Blasmusikblog Monatsrückblick November 2021

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Während ich in meinem Oktober-Rückblick noch gehofft habe, dass uns die Absagewelle von Konzerten in diesem Herbst erspart bleibt, ist genau diese zurzeit in vollem Gange. Ich habe längst den Überblick über die Corona-Regeln, die für uns Musikvereine für Proben und Konzerte im jeweiligen Bundesland gelten, verloren. Bei uns in Baden-Württemberg gilt 2G+ und das halten viele Blasorchester als praktisch nicht durchführbar bei ihren Konzerten. Außerdem beeinflussen Unsicherheit, Angst und Respekt vor dem Virus und den damit verbundenen unterschiedlichen Krankheitsverläufen die Entscheidungen über eine Konzert-Durchführung. Schon wieder haben wir auf Konzerte geprobt und geübt – vergebens. Nun, nicht ganz vergebens. Wir konnten proben und viele in Deutschland und der Schweiz proben erst einmal weiter. Das ist unseren Freunden in Österreich momentan leider nicht vergönnt. Hoffen wir, dass es bei uns nicht auch noch schlimmer kommt.

In meinem Beitrag Mitgliederschwund durch Corona? habe ich die Ergebnisse der Umfrage über eventuelle Abmeldungen im Musikverein veröffentlicht. Es gab Abmeldungen. Leider überwiegend von jüngeren Blasmusiker:innen. Zusammen mit der Tatsache, dass wir in den zurückliegenden 20 Monaten Corona keine vernünftige Jugendwerbung machen konnten, stellt das für viele Blasorchester von uns eine Katastrophe dar. Diese Situation wird für die Besetzung von Blasorchestern noch viele Jahre lang Lücken bedeuten. Das ganze Ausmaß können wir momentan noch gar nicht überblicken.

Zu allen Sorgen in unseren Musikvereinen auf Grund von Corona, die wir bisher hatten, ist diesen Herbst nochmals eine große Sorge hinzugekommen: Die Ungeimpften in unseren Blasorchestern, die in vielen Bundesländern entweder nur mit aktuellem, kostenpflichtigen PCR-Test in die Probe kommen dürfen oder gar nicht. Ich habe von Musikvereinen gehört, in denen bis zu 10 Musiker:innen und mehr nicht geimpft sind. Ich selbst bin absolut für das Impfen. Ich bin davon überzeugt, dass Impfen der Weg aus der Pandemie ist. Aber es steht weder mir noch den Musikkollegen zu, diese Impfdiskussion mit den Impfunwilligen zu führen. Ich will so eine Diskussion mit meinen Musikkollegen überhaupt nicht führen. Ich finde es sehr tragisch, dass wir dadurch innerhalb der Blasorchester gespalten werden. Wir wollen diese Spaltung nicht. Aber wir wollen auch raus aus diesen ständig wieder aufkommenden Infizierten-Wellen. Leider sind die Fronten zwischen Geimpften und Ungeimpften so langsam sehr verhärtet. Egal wie jemand zum Impfen steht: Diese Spaltung ist sehr schlimm für unsere Musikvereinsgemeinschaften.

Vor ein paar Tagen erreichte mich diese Zuschrift von Michael Stiglbauer, Musikverein Bad Füssing:

“… Die letzten Wochen haben wir uns auf das diesjährige Jahreskonzert am 13. November vorbereitet und 8 Tage davor wegen der 2-G-Regelung abgesagt. Es waren immer noch 11 Musiker nicht geimpft. Es gab keinerlei Schuldzuweisungen oder Vorwürfe. Wir haben es einfach so hingenommen.

Corona zerstört alles, was wir in zehn Jahren aufgebaut haben. Wir haben 10 Jahre fast alles richtig gemacht. Ich behaupte nur “fast”, weil es immer etwas gibt, was man besser machen kann oder müsste. Bisher haben wir aber Fehler oder Mängel weitgehend erkannt. Im Moment aber weiß ich nicht, was wir tun sollen.

Den Nachwuchs können wir nicht halten. Es macht ihnen keinen Spaß mehr. Sie haben kaum einen Fortschritt für sich ausmachen können und keinen Auftritt erlebt. Der Unterricht fällt ständig aus, die Proben sind kompliziert, Gemeinschaftsveranstaltungen nicht möglich. In den Herbstferien wollten wir mit den Minis noch Pizzaessen. Das ging wieder nicht wegen der 2-G-Reglung im Hotspot (über 1000 Inzidenz).

Jeden Monat müssen wir Abgänge hinnehmen. Ich kann jeden verstehen, der wegen Corona nicht mehr mag. Ich kenne genügend ältere Musiker, die ihr Hobby an den Nagel gehängt haben. Bei den jungen Menschen konnte sich das Musizieren gar nicht erst richtig zu ihrem Hobby entwickeln. 

Im Übrigen können wir auch beobachten, dass die langen Pausen viele jungen Menschen nicht für das Weitermachen motiviert haben. Sie haben bemerkt, wie viel leichter das Leben sein kann, wenn man keinen Instrumentalunterricht mehr hat und keine Proben mehr besuchen muss. Wie Sie in ihrem Blog schreiben: Musiker nehmen ihre Freunde mit, wenn sie aufhören. Sie wollen nicht alleine sein und machen den anderen die Vorteile des Aufhörens schmackhaft. Was sich hinter der Bühne abspielt bekommt man nur am Rande oder zufällig mit. Wenn dem Verein auch noch die Hände gebunden sind mit PCR-Tests, 3-G und 2-G, Grenzschließungen und einem Wirrwarr an Verordnungen, dann haben es diejenigen leicht, es sich leicht zu machen.

Für alle diese Probleme helfen uns keine Studien oder Finanzspritzen vom Staat. Wir stehen wieder am Anfang und vermutlich ist es Zeit, zu akzeptieren. …”

Das Virus kann töten, es kann lebenslang krank machen, es schlägt auf die Psyche von Infizierten und nicht Infizierten, es zerstört Existenzen, es entzweit und schwächt unsere Gemeinschaften.

Nachdem ich seit Anfang der Pandemie im März 2020 immer wieder motivierende Beiträge hier auf dem Blasmusikblog geschrieben und veröffentlicht habe, in vielen Corona-Diskussionsrunden den Austausch zwischen den Vereinsverantwortlichen ermöglicht habe und viele Ideen zur Stärkung der Musikvereinsgemeinschaften in den proben- und konzertfreien Zeiten geteilt habe, bin ich nun an einem Punkt angekommen, wo auch mir die Ideen ausgehen. Ich fühle eine große Resignation und Traurigkeit. Ich hoffe nur, dass die vielen Zukunftswerkstätten, die ich in diesem Jahr in Musikvereinen durchgeführt habe, dennoch fruchten und dass die Blasmusiker:innen in diesen Musikvereinen in ihrer großen Motivation, die an diesen Tagen entstanden ist, nicht ausgebremst werden. Es wäre so schade drum.

Diese Beiträge habe ich im November veröffentlicht:

1. November 2021 Blasorchesterrepertoire: Von Kriegen und der ewigen Bitte um Frieden
5. November 2021 Notenverlosung: Die “etwas anderen” Weihnachtsduette
9. November 2021 Das leidige Thema “Probenanwesenheit”
14. November 2021 Blasmusikaspekte: Konzertmoderation – Ein Interview mit Jürgen K. Groh
21. November 2021 Blasorchesterrepertoire: Naturkatastrophen
24. November 2021 Gemeinsam neu starten – Perspektiven für Musikvereine nach der Pandemie!? – Ein Gastbeitrag von Prof. Dr. Wolfgang Lessing, Musikhochschule Freiburg
25. November 2021 Mitgliederschwund durch Corona?

Die Notenverlosung der Weihnachtsduette Stay Tuned – Swinging Christmas von Otto M. Schwarz ist leider vorbei. Die glücklichen Gewinner haben hoffentlich mittlerweile eine große Freude am Spielen der Duette mit echtem Duettpartner oder dem “mitgelieferten” Duettpartner per Spotify oder Youtube. Folgende Bücher sind lieferbar – die dem Titel hinterlegten Links führen direkt zur Bestellmöglichkeit:

OMS XMAS Challenge

Stay Tuned Swinging Christmas – Flöte
Stay Tuned Swinging Christmas – Klarinette
Stay Tuned Swinging Christmas – Saxophon (gleichgestimmt)
Stay Tuned Swinging Christmas – Trompete
Stay Tuned Swinging Christmas – Horn
Stay Tuned Swinging Christmas – Posaune

Stay Tuned Swinging Christmas – Trompete & Posaune

Für alle, die schon fleißig die Swinging Christmas Duette von Otto M. Schwarz üben, veranstaltet Otto M. Schwarz eine Challenge:

OMS XMAS CHALLENGE – Gewinne 2 x Noten Gutscheine für Symphonic Dimensions Publishing jeweils im Wert von 100€So kannst du an der OMS XMAS CHALLENGE teilnehmen: . Bringe dich in Weihnachtsstimmung mit Stay Tuned – Swinging Christmas! . Spiele deinen Lieblingssong aus dem Heft Stay Tuned – Swinging Christmas allein oder im Online-Duett.. Mache ein Video von deiner kreativen Performance . Lade es auf Facebook oder Instagram mit dem #omsxmaschallenge hoch, tagge @ottomschwarz und markiere 2 weitere Freunde Ich freue mich auf viele weihnachtliche Performances!- STAY TUNEDOtto M. SchwarzVerlosung & Bekanntgabe der Gewinner findet am 26.12.2021 statt. Das Gewinnspiel steht in keiner Verbindung mit Facebook.

Es wird vermutlich wieder eine besinnliche Advents- und Weihnachtszeit werden. Was wir uns vor Corona oft gewünscht haben, werden wir in diesem Jahr – so wie im letzten – im Übermaß haben. Lasst sie uns genießen. Nicht unterkriegen lassen (das sage ich auch mir selbst – aber es ist schwierig). Im neuen Jahr werden wir die Lage unserer Blasorchester neu bewerten.

Enden möchte ich diesen Beitrag mit den Worten, die ich auch Michael Stiglbauer geschrieben habe: “Momentan habe ich keine Lösungsvorschläge für Sie parat. Ich bin selbst gerade sehr angeschlagen, was diese Situation betrifft. Ich warte die Advents- und Weihnachtszeit ab und sehe und überlege dann, wie ich Ihnen und anderen Musikvereinen helfen kann. Ich weiß nur eins: es wird irgendwann wieder aufwärts gehen. Und wir werden unsere Motivation wieder finden. Da bin ich sehr zuversichtlich, denn wir haben das schönste Hobby der Welt.”

Bleibt mir bitte gewogen,

Eure
Alexandra

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Alexandra Link

Musik ist ein sehr wichtiger Bestandteil meines Lebens. Musizierende Menschen zusammen zu bringen meine Leidenschaft.

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