Die Konzerteröffnung – Aspekte und Ideen Teil 2

Ein Round-Up-Post mit Beiträgen von Petra Springer, Miguel Etchegoncelay und Joop Boerstoel

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Präludium, Ouvertüre, Intrada, Vorspiel, Fanfare, Paukenschlag: Das erste Werk des Konzerts bestimmt dessen Charakter!

Über ihre persönlichen Auswahlkriterien für das Eröffnungswerk eines Konzerts schreiben in insgesamt drei Blog-Beiträgen neun erfahrene Dirigentinnen und Dirigenten. Diese drei Beiträge sollen Euch Inspiration und Repertoirequelle sein.

Petra Springer

Petra Springer
Petra Springer

Petra Springer ist Dirigentin der Stadtkapelle Bad Wurzach und Leiterin der dortigen Jugendmusikschule.

Am glücklichsten bin ich, wenn es mir gelingt ein Eröffnungswerk zu finden, das zum “roten Faden” bzw. zur Dramaturgie des Programms passt. Praktisch eine “Einleitung”. Das Werk soll aufwecken, neugierig machen und “Lust auf mehr” machen.  Da muss es für mich auch nicht unbedingt eine Fanfare oder eine Ouvertüre sein. 

Mit Moses und Ramses (von Satoshi Yagisawa) eröffneten wir das Jahreskonzert 2012. Zu Beginn erklingt eine festliche Fanfare und erzählt anschließend die Geschichte der beiden Brüder. Das “Hexen-Helden-Heilige” Konzert war eröffnet. Das Hauptwerk des Konzerts war Saga Candida.

From the Forest of Saariselka beschreibt ein kleines Dorf im Norden Finnlands, das für seine Nordlichter berühmt ist. Der Komponist Hiroki Takahashi hat in seiner Tondichtung die romantische Schönheit des nahe gelegenen Waldes eingefangen. Der Beginn meines “Licht-Liebe-Leidenschaft”-Konzertes.

2014 war unser Hauptwerk Der Brand von Bern von Mario Bürki. Alle haben geschlafen, als der Brand ausbrach. Hier hat als Eröffnungswerk The Awakening von Bert Appermont super gepasst (in meinen Augen).

In den anderen Jahren haben wir Celebration-Fanfare (Steven Reineke), Jubilee Overture (Sparke) und Olympiada (Samuel Hazo) gespielt. 

Meine absolute Ausnahme in der Konzerteröffnung war Infinite Hope von Brian Balmages – Gänsehaut-Stimmung pur! Im Programm hatten wir u.a. Satiric Dances, Concerto for clarinet (Artie Shaw) und den Störtebeker von Dominik Wagner :).

Ich denke, dass The Awakening mein Favorit ist. Jede Instrumentengruppe kann sich “vorstellen”, sich “finden” und in den Gesamtklang zurückkehren. Tolle Farben! Cooles Hörerlebnis 🙂

Miguel Etchegoncelay

Miguel Etchegoncelay
Miguel Etchegoncelay

Miguel Etchegoncelay unterrichtet Orchesterdirigieren am Conservatoire de Musique de Strasbourg und der Haute Ecole des Arts du Rhin (HEAR). Er ist außerdem Mitglied im Vorstand der WASBE (World Association of Symphonic Bands and Ensembles). Zurzeit dirigiert er u. a. das Freiburger Blasorchester.

Es kommen hier vielen Faktoren in Frage. Bei Amateur-Orchestern ist meiner Meinung nach der wichtigste Punkt, sofort den besten Klang des Orchesters zu erreichen. Am besten durch ein relativ einfaches Werk, mit dem sich das Orchester wohl fühlt. Es soll technisch nicht zu schwierig sein, sondern eher einfach. Und soll vor allem ein Werk sein, das die musikalische Atmosphäre des Konzertes sofort setzen kann. Der Dirigent muss den Stress und das Lampenfieber vom Orchester so schnell wie möglich schlagen und durch das Werk ein ruhiges und kunstreiches Ambiente schaffen. Das Werk soll relativ kurz sein, eher im tutti orchestriert, mit bequemen Nuancen. Alle Extreme sind zu vermeiden: heikle solistische Stellen, extreme Registerlagen, extrem schnelle Tempi, extreme Nuancen, sogar extreme Tonsprachen die große Konzentration und Vertrauen brauchen. Die Hörqualität vom Orchester soll durch das Eröffnungswerk wachgerüttelt werden.

Die Akustik der Räumlichkeiten ist unser unsichtbares Mitglied. Oft brauchen unsere Musiker ein paar Minuten um sich der Akustik anzupassen. Die Vorprobe findet meist ohne Publikum statt. Die Bedingungen mit einem (hoffentlich!) vollen Haus sind und wirken völlig anders. Das Genre des Werkes kann aber vielseitig sein, ein schöner Choral, oder eine Fanfare, ein Marsch oder ein festliches Werk, usw.

Mir ist absolut wichtig ein Konzert ohne Ansage anzufangen. Wenn man überhaupt eine Begrüßungsrede haben will, soll sie vor dem Eintritt des Orchesters stattfinden. Die erste, das Konzert begleitende Ansage soll nach dem ersten Werk präsentiert werden.

Bei Profi- und routinierten Orchestern spielen die genannten Faktoren auch eine Rolle und sie sollen auch immer berücksichtig werden. Dank der Erfahrung der Musiker sind ihre Auswirkungen geringer.

Mir fallen viele Eröffnungs-Werke ein. Sie finden hier eine Liste von Werken, die ich als Konzerteröffnung schon gemacht habe. Sie sind nach Schwierigkeitsgrad geordnet. Konzertmärsche, Choräle, Fanfaren und feierliche Werke sind zu finden.

Grad 3 – 4
Courtly airs and dances (John Nelson) 
Strike up the Band (G. Gershwin)
Inglesina (Davide Delle Cesse)
Mother Earth (David Maslanka)
Pastime with good company (Philip Sparke)
Pageant (Vincent Persichetti)
Amazing Grace (Frank Ticheli)
Appalachian Overture (James Barnes)
A Triumphant Fanfare (Franco Cesarini)
Song of Lir (Fergall Carroll)
Cuore Abruzzese (Giovanni Orsomando)
Cortège Champêtre (Alberto Williams/Etchegoncelay)

Grade 5- 6
Selamlik Op. 48 (Florent Schmitt)
A glorious Day Op. 48 (Albert Roussel)
Cuban Ouverture (G. Gershwin)
Masque (Kenneth Hesketh)
Toccata Marziale (Vaughan Williams)
Ouverture Rythmique (Eugène Bozza) – vergriffen
Children’s Overture (Eugène Bozza) – vergriffen
Funeral Music for Queen Mary (Purcell/Stucky)
Melancholy Moment (Hubert Hoche)

Joop Boerstoel

Joop Boerstoel(©Michael Basten Fotografie)
Joop Boerstoel (©Michael Basten Fotografie)

Zur Zeit dirigiert Joop Boerstoel das „Symfonisch Blaasorkest Gaanderen“ und „Prinses Irene Huizen”, sowie das Sinfonieorchester „La Sinfonia Contea“. Er arbeitet bei Musidesk Rijnbrink in Arnheim, wo er für die Anschaffung von Notenmaterial für die Bibliothek, diverse musikalische Projekte und Kurse verantwortlich ist. Außerdem ist er Ansprechpartner für verschiedene nationale Organisation wie zum Beispiel den WMC oder KNMO (Nationaler Musikverband der Niederlanden). Joop Boerstoel ist Präsidiumsmitglied der WASBE International.

Folgende Kriterien sind nicht der Wichtigkeit nach geordnet, sie können aber alle eine Rolle bei der Auswahl des ersten Werkes eines Konzerts spielen:

  • Welches Art Konzert ist es? (Klassisches, Originalmusik, Länder-Themen, Sport, Film, usw. usw.)
  • Morgen-, Mittag- oder Abendkonzert?
  • In welcher Halle, Tonhalle, Konzerthaus, welchem Theater findet das Konzert statt oder vielleicht ein ‘Open Air’ Konzert?
  • Gibt es ein zentrales Konzertthema?
  • Ist es möglich mit einem Teil des Orchesters anzufangen? (Also kann man schnell Änderungen machen?)
  • Braucht das Konzert eine ‘Fanfare’ oder besser ein Klangstück, oder vielleicht einen Marsch oder Paso Doble?
  • Welche Kompositionen sind schon geplant?
  • Welches Niveau spielt das Orchester und wieviele Minuten darf die Eröffnung dauern? (Gibt es ein Maximum?)
  • Das Eröffnungswerk kann (soll) wie bei einem Dinner ein ‚hors d’ouevres‘ sein… Es soll Appetit machen auf das Zuhören.
  • Die Tonalität eines Werkes, aber auch der Tonumfang gehört dazu.

Ideen… Auch hier keine Reihenfolge, sondern einfach zufällig zusammengestellt.

Ein herzliches Dankeschön an Petra Springer, Miguel Etchegoncelay und Joop Boerstoel für ihre Aspekte und Ideen zum Thema Konzerteröffnung!

Die 3 Teile dieser Serie im Überblick

Die Konzerteröffnung – Aspekte und Ideen Teil 1 mit Beiträgen von Sandra Settele, Dr. Björn Jakobs und Stefan Klein
Die Konzerteröffnung – Aspekte und Ideen Teil 2 mit Beiträgen von Petra Springer, Miguel Etchegoncelay und Joop Boerstoel
Die Konzerteröffnung – Aspkete und Ideen Teil 3 mit Beiträgen von Susanne Bader, Gernot Haidegger und Marco Lichtenthäler

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Alexandra Link

Musik ist ein sehr wichtiger Bestandteil meines Lebens. Musizierende Menschen zusammen zu bringen meine Leidenschaft.

3 thoughts on “Die Konzerteröffnung – Aspekte und Ideen Teil 2

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