Instrumentenvorstellung zur Nachwuchsgewinnung – Praxisbeispiele Teil 1

Der Blasmusikblog soll eine Plattform des Austausches sein. Hier sollt Ihr Anregungen für alle Bereiche der Blasmusik erhalten. Dazu gehören Werk- und Buchvorstellungen, allgemeine Repertoireanregungen, alle Bereiche des Vereinsmanangement, Berichte aus dem Musikleben und der Musikbranche, und eben auch Praxisbeispiele, die Euch für Eure Vereine neue Ideen geben. Es muß nicht überall das Rad neu erfunden werden, wir können alle voneinander lernen und profitieren.

Nachdem ich im Blog immer wieder allgemein dazu aufgerufen habe, mir „Best-Practice“-Beispiele Eurer Vereinsarbeit zukommen zu lassen, bin ich nun einen konkreteren Weg gegangen: Ich habe in Facebook gefragt, wer mir drei Fragen zur Instrumentenvorstellung zur Nachwuchsgewinnung für den Blasmusikblog beantworten möchte. Sofort, wirklich sofort, innerhalb weniger Minuten, haben sich mehrere freundliche Menschen gefunden, die sich dazu bereit erklärt haben. Insgesamt 7 Beiträge werde ich nun in zwei Teilen auf dem Blasmusikblog zu diesem Thema veröffentlichen.

Falls noch jemand von Euch über das Thema Instrumentenvorstellung zur Nachwuchsgewinnung in Euren Vereinen berichten möchte, kann das natürlich gerne noch tun. Dann veröffentliche ich noch einen dritten Teil…..

Die drei Fragen, die ich gestellt habe, sind:

  1. Wie läuft in der Regel in Eurem Musikverein die Instrumentenvorstellung – von der Bewerbung der Veranstaltung über die Durchführung bis hin zur Anmeldung zum Instrumentalunterricht – ab?
  2. Welche Erfahrungen habt Ihr mit dieser Art der Nachwuchsgewinnung gemacht?
  3. Praktiziert Ihr noch andere Arten / Formen der Nachwuchsgewinnung und wenn ja, welche?

Wie gesagt, wer von Euch diese drei Fragen beantworten möchte, kann die Antworten gerne an alexandra@kulturservice.link mailen.

So, jetzt kommen aber die Praxisbeispiele! In dieser Ausgabe lest Ihr vom Blasorchester Seevetal, aus dem Umland von Ravensburg und vom Blasorchester Kötz. Vielen Dank dafür an Lauren Lotte Clasen, Stephanie Contala und Benedict Waldmann.

Lauren Lotte Clasen, Blasorchester Seevetal

Lauren Lotte Clasen
Lauren Lotte Clasen

Wie läuft in der Regel in Eurem Musikverein die Instrumentenvorstellung – von der Bewerbung der Veranstaltung über die Durchführung bis hin zur Anmeldung zum Instrumentalunterricht – ab?

Wir veranstalten im Frühjahr einen Infoabend von ca. 60 Minuten für interessierte Erwachsene unterhalb der Woche, sowie einen Infotag an einem Samstag für Kinder mit Ihren Eltern.

Während dieser Veranstaltung präsentieren wir unser Orchester, unseren Mutterverein (wir sind Sparte eines Turnvereins), erklären das Konzept der Bläserklasse und beantworten offene Fragen. Natürlich zeigen wir hier bereits auf, dass ein Orchester aus 16 Saxophonen und 2 Flöten keine Zukunft haben wird, sondern das wir eine ausgewogene Besetzung für ein optimales Ergebnis gebrauchen werden.

Zum Ende der Präsentation geben wir den Anwesenden zwei weitere Termine, die jeweils mit zwei-wöchigem Abstand folgen.

Der erste wichtige Termin ist das Instrumentenkarussell. Jeder muss, auch wenn er einen festen Wunsch hat, alle Instrumente probieren. Hierfür haben die Interessierten ca. 30 min in Ihrer Gruppe Zeit. Dabei erklären wir Ihnen kurz das Instrument und probieren dann gemeinsam mindestens einen Ton zu erzeugen. Ist die Gruppe gut, versuchen wir einen zweiten. In der Regel ist das dann Ton 1 (B) und Ton2 (C). Selbstverständlich werden alle dabei bereits in den höchsten Tönen gelobt, denn mit einem Ton beginnt Musik. Zum Ende des Instrumentenkarussells machen wir noch eine kurze Tutti-Probe. Hier versuchen wir dann gemeinsam – jeder darf sich nochmal ein Instrument aussuchen – ein oder zwei Töne zu spielen.

Hiermit erreichen wir, dass die Teilnehmer schnell merken – wie einfach Musik machen doch sein kann.

Im Anschluss kann jeder Teilnehmer auf seinem Laufzettel drei Wünsche ankreuzen – übrigens während die angehenden Musiker unterwegs sind, unterschreiben auch alle Dozenten auf diesem Bogen. Jedoch in zwei unterschiedlichen Ausführungen. Die erste Variante zeigt uns in der Auswertung „eher ungeeignet“ und die andere Variante „geeignet“. Denn bereits im Instrumentenkarusell sieht man vorhandenes Talent auf dem Instrument.

Der dritte wichtige Termin ist der Abschlussabend. Hier präsentieren wir die finale Besetzung der neuen Bläserklasse, geben weitere Informationen zum Start und lassen die Neumitglieder den notwendigen Papierkram erledigen.

Am Ende steht eine neue Bläserklasse.

Im Nachgang organisieren wir mit der Musikschule den Unterricht und terminieren die Startwoche. Bis zum Start sind die Teilnehmer sehr aufgeregt, denn Sie wollen wirklich anfangen. Während wir 2018 lediglich Zwischenstandsmeldungen gegeben haben überlegen wir für dieses Jahr bereits einige Rhythmusschulungen o.ä. zu machen, bevor der offizielle Start beginnt.

Welche Erfahrungen habt Ihr mit dieser Art der Nachwuchsgewinnung gemacht?

Nachdem wir 2018 vorsichtig zurückhaltend an dieses Thema gegangen sind, war das Endergebnis überwältigend. Wollten wir eigentlich eine Jugendbläserklasse aufbauen, so kamen am Ende 17 Erwachsene und 4 Kinder zusammen, so dass es heute eine Erwachsenenbläserklasse mit dem Namen „da Capo“ gibt, sowie die 4 Jugendlichen im Einzelunterricht Ihr Instrument erlernen und bei da Capo alle vier Wochen die große, weite Orchesterwelt kennenlernen dürfen

Praktiziert Ihr noch andere Arten / Formen der Nachwuchsgewinnung und wenn ja, welche?

Wir suchen die Kooperationen mit Schulen am Ort. So konnten wir bereits 2018 gemeinsam mit dem Musikzweig des Gymnasium Hittfeld einen Orchesterworkshop abhalten. Hier erarbeiten wir gemeinsam in ca. 4 Stunden bis zu 3 völlig für die Musiker unbekannte Werke, die wir am Abend vor Eltern und Bekannten öffentlich aufführen. Dabei nutzen wir immer denselben Weg: Anspielprobe – intensive Registerprobe – Tuttiprobe – Durchspiel / Generalprobe – Aufführung mit kleinen Erläuterungen.

Die Ergebnisse sind faszinierend, denn alle merken wie viel man in so kurzer Zeit mit völlig fremden Musikern erarbeiten kann. Für 2019 ist wieder ein Workshop geplant – dann kommt auch die Oberschule aus dem Nachbarort dazu.

Neben diesem Konzept präsentieren wir uns auf den Dorffesten mit Infoständen und der Möglichkeit Instrumente zu probieren, wir nehmen am Sommerferienspass der Gemeinde teil und veranstalten hier ebenfalls ein Instrumentenkarusell. In 2018 nahmen 10 Kinder teil.

Neu für 2019 planen wir den Aufbau einer Saxonettgruppe (ab 7 Jahre) und einer Blockflötengruppe (ab 5 Jahre). Mal schauen wie hier die Resonanz sein wird.

Alle unsere Werbeflyer findet Ihr auf unserer Homepage www.   . Außerdem sind zwei der vier Flyer bereits auch im Bereich Social Media veröffentlicht.

Nun ein paar Worte zu meiner Person:

Die Leidenschaft zur Musik wurde bereits im Alter von 6 Jahren bei mir deutlich, denn ich begann Blockflöte zu spielen. Nach einem halben Jahr begeisterte mich das Saxophon, welches ich dann im Alter von 7 Jahren erlernte. So spiele ich heute schon seit knapp 12 Jahren Alt Saxophon. Seit gut 3 Monaten probiere ich mich nun auch an der Oboe. Aber nicht nur das Musik machen begeisterte mich, sondern auch die ganze Organisation, wodurch ich dann vor ca 2 Jahren begann, immer mal kleine Aufgaben innerhalb des Orchesters zu übernehmen, bis hin zur eigenen Konzertorganisation. Ebenfalls habe ich meinen Juleica Schein gemacht, besuchte sämtliche Workshops zur Weiterbildung, bin nach Schlitz zum Bläserklassenleiterlehrgang gefahren, habe meinen D1 Lehrgang absolviert und war ebenfalls beim IBK 2018 in Neu Ulm dabei. In den letzten zwei Jahren habe ich viel gelernt, sodass ich heute mit meinen 18 Jahren im Orchester die 1. stellvertretende Vorsitzende, sowie für den Vorstand Kommunikation und Organisation tätig bin.

Schöne Grüße

Lauren Lotte Clasen
Vorstand Kommuninkation und Organisation
1. stellvertretende Vorstandsvorsitzende

Stephanie Contala

Stephanie Contala
Stephanie Contala

Mein Name ist Stephanie Contala. 18 Jahre war ich aktiv in einem Musikverein. 12 Jahre als Jugendleitung, 2 Jahre als Dirigentin der Jugendkapelle.

Damals schon war zu erkennen, dass man die Kinder und Jugendlichen begeistern muss und einfach nur Musik machen nicht alles ist. Ausflüge und Hüttenfreizeiten standen mit auf dem Programm. Gemeinsam musizieren und zusammen etwas erleben – dies konnte einen Großteil der Kinder und Eltern überzeugen.

Auch als Ausbilderin für Saxophon versuche ich immer wieder andere Wege zu gehen. In Zeiten des Wandels freue ich mich auf die Herausforderungen und wünsche mir sehr, dass wir mutiger werden, Neues einfach auszuprobieren.

Instrumentenvorstellung

Meist wird der Event im Gemeindeblatt inseriert oder im Städtischen Sommerferienprogramm angeboten. Beim Musikhändler vor Ort können Instrumente zu diesem Zweck ausgeliehen werden. Auch z.B. Kindgerechte für „kleine Hände“.

Zum Termin (meist an einem Wochenende) sind dann die AusbilderInnen und die Jugendleiter vor Ort. Die Kinder können jedes Instrument unter Anleitung ausprobieren. Es waren die letzten zwei Jahre immer mindesten 5-10 Kinder da. Im Durchschnitt wollten anschließen 2-4 Kinder ein Instrument lernen. Momentan liegen Saxophon und Querflöte im Trend.

Früher musste man keine Instrumentenvorstellung anbieten. Heutzutage gibt es aber ja ein riesengroßes und breit gefächertes Freizeitangebot. Dies dürfte der Hauptgrund für die Nachwuchsprobleme sein. Manch ein Verein tut sich schwer mit der aktuellen Situation umzugehen. Kann nur dazu raten „mutig zu sein“ und es einfach mal zu versuchen. Hier in diesem Fall, profitiert ein Verein am Stadtrand absolut von einer Instrumentenvorstellung.

Benedict Waldmann, Blasorchester Kötz

Benedict Waldmann ©fotodenk
Benedict Waldmann ©fotodenk

Wie läuft in der Regel in Eurem Musikverein die Instrumentenvorstellung – von der Bewerbung der Veranstaltung über die Durchführung bis hin zur Anmeldung zum Instrumentalunterricht – ab?

Ein paar Wochen vor der Instrumentenvorstellung im Vereinsheim gehen einige Lehrer der kommunalen Musikschule Kötz durch die Klassenzimmer der örtlichen Alois-Kober-Grundschule. Sie stellen die verschiedenen Instrumente vor und versuchen so das Interesse bei den Kindern für ein Instrument zu wecken. Anschließend bekommt jedes Kind eine Einladung zur „großen“ Instrumentenvorstellung im Musikerheim. Dort werden in Zusammenarbeit mit der kommunalen Musikschule nochmals alle Instrumente des Blasorchesters den Kindern und ihren Eltern vorgestellt. Dabei dürfen sich die Kinder an den Instrumenten versuchen und probieren, welches Instrument ihnen am besten zusagt. Anschließend bekommen die Familien eine Mappe mit allen weiteren Infos, Flyern und natürlich der Anmeldung.

Welche Erfahrungen habt Ihr mit dieser Art der Nachwuchsgewinnung gemacht?

Mit dieser Herangehensweise machen wir seit einigen Jahren sehr gute Erfahrungen. Wir versuchen immer bei den Kinder das Interesse zu wecken um dann auch immer mit den verschieden Instrumenten das Probieren zu ermöglichen. Dabei ist es uns wichtig, dass immer ein Fachlehrer als Ansprechpartner zur Verfügung steht. Denn schon vom ersten Berührungspunkt mit dem Instrument kann man den Erfolg einer Musikausbildung entscheidend beeinflussen.

Praktiziert Ihr noch andere Arten / Formen der Nachwuchsgewinnung und wenn ja, welche?

Dazu läuft bei uns parallel das sogenannte „JeKi“  – Jedem Kind ein Instrument – Projekt. 

Es bietet allen Kindern, unabhängig der Herkunft, gesellschaftlichem Standpunkt oder vom Einkommen der Eltern, die Möglichkeit ein Instrument zu erlernen. Beginnend in der 1. Klasse mit der Blockflöte und weiterführend mit einem Instrument in der 3. Klasse. Dieses soziale Projekt wurde vom Blasorchester Kötz in Zusammenarbeit mit den ortsansässigen Firmen, der Alois-Kober Grundschule, der Gemeinde Kötz und der kommunalen Musikschule Kötz ins Leben gerufen.

Benedict Waldmann ist 21 Jahre alt, spielt seit seinem 6. Lebensjahr Tuba und hat schon verschiedene Wettbewerbe gewonnen. Unter anderem wurde er 2 mal in Folge bayerischer Landessieger beim Solo/Duo-Wettbewerb des Allgäu-Schwäbischen Musikbundes.

Derzeit studiert er die Studiengänge „Blasorchesterleitung“ bei Prof. Maurice Hamers und „Tuba“ bei Fabian Heichele, am Leopold Mozart Zentrum der Universität Augsburg.

Er leitet das Schülerorchester und Jugendorchester  beim Blasorchester Kötz, in dem er selbst einst aufgewachsen ist. Zudem ist er Musikalischer Leiter beim Musikverein Balzheim (Mittel-/Oberstufe), sowie ab April 2019 beim Musikverein „Edelweiß“ Rottenacker (Höchststufe) im Baden-Württembergischen Alb-Donau Kreis. An der kommunalen Musikschule Kötz unterrichtet er Tuba.

Der Beitrag Instrumentenvorstellung zur Nachwuchsgewinnung Praxisbeispiele Teil 2 erscheint demnächst. Darin erzählen Christian Weng, Nicole Maack, Manuel Mang und Mona Köppen von ihren Erfahrungen.

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Alexandra Link

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Musik ist ein sehr wichtiger Bestandteil meines Lebens. Musizierende Menschen zusammen zu bringen meine Leidenschaft.

3 thoughts on “Instrumentenvorstellung zur Nachwuchsgewinnung – Praxisbeispiele Teil 1

  • Avatar
    26. März 2019 at 13:23
    Permalink

    Finde diese Beiträge super!!!

    Reply
  • Avatar
    7. April 2019 at 20:42
    Permalink

    Hallo!
    Was ich aus den ersten Beiträgen herauslese, sind vor allem drei Dinge:
    1. die Not macht mutig
    2. Kooperation mit Fachkräften ist nötig
    3. jedes Orchester findet eigene Wege im lokalen Umfeld.

    Vielen Dank für diese ermutigenden Anregungen
    und Grüße aus der nördlichen Blasmusik-Wüste an der dänischen Grenze…

    Reply
  • Avatar
    28. November 2019 at 13:28
    Permalink

    Ich denke, dass ich meinem Sohn einige Instrumente vorstellen werde. Er hat schon vielfach das Interesse an der Querflöte und am Klavier gezeigt. Ich erwäge ihn derzeit bei einer Musikschule einzuschreiben, in der er das Querflöte spielen lernen kann. Wie Sie bereits sagen, liegt diese sogar im Trend. Vielen Dank für den Beitrag!

    Reply

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