Der Deutsche Orchesterwettbewerb 2016 – Die Kategorie B.1

DOW 2016 Jörg Miriam Franco
Jörg Murschinski, Miriam Tressel, Franco Hänle

Zwei Tage mit (überwiegend) toller Musik und hervorragenden Sinfonischen Blasorchestern habe ich letzte Woche in Neu-Ulm verbracht. Sehr gefreut habe ich mich über die vielen (Blasmusik-)Freunde und Bekannten, die ich getroffen habe. Natürlich haben wir in vielen kleinen Runden unsere Gewinner-Tipps abgegeben, die Stücke und die Orchester diskutiert und über die unterschiedlichen Dirigenten gesprochen.

Das Niveau war durchweg sehr hoch. Da waren wir uns alle einig. Die Pflichtstücke (von Bob Vos und Jack Stamp) waren nicht so prickelnd. Ich bin froh, dass ich die nichts-sagende “Suite voor Harmonieorkest” nicht noch einmal hören muß. Das erste Orchester, bei dem ich diese Suite einigermaßen spannend fand, war Norderstedt, das zweite Hilgen. Sonst gehört diese Suite für mich in die Kategorie “Stücke, die die Welt nicht braucht”.

DOW 2016 Jürgen u Angela Groh Hubert Hoche
Jürgen und Angela Groh, Hubert Hoche

Eine schöne Abwechslung war es, von der Stadtkapelle Wangen und von der Bläserphilharmonie Thum das zweite Pflichtstück “Variations on a Bach Chorale” zu hören. Andererseits machte dieser Pflichtstück-Wechsel im Programm es uns Besuchern nicht so leicht – ohne Partitur – über eine mögliche Platzierung zu Fachsimpeln. Wir waren durchweg unterschiedlicher Meinung.

Auffallend war, dass bei den meisten Orchestern das Selbstwahlstück viel besser gespielt wurde als das Pflichtstück. Unter den Selbstwahlstücken haben wir auch wirklich hervorragende Werke gehört. Besonders gefallen hat mir persönlich der Ticheli “Angels in the Architecture (Altenmittlau), “Audivi Media Nocte” von Oliver Waespi (Wangen), “Aurora Awakes” von John Mackey (Norderstedt), “Derivations” von Marco Pütz (Blaustein) und über allen, an allererster Stelle die Uraufführung des speziell für den Wettbewerb in Auftrag gegebene Werk “Mondnah und Herzfremd” von Claudio Puntin (Hilgen). Aber natürlich ist das mein persönlicher Geschmack…

DOW 2016 Wangen Solisten rechtsBesondere Show-Effekte erreichte die Stadtkapelle Wangen mit “Audivi Media Nocte” von Oliver Waespi. Bei den Brass Bands ist es ja schon Gang und Gebe, die Solisten während dem Stück nach vorne kommen zu lassen. Klar, wurde Audivi zuerst für Brass Band geschrieben. Aber solche “visuellen” Abwechslungen auf der Bühne regen weitere Sinne an und machen die großen Werke für das Publikum sehr spannend. Das gleiche gilt für die ein- und ausmarschierende Marschkapelle bei der Bläserphilharmonie Thum, die zum Stück “Extreme Beethoven” von Johan de Meij gehört.

DOW 2016 Jury B.1
Jan Stoelen, Wolfgang Heinrich, Bernhard Stopp, Peter Vierneisel, Isabelle Ruf-Weber

Über die letztendliche Platzierung beim DOW 2016 in der Kategorie B.1 lässt sich natürlich trefflich streiten. Dass die Stadtkapelle Bad Griesbach auf Platz 2 kommt haben weder ich noch die Kollegen rund um mich herum auf dem Plan gehabt. Es kam uns überhaupt nicht in den Sinn, dass der Vortrag so weit oben platziert werden könnte. Aber, erstens waren ja nicht wir, die wir im Publikum saßen, die Juroren und zweitens hatten wir ja auch keine Partitur vor Augen. Konnten also nicht sehen, wie und ob “Partitur-konform” musiziert wurde. Wir können nur nach Gefühl, Geschmack und Intuition unsere Meinung über das Gehörte kundtun – den wahren Überblick haben die Juroren. Den Juryvorsitz hatte Bernhard Stopp, die weiteren Jurymitglieder waren Isabelle Ruf-Weber (Schweiz), Peter Vierneisel, Wolfgang Heinrich und Jan Stoelen (Niederlande).

Mein persönlicher Favorit beim Wettbewerb war der Orchesterverein Hilgen. So eine Einheit zwischen Dirigent und Orchester, das hervorragende Klangbild mit ausgeglichener Balance und Intonation, habe ich noch selten gehört. Es war der Vortrag, der mich am meisten emotional berührt und gefesselt hat – inklusive Gänsehaut und nassen Augen.

DOW 2016 Gerhard Tenzer
Der Chefredakteur von Eurowinds, Gerhard Tenzer

Abschließend möchte ich noch sagen, dass dies nicht der Wettbewerb der 10 besten deutschen Sinfonischen Blasorchestern war, sondern der Wettbewerb der 10 besten Sinfonischen Blasorchester, die sich in ihrem Bundesland dafür entschlossen haben, sich dem Wettbewerb zu stellen. Es haben ja auch nicht alle Bundesländer ein Blasorchester im Wettbewerb stellen können. Hier gibt es die nächsten vier Jahre noch viel zu tun! Ich wünsche mir für die Sinfonische Blasorchester-Szene ein bisschen mehr “Brass-Band-Ergeiz”. Ich brauche nicht in die Glaskugel zu schauen um prophezeien zu können, dass das die ganze Blasorchester-Szene nach vorne bringt und hilft, das Image zu verbessern! Dann werden die Wettbewerbe noch mehr Beachtung bekommen und damit auch mehr Publikum – die Säle bei den Brass-Band-Meisterschaften sind regelmäßig überfüllt, ganz im Gegensatz zum Saal im Edwin-Scharff-Haus in Neu-Ulm während des DOW 2016! Wenn wir von der Kulturlandschaft Deutschland ernst genommen werden möchten, müssen wir auch flächendeckend Blasorchester haben, die auf einem (semi-)professionellen Niveau muszieren und unsere Begeisterung weitertragen.

Hier eine kleine Bildergalerie mit dem Überblick über die Orchester, die Dirigenten, die gewählten Werke, die Punktzahl und die Platzierung: (auf das Bild klicken!)

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Musik ist ein sehr wichtiger Bestandteil meines Lebens. Musizierende Menschen zusammen zu bringen meine Leidenschaft.

5 thoughts on “Der Deutsche Orchesterwettbewerb 2016 – Die Kategorie B.1

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    7. Mai 2016 at 16:25
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    Wieder einmal typisch: Die Prädikate werden hier nicht veröffentlicht, sind aber das Entscheidende Beim DOW: Immerhin haben vier Orchester die Prädikatsstufe “hervorragend” erreicht und sind damit Preisträger des Deutschen Orchesterwettbewerbs. Und nur 2 Orchester lagen im Prädikatsbereich “mit gutem Erfolg” – das spricht doch für das hohe Leistungsvermögen der teilnehmenden Orchester! Aller Weitere in einem ausführlicheren Kommentar! Ernst Oestreicher

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    • Alexandra Link
      8. Mai 2016 at 9:10
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      Herzlichen Dank für Ihren Hinweis, Herr Oestreicher! Ich habe die Prädikate in der Fotogalerie ergänzt. Gerne können Sie Ihren ausführlichen Kommentar an meine Mail-Adresse schicken: alexandra@kulturservice.link. Ich werde ihn dann gerne direkt in einem eigenen Beitrag veröffentlichen. Viele Grüße, Alexandra Link

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    8. Mai 2016 at 7:56
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    Richtig bedauerlich ist es allerdings, dass das Treffen von Musikfreunden untereinander sich eher als Nebeneffekt ergibt, seitens des DOW wurde da nichts organisiert und auch Verpflegung und Getränke im Edwin-Scharfff Haus musste man erst suchen.
    Natürlich geht es primär um die Musik und den Wettbewerb, aber noch nie wurde seitens der Organisation beim DOW das “drumherum” so vernachlässigt wie in Ulm. Schade.

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    • Alexandra Link
      8. Mai 2016 at 9:12
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      Lieber Friedrich Suhrbier! Vielen Dank für den Kommentar. Zum Thema “Drumherum” erscheint heute noch ein weiterer Kommentar von einem Besucher in einem extra Beitrag – es wurde von vielen Besuchern mit denen ich gesprochen habe, bemängelt. Es grüßt herzlich Alexandra Link

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