verein macht aus, wenn man nicht nur Erfolge miteinander feiert, sondern man sich aufeinander verlassen kann, wenn jede:r einzelne Musiker:in sich einbringen möchte. Denn natürlich gibt es auch Ausrückungen, die weniger lustig sind als andere und nach einem Fest, muss auch aufgeräumt werden. Es ist manchmal herausfordernd, aber beglückend, einen Verein mitzugestalten, zusammenzuhalten und zu prägen.

Anne-Christin Kalwa (Niedersachsen)

Tine Kalwa
Tine Kalwa

Musikzug der freiwilligen Feuerwehr Wehrstedt

1.Freude an der Musik

Mein erster Grund ist die Freude an der Musik, diese weiterzugeben und gemeinsam zu erarbeiten. Es ist großartig zu sehen, wie sich die Leidenschaft für die Musik im Orchester verbreitet, jede:r Feuer fängt und anfängt mitzumachen. Denn ohne Musizierende würde unsere Arbeit keinen Sinn ergeben.

2. Gemeinschaft

Außerdem bereitet es mir sehr viel Freude in einer Gemeinschaft zu musizieren und auch diese zu leiten. Es ist für mich etwas sehr Besonderes vor einem Orchester zu stehen und dieses zu dirigieren.

3. Dirigentinnen als Vorbilder

Der letzte Punkt ist, dass man als Frau im musikalisch leitenden Bereich immer noch sehr unterrepräsentiert ist. In meinem C-Lehrgang hatten wir ein recht ausgeglichenes Geschlechterverhältnis. Warum es in der Dirigent:innen-Szene so eine Gendergap gibt, weiß ich leider nicht. Aber gerade als Frau muss man sich mehr beweisen und sein Können zeigen.

Ich würde mir deutlich mehr Dirigentinnen in der Blasorchesterwelt, sowie auch in großen Orchestern wünschen. Die Welt braucht mehr Vorbilder.

Ria Kornet (Niederlande)

Ria Kornet
Ria Kornet

Schlagzeuggruppe und Fanfarenorchester des Caecilia-Musikvereins in Scherpenzeel (Holland), leitende Beraterin bei Musidesk Rijnbrink

In den Niederlanden ist es selbstverständlich, dass man nach dem Dirigierstudium als Dirigent bei Musikvereinen arbeitet.

1.Gemeinschaft

Ich persönlich finde, dass das eine sehr schöne Aufgabe ist, denn für mich ist Dirigent-sein mehr als nur das Dirigieren an sich. Mir gefällt die Verbandsdynamik sehr und ich sehe es auch als meine Aufgabe an, meine Expertise auch in anderen Belangen einzubringen, die im Verein eine Rolle spielen. Es gibt sehr gute Einblicke in die Funktionsweise von Vereinen, aber auch in die Entwicklung von Laienmusikern persönlich und innerhalb einer Gruppe.

2. Kulturbeitrag

Als Dirigent lernt man, mit beiden Beinen auf dem Boden und im Feld zu bleiben. Gemeinsam mit den Vereinsmitgliedern leisten Sie einen enormen Wert für das kulturelle Umfeld vor Ort.

3. Musik im sozialen Kontext

Schließlich empfinde ich die Leitung eines Musikvereins als einen sehr wichtigen Ansporn, nicht nur als Experte für Musikinhalte, sondern auch als Mensch im sozialen Kontext stets kreativ und flexibel zu sein und zu bleiben.

Norbert Langeheine (Bayern)

Norbert Langeheine
Norbert Langeheine

Jugendblasorchester im Musikverband Untermain, Musikverein „Edelweiß“ Roßbach, Musikverein „Regina“ Rück-Schippach

1. Die Sinfonische Blasmusik jungen Menschen näherbringen und sie zu Multiplikatoren machen 

Mit engagierten Musikerinnen und Musikern konzentriert an Blasmusikwerken zu arbeiten, gibt einem sehr viel. Das Verbandsjugendorchester unseres Musikverbandes besteht aus rund 50 Jugendlichen im Alter zwischen 12 und 22 Jahren. Hier sehe ich für mich als wichtigste Aufgabe, den jungen Orchestermusikern die Sinfonische Blasmusik näher zu bringen. So bin ich immer auf der Suche nach spannenden, auch weniger bekannten sinfonischen Blasorchesterwerken – und nach einer gelungenen Probe wirkt die Zufriedenheit noch tagelang nach. Das im Verbandsorchester erworbene musikalische Können wird in die Heimatvereine getragen und die Jugendlichen werden zu echten Stützen in den Musikvereinen.

2. Orchester entwickeln – egal auf welcher Leistungsstufe 

Am schönsten ist es, auf Konzerte hinzuarbeiten und wenn man peu à peu die Verbesserungen an den Werken spürt. Und hier ist es völlig egal, in welchen Ensembles das geschieht und in welcher Leistungsstufe das passiert.

Aber nicht nur das – wir Blasmusiker müssen ja im Laufe des Jahres eine große musikalische Bandbreite abdecken: Kirchen- und Jahreskonzerte, Geburtstage, Hochzeiten, Beerdigungen, Einweihungen, Fest- und Unterhaltungsmusik, Marschmusik. Hier in allen Bereichen von meinen Musikkapellen eine zufriedenstellende musikalische Leistung einzufordern, ist eine spannende und herausfordernde Aufgabe. 

Und die Feststellung, dass im Laufe der Zeit sich das Orchester stetig verbessert und an den Stücken wächst, ist äußerst befriedigend.

3. Gestaltung des gemeindlichen Lebens und Erhalt einer lebendigen Kultur

Allgemein gesehen wirken wir Blasmusiker und Dirigenten aktiv an der Gestaltung und am Erhalt der Kultur in unseren Gemeinden und Landstrichen mit. Musikvereine sind die wichtigsten Kulturträger an der Basis. Wir können sehr stolz auf unsere fundamentale Bildungsarbeit sein und sollten dies auch selbstbewusst nach außen tragen. 

Julia Midden (Niedersachsen)

Julia Midden
Julia Midden

Musikverein Langen-Gersten

1.Weiterentwicklung der eigenen Persönlichkeit

„Ein/e Dirigent:in muss qualifiziert und engagiert sein!“ – so ist es noch in vielen Köpfen der Musikerwelt verankert. Die Übernahme eines Orchesters fordert aber vor allem die Bereitschaft, sich selbst ständig weiterzuentwickeln. Die Weiterentwicklung der eigenen Persönlichkeit ist der erste und für mich wichtigste Grund, warum es sich lohnt ein Orchester als Dirigent:in zu übernehmen. Die Musiker:innen geben ganz automatisch ständig zu verstehen, dass Empathie und Motivation die gewünschten Erfolge bringen – das fordert die Auseinandersetzung mit sich selbst und bringt einem viel für die eigene Persönlichkeit.

2. Musikalische Weiterentwicklung

Neben pädagogischen und reflektierenden Fähigkeiten spielt aber natürlich auch die musikalische Weiterentwicklung eine wichtige Rolle, der zweite Grund. Durch die Arbeit mit dem gesamten Orchester wird das Gehör umfassend geschult und man lernt, Musik richtig zu verstehen und das auch an andere Musiker:innen weiterzugeben.

3. Gänsehaut-Momente

Und nicht zuletzt lohnt es sich als dritten Grund, um weitere Gänsehaut-Momente zu sammeln. Gänsehaut, wenn das Publikum applaudiert, wenn die Musiker:innen wie echte Freunde mit dir lachen oder wenn das Orchester zusammen wundervoll klingt. Das ist ein Gefühl, das man einfach erleben muss, wenn man die Chancen dazu hat.

Tanja Schneider (Rheinland-Pfalz)

Tanja Schneider
Tanja Schneider

Nordpfalzmusikanten

1.Win-Win Situation

Beide Seiten, das Orchester und die Dirigentin/der Dirigent profitieren voneinander. Einerseits bekommt die leitende Person die Möglichkeit eigenständig Probenarbeit zu leisten und daran zu wachsen, Probenansätze auszuprobieren und durch Erfolge/Misserfolge weiterzuentwickeln, andererseits bekommt das Orchester eine motivierte, neue Leitung, die unterschiedliche Methoden mitbringt und andere Perspektiven eröffnet.

2. Persönlichkeitsentwicklung

Durch die Übernahme eines Musikvereins wird die Dirigentin/der Dirigent darin geschult, Verantwortung über einen ganzen Verein, nicht nur kurzfristig, sondern auch auf längere Sicht inne zu haben. Gerade für junge, aufstrebende Musiker:innen kann dies zur persönlichen und musikalischen Entwicklung beitragen, da vielfältige Aufgabenbereiche, von der künstlerisch, pädagogischen Probenarbeit zur organisatorischen Strukturgebung bis hin zum erschaffen einer angenehmen Vereinsatmosphäre, damit einhergehen.

3. Stärkung der Laienmusikszene

Musikvereine sind, meiner Meinung nach, wichtige Bestandteile der Kulturszene vor Ort, sowie ein nährreichender Boden für Auswahlorchester im Laienbereich und professionelle Blasorchester. Daher ist es für mich bedeutend, durch die Übernahme eines Vereins diese positiven Eigenschaften zu erhalten, stärken und zu vertiefen.

Robert Schwärzle (Bayern)

Robert Schwärzle
Robert Schwärzle

Musikkapelle Gerlenhofen

1.Musik ist meine Leidenschaft

Als ich im Alter von 16 Jahren den Einstieg als Autodidakt in die Welt der Blasinstrumente gefunden habe, ist in mir die Leidenschaft entbrannt. Zunächst in meiner Heimatkapelle vorwiegend in der traditionellen Blasmusik hat mich die Lust des Dirigierens schnell gepackt. Dabei spielte die verbandseitige Ausbildung auf Basis von absolvierten Bläserprüfungen eine große Rolle und der Einstieg in das Thema “Dirigieren” wurde so ermöglicht. So richtig los ging es aber dann während meines Wehrdienstes beim Heeresmusikkorps 10, als ich als Bläser meine ersten ernsthaften Gehversuche in der sinfonischen Blasmusik bei vielen Benefizkonzerten sammeln durfte. Schnell war mir klar, dass ich selbst ein Orchester dirigieren möchte und das überwiegend im konzertanten Bereich. Der Wille, sich stets als Dirigent eines Blasorchesters im Laienbereich immer weiter fortzubilden und die damit verbundene Leidenschaft an die Mitglieder eines Vereins weiterzugeben begleitet mich nun seit vielen Jahren. Verbunden mit der Möglichkeit, meine Interpretationen von Werken zu zunächst den Musikern zu vermitteln, um sie dann einem Publikum zu präsentieren – immer verbunden mit dem Wunsch, dass das Orchester für das erarbeitete möglichst viel Applaus erhält – ist wohl der wichtigste Grund, warum ich als Dirigent tätig bin. Die Musik und die Harmonien zu fühlen ist mir enorm von Bedeutung.

2. Kultureller Beitrag und soziale Verantwortung

Als Dirigent bin ich Teil und Förderer von Kultur. Wir leben in einem Land mit einer herausragenden Vergangenheit von Kulturschaffenden sowohl im professionellen als auch Umfeld der Laienmusik. Als musikalischer Leiter trage ich also aktiv dazu bei, diese Kultur zu erhalten und zu pflegen. Eine Gemeinde/Stadt ohne Musik ist für mich nicht vorstellbar, denn wo es still ist, fehlt einfach etwas. Das bringt die Menschen zusammen, wenn es klingt und jemand musiziert. Und wenn Menschen für Musik zusammenkommen, ist es immer eine besonders friedvolle Atmosphäre, was mir sehr gut gefällt – harmonisch eben, wie die Musik auch.

3. Gemeinschaft und Zusammenarbeit

Gemeinschaft und Zusammenarbeit in einem Verein, in dem sich Menschen freiwillig einfinden (sie werden ja nicht bezahlt wie in einem Arbeitsverhältnis) halte ich für extrem spannend. Die damit verbundenen Anforderungen, mit einer Vielzahl von Menschen mit lauter verschiedenen Hintergründen zu arbeiten hat mir viele Erkenntnisse geliefert, die ich im Berufsleben einfließen lassen kann. Wie gehe ich mit wem wie um? Alle über einen Kamm scheren funktioniert nicht. Dabei bin ich überzeugt, dass ich die Musiker und Musikerinnen nicht von außen motivieren kann. Aber ich kann Rahmenbedingungen schaffen sowie authentisch agieren, damit die Motivation, die sie mitbringen, möglichst erhalten bleibt oder im Idealfall wachsen kann. Außerdem ist es sehr lehrreich und prägend, wie sich die Beziehungen zu den Menschen in der Rolle als Dirigent zur Rolle Musiker oder Musikerin verändern können. Diese Erfahrungen sehe ich ebenfalls als großen Wert.

Andreas Weller (Rheinland-Pfalz)

Musikverein Ransbach-Baumbach

Andreas Weller
Andreas Weller

1.Man kann etwas bewegen

Unter der Grundvoraussetzung, dass der Verein an einer Entwicklung interessiert ist, können bei entsprechendem Engagement von Dirigent und Musiker:innen echt tolle Dinge entstehen. Hierfür ist es m.E. auch absolut unwichtig auf welchem Leistungsniveau die Musiker:innen stehen solange sie motiviert für die Sache sind.
Gerade der Vergleich vom Anfang von Konzertprojekten, wo das gesamte Projekt oder einzelne Stücke mit „das schaffen wir doch nie“ abgetan werden und der erfolgreichen Aufführung am Ende zeigen, was man alles bewegen und erreichen kann.
Diese Bewegung betrifft aber nicht nur das Gesamtorchester, sondern auch einzelne Musiker:innen. Vor fünf Jahren noch nur jeden fünften Ton an der dritten Klarinette mitgespielt und heute Leistungsträger auf der ersten Stimme. Wenn man dann Informationen über die Wahl eines Leistungskurs Musik, ein geplantes Musikstudium oder die Teilnahme an einem Dirigentenlehrgang bekommt merkt man, dass man zumindest ein Puzzleteil zu einer tollen Entwicklung beigetragen hat.

2. Musiker wollen und brauchen Anleitung – auf jedem Niveau

Das Musizieren in einem Orchester erfordert Strukturierung und Ordnung. Hierfür ist der Dirigent zuständig. Musiker benötigen auf jedem Leistungsstand Anleitung und freuen sich, wenn dies jemand kompetent macht. Natürlich mag es für einen Dirigenten herausfordernder sein, wenn man anspruchsvolle Literatur spielen kann, aber auch im unteren Leistungssegment kann man vertieft mit einem Orchester arbeiten und erhält hier auch rasch positives Feedback. Gerade für Dirigiereinsteiger, die vielleicht vor kurzem erst einen Dirigentenlehrgang absolviert haben, eignet sich so ein Ensemble sehr gut. Die Stücke sind noch nicht so vielstimmig und daher transparenter zu durchhören. Hier können oft schon kleine, ggf. eigentlich logisch und überflüssig erscheinende Tipps große Wirkung entfalten. Denn alle Musiker:innen, die in die Probe kommen, wollen sich verbessern; sowohl individuell als auch als Ensemble.

3. Man kann Blasmusik-Influencer sein

Wenn man nicht nur das 0815-Repertoire spielt, sondern sowohl bei Kompositionen nach dem Neuen und Unbekannten sucht, als auch bei Arrangements auch mal abseits des Mainstream schaut, so kann man tolle Werke hervorzaubern, die eben nicht jeder Musikverein spielt und so dem Verein auch eine klingende Corporate Identity geben. Vielleicht auch mal ganz mutig selbst ein Arrangement mit Liebe zum Detail erstellen und so ein Lied aus einem anderen Genre in die Blasmusikszene bringen. Lieber der Trendsetter sein, der vorher viel Zeit auf Verlagsseiten, YouTube und bei anderen Quelle verbracht hat, als derjenige der das alte Zeug nachspielt, was schon jeder Verein in der Mappe hat(te). Wenn die Musiker dann nach der Probe pfeifend nach Hause gehen, hat der Ohrwurm erfolgreich zugeschlagen. So kann man langfristig die Szene beeinflussen, da sich gute (anfangs unbekannte) Literatur langfristig immer durchsetzen wird.
Gleiches gilt für ungewöhnliche, kreative Konzertformate, -orte etc. Hier immer weiterzudenken und zu schauen was mit dem Ensemble realistisch (!) machbar ist und dennoch die Grenzen immer wieder auszuloten, bringt langfristig die Szene voran.

Alexandra Link

Musik ist ein sehr wichtiger Bestandteil meines Lebens. Musizierende Menschen zusammen zu bringen meine Leidenschaft.

    Schreibe einen Kommentar

    Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert