Rückblick: Das Sinfonische Blasorchester Bern SIBO am WMC

Ein Gastbeitrag von Simone Hubacher

“Momentaufnahme auf der Schützenmatte an einem Freitagmorgen, 7:30 Uhr: Rollende Koffer, Menschen die sich fröhlich begrüssen, viele schwarze Instrumentenkoffer, Gelächter, Gebäck für unterwegs. Für uns war es nicht irgendein Freitagmorgen, sondern der 14. Juli und somit der Beginn unserer Reise in das Land, in dem ein 322,7 Meter hoher Hügel „Berg“ genannt wird: Das SIBO begab sich voller Vorfreude zum WMC in Kerkrade, Holland. Die Stimmung im Car war ausgelassen, der Chauffeur jung und sympathisch. Während der Fahrt wurde gejasst, geplaudert und geschlafen. Als Souvenir der Durchquerung mehrerer Länder meldeten die Smartphones im Akkord: „Willkommen in Deutschland / Frankreich / Belgien / Luxemburg / den Niederlanden“. Nachdem die Anzahl vorbeiziehender Windräder immer grösser wurde, sind wir am frühen Abend sicher in Kerkrade angekommen. Dort verrieten uns bunte Banner am Strassenrand, dass wir das Ziel nun erreicht hatten. Wir legten einen Stopp in der Abtei Rolduc ein, wo einige von uns untergebracht waren. Es gab ein kühles Bier in der Kellerbar und eine Verschnaufpause für unseren Chauffeur. Anschliessend ging es weiter zum Hotel Van der Valk in Heerlen, ca. 15 Autominuten von Kerkrade entfernt. Wir liessen es uns bei einem mehrgängigen Menü und später bei Drinks an der Hotelbar gut gehen. Vom Salat übers Fischbuffet bis hin zum Schokoladenbrunnen fehlte es an Nichts.

Die Tanzfreudigen unter uns suchten später den Marktplatz in Kerkrade auf, auf dem bis in die frühen Morgenstunden eine Band im goldenen Outfit Covers darbot und zum Feiern animierte.

Der Samstag stand allen Orchestermitgliedern zur freien Verfügung. Nach einem Frühstück am äusserst grosszügigen Buffet trennten sich unsere Wege bis auf Weiteres. Einige von uns fuhren mit dem Car nach Kerkrade, um dort Konzertbeiträge anderer Orchester zu hören. Hier musste man sich jeweils vom Programm überraschen lassen: Die Uhrzeit und der Name des Orchesters war im Festführer zwar vermerkt, allerdings ohne Stückangabe. Andere genossen vorerst einmal den Wellness- und Fitnessbereich des Hotels und machten sich danach auf zum Stadion, in dem die Aufritte der Marching-Bands stattfanden. Zu lautem Getrommel und streng gerichteten Linien gab es Frikadellen mit Brötchen – eine holländische Spezialität. Es waren sowohl Kleinformationen als auch grosse Gruppen mit teilweise bis zu vier Piccoli und zwei Dirigenten oder verstärkt durch Tänzerinnen zu erleben.

Als wäre es so abgemacht gewesen, trafen später nach und nach fast alle Orchestermitglieder im italienischen Restaurant beim Marktplatz ein, um den Tag mit einem schmackhaften Essen und guten Gesprächen ausklingen zu lassen. Auch an diesem Abend machten die kleinen Strassenensembles irgendwann dem Act auf der Hauptbühne Platz – es wurde getanzt und gesungen.

Sinfonisches Blasorchester BernDann kam der grosse Tag! Am Sonntagmorgen stiegen alle SIBOler mit ihrem Instrument in den Car fuhren zum zugeteilten Probelokal. Dieses kam in Form eines Mehrzweckraumes mit Bar daher – akustisch nicht gerade einfach. So waren unsere Ohren ziemlich gefordert, damit wir uns in der Intonation und im Zusammenspiel finden konnten. Wir machten einen Durchlauf durch das ganze Programm und nahmen letzte Anpassungen und Optimierungen vor. Nach anfänglich etwas wackeligen Stellen fühlte sich das Orchester allmählich wohler und der Klangkörper wurde homogener. Von der Rodahal hörte man bezüglich Akustik nur Gutes – also waren wir alle gespannt auf den Abend.

Nach einem stärkenden Mittagessen und anschliessendem Nickerchen versammelten wir uns erneut beim Car, diesmal in Konzertmontur. Vor der Rodahal standen uns dann zwei Container zu Verfügung, in denen wir unsere Instrumente auspacken konnten. Nach zwei Stunden und diversen Instrumenten-Polier-Sessions, Lippen- und Entspannungsübungen begann unser Auftritt. Eine Mischung aus Vorfreude und Lampenfieber lag in der Luft, als wir die Treppe zur Bühne hinaufstiegen. Die fünfköpfige Jury wurde vorgestellt, dann gehörte die volle Aufmerksamkeit uns.

Sinfonisches Blasorchester BernUnd so lauschten wir, die grosse Leinwand im Rücken, das Publikum vor uns, den ersten Tönen des Intros von „La Danse du Phénix“. Während des ganzen Konzertes genossen wir die positive Energie und die fokussierte (An-)Spannung, welche auf der Bühne herrschte. Die Soli wurden mit Bravur gespielt, die Läufe perlten dahin, das Forte klang pompös, die feinen Stellen liessen Gänsehaut entstehen. Der Raum hat alles glasklar transportiert – eine wahre Freude. Beim Schlussapplaus verrieten unsere Gesichter, wie sehr wir das Konzert geniessen konnten!

Sinfonisches Blasorchester BernAuch der Jury hat es gefallen: Unser Vortrag wurde mit 90 Punkten bewertet, wie wir gleich im Anschluss bei der Rangverkündigung erfahren durften. Da wir das erste Orchester von neun in der Konzertklasse waren, liess sich über einen möglichen Rang zu diesem Zeitpunkt noch nichts sagen.

Gebührend wurde gefeiert, bevor es am Montagmorgen wieder zurück nach Hause ging. Während der Fahrt lag uns das Konzert noch in den Ohren und es wurde eifrig über die verschiedenen Momente des emotionalen Auftrittes diskutiert. „Bei Buchstabe soundso war es gestern besonders schön…“, „Aber die Stelle in der Mitte, die hat auch imposant gewirkt“… Und schliesslich auch, wo der Funken des „Mythos“, welcher Thema des Programmes war, wohl zum Publikum und zur Jury übergesprungen sei. Wir freuen uns nun, dass das Orchester bereits im August wieder zusammenkommen kann und unser umfangreichstes Werk „El jardin de las Hespérides“ beim Herbstkonzert am 9. September ein zweites Mal erklingen wird.”

Simone Hubacher

Herzlichen Glückwunsch an das SiBo und vielen Dank an Simone Hubacher für den Beitrag und an Rolf Enggist für die Fotos!

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Musik ist ein sehr wichtiger Bestandteil meines Lebens. Musizierende Menschen zusammen zu bringen meine Leidenschaft.

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