Die Konzert-Zugabe – Aspekte und Vorschläge Teil 3

Ein Round-Up-Post mit Beiträgen von Gordon Hein und Mathias Pfläging

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In insgesamt drei Blog-Beiträgen teilen acht erfahrene Dirigentinnen und Dirigenten ihre Gedanken, Ideen und Empfehlungen zum Thema „Konzert-Zugabe“. Sie alle haben folgende beiden Fragen beantwortet:

  • Nach welchen Kriterien wählst Du eine Konzert-Zugabe aus?
  • Welche Zugaben-Werke sind Deine Favoriten und weshalb?

Die drei Blog-Beiträge sollen Euch immer dann eine Hilfe sein, wenn Ihr eine passende Zugabe für Euer nächstes Konzert sucht.

Gordon Hein (Südbaden) und Mathias Pfläging (Sauerland) haben sich kürzlich getroffen und sich über das Thema Zugaben unterhalten. Im Dialog lassen sie uns an ihren – teils gegensätzlichen – Gedanken teilhaben:

Am Wochenende war ich, Gordon Hein, mal wieder bei meinem Freund und Dirigentenkollegen Mathias Pfläging zu Gast im Sauerland. Da zeitgleich die Anfrage von Alexandra zu diesem Beitrag im Postfach lag, dachte ich mir, wir könnten doch beide zu dem Thema was schreiben, da wir eh das ganze Wochenende über neue Stücke und Blasmusik sprechen. Besonders interessant dabei ist die Tatsache, dass wir bei der Auswahl von Werken eher unterschiedlicher Meinung sind. 

Gordon: „Mathias, wie siehst du die Priorität der Zugaben?“

Mathias Pfläging
Mathias Pfläging

Mathias: „Die Relation der Zugaben zum kompletten Konzertprogramm sollte eine große Gewichtung haben. Die Zugabe ist ein Stück Musik, das die Menschen mit nach Hause nehmen – was im Ohr bleibt. Sie sollten den Musikern gefallen, sowie dem Publikum. Ich experimentiere sehr gerne in meinen Konzertprogrammen. Meine Orchester nehmen ihr Publikum häufig mit auf einen Drahtseilakt, um ihm die Möglichkeit zu bieten, größtmögliche Facetten der sinfonischen Blasmusik kennenzulernen. Ich bin mir bewusst, dass es nicht möglich ist, es jedem recht zu machen. Darum ist es um so wichtiger in den Zugaben seinem Publikum ein Stückchen Heimat und ein Stück Verbundenheit zu reichen. Somit ist es in unserer Region ein Stück weit Tradition, einen Marsch in den Zugaben dabei zu haben. 

Musikbeispiele:
Zum Städtel hinaus – Georg Meissner
Graf Zeppelin – Carl Teike
Königgrätzer (134 blaues Armee Marschbuch) – Piefke
Florentiner Marsch (auch gerne die Mnozil Brass Version)“

Gordon: „Bestehen deine Zugaben bei deinen Orchestern dann nur aus Märschen?“

Mathias: „Auf gar keinen Fall! 
Meine Zugaben bestehen meist aus 2-3 Stücken, wovon eins davon den Marsch darstellt. 
Teilweise sind die Zugaben die Vorausschau auf die nächsten Konzerte / das nächste Event (falls die Planung bereits so weit fortgeschritten ist). Manchmal eine Art Nachlese des Konzertmottos. Hierbei ist es wichtig, dass die Zugabe ein weiteres Highlight darstellt.

The Sound of Ireland  mit imposanten Percussion Section Solo (Guido Rennert)
Music (John Miles) -> episch / arr. Randy Beck mit Gesang und Rock Band
Absolute Crossover Otto M. Schwarz”

Gordon: „Spielst du auch nochmal Stücke aus dem Konzert ein 2. Mal?“

Mathias: „Ja, bei Projektorchestern mache ich das manchmal, wenn die Zeit zur Einübung des Programms bereits extrem begrenzt war. Ich wiederhole dann aber nur passende Passagen mit würdiger Abschlussmoderation.“

Gordon: „Hast du schon mal einen Choral als Abschlussstück verwendet?“

Mathias: „Bei Kirchenkonzerten sehr gerne. Dazu fallen mir ein:

Sayonara von Jan Van der Roost
Guten Abend gut Nacht in der Bearbeitung von Guido Rennert

Es steht ja in der Macht der Musik, das Publikum mit einem bestimmten Gefühl aus einem Konzert zu entlassen. Da sich oftmals die Orchester auch über die After-Show Party finanzieren, ist es meine Aufgabe als Dirigent das Publikum, wenn möglich, in freudig, erregter Stimmung in den weiteren Abend zu entlassen. Mit diesem Hintergrund könnte ein Choral die Stimmung eher suboptimal beeinflussen. Diese Erfahrung habe ich einmal zu Beginn meiner Arbeit als Dirigent erleben müssen.
Wie siehst du das denn mit einem Choral zum Abschluss?“

Gordon Hein
Gordon Hein

Gordon: „Tatsächlich war es für mich früher immer ein Muss das letzte Stück als Choral darzustellen. Es war dann für das Publikum klar, danach ist Schluss. Diese Einstellung hat sich tatsächlich gewandelt, nachdem ich mit dir über die Stimmung des Publikums nach dem Konzert diskutiert habe. Seither gibt es keinen Choral mehr. Bei mir gibt es allerdings auch kein Marsch oder Polka. Ich finde, bei jedem Frühschoppen kann unser Publikum soviel Marsch und Polka hören wie es möchte, aber nicht am großen Jahreskonzert.“

Mathias: „Da ich auch einige Musikvereine aus Baden-Württemberg kenne, ist es auch immer eine regionale Angelegenheit. Das Sauerland ist sehr Marsch- und Militärmusik geprägt. Bis vor 25 Jahren wären Konzertprogramme, wie sie heute in einigen Orchestern hier gespielt werden, undenkbar gewesen.“ 

Gordon: „Sehe ich genauso. Allerdings, finde ich, kann man das Publikum schon auch dahingehend erziehen, dass der Abschlussmarsch kein Muss ist. Ich überrasche das Publikum gerne mit Stücken, die sie nicht erwarten würden. Gerne bediene ich mich dabei an Stücken aus der New Sounds Serie die hauptsächlich aus der Feder von japanischen Arrangeuren kommen.

Beispiele:
Y.M.C.A – arr. Iwai
El Cumbanchero – arr. Iwai
South Rampart Street Parade – arr. Iwai

In diesen Werken kommen auch oft einzelne Solisten zum Einsatz. Ich habe das Gefühl, dass das Publikum dies sehr gerne mag. Besonders bei den Zugaben.
Gerne bediene ich mich auch an Stücken, die man überhaupt nicht kennt, aber bei dem man schon beim ersten Anspielen merkt, dass das Orchester darauf richtig Bock hat. Und wenn das Orchester das schon so sieht, spiegelt sich das meistens auch im Publikum wider. Einige Bespiele davon sind:

Balkan Dance – Etienne Crausaz
Paconchita – Oscar Navarro
Vitae Lux – arr. Frode Alnaes
Rose des Sables – Hardy Mertens

Oder eben bekannte Stücke bei denen man sich einfach zurücklehnen und genießen kann:

Bohemian Rhapsody (arr. .Philip Sparke)

Bei allen Stücken in der Zugabe ist mir dabei wichtig, beim Publikum nochmal einen Wow-Effekt und gute Laune zu erzeugen. Es darf ruhig auch anspruchsvoll sein, aber immer unterhaltsam. Dramaturgisch setzte ich bei drei Zugaben die Nummer mit dem größten Wow-Effekt an die 2. Stelle, bekannte Nummern als letztes Werk des Abends.“

Mathias: „Was ist eigentlich mit der Gefühlsschiene? Holst du dein Publikum damit nicht ab?” 

Gordon: “Musik ist bekanntlich der stärkste Emotionsauslöser. Es wäre dumm das nicht in einer Zugabe auszunutzen. Hier kann man kreativ werden. Entweder nur instrumental oder das Orchester als Chor (eine Gesangsnummer für das Orchester) bis hin zu Orchester mit Solist sowohl instrumental als vocal. Als Stücke fallen mir dazu ein:

Gabriellas Sang – arr. Kurt Gäble
The Rose – arr. Conny Rall
Skyfall – arr. Jay Bocook
Ich gehör nur mir

Oder noch was ganz besonderes:

Today is the gift – Samuel Hazo”

Fazit der beiden Dirigenten:

Wie man sieht gibt es bei Zugaben kein Richtig und kaum Falsch. Es wäre aber mit Sicherheit höchst kritisch, wenn man auf die Zugabe kein Augenmerk richten würde und sie nur als Anhängsel betrachtet. Zugaben sind wahrscheinlich wichtiger als der 2. Teil eines Konzertes weil sie einfach präsenter bleiben und einen nachhaltigen Eindruck beim Publikum hinterlassen. Ähnlich des ersten Eindrucks des Konzerts – der Visitenkarte – muss es auch der Wunsch des Orchesters/Dirigenten sein, sein Publikum mit einer Empfehlung zum Besuch des nächsten Konzerts nach Hause gehen zu lassen.

Ein herzliches Dankeschön an Gordon Hein und Mathias Pfläging für ihre Aspekte und Vorschläge zum Thema Zugabe!

Mathias Pfläging ist Dirigent des Musikzugs der freiwilligen Feuerwehr Heggen e.V., dem Musikverein Bremke 1921 e.V., dem Kreisjugendorchester des VMB HSK „Sauerland Winds“ und künstlerischer Leiter der internationalen „Sauerländer Horntage“.

Gordon Hein dirigiert den Musikverein Degerfelden, ist Verbandsdirigent im Alemannischen Blasmusikverband und leitet das Verbandsjugendorchester “Südbaden Winds.

Die 3 Teile dieser Serie im Überblick

Die Konzert-Zugabe – Aspekte und Vorschläge Teil 1: Dee Boyd, Norman Grüneberg, Michael Euler
Die Konzert-Zugabe – Aspekte und Vorschläge Teil 2: Celine Pellmont, Oliver Nickel, Tobias Hauenstein
Die Konzert-Zugabe – Aspekte und Vorschläge Teil 3: Gordon Hein, Mathias Pfläging

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Alexandra Link

Musik ist ein sehr wichtiger Bestandteil meines Lebens. Musizierende Menschen zusammen zu bringen meine Leidenschaft.

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