Querflöte: Über die Unterschiede zwischen C- und H-Fuß

Miyazawa-Kriterien-Test Teil 1

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„Wegen einem Ton mehr einen H-Fuß kaufen? Und deswegen auch noch mehr Gewicht auf meine Schultern legen?“ – Genau das habe ich mich jahrelang gefragt und jedes Mal verneint. Und das, obwohl ich vom Fach bin. Ich habe Musikalienhändlerin gelernt und viele Jahre bei Musik Gillhaus in Freiburg auch Flöten verkauft. Bis ich letztens eines Besseren belehrt worden bin.

Christian Bach von Miyazawa Flutes Europe hat mich gebeten, die Unterschiede zwischen Flöten mit C- und H-Fuß bei einem Miyazawa-Flöten-Testtag herauszufinden und einen Beitrag darüber zu schreiben. Einen Moment lang dachte ich, oh je, ob ich das kann? Im gleichen Augenblick ist mir aber gleich die Lösung eingefallen: Meine Freundin Kirsten Lin fragen, ob sie mir hilft. Für Kirsten keine Frage: „Klar, machen wir das“ (ich habe auch ihr innerliches „Yippie“ gehört…).

Miyazawa Flöten Teststraße

Im Test haben wir also eine Miyazawa Silberkopf, Neusilber-Rohr mit C-Fuß (PB-202 RE) der Miyazawa Silberkopf, Neusilber-Rohr mit H-Fuß (PB-202 REH) gegenübergestellt. Anschließend eine Miyazawa Silberrohr mit C-Fuß (PB-402 RE) mit der Miyazawa Silberrohr mit H-Fuß (PB-402 REH) verglichen. (Alle mit der gleichen Neusilber-Mechanik.)

Zunächst einmal: sowohl Kirsten als auch ich sind pure Miyazawa-Anfänger. Ich spiele eine handgemachte Yamaha- und Kirsten eine Vollsilber-Muramatsu. Allerdings hat sie sich erst vor kurzem einen Miyazawa 14kt-Goldkopf dafür angeschafft und dadurch ihre „alte“ Flöte zum Rolls Royce gemacht. Aber das ist eine andere Geschichte…

Weil wir beide keine Erfahrung mit Miyazawa haben, war es uns zunächst wichtig, die Flöten allgemein unter die Lupe zu nehmen.

Noch bevor wir einen Ton gespielt haben, wurden die Flöten erst einmal ganz genau angeschaut. Wir haben festgestellt: Die Verarbeitung ist bei allen Flöten gut. Es gibt keine Grate, weiche Übergänge, die Polster sind sauber eingesetzt. Kork (echt!) und Filz sind auch sauber verarbeitet und eingesetzt. Die Zapfen sind alle glatt und unverkratzt, der Zusammenbau geht leicht, wie es sich gehört. Das Empfinden beim Fuß: vielleicht etwas zu leichtgängig. Die Mechanik ist, wie oben schon geschrieben, bei jeder der getesteten Flöten genau gleich. Sie läuft sehr gleichmäßig, ist auf die schwerfälligeren Ringfinger angepasst und die Klappen sitzen perfekt ohne Spiel. Es gibt eine Führung bei den Einstellschrauben, dadurch kann der Schraubendreher nicht abrutschen.

Miyazawa Flöten Details

Die Gravur ist einfach gehalten und etwas schlicht (das Miyazawa-Logo mit Schriftzug. Geschmacksache.). Die Modellnummer und die Seriennummer sind auf dem aufgelöteten Steg der Mechanik zu finden. Dafür braucht man aber schon fast eine Lupe. Die Kopfschrauben sind im Miyazawa-Style mit doppeltem Rändel – aber nicht besonders in der Optik. Sehr schön geformt sind die Spitzdeckel. Die Fingerkuppen werden durch die Form bzw. Formung der Ringe in den Klappen sehr gut positioniert. Ich selbst spiele auf einer Flöte mit geschlossenen Klappen, aber es war überhaupt kein Problem für mich, die Ringklappen-Flöten zu spielen (bis auf ein paar kleine Ausnahmen bei schnellen Läufen – aber das ist ein Problem des dann unsauberen Greifens). Die Flöten bzw. die Versilberung fühlt sich in den Händen sehr gut an. Ist warm und weich.

Die Mechanik hat eine gute Leichtgängigkeit, wenn auch keine sehr gute. Aber hier darf man auch nicht Äpfel mit Birnen vergleichen, da wir beide normalerweise Flöten von zwei Preisklassen mehr spielen. Im Vergleich zu Schülermodellen aller Fabrikaten flutschten die Klappen einwandfrei auch bei sehr schnellen Läufen. Die Gis- und Trillerklappen haben eine gute Größe. Der B-Hebel ist leicht zu erreichen. Es gibt am Fußstück (sehr) große Klappen, was den etwas kleineren Händen bzw. kürzeren Finger von Kirsten sehr zu Gute kommt. Insgesamt liegen alle Miyazawa-Flöten, die wir getestet haben, sehr gut in der Hand.

Nun aber zum eigentlichen Testbericht. Wir wollten ja die Unterschiede zwischen C- und H-Fuß herausfinden.

Miyazawa Flöten Testbericht

Für den Test haben wir uns zuerst Kriterien überlegt. Wir haben alle vier Flöten auf Ansprache, Klang, Flexibilität und Intonation geprüft. Die Mechanik habe ich oben ja schon beschrieben, die Technik haben wir deshalb eigentlich außen vor gelassen. Jedoch schon darauf gehört, wie sich Ansprache und Klang bei schnellen Läufen verhalten, geprüft. Dies ist im Kriterium Flexibilität beschrieben.

Zunächst waren die beiden Silberkopf-Flöten dran.

Offensichtlich unterscheiden sich die Flöten mit C- und H-Fuß in der Länge. Die H-Fuß-Flöte ist 3 cm länger. Die Silberkopf-Flöte mit C-Fuß (RE 202) wiegt 421g, die Silberkopf-Flöte mit H-Fuß (REH 202) wiegt 448g. Mit H-Fuß ist diese Flöte also lediglich 27g schwerer. Das hat mich sehr erstaunt, ich dachte gefühlsmäßig, der Unterschied wäre größer. Kirsten, die Ingenieurin ist, hat mir dieses Phänomen mit Newton, Hebelkraft und Erdanziehung erklärt – ich habe aber nichts davon verstanden… Nun, gut. Ein weiterer, selbstverständlicher Unterschied: das kleine h ist mit drauf. Das braucht man jedoch sehr selten. (Manchmal kommt das bei Reed oder Barnes vor.)

Beim Testen der beiden Silberkopf-Modelle haben wir festgestellt, dass in der 1. und 2. Oktave die Flöte mit dem H-Fuß leichter anspricht, der Ton stabiler und der Klang viel voller ist. In der dritten Oktave ab g3 ist allerdings die Flöte mit C-Fuß besser als die REH 202. In der dritten Oktave hat die Silberkopf-Flöte mit C-Fuß einen runderen Klang. In punkto Flexibilität haben wir festgestellt, dass Oktavenwechsel und schnelle Läufe ebenso zu Gunsten des C-Fußes gehen. Wichtig bei dieser Feststellung: Sowohl Kirsten als auch ich spielen Flöten mit C-Fuß, sind also den H-Fuß nicht gewohnt. Deshalb kann es sein, dass diese Erkenntnis dem geschuldet ist, dass wir beispielsweise die Luft nicht schnell genug bei schnellen Läufen fließen lassen. Es gilt sich bei diesem Kriterium wohl auf den H-Fuß einzustellen (im Klartext: es braucht Übung). Die Flöte mit dem H-Fuß stimmt insgesamt in sich besser als die mit C-Fuß. Bzw. es ist leichter zu intonieren, weil der Ton stabiler ist.

Miyazawa Flöten Testberichte

Vorausschicken möchte ich, dass Silberkopf- sich grundsätzlich von Silberrohr-Flöten im Klang unterscheiden. Silberkopf-Flöten klingen heller, strahlender und schlanker, Silberrohr sind dunkler, weicher und brillianter. Auswahlkriterium ist nicht nur der Preis (Silberkopf-Flöten sind um einiges günstiger), sondern auch der Geschmack. Dem einen gefällt die hellere, dem anderen die dunklere Klangfarbe besser.

Wir haben die beiden Silberrohr-Flöten 402 RE (C-Fuß) und 402 REH (H-Fuß) auf die gleichen Kriterien wie schon die Silberkopf-Flöten 202 RE (C-Fuß) und 202 (H-Fuß) getestet.

Der Unterschied zwischen Silberkopf und Silberrohr ist bei Miyazawa übrigens gravierend. Und da sowohl Kirsten als auch ich bei Flöten immer auf der Suche nach einem warmen, vollen, runden Klang, der trotzdem brilliant ist, sind, kommen die Silberrohr-Modelle von sich aus schon ganz unserem Ideal entgegen. Für unseren Geschmack waren die Neusilber-Rohre trotz Silberkopf zu hell. Aber wie schon geschrieben: Geschmacksache!

Der Unterschied in der Ansprache zwischen C-Fuß- und H-Fuß-Modell ist bei diesen ebenso wie bei den Silberkopf-Flöten da, aber nicht so ausgeprägt. Die Flöte mit H-Fuß spricht bis etwa g3 besser an. Ab g3 ist die Flöte mit C-Fuß ganz direkt und klar, mit H-Fuß etwas unpräzise und schwieriger. Insgesamt gesehen bzw. gehört hat der Klang der Flöte mit H-Fuß deutlich mehr Substanz und ist in der Dynamik umfangreicher als die 402 RE (C-Fuß). In der Schnelligkeit ist auch hier die C-Fuß-Flöte einfacher. Sie geht „schneller los“, es ist weniger anstrengend schnelle Läufe zu spielen und die Töne sind präziser. Der Unterschied in der Intonation ist geringer ausgeprägt als bei den Silberkopf-Modellen, aber dennoch vorhanden.

Unser Fazit: Der H-Fuß bringt viel Klang bis etwa zum g3. Technik (schnelle Läufe) ist jedoch anstrengender. Mit H-Fuß ist die Flöte in der Intonation einfacher und sehr stabil. Der C-Fuß vereinfacht Technik, Schnelligkeit und die Präzision in Läufen. Da das Silberrohr für unseren Geschmack eine enorme Klangverbesserung bringt und runder, wärmer, voller ist, geht unsere Tendenz in Richtung 402 REH. Die Anschaffung eines zusätzlichen C-Fußes – was ja auch eine Option ist – wäre optimal, je nachdem, um welches Stück es geht.

Ein herzliches Dankeschön an Christian Bach von Miyazawa Flutes Europe für die Möglichkeit, diesen Test durchzuführen. Es hat uns sehr viel Spaß gemacht, die Unterschiede zwischen Flöten mit C- und H-Fuß herauszufinden. Tausend Dank an Kirsten Lin, die mich bei diesem Auftrag großartig unterstützt hat.

Alexandra Link

Musik ist ein sehr wichtiger Bestandteil meines Lebens. Musizierende Menschen zusammen zu bringen meine Leidenschaft.

4 thoughts on “Querflöte: Über die Unterschiede zwischen C- und H-Fuß

  • 14. Februar 2022 at 21:48
    Permalink

    Vorab: ich spiele “nur” eine Pearl mit H-Fuß, vorher YFL 211. Ich finde auch, dass eine Flöte mit H-Fuß besser ausbalanciert ist und so der Unterschied im Gewicht überhaupt nicht auffällt.

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  • 15. Februar 2022 at 20:00
    Permalink

    Ich spiele seit 1987 auf einer Sankyo CF 301 (Silberkopf-rohr, C-Fuß) mit geschlossenen Klappen. Seit 2010 habe ich “aufgerüstet” und spiele nun hauptsächlich auf einer Sankyo CF 501 (Vollsilber mit vergoldetem Silberkopf, H-Fuß) als verkappte Ringklappenflöte. Durch meine schlechte Haltung und langsam beginnender Arthrose in der rechten Hand schaffe ich es nicht alle Löcher vollständig abzudecken. Ich habe mir daher Ringklappenverschlüsse von Powell zugelegt. Eigentlich hatte ich mir damals fest vorgenommen so langsam einige verschlossenen Klappen wieder freizugeben. Diese Verschlüsse sind prima und optisch auch einwandfrei. Es gibt davon verschiedene Modelle im Handel.
    Zu den Unterschieden beim C- oder H-Fuß: nicht nur, dass man ein H spielen kann ist beim H-Fuß von Vorteil, auch das C4 kann man in Verbindung mit dem H-Hebel besser anspielen.
    Allerdings nerven mich die vielen Klappen, die ich nun mit meinem kleinen rechten Finger anwählen kann. Das erinnert mich etwas an ein neues Auto mit Schaltgetriebe und einen zusätzlichen Gang mehr als man es bisher gewohnt war. Da gehört auch etwas Gewöhnung und Übung zu die richtige Klappe zu treffen. Bei einem C-Fuß fühle ich mich da etwas freier.
    Mit meiner Vollsilberflöte habe ich mehr klangliche Möglichkeiten als mit meiner Silberkopf-rohrflöte, auch wenn ich mittlerweile meine “Ersatzflöte” mit einem Silberkopf mit Goldkamin verbessern konnte um nicht ganz klanglich bei einem Ausfall (Reparatur/Inspektion) der ersten Flöte damit abzufallen.

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