Sonntag, Juli 14, 2024
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Motto- / Themen-Konzerte

Round-Up Programmgestaltung und Werkauswahl Teil 1

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Programmgestaltung und Werkauswahl ist das Thema eines Round-Ups mit insgesamt vier Beiträgen. In diesen vier Beiträgen werden die Aspekte Motto-/Themenkonzerte, erfolgreiche Konzertprogramme, No-Gos in der Konzertprogramm-Zusammenstellung und Wünsche von Dirigent:innen an Komponisten und Verleger von sechs Dirigent:innen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz beleuchtet.

Herzlichen Dank an die Dirigent:innen Sandro Blank (CH), Dani Haus (CH), Lisa-Marie Holzschuh (DE), Marc Lange (DE), Bernhard Schlögl (AT) und Monika Schütz (CH), die vier Fragen zum Thema Programmgestaltung und Werkauswahl beantwortet haben.

Im ersten Teil lest Ihr die Antworten der sechs Dirigent:innen zu der Frage:

Motto-/Themen-Konzerte: Wie stehst Du dazu? Und welche Themen hast Du ggf. schon verwendet?

Sandro Blank (CH)

Sandro Blank
Sandro Blank

Sandro Blank ist Dirigent der Feldmusik Sarnen, dem Jugendblasorchester Luzern, der Stadtmusik Zug, dem Jugendblasorchester der Musikschule Baar ZG und ab Herbst 2024 Dozent für Blasorchesterleitung an der HKB Bern.

„Nichts muss alles kann! Wenn es sich anbietet, versuche ich mich gerne auf ein bestimmtes Thema zu beschränken. Dies gibt einem Programm oft einen schönen Zusammenhang. Ich versuche jedoch platte Themen, wie bspw. Länder etc. zu vermeiden. Hier ein paar Beispiele meiner letzten Programme:

Feldmusik Sarnen – Winterkonzerte 2024

Feldmusik Sarnen: Reveries
Feldmusik Sarnen: Reveries

Reveries
Samstag, 20. Januar 2024, 20:00 Uhr Sonntag, 21. Januar 2024, 17:00 Uhr Aula Cher, Sarnen
Sandro Blank, Dirigent
Cyrill Schaub, Tuba

James Barnes (*1949) Fantasy Variations On a Theme by Niccolo Paganini
Roland Szentpali (*1977) Concerto für Tuba und Blasorchester

Gemba Fujita (1937-2013) Lamentation Of Archangel Michael – Die Wehklage des Erzengel Michael
Alfred Reed (1921-2005) Three Revelations From The Lotus Sutra

Feldmusik Sarnen – Winterkonzerte 2022

Feldmusik Sarnen: Deep Sound & Evolution
Feldmusik Sarnen: Deep Sound & Evolution

deep sound & evolution
Sandro Blank, Dirigent
Samstag 22. Januar 20:00 Uhr Aula Cher, Sarnen
Sonntag 23. Januar 17:00 Uhr Aula Cher, Sarnen

Robert Jager (*1939) Sinfonia Nobilissima
Alfred Reed (1921-2005) Armenian Dances (Part 2)
Frank Ticheli (*1958) Sanctuary
Oliver Waespi (*1971) Deep Space (UA)
John Mackey (*1973) Wine Dark Sea – Symphony for Band

JBL-Jugendblasorchester Luzern – Winterkonzert 2024

Jugendblasorchester Luzern: Shall we Dance!?
Jugendblasorchester Luzern: Shall we Dance!?

Shall We Dance?!
Sandro Blank, Dirigent
Freitag, 26. Januar 2024, 20:00 Uhr, KKL Luzern, Luzerner Saal

Alfred Reed (1921-2005) The Hounds Of Spring
John Barnes Chance (1932-1972) Incantation And Dance
Dmitri Schostakowitsch (1906-1975) Arr. Johan De Meij Jazz Suite No. 2
Zusammen mit JBL Juniors:
Ronan Hardiman, arr. Frank Bernaerts Lord Of The Dance Highlights from Michael Flatley’s «Lord of the Dance»
Marie-Louise Werth In Pign Regal Arr. Corsin Tuor “Ein kleines Geschenk“

Dani Haus (CH)

Dani Haus
Dani Haus

Dani Haus ist Dirigent der Stadtmusik Rheinfelden, CH, Schulmusiker, Privatlehrer für Trompete, Dirigieren und Musiktheorie sowie Arrangeur und Autor verschiedener Publikationen.

„Motto-Konzerte finde ich in mehrfacher Hinsicht interessant: Sie bieten einerseits vielfältige Möglichkeiten der Literaturauswahl und Programmgestaltung und lassen sich andererseits attraktiv präsentieren und mitunter ideal vermarkten. Dabei können unterschiedlichste Werke, die ansonsten nicht zueinander passen oder nicht in der betreffenden Kombination erwartet würden, stimmig zu einem übergeordneten Thema zusammengestellt werden.

Für mich persönlich sollte eigentlich jedes Konzertprogramm ein Motto bzw. Thema und damit auch seinen vielzitierten roten Faden haben – und dies ganz unabhängig davon, ob das Motto nun intern bzw. extern kommuniziert wird oder nicht. Zum Vergleich möchte ich hier an Joseph Haydn erinnern, dessen Sinfonien nach eigenen Aussagen alle einem musikalischen Programm verpflichtet waren. Der Komponist selbst hatte sich dazu allerdings nie konkret geäußert und zu Lebzeiten sämtliche Hinweise vernichtet.

Die Auswahl des Mottos bedarf in jedem Fall reiflicher Überlegung: Welche Werke können wie miteinander kombiniert werden? Von Mottos, die entweder zu konkret oder zu diffus sind, würde ich eher abraten. Auch findet man vielerorts Programme von vermeintlichen Motto-Konzerten, die im Endeffekt in ein musikalisches Potpourri von zusammenhangslosen Stücken ausarten. Interessant finde ich hingegen Mottos, die vielschichtig bzw. mehrdeutig ausgelegt oder aus dem gängigen Kontext herauslöst werden. So habe ich z. B. mal ein Konzert unter dem Motto Music from the Movies veranstaltet. Entgegen allen Erwartungen wurde dabei aber nicht nur Filmmusik gespielt, sondern – dem erklärenden Untertitel Filmmusik, verfilmte und in Filmen zitierte Musik entsprechend – auch Werke, die sonst in irgendeiner Form in Filmen vorkommen. Der konkrete Bezug zum jeweiligen Film wurde schließlich im Rahmen der Ansage hergestellt.

Weiter kann ich mich an eine Konzertreihe mit dem Titel Bilder einer Ausstellung erinnern, wo nicht das betreffende Werk von Mussorgski-Ravel programmiert war, sondern andere mit diesem Titel konnotierte Stücke wie z. B. Scenes from the Louvre von Norman Dello Joio oder Tulsa – A Symphonic Portrait in Oil von Don Gillis.

Bei einer anderen Gelegenheit lautete der Konzerttitel From Ancient Times und es erklang u. a. Ron Nelsons Medieval Suite und nicht etwa das gleichnamige Stück von Jan Van der Roost.

Ein Projekt mit einem Sinfonieorchester stellte ich unter das Motto Projekt: DIN mit ausschließlich deutschen Komponisten: Bach, Beethoven, Brahms, Wagner und Hans Zimmer.

Ein anderes Konzert war mit Musiques royales betitelt und es wurden dem Motto entsprechend Werke wie Courtly Dances von Britten, Le Calif de Bagdad von Boïeldieu sowie ein Filmmusik-Arrangement von Lord of the Rings gespielt.

Etwas speziellere Mottos waren An unconducted Concerto, wo das Orchester das gesamte Konzert ohne mich spielte, Patch_wörX mit dekonstruierten und auf neue Art konstellierten Werken (u. a. mit einer Suite, einem Solokonzert und einer Sinfonie, neu zusammengestellt aus einzelnen Sätzen verschiedener Werke von verschiedenen Komponisten aus verschiedenen Epochen), oder Jenseits der Grenzen mit ausgewählten Stücken, die in irgendeinem Sinn grenzüberschreitend waren.

Etwas naheliegender ist es, ein Konzert unter den Titel des Hauptwerks zu stellen. Was auf den ersten Blick etwas trivial erscheinen mag, kann aber durchaus sehr kreativ umgesetzt werden. In diesem Zusammenhang kommen mir Konzerte wie Windows of the World, from these ashes, Ad astra oder Amidst a Dream (mit der gleichnamigen Neukomposition für Audiotrack und Blasorchester, die im Rahmen des Konzerts 2022 uraufgeführt wurde) in den Sinn, wo ich um das titelgebende Werk herum ein in sich stimmiges Programm konzipiert habe.

In bester Erinnerung ist mir ein Brass Band-Projekt zum Thema Heal the World geblieben. Dabei handelte es sich um ein nach gesellschaftskritischen Aspekten ausgewähltes Programm, u. a. mit einem eigenen Arrangement der ESC-Hymne Rise like a Phoenix von Conchita Wurst. Der titelgebende Michael Jackson-Klassiker wurde mit einem Kinderchor – allerdings erst als Zugabe(!) – aufgeführt, das eigentliche Hauptstück dem Publikum somit zum Abschluss nachgereicht, was dessen Botschaft emotional verstärkte.

Wollte ich einen Konzerttitel mal etwas poetischer ansetzen, wählte ich z. B. Frühlingserwachen für ein Frühlingskonzert mit Alfred Reeds The Hounds of Spring – auch dies ein mehrdeutiges Motto mit vielfältigen Bezügen zur bildenden Kunst und Literatur, worauf man sowohl bei der Werkauswahl als auch im Rahmen der Konzertansage wunderbar eingehen kann.

Stadtmusik Rheinfelden: Kaleidoscope
Stadtmusik Rheinfelden: Kaleidoskop

Mein aktuelles Konzertprojekt mit der Stadtmusik Rheinfelden ist dem Motto Kaleidoskop verpflichtet. Üblicherweise verfasse ich jeweils auch die Konzepttexte fürs Programmheft und die PR-Arbeit in den Medien. Mit Kaleidoskop – ein grenzenloses Konzerterlebnis! überschrieben, lautet der Text (Auszug):

“[…] Kaleidoskopartig vermischen sich dabei aber nicht nur die beiden Konzertteile, die traditionellerweise der sogenannten E- bzw. U-Musik verpflichtet sind, sondern finden sich auch innerhalb der einzelnen Musikstücke stil- sowie spartenübergreifende Momente. Weiter ist unser Jahreskonzert diesmal lediglich inhaltlich, nicht aber formal definiert… Die Programmfolge gestaltet sich für die Zuhörenden also zunächst als Überraschung und wird erst im Rahmen der Moderation konkretisiert.”

Mitunter mag ich es, mit meinen Programmen auch etwas zu provozieren, den Rahmen zu sprengen, die etablierten Normen und Werte zu hinterfragen und die Musizierenden und das Publikum gleichermaßen zum Denken anzuregen. Dies erachte ich als wichtige Aufgabe und Verpflichtung von uns Künstler:innen. Die Blasmusik-Szene scheint mir vielerorts rückständig, was gewisse Probleme im Vereinsalltag ja auch aufzeigen. Leider wird dies oft nicht bzw. (zu) spät erkannt und angegangen… insofern dürften neue Impulse sehr gewinnbringend sein.

Der Kreativität seien jedenfalls keine Grenzen gesetzt…“

Lisa-Marie Holzschuh (DE)

Lisa-Marie Holzschuh
Lisa-Marie Holzschuh

Lisa-Marie Holzschuh ist 2. Musikoffizier des Stabsmusikkorps in Berlin. Sie leitete 2018-2023 das Werksorchester Schlafhorst in Mönchengladbach und ist Dozentin bei verschiedenen Orchestern und Bläserphilharmonien, z. B. bei der Südfränkischen Bläserphilharmonie und dem Kreisorchester Haßberge.

„Ich persönlich mag es sehr, wenn man einen roten Faden durch das ganze Konzertprogramm erkennen kann. Das kann, muss aber nicht, ein Motto oder Thema sein. An erster Stelle steht für mich eine große Vielfalt an ganz unterschiedlichen Stücken. Für mich ist einer der größten Vorteile des sinfonischen Blasorchesters und eine unserer großen Stärken als Musiker dieser Orchester die Fähigkeit, ganz unterschiedliche Stilrichtungen mit ein und derselben Besetzung zum Klingen bringen zu können, vielleicht so viel Verschiedenes, wie keine andere Besetzung es vermag. Gelingt es zusätzlich, diese große Vielfalt noch unter ein Motto zu stellen, macht das die Sache für mich noch runder. Allerdings würde ich ein Stück niemals nur auflegen, weil es dem Motto dienlich ist. In der Gesamtheit sollte das Programm immer möglichst vielfältig und abwechslungsreich sein, dafür eignen sich einige Sujets besser als andere.

Ein Filmmusik-Abend ist natürlich immer eine Option und hat den Vorteil, dass es ganz viel unterschiedliche Musik in verschiedenen Schwierigkeitsstufen gibt, die man verwenden kann.

Ein schönes Motto, das ich mit der Südfränkischen Bläserphilharmonie zusammen mit Daniel Bernet als Co-Dirigenten schon ausprobiert habe, war Dolce Musica. Dabei haben wir mit der Alpina Fanfare zuerst die Alpen überquert, Station im Vatikan (Et in terra pax), Verona (Romeo und Julia-Filmmusik von Nino Rota), Rom (Pini di Roma und Il Colosseo) und bei dem „echten“ Italiener Giuseppe Verdi gemacht, dessen Nabucco-Ouvertüre wir aufgeführt haben. Außerdem haben wir dem italienischen Holzschnitzer Geppetto bei der Herstellung seines Pinocchio einen Besuch abgestattet. Schließlich durften die Italo-Pop-Klassiker zum Ausklang des Abends nicht fehlen. Als Zugaben haben wir uns Rachmaninows Polka Italienne und den Marsch der Schweizer Garde ausgesucht.

Dolce Musica
Dolce Musica

Erst letzte Woche habe ich mit dem Kreisorchester Haßberge ein ganzes Konzert zum Thema Olympia gemacht, bei dem wir die Olympischen Spiele der Antike beleuchtet haben, die Titelmusiken verschiedener Olympiaden erklungen sind, wir mit Athleten und anderen Sportkanonen wortwörtlich um die Wette laufen konnten, aber auch immer wieder einen zentralen Gedanken der Spiele, nämlich das Zusammenkommen verschiedener Völker und der respektvolle Umgang miteinander im fairen sportlichen Wettkampf in den Fokus rücken wollten – ein Gedanke der mir gerade im aktuellen Zeitgeschehen wichtig erscheint.“

Marc Lange (DE)

Marc Lange
Marc Lange

Marc Lange ist Dirigent der Stadtkapelle Kirchheim unter Teck, des Musikvereins Oedheim und der Bläserphilharmonie Heilbronn. Er ist außerdem Dozent für Dirigieren an der BDB-Musikakademie in Staufen und für die C3-Dirigierlehrgänge verantwortlich.

“Motto- und Themen-Konzerte können sehr hilfreich bei der Programmgestaltung sein. Der rote Faden ist somit schon gegeben und grenzt die Literatursuche automatisch ein. Nichtsdestotrotz musss die Literatur in einem Programm musikalisch und dramaturgisch zusammenpassen. Das ist alleinig durch ein Motto/Thema nicht gegeben. Die Aufgabe für uns Dirigenten/innen, gute und gut gemachte Literatur zu finden, die zusammenpasst und auch fürs Orchester passt. Der Blickwinkel muss selbstverständlich auch auf der Realisierbarkeit der Literatur liegen und es sollte auch in die pädagogische Richtung gedacht werden: Wie und mit welcher Literatur kann ich mein Orchester einen Schritt nach vorne bringen? Ein rundes und stimmiges Programm zu formen, das bleibt letztendlich in unserer verantwortlichen Hand.

Beispiel Konzertprogramm „Nicht von dieser Welt“:

Tetsunosuke Kushida Clouds in Collage
Gemba Fujita Die Wehklagen des Erzengel Michael
Yasuhide Ito Gloriosa
David Maslanka Tears
George Gershwin Rhapsody in Blue mit Klavier-Solo

Bernhard Schlögl (AT)

Bernhard Schlögl
Bernhard Schlögl

Bernhard Schlögl ist Dirigent des Sinfonischen Blasorchesters Tirol und der Speckbacher Stadtmusik Hall in Tirol. Außerdem ist der künstlerische Leiter der Innsbrucker Promenadenkonzerte.

Die Bedeutung und Vorteile von Mottos in Konzerten: Eine Analyse

„In der Welt der Musik werden Konzerte nicht nur als einfache Darbietungen von Songs oder Musikstücken betrachtet, sondern als künstlerische Ereignisse, die das Publikum in eine bestimmte Atmosphäre eintauchen lassen sollen. Eine Methode, um diese Atmosphäre zu schaffen und ein Konzert zu einem einzigartigen Erlebnis zu machen, ist die Verwendung eines Mottos. Ein Motto kann dabei helfen, ein Thema zu definieren, eine emotionale Verbindung zum Publikum herzustellen und die künstlerische Identität zu stärken.

Insgesamt kann die Verwendung eines Mottos in Konzerten dazu beitragen, das Erlebnis für Künstler und Publikum gleichermaßen zu bereichern. Durch sorgfältige Überlegungen bei der Auswahl des Mottos können Veranstalter und Musiker eine einzigartige und unvergessliche Erfahrung schaffen, die lange nach dem Konzert in Erinnerung bleibt. Ich habe selbst schon einige Konzerte unter ein Motto gestellt, zum Beispiel Elements of Nature, Spotlights, Licht und Schatten oder October. Time to bloom!. Das Wording entstand in den meisten Fällen erst nach der Programmierung, immer dann, wenn ein gemeinsamer Nenner oder ähnliche programmatische Inhalte zu erkennen waren. October. Time to bloom! war zum Beispiel das Motto des Gründungskonzertes des Sinfonischen Blasorchesters Tirol im Oktober 2016. Der Konzerttitel entstand aus der Überlegung, dass der Oktober eigentlich keine Zeit des Erblühens ist, im Gegenteil, die Natur setzt sich langsam zur Ruhe. Das Wortspiel sollte auf das Erwachen des neu gegründeten Orchesters hinweisen und einen Widerspruch zur Jahreszeit darstellen, vielleicht auch um das Publikum neugierig zu machen. Im Konzert wurde auch October von Eric Whitacre gespielt, was den Titel und die Stimmung natürlich perfekt abrundete. Die großartige Moderatorin, eine Schauspielerin, konnte dieses Erblühen im vermeintlich tristen Herbst gekonnt auf unterschiedliche Sichtweisen und Lebenssituation anwenden.

Sinfonisches Blasorchester Tirol: Spotlights
Sinfonisches Blasorchester Tirol: Spotlights

Auch Solistinnen und Solisten, Schaffenszeiten der Komponistinnen und Komponisten oder nationale Einflüsse können Ideengeber für Motto Konzerte sein. Bei Spotlights viel der Scheinwerfer auf ein Saxophonquartett, welches Spotlights von Thomas Doss mit dem Orchester gespielt hat. Auch bei diesem Konzert lies das Motto viel Freiraum für Interpretationen.

Ich gebe zu, dass diese Variante vielleicht eher als Pseudo-Motto bezeichnet werden kann, da sich das Motto in umgekehrter Reihenfolge erschließt. Ich habe tatsächlich noch nie ein Motto vor einer Programmierung festgelegt, vielleicht deshalb, weil ich Musik nicht nach strikten Vorgaben auswählen möchte. Das bringt mich zu einem wesentlichen Punkt.

Der Raum der Interpretation: Wie Mottos Musik freisetzen

In der Welt der Musik gibt es kaum etwas so Vielschichtiges wie die Interpretation. Musik spricht nicht nur direkt zu unseren Ohren, sondern auch zu unseren Herzen und Seelen. Sie ist eine Kunstform, die eine breite Palette von Emotionen und Reaktionen hervorrufen kann, und jeder Zuhörer hat seine eigene einzigartige Interpretation und Reaktion darauf. In diesem Kontext bietet ein Motto für ein Konzert einen reichhaltigen Raum für diese individuelle Interpretation und ermöglicht es den Künstlern, ihre Musik auf eine faszinierende und vielseitige Weise zu präsentieren.

Ein Motto kann als eine Art Rahmen betrachtet werden, der die musikalische Erfahrung umgibt und formt. Es schafft eine bestimmte Atmosphäre oder Stimmung, die das Publikum durch das gesamte Konzert begleitet. Doch innerhalb dieses Rahmens gibt es unendlich viele Möglichkeiten für Interpretationen und persönliche Verbindungen. Jeder Zuhörer bringt seine eigenen Erfahrungen, Gefühle und Assoziationen mit sich und kann diese auf die Musik im Kontext des Mottos übertragen.

Ein Beispiel dafür ist ein Motto wie Aufbruch. Für einige Zuhörer mag dieses Motto Assoziationen mit Abenteuer, Veränderung und Neuanfang hervorrufen, während es für andere eine spirituelle Reise oder eine innere Transformation darstellen könnte. Die Musik, die im Rahmen dieses Mottos präsentiert wird, kann eine Vielzahl von Emotionen und Bedeutungen auslösen, die von jedem Individuum unterschiedlich wahrgenommen werden.

Ein weiteres Beispiel könnte ein Motto wie Nostalgie sein. Dieses Motto könnte Erinnerungen an vergangene Zeiten wecken, sowohl glückliche als auch melancholische, und verschiedene Generationen von Zuhörern dazu bringen, sich auf unterschiedliche Weise mit der Musik zu verbinden. Die Künstler könnten Musik aus verschiedenen Epochen präsentieren, die alle auf ihre eigene Weise das Gefühl der Nostalgie einfangen.

Insgesamt gibt ein Motto den Künstlern die Freiheit, ihre Musik auf eine kreative und vielseitige Weise zu präsentieren, während es gleichzeitig dem Publikum eine Struktur bietet, um sich in die Erfahrung einzufühlen und sie zu verstehen. Es schafft einen gemeinsamen Ausgangspunkt für Musiker und Zuhörer, von dem aus sie gemeinsam auf eine musikalische Reise gehen können, die für jeden individuell und einzigartig ist.

Die Auswahl eines Mottos für ein Konzert erfordert sorgfältige Überlegungen seitens der Veranstalter und Künstler. Einige wichtige Faktoren, die berücksichtigt werden müssen: Das Motto sollte zur Zielgruppe des Konzerts passen. Je nachdem, ob das Konzert ein breites Publikum ansprechen soll oder auf eine spezifische Nische ausgerichtet ist, kann das Motto entsprechend gewählt werden. Das Motto sollte die künstlerische Vision der Musiker und Veranstalter widerspiegeln. Es sollte das Thema oder die Stimmung der Musik aufgreifen und verstärken. Das Motto sollte für das Publikum relevant sein und eine emotionale Resonanz hervorrufen. Es kann aktuelle Ereignisse, gesellschaftliche Themen oder persönliche Erfahrungen ansprechen. Ein einzigartiges Motto kann dazu beitragen, das Konzert von anderen Veranstaltungen abzuheben und die Neugierde des Publikums zu wecken. Die Verwendung eines Mottos in einem Konzert bietet eine Vielzahl von Vorteilen für Künstler, Veranstalter und Publikum: Ein Motto hilft dabei, eine einheitliche Atmosphäre zu schaffen und das gesamte Konzert zu einem zusammenhängenden Erlebnis zu machen. Ein starkes Motto kann dazu beitragen, die Identifikation des Publikums mit den Künstlern und ihrer Musik zu stärken. Es ermöglicht es dem Publikum, sich mit der Botschaft oder dem Thema des Konzerts zu identifizieren. Ein kreatives und fesselndes Motto kann aber auch die Aufmerksamkeit der Medien und des Publikums auf sich ziehen und die Bekanntheit des Konzerts steigern. Ein gut gewähltes Motto kann das Konzert unverwechselbar machen und dazu beitragen, dass es in Erinnerung bleibt. Dadurch wird auch die Wiedererkennbarkeit der Veranstaltung erhöht. Ein Motto, das starke Emotionen anspricht, kann eine tiefe emotionale Bindung zwischen den Künstlern und dem Publikum schaffen. Es ermöglicht den Zuschauern, sich auf einer persönlichen Ebene mit der Musik zu verbinden.“

Monika Schütz (CH)

Monika Schütz
Monika Schütz

Monika Schütz ist Dirigentin der Stadtmusik Illnau-Effretikon. Sie leitet die Dirigierkurse im Zürcher Blasmusikverband.

„Im Bereich von Unterhaltungs- und Kinderkonzerten oder von Projekten bin ein großer Fan von Themen-Konzerten. Ein Thema ermöglicht es, aus einem Konzert ein richtiges Event, ein Erlebnis zu schaffen. An erster Stelle steht, dass wir an einem Programm Spass haben und mit unserer Musik das Publikum begeistern wollen. Deshalb finde ich sehr wichtig, zu wissen, wer die Zielgruppe unseres Konzertes sein soll. Dabei stelle ich mir folgende Fragen:

Wer ist das Zielpublikum?
Wo spielen wir?
Wie ist der Rahmen?

Das Konzertprogramm lässt sich dann leicht mit einem ansprechenden Flyer präsentieren, das Publikum kann optimal auf das Konzert eingestimmt werden. Leicht lässt sich das Thema zusätzlich auf Tenü, Deko oder das Food-Konzept des Konzertes übertragen. Mit entsprechender Moderation entsteht ein packendes Event. Die Literaturauswahl mache ich nicht alleine, wir arbeiten in einer Musikkommission, die Verantwortung trage ich.

Kinderkonzerte:
Of Castles and Legends
(Ritter und Burgen, Schulklassen sangen Lieder und zeichneten Bilder zu den Szenen des Stückes)
Die Piraten (Tanzchoreographie einer Schulklasse zu Pirates of the Caribbean, weitere Schulklassen mit Rap und Piraten-Liedern)

Unterhaltungskonzerte:
Jukebox
Rhythm’ is!
Broadway
Ohrwürm
Rock Special
Swing goes Pop
Nacht der Musik
Flower Power
Alperose
Blue
Don’t stop me now
Wünsch dir was (Wunschkonzert, bei dem das Publikum mitbestimmen konnte)

Projekte:
Missa Katharina mit Chor
Schülermusical Freude (mit Schulklassen und Mitwirkung Stadtjugendmusik)
Nacht der Musik
Die Planeten (mit Planetarium Zürich)
Bilder einer Ausstellung (mit eigens hergestellten Kunstobjekten von Kunstschaffenden)

Stadtmusik Illnau-Effretikon
Stadtmusik Illnau-Effretikon

Geht es darum, ein sinfonisches Konzertprogramm – im Fall der Stadtmusik Illnau-Effretikon sind dies Konzerte in der Kirche – zusammenzustellen, möchte ich mich nicht durch ein Thema “einengen” lassen. Ich gehe von ein oder zwei Hauptwerken, die zum Orchester passen, aus. Worauf haben wir Lust? Welches Werk wollen wir spielen? Hierzu führe ich eine Liste mit Wunschwerken, die ich mit der Stadtmusik gerne einmal aufführen möchte. Steht das Hauptwerk nach der Mukositzung fest, wird nach weiteren Werken, Opener, Zwischenstücke und Zugaben gesucht. Hier finde ich wichtig, dass der Spannungsverlauf des Programms stimmig ist, also Abwechslung geschaffen wird (langsam – schnell, laut – leise, Gesamtbogen innerhalb des Konzertes). Es darf auch ein Solowerk sein oder ein kammermusikalisches Stück. Zwischen den Stücken können Bezüge oder Verbindungen hergestellt werden. Es kann aber auch bewusst Kontrast geschaffen werden. Es darf auch ein Komponist sein, dem man z.B. mit zwei Stücken eine besondere Plattform einräumt.

Einen weiteren Blick richte ich auf den Schwierigkeitsgrad der Literatur. Das Programm soll nicht überladen werden, die zur Verfügung stehenden Proben sollen ermöglichen, das Orchester optimal vorzubereiten. Dann die Stilistik: ich gehe in einem Konzert gerne von “alt zu neu” und ich achte natürlich darauf, dass die Stücke in den akustischen Kontext der Konzertlokalität passen.

Da mir die Förderung der Blasmusikliteratur am Herzen liegt, findet sich in fast jedem Konzertprogramm ein Werk eines Komponisten aus der Schweiz.

Erst wenn das Programm steht, entsteht der Titel. Bei dieser Planung ist das Vorgehen also zuerst Musik, dann die Verpackung.

Konzerte in der Kirche:
Celtic Child
Fandango
anders hören…
Legenden
Variations on America
Музыка (Russisches Programm, das Wort bedeutet Musik)
Nordlicht
Sol y Sombra
Windows of the World
Made in Europe
Trumpet Town
Geschichten und Erzählungen
Marimba Concerto
Gloriosa

Überblick über die vier Beiträge zum Thema Programmgestaltung und Werkauswahl

Motto-/Themen-Konzerte: Wie stehst Du dazu? Und welche Themen hast Du ggf. schon verwendet? (gerne mit jeweiligem Konzertprogramm zum Thema)

Erfolgreiche Konzertprogramme: Wie sieht für Dich ein erfolgreiches Konzertprogramm aus? Was war für Dich das bisher erfolgreichste Konzertprogramm und was hat es zu einem Erfolg gemacht? (gerne mit Konzertprogramm)

No-Gos in der Konzertprogramm-Zusammenstellung: Was sind für Dich in der Konzertprogramm-Zusammenstellung die absoluten „No-Gos“?

Wünsche von Dirigent:innen an Komponisten und Verleger: Was wünschst Du Dir als Dirigent:in von Komponisten einerseits und Verlegern andererseits für zukünftiges Blasorchester-Repertoire?

Alexandra Link

Musik ist ein sehr wichtiger Bestandteil meines Lebens. Musizierende Menschen zusammen zu bringen meine Leidenschaft.

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