Marsch-Top-Ten der Blasmusikblog-LeserInnen

Mit Download-File aller genannten Märsche der Umfrage am Ende des Beitrags!

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Warum lieben wir Märsche? Diese Frage ging mir in der Vorbereitung dieses Beitrags im Kopf um und ich bin zu keinem schlüssigen Ergebnis gekommen. Ein Marsch zu spielen macht Spaß. Einen Marsch zu hören macht dem Publikum Freude. In der überwiegenden Anzahl der Blasmusik-Konzerte wird mindestens ein Marsch gespielt. Sowohl im Konzertsaal als auch im Sommerprogramm. Mit einem Marsch wird logischerweise auch marschiert. Ein Festumzug ohne Blasmusik wäre eine ziemlich traurige Angelegenheit. Zum Sehen gehört Hören. Aber die Funktionsweise des Marsches als Unterstützung beim Marschieren von Kolonnen von Soldaten in der Nazi-Zeit ist uns als Bild doch auch immer vor Augen.

Was ist trotz allem das Besondere an Märschen? Da ich selbst in meinen Überlegungen zu keiner Antwort gekommen bin, habe ich einfach mal auf Facebook nachgefragt. Für was haben wir es denn….

Sehr spontan kam von einem Verlagskollegen, der sich eher mit anderen Gattungen der Musik beschäftigt, die Antwort: “Seine Tradition.”

Genau. Denken wir an unsere “Traditionsmärsche”, Alte Kameraden, Hoch Heidecksburg, Unter dem Doppeladler, und wie sie alle heißen. Doch meine Reaktion: “…traditionell doch eher auch problembehaftet, oder?” Also einerseits, eine Gattung, auf die wir stolz sein können, andererseits sind da eben auch gleich die Gedanken an Krieg, Soldaten und den Nationalsozialismus. Das Thema “Marsch” – kein leichtes für die Deutschen…

Nennen wir einen diesen “problembehafteten” Märsche ruhig beim Namen: Badonviller Marsch. Spielen? Nicht spielen?

Im weiteren Diskussionsverlauf war vom Marsch als “Gebrauchsmusik” die Rede. Es wurde auch hervorgehoben, dass es viele unterschiedliche Arten von Märschen gibt. Es gibt sogar Märsche, auf die Marschieren unmöglich ist. Die sogenannten “Konzertmärsche” zum Beispiel. Nennen wir Pomp and Circumstance, Orion (ein Slow-March), Navigation Inn…. Okay das letzte Beispiel hinkt. Navigation Inn wurde von Philip Sparke für die Whit Friday Marsch-Wettbewerbe in England geschrieben. Ist mir ein Rätsel, wie die Engländer da drauf marschieren…. Aber das ist ein anderes Thema….

Die Unterschiedlichkeit der Märsche zeigt sich auch in ihrer Herkunft. Es gibt eben “typische” englische Märsche, die amerikanischen Märsche eines John Philip Sousa haben ihr eigenes Gesicht, italienische Märsche haben ihren besonderen Stil. Im Facebook-Post wurden weiter die unterschiedlichen Tempi der Märsche aus Bulgarien genannt. Ich kenne leider keinen bulgarischen Marsch…

Zum Thema Vielseitigkeit des Marsches schrieb zum Beispiel auch der Dirigent Gunnar Merkert: “Das Genre Marsch ist so vielfältig. Es gibt tolle Traditionsmärsche, aber auch schöne Konzertmärsche und bei jedem Stück muss man berücksichtigen wo er her kommt. Ich kann einen österreichischen Marsch nicht spielen wie einen preussischen oder amerikanischen. Für mich ist ein Marsch etwas ganz besonderes und gehört in jedes Konzertprogramm. Man muss auch endlich hier die Vergangenheit ad acta legen. Musik von Franz Liszt oder Richard Wagner wurde auch missbraucht.”

Der Schweizer Dirigent Sandro Blank sieht eine weitere Funktion des Marsches für unsere Blasorchester: “Ich mag es ab und zu an GUTEN Märschen zu arbeiten. In einer sehr überschaubaren Textur können so grundsätzliche Problemstellungen in Phrasierung, Balance uvm. ganz „easy“ vermittelt werden.” Logisch kam von mir die Frage “Was ist ein GUTER Marsch?” Okay, war nicht ganz so wörtlich gemeint. Ist schließlich ein genau so unendliches Thema wie die generelle Frage “Was ist gute Musik?”

Martin Schlömer knüpft an die lange Geschichte des Genres “Marsch” an: “Tatsächlich glaube ich, dass die Märsche zur “Urliteratur” für Blasorchester gehören, denn diese Gattung dürfte die erste gewesen sein, die durchgängig für diese Besetzung geschrieben worden ist. Eine einfache und klare Formensprache (die nicht immer simpel sein muss) zeichnet den typischen Marsch aus. Damit eignet er sich auch gut für unvollständige Besetzungen und für musikalische Anfänger.
Aber ich sehe dann Marsch auch als eine Kunstform an, für deren Interpretation man sich gern Mal ins Zeug legen darf.”

Der Komponist Jacob de Haan fasst schlüssig zusammen: “Der Marsch lädt zu Bewegung ein, mit der er die gleiche Funktion hat wie verschiedene Tänze. Alle diese Stilformen fördern bereits die motorischen Fähigkeiten bei Kindern zum Beispiel, da sie fast automatisch dazu getrieben werden sich zu bewegen, wenn sie einen Marsch hören. Diese Unschuld bleibt auch bei Erwachsenen bestehen, obwohl sie nicht automatisch in sichtbaren Bewegungen dargestellt wird, sondern oft auch innen.
Die Melodien laden oft zum Mitsingen ein. Dies sind oft die besten Märsche. Die Trios von Märschen wie Stars and Stripes Forever zum Beispiel sind unwiderstehlich. Gute Märsche klingen erkennbar.
Wenn ein Orchester durch die Straße marschiert, passiert etwas im inneren Zustand der Menschen, die es erleben. Etwas wie eine Kombination aus Nostalgie und Glück, die sich kaum beschreiben lässt. Außerdem müssen wir uns bewusst bleiben, dass der Marsch seine Unschuld verliert, wenn er als Propagandainstrument für den Krieg eingesetzt wird. So ist der Marsch immer noch ein Symbol für die Macht in verschiedenen Ländern der Welt.”

Die Musikerin Jutta Mettig ergänzt die Historie des Marsches: “Für uns im Musikverein mit eher traditioneller Ausrichtung, gehören Märsche immer zum regulären Auftritts-Programm. Wichtig dabei finde ich, dass diese nicht “latschig” gespielt werden. Ein Marsch hat wie alle anderen hier schon schrieben so viele Gestaltungsmöglichkeiten und ist je nach Herkunft anders zu spielen/interpretieren. Für mich hat ein Marsch auch immer eine der Grundformen musikalischer Gestaltung, an denen beispielsweise auch junge Musiker/innen viel für weitere Stücke und musikalische Elemente erlernen; ebenso ist dies bei einer Polka und dem Walzer der Fall. Wenn ich einen guten und klaren Marschrhythmus spielen kann, dann fällt mir z.B. ein Swing oder ein anderer Rhythmus einfacher.

Zur Historie im Allgemeinen:
Ich finde, wir sollten immer beides betrachten. Die Musik, die komponiert wurde und der Zweck für was es geschrieben wurde.
So sind klassische Shanty-Lieder häufig als Arbeitslieder auf den Segelbooten entstanden. Spirituals u.a. als überlieferte musikalische Warnungen, Hilfestellungen, Gebete und Überlieferungen zur Sklaverei, klassische Symphonien, Oratorien, Opern, Lieder etc. als Auftragswerke – wurden auch nicht minder zur Demonstration von Macht, Reichtum und Besitz des jeweiligen Fürsten, Königs usw. geschrieben. Wenn sie für den militärischen Zweck geschrieben wurden, dann meist vorher oder nachher als Lobpreisung oder Danksagung so z.B. das Dettinger Te Deum von Händel (HWV 283), welches er für den Dankgottesdienst anlässlich des Sieges des österreichisch-britischen Militärs über die französischen Truppen in der Schlacht bei Dettingen am 27. Juni 1743 geschrieben hat.
Fragt da heute jemand nach, wenn es aufgeführt wird? Ich habe es mehrfach im Chor und den Alt-Solo-Part gesungen und es war nie die Rede davon….
Somit ja, es gibt Werke, die haben einen ganz besonderen Bezug zur Geschichte, weil sie leider gänzlich missbraucht wurden. Sie jedoch pauschal zu verurteilen oder zu meiden, fände ich in einer aufgeklärten Gesellschaft gänzlich falsch. Viel mehr gilt es doch, sich dann damit konkret und konsequent auseinander zu setzen.”

Über das Thema “Marschwettbewerb” habe ich mich zufällig vor kurzem mit Franco Cesarini unterhalten. In der Schweiz war es bis anhin üblich, dass bei den kantonalen und eidgenössischen Musikfesten die Teilnahme am Marschwettbewerb zu der Konzertwertung obligatorisch ist. Das hatte ganz oft zur Folge, dass beispielsweise Höchst-Klass-Vereine, die in der Konzertwertung on top spielen, bei der Marschwertung am Ende der Punkteliste standen. Franco zeigte sich sehr erleichtert, dass diese Regel nun aufgehoben wurde. Sinngemäß war er der Meinung: Die Vereine, die mit Leidenschaft marschieren und auch präsentieren (Kleidung, Akuratesse, Gleichmäßigkeit) sollen das auch tun. Und die Vereine, die ihren Schwerpunkt auf Konzertwettbewerb legen, denen sollte etwas, das ihnen nicht liegt, nicht aufgezwungen werden.

Noch kurz zum Thema “Musik in Bewegung”. In Deutschland tut man sich damit ziemlich schwer. Außer bei den Spielleuten vielleicht. In Österreich beispielsweise sind marschierende Kapellen, die Formationen laufen, oft anzutreffen. Es gibt geeignete Fortbildungsmaßnahmen des Österreichischen Blasmusikverbandes und somit auch eine große Förderung des Themas (Herzliche Grüße an Gerhard Imre!).

Vor kurzem bin ich vom Südtiroler Klaus Fischnaller angeschrieben worden, ob ich nicht einmal “Musik in Bewegung” auf dem Blasmusikblog thematisieren möchte. Nun, ich bin da ganz und gar die falsche Person dafür, weil ich mich bis anhin noch nie für dieses Thema interessiert habe. Doch was für ein Zufall! Am 3. August findet in Südtirol ein Wettbewerb “Musik in Bewegung” statt. Und wer hat da zufällig sowieso schon Urlaub in Südtirol gebucht? Genau. Ich. Ich schwöre, der Urlaub war schon bevor ich wusste, dass dieser Wettbewerb stattfindet zu dieser Zeit geplant. Nun bin ich natürlich schon gespannt auf diesen Wettbewerb. Klaus möchte auch noch organisieren, dass ich in der Woche davor noch bei einer Marschprobe eines Teilnehmers dabei sein kann. Ich hoffe, das klappt. Gott sei Dank habe ich eine Familie, die solche Aktionen von mir auch gerne mitmacht…

Was ein kurzer Beitrag mit der Veröffentlichung der Marsch-Top-Ten aus der Blasmusikblog-Umfrage vom März 2019 werden sollte, ist dank Facebook nun doch etwas umfangreicher geworden. Um Euch nicht weiter auf die Folter zu spannen, hier endlich die Top-Ten (Affiliate-Links in den Online-Shop des Hebu-Verlags):

Platz 10: Hoch Heidecksburg / Rudolf Herzer
Platz 9: Deutschmeister Regimentsmarsch / Wilhelm August Jurek
Platz 8: Dem Land Tirol die Treue / Florian Pedarnig
Platz 7: Alte Kameraden / Carl Teike
Platz 6: Abel Tasman / Alexander Pfluger
Platz 5: Mars der Medici / Johann Wichers
Platz 4: Kaiserin Sissi / Timo Dellweg
Platz 3: Arsenal / Jan Van der Roost
Den ersten Platz teilen sich mit gleicher Anzahl:

Florentiner Marsch / Julius Fucik
Die Sonne geht auf / Rudi Fischer

Insgesamt haben bei der Umfrage 142 Blasmusikblog-LeserInnen mitgemacht und 412 Märsche genannt. Darunter wurden 158 verschiedene Märsche genannt. Und da ich weiß, dass einige von Euch wissen möchten, welche das im Einzelnen sind (gell, Markus K. und Markus T.!?), habe ich hier die Liste aller genannten Märsche wieder zum Download aufbereitet:

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Herzlichen Dank an alle, die bei der Umfrage mitgewirkt haben!

Und welche Umfrage wünscht Ihr Euch als nächstes? Antworten bitte unten in das Kommentarfeld!

PS Im Beitragsbild seht Ihr den Musikverein Trachtenkapelle Oberprechtal mit ihrem Dirigenten und meinem langjährigen Musikfreund Rainer Bär beim Festumzug anlässlich des 125-jährigen Bestehens des OBV – Oberbadischer Blasmusikverband “Breisgau” e. V. im Jahr 2017.

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Musik ist ein sehr wichtiger Bestandteil meines Lebens. Musizierende Menschen zusammen zu bringen meine Leidenschaft.

3 thoughts on “Marsch-Top-Ten der Blasmusikblog-LeserInnen

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