Kirchenmusik? Choral Music!

Es ist unmöglich, von Jacob de Haan nur ein Lieblingswerk zu haben. Weil Jacob heute Geburtstag hat stelle ich Euch wenigstens eins meiner Lieblingswerke von ihm vor: Choral Music.

Dieses Stück gefällt mir deshalb so gut, weil es wahnsinnig überraschend ist. Es passiert so unglaublich viel in diesem Werk und bleibt von vorne bis hinten spannend. Basiert ist diese Choralbearbeitung oder besser gesagt Choralfantasie auf dem (evangelischen) Kirchenlied Sollt ich meinem Gott nicht singen. Die Musik schuf im Jahr 1641 der Hamburger Geigenvirtuose und Komponist Johann Schop (1590-1667). Paul Gerhard, einer der bedeutendsten deutschsprachigen Kirchenliederdichter und evangelisch-lutherischer Theologe schrieb 1653 den Text dazu. Ich lese in diesem Text eine Hommage an ein glückliches Leben im Gottvertrauen und erkenne diesen Grundgedanken in Jacob de Haans Musik wieder. (Den Text des Liedes findet ihr unter diesem Beitrag.)

Jacob de Haan schreibt selbst über sein Werk: „Obwohl der Titel es nicht vermuten lässt, ist Choral Music alles andere als eine traditionelle Choralbearbeitung. Das kontrastreiche Werk beginnt mit einer jähen Eröffnung; erst später, nach einigen thematischen Verweisen, ist die Choralmelodie in ihrer ursprünglichen Form wieder zu hören. Nach dieser Episode erklingt die Choralmelodie in Form einer Toccata, die in einem wirbelnden Schlußsatz mündet.“ Eine nüchterne Beschreibung von umwerfender, facettenreicher Musik…. „Typisch fries….“

Dies ist meiner Meinung nach ein absolut kreativer Umgang mit einer starken Choralmelodie; da war jemand dran der sein Handwerk bis ins allerkleinste Detail versteht! Am besten ihr hört Euch Choral Music an und macht Euch Eure eigenen Gedanken zu diesem Werk. Es sei Euch wärmstens empfohlen!

Ach ja, und: herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag lieber Jacob und herzlichen Dank für die tolle Musik die Du für uns schreibst!

Jetzt aber die Musik:

https://www.youtube.com/watch?v=4nurPSwmY-o

Und für alle, die sich für den Text interessieren:

Sollt ich meinem Gott nicht singen

1) Soll ich meinem Gott nicht singen?
Sollt ich ihm nicht dankbar sein?
Denn ich seh in allen Dingen,
wie so gut er’s mit mir mein´.
Ist doch nichts als lauter Lieben,
das sein treues Herze regt,
das ohn Ende hebt und trägt,
die in seinem Dienst sich üben.
Alles Ding währt seine Zeit,
Gottes Lieb in Ewigkeit.

2) Wie ein Adler sein Gefieder
über seine Jungen streckt,
also hat auch hin und wieder
mich des Höchsten Arm bedeckt,
alsobald im Mutterleibe,
da er mir mein Wesen gab
und das Leben, das ich hab
und noch diese Stunde treibe.
Alles Ding währt seine Zeit,
Gottes Lieb in Ewigkeit.

3) Sein Sohn ist ihm nicht zu teuer,
nein, er gibt ihn für mich hin,
dass er mich vom ewgen Feuer
durch sein teures Blut gewinn.
O du unergründter Brunnen,
wie will doch mein schwacher Geist,
ob er sich gleich hoch befleißt,
deine Tief ergründen können?
Alles Ding währt seine Zeit,
Gottes Lieb in Ewigkeit.

4) Seinen Geist, den edlen Führer,
gibt er mir in seinem Wort,
dass er werde mein Regierer
durch die Welt zur Himmelspfort;
dass er mir mein Herz erfülle
mit dem hellen Glaubenslicht,
das des Todes Macht zerbricht
und die Hölle selbst macht stille.
Alles Ding währt seine Zeit,
Gottes Lieb in Ewigkeit.

5) Wenn ich schlafe,
wacht sein Sorgen
und ermuntert mein Gemüt,
dass ich alle liebe Morgen
schaue neue Lieb und Güt.
Wäre mein Gott nicht gewesen,
hätte mich sein Angesicht
nicht geleitet, wäre ich nicht
aus so mancher Angst genesen.
Alles Ding währt seine Zeit,
Gottes Lieb in Ewigkeit.

6) Das weiß ich fürwahr und lasse
mirs nicht aus dem Sinne gehen:
Christenkreuz hat seine Maße
und muss endlich stillestehn.
Wenn der Winter ausgeschneiet,
tritt der schöne Sommer ein,
also wird auch nach der Pein,
wers erwarten kann, erfreuet.
Alles Ding währt seine Zeit,
Gottes Lieb in Ewigkeit.

7) Weil denn weder Ziel
noch Ende sich in Gottes Liebe findt,
ei so heb ich meine Hände zu dir,
Vater, als dein Kind;
bitte, wollst mir Gnade geben,
dich aus aller meiner Macht
zu umfangen Tag und Nacht
hier in meinem ganzen Leben,
bis ich dich nach dieser Zeit
lob und lieb in Ewigkeit.

Bildhinweis: Jacob de Haan im Kreis seiner Kollegen Philip Sparke, Satoshi Yagisawa, Franco Cesarini und Bert Appermont. MidWest Band Clinic, Chicago 2011.

 

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