Johan de Meij – Sein Leben, seine Berufung, seine Werke – Teil 1

Die Biografie Johan de Meijs

Ein Gastbeitrag von Harald Vetter

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Hinweis: alle Quellenangaben unter dem Beitrag!

Einleitung

Die meisten Musiker haben wahrscheinlich schon einmal von Johan de Meij gehört. Vergleichsweise wenige konnten mit ihm zusammen musizieren. Viele haben bereits unter ihm als Dirigent gespielt. Die meisten werden ihn jedoch vor allem als Komponist kennen, welcher eine Vielzahl von verschiedenen Werken und Arrangements geschrieben hat.

Doch wer genau ist eigentlich Johan de Meij? Was ist er für ein Mensch? Welchen Weg ist er gegangen, um heute da anzukommen wo er ist? Was inspiriert ihn, wenn er sich an ein neues Werk setzt?

Diese und noch mehr Fragen habe ich mir gestellt, als ich im Rahmen meines Studiums „Metafoor“ bei Alex Schillings ein Komponistenportrait von Johan de Meij erstellen sollte. Was zunächst als normale „Hausaufgabe“ begonnen hatte, entwickelte sich schnell zu einer spannenden Entdeckungsreise auf den Spuren eines großartigen Musikers, der in der Welt der Blasmusik deutliche Akzente setzt. Ich recherchierte, las Bücher, Zeitungsartikel, Internetbeiträge und studierte seine Werke. Hierbei konnte ich ein bisschen erfahren was ihn antreibt, was er denkt und auch ein paar kleine Anekdoten aus dem Familienleben der De Meijs finden.

Die Ergebnisse habe ich im Portrait „Johan de Meij – Sein Leben, seine Berufung, seine Werke“ zusammengefasst, welches sich in drei Themen bzw. Teile gliedert:

Die Biografie Johan de Meijs (Teil 1)
Johan de Meij als Komponist (Teil 2)
Auszüge seiner Werke (Teil 3)

Natürlich lässt sich nicht alles in diesen Zeilen zusammenfassen oder berücksichtigen. Ich hoffe dennoch einen Eindruck vermitteln zu können, was für ein großartiger Musiker sich hinter dem Namen Johan de Meij verbirgt. 

Viel Spaß beim Lesen
Harald Vetter

Über sein Leben

Johan de Meij fand mehr oder weniger zufällig den Weg in die Musik. Mit 15 Jahren bekam er von einem Freund seiner Schwester Trompetenunterricht. Dieser hatte eine Trompete übrig und gab ihm seine ersten Unterrichtsstunden. Nach sechs Monaten spielte De Meij Trompete im Musikverein seines Heimatorts. Es handelte sich um einen normalen Musikverein mit einer breit gefächerten Altersstruktur, wie sie überall in den Niederlanden verbreitet sind. Da der Verein eine Überzahl an Trompetern und zu wenig Posaunisten hatte, wechselte De Meij auf Wunsch des Dirigenten von der Trompete auf die Posaune.

Mit 15 Jahren besuchte De Meij die Sekundarschule. In dieser Zeit spielte er noch viel Fußball. Dies musste er jedoch zugunsten der Musik aufgeben, da er an den Wochenenden oft mit dem Musikverein gespielt hat. Eine musikalische Karriere stand zu diesem Zeitpunkt noch nicht zur Diskussion.

Schon früh überkam De Meij der Drang, eigene Dinge zu erschaffen und eigene Arrangements und Kompositionen zu schreiben. Das Wissen hierzu brachte er sich autodidaktisch bei, indem er in Bibliotheken verschiedenste Aufnahmen und Partituren studierte. Auf diese Weise eignete er sich sein Wissen über Orchestrierung an. Unterricht in dieser Form hat De Meij nie genommen.

Im Jahr 1972 begann Johan De Meij ein Studium für das Grundschullehramt an der Hochschule für Pädagogik. Er belegte Kurse in Didaktik, hatte aber keine konkreten Pläne an einer Schule zu unterrichten. Während dieser Zeit spielte De Meij in verschiedenen Orchestern und erreichte ein hohes Level an spielerischem Können.

Während seines Militärdienstes spielte Johan de Meij im Fanfare-Orchester der Kavallerie in Amersfoort. Dort spielte er Es-Tuba, Bariton und Posaune. Während dieser Zeit schrieb er auch seine ersten Arrangements.

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1977 spielte De Meij auf dem Euphonium für eine Stelle in der Polizeikapelle Amsterdam unter der Leitung von Karel Kokelaar vor, die er bekam. Drei Tage nach seinem Ausscheiden aus dem Militärdienst trat De Meij seine neue Stelle an und spielte somit als Profimusiker, obwohl er zu diesem Zeitpunkt noch keine professionelle musikalische Ausbildung hatte. Während seiner Tätigkeit im Polizeiorchester verfügte De Meij über so viel freie Zeit, dass er sich am Königlichen Musikkonservatorium einschrieb und die Fächer Posaune und Dirigat belegte. Das Dirigieren wollte De Meij vor allem aus praktischen Gründen erlernen. Er wollte sich selbst in die Lage versetzen, seine eigenen Arrangements zu dirigieren. Zudem schloss er sich dem Haags Koper Ensemble an und spielte landesweite Konzerte und Auftritte im Rundfunk.

Zusätzlich spielte De Meij in vielen niederländischen Orchestern unter berühmten Dirigenten und Komponisten wie Valérie Gegiev, Edo de Waart, Hans Vonk, Peter Eotros, Luciano Berio, Gunther Schuller und Heinrich Schiff. Die Eindrücke, die er in dieser Zeit sammelte, entwickelten sich zu einem prägenden Faktor, der die künftige Arbeit von Johan de Meij als Komponist prägte. Im Jahr 1983 schloss De Meij sein Studium im Fachbereich Dirigat ab, ein Jahr später beendete er sein Studium an der Posaune.

Während seines Studiums wurden die ersten Arrangements von De Meij über Molenaar verlegt. Viele Orchester in den Niederlanden aber auch im europäischen Ausland nahmen sie in ihr Programm. Besonders Arrangements von Film- und Musicalmelodien erfreuten sich großer Beliebtheit und machten De Meij immer bekannter.

Das Jahr 1988 war ein weiterer wichtiger Schritt in der Karriere De Meijs. Er beendete seine Beschäftigung beim der Amsterdamer Polizeikapelle und spielte beim Orchester de Volharding vor, wo er seitdem als Posaunist spielte. Zudem gründet er seinen eigenen Verlag, Amstel Music (Siehe auch Kapitel Amstel Music). Seine erste Symphonie wurde in diesem Jahr ebenfalls zum ersten Mal aufgeführt.

Der Umzug nach New York

Dyan Machan & Johan de Meij
Dyan Machan & Johan de Meij

Im Jahr 2008 zog Johan de Meij zu seiner Frau Dyan Machan, welche als Journalistin arbeitet, nach New York. Dort erwarben sie ein Haus am Hudson River. Das Haus liegt in Saugerties, in Ulster Country und ist 160 Kilometer vom Zentrum von Manhattan entfernt. Es handelt sich um ein großes Haus mit fünf Schlafzimmern auf 12 Acres (49‘000 m²) Land.

Die Motivation dieses Haus zu erwerben ging von Dyan Machan aus, sie wollte ein Haus am Wasser, da sie an die tiefe ursprüngliche Verbundenheit des Menschen an das Wasser glaubt. Da die Preise für ein Haus am Wasser jedoch sehr hoch sind, suchte sie ein Haus außerhalb von Manhattan. Statt des erträumten charmanten Steinhauses erwarben sie ein neu errichtetes Haus im Kolonialstil.

Der Start war jedoch nicht so reibungslos wie gedacht, gleich zu Beginn gab es Schwierigkeiten mit den Nachbarn. Dyan Machan spricht von den „weltschlechtesten, ungastlichen Nachbarn“, die es gibt. Diese ignorierten sie und riefen sogar die Polizei, als ihre Söhne versehentlich das Grundstück der Nachbarn betraten. Doch damit nicht genug, um die schlechten Energien im Haus auszutreiben kaufte Dyan ein Salbei-Bündel im Supermarkt und räucherte damit das Haus aus. In der gleichen Nacht setzte die Asche des Salbeis den Mülleimer in Brand. Dyan wurde jedoch wach und konnte verhindern, dass das Haus niederbrannte.

Dyan Machan & Johan de Meij
Dyan Machan & Johan de Meij

Statt aufzugeben renovierte das Paar das Haus über ein Jahr und gab ihm ihre Persönlichkeit. Sie fassten Zimmer zusammen und fügten einen Anbau hinzu, um ihren Wunsch nach einem 10-Fuß langen Esstisch erfüllen zu können. Dieser besteht aus dem Holz einer Bowlingbahn aus New Jersey. Sie wollten viel Platz schaffen, um ihre vielen Freunde an einen Tisch einladen zu können und für diese zu kochen. Zudem wurden im Obergeschoss eine Reihe von Gästezimmern geschaffen, sodass keiner der Gäste nach dem Trinken noch heimfahren muss.

Die Einrichtung ist kreativ, im Büro von Dyan hängt ein beleuchtetes Werbeschild eines China-Restaurants und über dem Kamin ein großer Schwertfisch.

Zudem sind beide große Vogelliebhaber. Das Gras im Garten wächst wild und es gibt eine Vielzahl von Vogelhäusern. Beide sind auf ihre Weise kreativ, während Johan de Meij im Haus seine Musik komponiert, hält sich seine Frau oft draußen auf und denkt darüber nach, was sie als nächstes verändern kann.

Neben dem Haus am Hudson River haben die beiden noch ein Appartement in Manhattan. Dies ist jedoch nur Mittel zum Zweck. Nach den Schwierigkeiten zu Beginn ist das Haus am Hudson, oder das Hudson Valley wie De Meij es nennt, ihr Zuhause geworden.  

Besondere Personen für Johan de Meij

Es gibt einige Personen, die Johan de Meij in seiner Entwicklung besonders beeinflusst haben. Die erste davon war Anne Bijlsma, der Vater des Cellisten Anner Bijlsma. Dieser war Posaunist im Residentie Orchester in Den Haag und hatte einen guten Ruf als Posaunenlehrer. Er war der erste, der das Talent von Johan de Meij erkannte und gab diesem Unterricht. Bijlsma motivierte De Meij dazu ein Profimusiker zu werden, da er alles habe, was man dafür brauchen würde.

Nachdem Bijlsma aus dem Residentie Orchester ausgeschieden war, rückte Piet van Dijk, der Vater des Bassposaunisten Ben van Dijk, an dessen Stelle. Dieser wurde wie ein zweiter Vater für De Meij. Er war oft bei Van Dijk zuhause und ließ sich von dessen Posaunenspiel inspirieren. Van Dijk bereitete De Meij auch auf dessen Aufnahmeprüfung in Amsterdam vor. Mit seinem Sohn Ben schloss er Freundschaft.

Um das enge Verhältnis zur Ben und seinem Vater zum Ausdruck zu bringen komponierte De Meij Canticles, ein Solowerk für Bassposaune. Er schrieb es für Ben und widmete es seinem Vater Piet van Dijk.

Johan de Meij heute

Mit der Auswanderung in die USA 2008 beendete De Meij seine Karriere als Posaunist und kündigte seine Stelle im Orchester de Volharding.  Seitdem konzentriert er sich ganz auf das Komponieren, Arrangieren, Dirigieren und die Leitung seines Verlags. Er genießt und pflegt diese Vielfältigkeit, alles tun zu können, worauf er Lust hat.

Gerade aus der Zeit im Orchester de Volharding bezieht er heute noch viel Inspiration. Dort spielte er sehr anspruchsvolle und neuzeitliche Musik, aus welcher er viel für sich lernte. Dies treibt ihn an und motiviert ihn, neue Werke zu schreiben. Als Komponist geht er seinen eigenen Ideen nach. Hierbei versucht er sich in allem, was ihm Spaß macht. Manchmal schreibt er etwas absolut tonales, um einen Ausgleich für die anspruchsvolle Musik zu schaffen, die er selbst gespielt hat.

Als Dirigent ist De Meij besonders als Gastdirigent gefragt. Er hat sein ursprüngliches Ziel beibehalten und reist als Gastdirigent um die Welt, um seine Werke mit verschiedenen Orchestern einzustudieren.

Johan de Meij privat

In seiner Freizeit ist Johan de Meij ein sehr geselliger Mensch. Er hat viele gute Freunde, mit denen er sich gerne trifft, so oft er dazu kommt. Hierbei geht er gerne ins Kino, Theater oder ins Varieté. Zudem ist er ein leidenschaftlicher Koch (besonders italienisch) und Genießer guter Gerichte. Wenn er noch Zeit übrig hat, liest De Meij gerne.

Des weiteren mag De Meij moderne Skulpturen und Architektur sowie Museen. Er reist gerne und viel und liebt große Städte. Zudem schätzt er alles was schön ist, die Natur, die Erde oder einen blauen Himmel.

Johan de Meij hört selbst am liebsten klassischen Musik.  Radio oder ähnliches hört er so gut wie gar nicht. Wenn er ein Werk komponiert, verzichtet er jedoch komplett darauf Musik zu hören, um sich nicht davon beeinflussen zu lassen.

Um sich selbst fit zu halten macht De Meij viel Sport. Hierzu sitzt er vor allem jeden Tag auf seinem Hometrainer und schaut nebenher einen Film. Wenn er in Manhattan ist geht er jedoch lieber joggen.

Die weiteren Teile des Porträts Johan de Meij – Sein Leben, seine Berufung, seine Werke von Harald Vetter folgen demnächst!

Johan de Meij als Komponist (Teil 2)
Auszüge seiner Werke (Teil 3)

Quellenangaben:

Bethany Lyttle, Bericht über Johan de Meij,  New York Times, Ausgabe 07.April 2011
Mark Camphouse, Composer on Composing Vol. 2, GIA Verlag, Johan de Meij
Teaching Music through Performance Vol. 2, Symphonie Nr. 1 Johan de Meij, Unit 1
Diverse Verlagsinformationen

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Musik ist ein sehr wichtiger Bestandteil meines Lebens. Musizierende Menschen zusammen zu bringen meine Leidenschaft.

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