Sinfonische Blasmusik: 12 Versuche einer Definition

Zwölf Persönlichkeiten aus der Blasorchester-Szene habe ich gebeten, folgende Frage(n) zu beantworten:

Was ist “Sinfonische Blasmusik” und was bedeutet Dir die “Sinfonische Blasmusik“?

Im Folgenden beantworten diese Frage(n) Alexander Beer, Joachim Buch, Thomas Doss, Markus Frieß, Alexander Knam, Thomas Krause, Marc Lange, Rüdiger Müller, Luk Murphy, Joachim Pfläging, Toni Scholl und Wolfgang Wetzel. Meine abschließende Zusammenfassung findet Ihr ganz am Schluß dieses Beitrags.

Alexander Beer mit Studenten der Musikhochschule Trossingen

Die Fragen wurden in der Klassenstunde gemeinsam diskutiert und eine Antwort formuliert.

„Sinfonische Blasmusik ist sowohl eine Besetzungsform also auch eine Art, farbenreich und differenziert für Blasorchester zu arrangieren oder zu komponieren. Im 20. Jahrhundert hat sich eine Standardinstrumentierung (mit regionaltypischen Besonderheiten) herausgebildet, die neben allen Orchesterblasinstrumenten und ihren Nebeninstrumenten (z.B. Piccoloflöte, Englischhorn etc.) auch die ganze Palette des Schlaginstrumentariums vorsieht.

Das faszinierende an der Sinfonischen Blasmusik ist das moderne Repertoire mit Werken, die überwiegend aus den letzten 100 Jahren stammen. Sie decken viele verschiedene zeitgenössische Stile ab. Uraufführungen sind an der Tagesordnung und zeugen von einem lebendigen Kontakt zu Komponisten. Aus pädagogischer Sicht sind die Einteilung in Schwierigkeitsgrade und heranführende, einfachere Kompositionen hilfreich.

Mit der Sinfonischen Blasmusik ist im besten Fall auch eine künstlerische Musizierhaltung verbunden. Das Streben nach musikalisch-lebendiger Gestaltung, sauberer Intonation. Ein gutes Auftreten und eine klare Organisation. Unabhängig davon, ob Amateure, Studierende oder Profis musizieren.”

Joachim Buch (Foto Jochen Hirschinger)
Joachim Buch (Foto Jochen Hirschinger)

Joachim Buch

Musikalienhändler in München, Posaunist in der Stadtkapelle Buchloe und Redakteur für mehrere Blasmusik-Zeitschriften

“Sinfonische Blasmusik ist für mich nicht nur am Repertoire sondern auch an der Art des Musizierens (v.a. die Art der Artikulation) festzumachen, ebenso an der Art des Tonsatzes bzw. der Verarbeitung der Themen. Ein total trocken gespieltes „Irish Tune“ (Percy Grainger) ist für mich keine sinfonische Blasmusik. Eine mit „großem Ton“ gespielte Konzertpolka wie „Prager Gassen“ kann sich aber schon in Richtung Sinfonische Blasmusik bewegen.
Die Besetzung ist auch nicht ganz von der Hand zu weisen. Die gesamte Instrumentenpalette muss sicherlich nicht vorhanden sein, aber es grenzt natürlich schon an Anmaßung, wenn ein Orchester mit einer Oboe als Aushilfe sich allein deshalb als „sinfonisches Blasorchester“ bezeichnet.

Was mein Hör-Repertoire angeht, steht die Sinfonische Blasmusik zusammen mit der klassischen Musik ganz vorne. Das aktive Musizieren und Üben (Bassposaune /  Bariton) kommt bei mir leider viel zu kurz, da ich 70 Kilometer zur Arbeit pendle und daneben für mehrere Fachzeitschriften und lokale Tageszeitungsredaktionen journalistisch tätig bin.”

Thomas Doss Dirigent
Thomas Doss

Thomas Doss

Komponist, Dirigent und Pädagoge

„Sinfonische Blasmusik ist Musik für Sinfonisches Blasorchester.

Das Sinfonische ist, die richtige Besetzung zu haben:

Der chorische Bereich (Klarinetten im Blasorchester) ist von Sopran- bis Kontrabasslage so ausgeglichen und quantitativ besetzt, dass es den zusätzlichen Stimmen der Holz- und Blechbläser in jeder dynamischen Phase gleichberechtigt gegenüberstehen kann (also von ppp – fff).

Diese zusätzlichen Stimmen, welche die Farben oder die Kraft bringen sind so zu besetzen wie es die Partitur vorschreibt.

Mir bedeutet sinfonische Blasmusik, dass ich unzählige Möglichkeiten habe Funktionen, Kombinationen und Mixturen aus Farben so kreativ auszuleben, dass genug Raum ist die Hörer auf eine Reise mitzunehmen.“

Markus Friess
Markus Frieß

Markus Frieß

Trachtenkapelle Hartheim, Musikverein Wendlingen

“In meinen 10 Jahren Dirigierstudium in Österreich bei Professor Ludescher und in Holland bei Professor Alex Schillings sowie Meisterkursen bei einigen renommierten Dozenten habe ich mir meine klare Definition über den Begriff „Sinfonische Blasmusik“ gebildet.

„Sinfonisch“ ist in erster Linie ein Qualitätsbegriff. Das heißt wenn bestimmte Qualitätsstandards erfüllt sind, „verdient“ eine Musik „sinfonisch“ genannt zu werden. Egal ob Blasmusik oder Streichorchester oder Sinfonieorchester.

Folgende Qualitätsstandards (Blasorchester) sind damit gemeint:

a) Klangfarbe:

  • Holzbläser führen den Klang, die Funktion der Blechbläser ist dem Holzklangkörper „Body“ zu geben, das heißt ihn mit mehr Klangmasse zu unterstützen, jedoch nicht zu überblasen.
  • Die Klangmischung erfolgt nach bestimmten Regeln: Hauptfarbe Klarinetten, Oboe ist der Kernton der Klarinetten und die Flöten bilden die Brillanz des Holzklanges. Die Saxophone fügen an diesen Holzklang Masse und Vibrato hinzu.
  • Es gibt noch mehr „Feinheiten“ in der Klangregelung, die aber hier den Rahmen sprengen würden

b) Intonation:

  • Reine Intonation bei langen Tönen, das heißt die Quint etwas höher und die Terz etwas tiefer ansetzen. Findet die richtige Abstimmung statt, dann werden neue Partialtöne (Obertöne) nach oben und unten gebildet. Diese neuen Partialen lassen das Ensemble größer, weicher und schöner klingen. Das Orchester lernt diese vollen Klänge zu hören und immer wieder weniger über die Intonation, sondern über den Klang anzustreben.
  • Um eine gute Intonation anstreben zu können, sollte jeder Musiker Kenntnis über die kranken Töne seines Instrumentes und über das Verhalten bei Schwelldynamik haben. (z.B. ob es bei crescendo höher oder tiefer wird)
  • Es gibt noch mehr intonatorisches Wissen die ein Orchester lernen kann um es dann selbstständig abrufen zu können (z. B. Intonationsverhalten in bestimmten Lagen), aber das wäre auch wieder zu umfangreich für diesen Bericht.

c) Artikulation:

Um einen sinfonischen Klang anstreben zu können sollte das Orchester in der Lage sein Mischartikulation betreiben zu können. Das heißt ein Gemeinschaftsklang eines Basisregisters des Holzes, sagen wir Klarinette, Oboe und Flöte soll eine Passage im staccato spielen. Dann spielen nicht alle staccato, auch wenn das so in den Noten steht, sondern die Klarinetten nehmen die Artikulation etwas breiter und suggerieren somit den Nachhall eines Pizzicatos einer Violine. Die Flöte spielt im portato, also etwas kürzer als die Klarinette und verleiht dem Gemeinschaftsklang die Brillanz der Violine. Die Flöte darf deshalb nicht zu laut sein und muss trotzdem exakt stimmen. Die Oboe spielt dann das eigentliche staccato, weil das auf der Oboe am einfachsten von allen drei Instrumenten machbar ist (aufgrund des Doppelrohrblattes) und deshalb auch am besten klingt.

Professor Thomas Ludescher sagte immer wenn eine Klarinette staccato spielte: ‘das klingt ja wie Hühner gackern’ – haha. Aber er weiß von was er spricht. Er sahnt in Kerkrade in der Concertdivisie, also ganz oben, immer die ersten Preise ab. Also wenn in einem Orchester eine Klarinette so spielt, dass es „gackert”, dann verdient es NICHT den Namen sinfonisch.

Auch da gibt es noch einige Tipps und Tricks wie man sein Orchester mit Artikulation besser klingen lassen kann, z.B. wie man die Balance durch Mischartikulation regeln kann oder wie man eine bessere rhythmische Struktur in seinen Orchesterklang bekommt ohne den Sound zu verlieren. Wäre aber auch zu viel an der Stelle.

d) Besetzung:

Vielerorts hört man oft, dass ein sinfonisches Blasorchester dann ein sinfonisches Blasorchester sei, wenn es die Instrumente des Sinfonieorchesters besetzt hat. Dazu gehören Oboe, Fagott, Englischhorn, Horn, Kontrabass, Harfe, …

Einerseits stimmt es ja auch, weil z. B. in dem gemischten Holzklang, der einen Steicherklang imitieren möchte (Klarinette, Oboe, Flöte und Saxophon), ohne die Oboe kein Kern im Ton wäre. Das ist beim Instrumentieren ein sehr wichtiges Qualitätsmerkmal,       dass ein Klang immer aus einem „Fruchtfleischton“ und einem „Kern“ bestehen muss (So habe ich mir das halt im Studium immer gemerkt). Wenn keine Oboe besetzt ist kann es nicht sinfonisch klingen, weil der Kern fehlt – außer man ersetzt ihn durch einen anderen Klang der den „Kern-charakter“ ersetzen könnte. Oft wird das durch die Stichnoten in der Klarinette dargestellt, aber das ist nicht wirklich gut, denn die Klarinette ist kein Kerntoninstrument, sondern eher ein Fruchtfleisch-Instrument. Man könnte die Stichnotenklarinette etwas getrennter spielen lassen damit sie dem Kernton etwas näher kommt. Einen besseren Ersatzkern könnte z. B. eine gedämpfte Trompete darstellen.

Schlussbemerkung:

Wenn ich das oben Beschriebene in wenige Worte fassen müsste, dann würde ich folgendes schreiben:

Zum Einen ist ein sinfonisches Blasorchester als solches zu bezeichnen, wenn es aus Instrumenten besteht die für die Klangphilosophie eines Blasorchesters von Wichtigkeit sind. Dazu gehören: außer den üblichen Blasinstrumenten Bassklarinette, Oboe, Fagott, Englischhorn, Baritonsaxophon, Euphonium Kontrabass und vollständig besetztes Schlagwerk, um für „Kerntoninstrumente“, „Fleischtoninstrumente“ und „suggestives Schlagwerk“ sorgen zu können.

Zum Anderen, und das ist meiner Meinung nach eigentlich das Wichtigste, stellt der Begriff „sinfonisch“ ein Qualitätsmerkmal dar. Wird vom Dirigenten und den Musikern mit den vorhandenen Instrumenten der Klang, die Intonation, die Terassen und Übergangsdynamik, die Balance, die Artikulation so eingesetzt, dass die Bedingungen der Klangphilosophie erfüllt sind, dann kann man von einem sinfonischen Blasorchester sprechen.

Die Qualitätsmerkmale die ein Blasorchester zu einem sinfonischen Blasorchester macht sind sehr vielseitig. Was ich oben noch nicht erwähnt habe sind dynamische Aspekte.

Weil es jedoch den Umfang dieses Berichtes sprengen würde, verweise ich auf meine Diplomarbeit, die ich bei Alex Schillings an der ArtEZ-Hochschule der Künste in Zwolle gemacht habe.

Sie handelt sehr anschaulich darüber wie man über das richtige Schreiben einer Instrumentation, das richtige Lesen und Erkennen einer Instrumentation und das richtige Handling in der Probe einen sinfonischen Blasorchesterklang mit seinem Orchester erarbeiten kann. Wichtig ist dabei nicht nur das Wissen wie das funktioniert, sondern auch das „Lernen des Hörens“, dass man weiß wie es eigentlich klingen muss. Theorie alleine hilft da oft nicht weiter. Wenn jemand Fragen hat darf er sich gerne bei mir melden. Außerdem habe ich eine Methode für Woodband (alle Holzbläser eines Blasorchesters) entwickelt, mit der man seine Holzbläser erfolgreich zum sinfonischen Klang führen kann. Ich meinem Eigenverlag habe ich einige Stücke für diese Besetzung geschrieben die ich bei meinen Workshops „Klangatelier für Holzbläser“ oft benützen um die Holzbläser zum klingen zu bringen.”

Alexander Knam Alexandra Link Oliver Grote
Alexander Knam, Alexandra Link und Oliver Grote

Alexander Knam

Hebu-Musikverlag

„Die Begrifflichkeit ‘Sinfonisches Blasorchester’ hat schon immer zu etwas Verwirrung geführt. In den Vereinigten Staaten von Amerika werden die beiden Begriffe „Concert Band“ für ein Blasorchester und „Symphonic Band“ für ein Sinfonisches Blasorchester“ verwendet. Die Besetzung erweitert sich dann um die sogenannten „Edelhölzer“ wie Oboe, Fagott, Alt- und Bassklarinette usw.
Was aber nicht heißen soll, dass diese Instrumente in einer Concert Band nicht auch vorkommen können – sie haben kompositorisch nur eine andere Bedeutung!
Soweit zur Begriffsdefinition im Hinblick auf die Besetzung – aber das ist nur ein Teil der Wahrheit:
Der Klang ist entscheidend!
Ich habe schon Konzerte von großen „sinfonisch besetzten Blasorchestern“ gehört, die für mich trotzdem nichts mit sinfonischer Blasmusik zu tun hatten. Hier ist der Dirigent gefordert einen transparenten, ausgewogenen und stimmigen Klang zu formen und von den Musikern einzufordern!
Dem entgegen stehen Blasorchester, die zwar nicht „sinfonisch besetzt“ sind, dennoch eben diesen Anspruch an den Tag legen.
Deshalb mein Credo – Sinfonische Blasmusik ist nicht alles – aber ohne gute Klangarbeit ist alles nichts.”

Thomas Krause
Thomas Krause

Thomas Krause

Klarinettist, Saxophonist und Flötist, Komponist

“Sinfonische Blasmusik bedeutet für mich Literatur für Bläser und Schlaginstrumente, bei der Komponisten Klangfarben von Blasinstrumenten und Perkussionsinstrumenten mischen und das Blasorchester ähnlich der Sinfonieorchesterliteratur als seriösen, ernst zu nehmenden Klangkörper betrachten.
Sinfonische Literatur für den Konzertgebrauch – als Pendant dazu steht für mich die reine Unterhaltungsliteratur, die jedoch  besetzungsunabhängig ist, d.h. auch ein Sinfonisches Blasorchester sollte/ kann/muss Unterhaltungsliteratur spielen.

Sinfonische Blasmusik bedeutet mir viel.

Als Musiker, Dirigent und Komponist findet man hier ein unwahrscheinlich großes Füllhorn an Klangfarben, Gestaltungsmöglichkeiten und Experimentierfeldern jedweder Art.
Außerdem ist Blasmusik an sich etwas wirklich ursprüngliches, in Tradition und menschlichen Emotionen (Kult etc.) verwurzeltes Genre, was sinfonische Blasmusik per se zu etwas Konkretem, Fassbarem und Natürlichem macht bzw. was sie ist.”

Marc Lange
Marc Lange

Marc Lange

Stadtkapelle Kirchheim unter Teck, Bläserphilharmonie Heilbronn, Dozent an der BDB-Musikakademie in Staufen

“Der Begriff “Sinfonische Blasmusik” ist doch meist ein Versuch, die Lücke zu der Musik der Sinfonieorchester zu schließen. Dabei sollten wir uns mit unseren Möglichkeiten eher abgrenzen. Das (gibt es das überhaupt?) “Sinfonische Blasorchester” ist ein Medium des 20. und 21. Jahrhunderts, das die Chance hat, Neues und Interessantes entstehen zu lassen, vorwärtsgewandt zu sein. Sinfonische Blasmusik ist für mich mehr als nur die Frage nach der Literatur (Komposition) und der Besetzung. Selbstverständlich halte ich eine gewisse (gute, originelle…) Literatur und die Besetzung eins Ensembles/Orchesters, entsprechend der vorgesehenen Instrumentierung in der Komposition, als wichtige Kriterien um ein Werk „sinfonisch“ werden zu lassen. Der Begriff als reines Etikett genügt hier jedoch nicht. „Sinfonisch“ im ursprünglichen Sinne (griechisch: zusammenklingen) zeigt auf, es geht dann doch eher um die Umsetzung, das Zusammenwirken, um die Interpretation. Was wird aus der vorgegebenen Musik gemacht und vor allem welche Klangqualität steht am Ende, bei der Darbietung. Sind diese Kriterien erfüllt, für mich vor allem die Klangqualität, ist die Bezeichnung „sinfonische Blasmusik“ für mich richtig platziert.”

Rüdiger Müller
Rüdiger Müller

Rüdiger Müller

Künstlerischer Leiter des Sinfonische Verbandsjugendblasorchester Ortenau, sowie des Sinfonischen Verbandsjugendblasorchester Achern-Renchtal, des Weiteren dirigiert er den Musikverein Heitersheim, Mahlberg und die Stadtkapelle Achern

” ‘Sinfonische Blasmusik’ im weiteren Sinne umfasst alle Musikgattungen bzw. Stilrichtungen, bei denen ausschließlich oder überwiegend Blasinstrumente verwendet werden.
Die vielseitige Besetzung dieser Orchesterform stellt sowohl Komponisten als auch Arrangeuren ein großes Klangspektrum zur Verfügung. Im Zusammenspiel unterschiedlicher Holzblasinstrumente und Blechblasinstrumente können neue und einzigartige Klangfarben erzeugt werden. In den letzten Jahren sind zunehmend im Bereich der ‘Sinfonischen Blasmusik’ viele ausgezeichnete Originalkompositionen und Arrangements entstanden.

In den benachbarten Ländern Schweiz, Niederlande, Belgien, Frankreich, aber auch in den amerikanischen Wind-Bands ist die sinfonische Blasmusik seit langem fester Bestandteil.
In den letzten Jahren nennen sich zahlreiche Orchester auch „Symphonische Blasorchester“, „Wind Symphony“, „Symphonic Wind(s) (Orchestra)“ oder „Wind Project“. Dabei handelt es sich vielfach um Militär- oder Profi-Orchester aber auch von engagierten Laien getragene Stadtmusiken oder Auswahlorchester, die sich Originalkompositionen oder qualifizierte Bearbeitungen klassischer Werke oder populärer Musik widmen.

Für mich als Dirigent stellt diese Arbeit große Freude dar und ich habe es mir zur Aufgabe gemacht, die Sinfonische Blasmusik zu fördern.
Den Musikern / Musikerinnen und auch dem Publikum diese ausgezeichneten Originalkompositionen und Arrangements näher zu bringen und mit Freude zu spielen, so dass man auch in Zukunft auf eine stetige Weiterentwicklung des vielseitigen und oft unterschätzen Klangkörpers des *Sinfonischen Blasorchester* hoffen kann.”

Luk Murphy
Luk Murphy

Luk Murphy

Carpe Diem Verlag

“Sinfonische Blasmusik” hat für mich damit zu tun, dass ein Blasorchester sicher diese “sinfonische” Besetzung hat, d.h. alle Blasinstrumenten die man in einen Sinfonie-Orchester hat.
Das bedeutet nicht, wenn ich diese Besetzung habe ist alle Musik die ich spiele mit dieser Besetzung “sinfonisch”. Ich brauche natürlich auch die richtige Literatur dafür.
Hier könnte man darüber diskutieren was ist “sinfonisch” und was ist nicht “sinfonisch”. Ich meine Literatur, die so geschrieben ist, dass die einzelnen Register ihre eigenen Parts haben und nicht nur eine Verdoppelung anderer Register sind.
“Sinfonische Blasmusik” ist Originalmusik, geschrieben für diese “sinfonische” Besetzung, kann aber auch Arrangements von Filmmusik sein oder Transkriptionen von der Klassik über Opera und Operette.
Selbst Unterhaltungsmusik die für diese Besetzung arrangiert ist könnte “sinfonisch” sein.

Ich sehe dies allerding nicht so eng wie manche, ich bin auch nicht mit der Einteilung U- und E-Musik einverstanden. Für mich gibt es nur gute und schlechte Musik und dies in allen Gattungen.“

Joachim Concertband
Joachim Pfläging

Joachim Pfläging

Concert Band Hohenheim

“Eine gute Frage !!
Eine Antwort in 3-4 Sätzen ist sehr schwer, ich versuche es mal, erhebe aber nicht den Anspruch auf Vollständigkeit.

Ich denke, sinfonische Blasmusik ist zunächst einmal reine, konzertante Musik, gedacht für den Konzertsaal, in Abgrenzung zur “Unterhaltungsmusik”, “Gebrauchs-, oder Funktionsmusik” oder auch zur “Kirchenmusik”. Sie ist entweder programmatisch (Tondichtung) oder formal sinfonisch (Sinfonie) und sollte das Publikum zum Zuhören animieren, fast zwingen.
Sie nutzt alle Möglichkeiten des “modernen” Blasorchesters (Instrumentation, Klangfarben, Kammermusikalisch bis opulenter Orchesterklang) und fordert vor allem die Möglichkeiten der Musiker (Klangvorstellung, dynamische Bandbreite, Rhythmik, Metrik, Phrasierung,…..)
Sie ist original für das Medium sinfonisches Blasorchester geschrieben, und setzt jedes Instrument, bzw. jede Instrumentengruppe ihren Möglichkeiten entsprechend spezifisch ein( z.B. Verwendung div. Dämpfer, …….)
Sie erweitert unsere Hörgewohnheiten in Bezug auf Blasmusik und lässt uns ganz oft Neues entdecken.

Für mich ist sinfonische Blasmusik eine Bereicherung im Kulturleben. Sie bietet einzigartige Hörerlebnisse und musikalische Entdeckungsreisen, u.a. durch die Verwendung der sonst im Konzertbereich unüblichen Instrumente. (Schlagwerk in seiner ganzen Vielfalt, Saxophonsatz, Euphonium,……)

Ich liebe sie !!”

Toni Scholl
Toni Scholl

Toni Scholl

Musikhochschule Mannheim, Schwäbisches Jugendblasorchester, Allgäu-Schwäbische Musikanten

“Mit diesem Begriff für eine klassisch ausgerichtete Spielart der Blasmusik, versuchen wir die Blasmusik auf ein konzertantes Niveau zu heben und sie von der unterhaltenden Blasmusik zu unterscheiden.

Geschichtlich gesehen gibt es die konzertante Blasmusik schon seit Ende des 18. Jahrhunderts. Allerdings wurden weit weniger Originalwerke geschrieben, als zur heutigen Zeit. Vielmehr dienten die Orchester lange Jahre dazu, Transkriptionen großer klassischer Werke bekannt zu machen und vor allem bei Freiluftveranstaltungen aufzutreten.

Erste Versuche die Blasmusik in Deutschland in Konzertsäle zu holen, die bis dahin vorwiegend den Sinfonieorchestern vorbehalten waren, gab es dann 1926 durch Paul Hindemith während der Donaueschinger Musiktage.

Die „Sinfonische Blasmusik“ hat sich in den vergangenen Jahren sehr verbreitet und beginnt sich fest zu etablieren. Aus meiner Sicht hat sich das Bekennen zu einem eigenen Kunststil gelohnt. Es sind kreative und fruchtbare Zeiten, in denen im Moment viel am entwickeln und entstehen ist. Es ist schön, ein kleines Mosaiksteinchen dieses neuen Klangbildes der Blasmusik sein zu können, den ein oder anderen Impuls mitgestaltet zu haben und ich hoffe, dass ich meine Freude an dieser Musik noch an viele junge Menschen weitervermitteln kann.”

Wolfgang Wetzel
Wolfgang Wetzel

Wolfgang Wetzel

Verbandsdirigent im Markgräfler Musikverband, Bläserklassenleiter und Instrumentallehrer an der JMS Schliengen

“Ich tue mich ehrlich gesagt schwer mit den ganzen Kategorien in der Musik.

Wie sagte Bernstein einmal: ‘Es gibt nur zwei Arten von Musik. Gut gespielte und weniger gut gespielte’.

Sachlich betrachtet ist ‘Sinfonische Blasmusik’ für mich Musik, die für eine sehr große Besetzung geschrieben ist. Also mit Doppelrohrblattinstrumenten, Kontrabass, Alt- und Bassklarinette, usw. Diese maximale Besetzung gibt dem Orchester ein Klangbild das stark in Richtung klassischer Sinfonieorchester geht.

Für mich selber hat der Begriff keine große Bedeutung, nicht in jedem Werk das den Begriff ‘sinfonisch’ bemüht ist auch wirklich außergewöhnliche Musik enthalten. Manchmal hat ein einfaches, schlichtes Werk mehr ‘sinfonisches’ in sich.

Ich denke, jede Art von Musik hat ihre Daseinsberechtigung. Denn nur auf Basis von großer Vielfalt kann meiner Meinung nach immer wieder etwas außergewöhnlich Neues hervorgehen.”

Ja, was ist „Sinfonische Blasmusik“ denn jetzt genau?

Die einen machen es an der Besetzung fest. Klarinetten von Sopran- bis Kontrabasslage müssen vorhanden sein. Alle Blasinstrumente, die auch in einem Sinfonieorchester vorhanden sind, sollen besetzt sein.

Die anderen an der Literatur: Originalmusik, aber auch Transkriptionen und in bestimmen Fällen auch Arrangements der Unterhaltungsmusik. Die Themen der Originalmusik reichen von Fantasie bis hin zur Philosophie, können programmatisch oder formal sinfonisch sein. Das Repertoire ist vielfältiger und abwechslungsreicher als im Sinfonieorchester.

Der Klang soll entscheidend sein. Außerdem ist ein Blasorchester eine Spielwiese von Klängen, Farben, Effekten. Neue Klänge können entstehen.

Der Begriff der Versuch einer Abgrenzung zur Sinfonischen Musik wie sie im Sinfonieorchester gespielt wird? Die künstlerisch hochwertige Auseinandersetzung mit dem Medium Blasorchester? Der Wille, dem konzertierenden Blasorchester ein seriöses Image zu verleihen?

Alles richtig!!!

Und dennoch bleibt der Begriff „Sinfonische Blasmusik“ abstrakt – wirkt irgendwie konstruiert.

Ich sage einfach, die Qualität entscheidet. Klar wird „Sinfonische Blasmusik“ nur von einem Blasorchester gespielt. Aber das was dieses Orchester spielt sollte zunächst einmal korrekt nach Partitur klingen und darüber hinaus auch noch Spieler und Publikum emotional berühren.

Zweitens sage ich: was wir tun, sollten wir mit Überzeugung tun! Es wird Zeit für ein neues Selbstbewusstsein und dort wo dieses schon vorhanden ist für ein verstärktes Selbstbewusstsein.

Lasst uns überall unsere Stärken hinausposaunen:

  • Wir spielen zeitgenössische und zeitgemäße Literatur.
  • Wir haben die größtmögliche Spielwiese an Genres, Stilen, Klängen und Farben in der gesamten Musikwelt.
  • Die Erwartungen an ein Blasorchester sind komplett anders, als die Erwartungen an ein Sinfonieorchester. Wir werden nicht auf ein bestimmtes Repertoire reduziert, wir geben „lebenden“ Komponisten die Chance, sich kompositorisch auszutoben und auszuprobieren.
  • Wir scheuen uns nicht davor auch Klavier, Celli, Kontrabass, Harfe, u. v. m. in unseren Reihen aufzunehmen.
  • Wir können konzertant, traditionell und unterhaltsam spielen. Sind entweder spezialisiert auf eines dieser Bereiche und können diesen Bereich bis hin zur Meisterschaft führen oder machen von allem ein wenig zur Freude von uns und unseres Publikums. Alles zu seiner Zeit versteht sich und jedes Blasorchester so, wie es seine Mitglieder wollen.

 

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Alexandra Link

Alexandra Link

Musik ist ein sehr wichtiger Bestandteil meines Lebens. Musizierende Menschen zusammen zu bringen meine Leidenschaft.

2 thoughts on “Sinfonische Blasmusik: 12 Versuche einer Definition

  • 31. Mai 2018 at 18:45
    Permalink

    Die Aussagen von manchen kann man zusammenfassen mit “sinfonisch ist’s dann wenn’s gut ist”.
    Und wie sieht es jetzt bei einem Sinfonieorchester aus? Das ist ja per Definition und Begriff sinfonisch – aber das halt eben auch, wenn es schlecht spielt/klingt.

    Zweifellos ist auch das Klangspektrum und das Repertoire von Sinfonieorchestern sicher nicht kleiner als das von Blasorchestern. Wer etwas anderes denkt, hat (a) ein paar hundert Jahre Musikgeschichte überfahren und/oder (b) noch die z.B. die Münchner Philharmoniker den Florentiner Marsch spielen hören.

    Wenn man also einmal kurz über den Begriff an sich nachdenkt, muss das Qualitätsargument scheitern.
    Übrig bleibt allein das Verständnis über die Besetzung.

    Ach ja, als “Sinfonie” betitelte Werke spielt wohl auch kaum ein Blasorchester, selbst wenn es sich sinfonisch nennt. Wäre übrigens auch ein interessantes Thema für den Blog, wie stark sich konzertante Werke für Blasorchester von Werken für Sinfonieorchester (also mit Streichern) kompositorisch unterscheiden.

    Reply
  • Pingback: Blasmusikblog Monatsrückblick Mai 2018 – Blasmusik

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