Das System der Registerleiter im Blasorchester

Registerleiter. Für was? Oder: was ist das überhaupt? Mögen die einen nun denken. Für die anderen undenkbar, ein Orchester ohne Registerleiter… Wichtig nur in großen Orchestern? Oder macht es auch durchaus Sinn, auf ein System aus Registerleitern in jedem Orchester zu bauen?

Dies wird wieder ein Blogbeitrag, der auf eine Diskussion bei einem meiner Workshops zurückgeht. Es war ein Klausurtag bei einem Musikverein, bei dem unter anderem das Thema des internen bzw. inneren Zusammenhalts besprochen wurde. Es wurde festgestellt, dass es vielen an einer guten Gemeinschaft oder anders ausgedrückt „Kameradschaft“ fehlt. Weiter, dass bei vielen MusikerInnen die Priorität nicht auf dem Musikverein liegt, sondern Absagen von Proben und Auftritten leicht von der Hand gehen. Dies ist natürlich besonders problematisch in Orchestern, die sowieso nicht üppig besetzt sind. Die Frage, die also u. a. im Raum stand: Wie können wir unsere Gemeinschaft stärken?

Wichtig bei den Klausurtagen finde ich, dass die anwesenden Mitglieder selbst nach Lösungsansätzen suchen und diese anschließend bewerten. Dies deshalb, um eine breite Unterstützung bei der Umsetzung der besprochenen Maßnahmen zu gewährleisten. Nur Veränderungen, die von der Gemeinschaft heraus gewollt werden, haben Chancen sich positiv auszuwirken. Aber manchmal braucht es einfach Impulse von außen und Erfahrungsberichte von anderen Vereinen. Hier gebe ich gerne uneingeschränkt mein Wissen und meine Ideen weiter. Meine unbedingte Empfehlung für diesen Verein: Das Einführen eines Registerleiter-Systems.

Warum Registerleiter?

Die einzelnen Register sind die kleinsten Einheiten innerhalb eines Orchesters. Gelingt es, diese kleinsten Einheiten zu Teams, also eingeschworenen Gemeinschaften, zu formen, kommt es dem ganzen Orchester zu gute. Teams funktionieren dann am besten, wenn ein fähiger Teamleiter die einzelnen Teammitglieder zusammen hält.

Damit ich Euch davon überzeugen kann, zeige ich im Folgenden die Aufgaben eines Registerleiters auf. Zu Grunde liegen dieser Aufstellung nicht meine eigenen Ideen, sondern der schriftlich fixierte Aufgabenkatalog für Registerleiter aus dem Freiburger Blasorchester. Vielen Dank dafür an „mein“ FBO, dass ich das verwenden darf.

Aufgaben der Registerleiter im Freiburger Blasorchester

1. Der Registerleiter wird jährlich von den Registermitgliedern gewählt.

2. Er / Sie ist Bindeglied/Kontaktperson innerhalb des Registers und zwischen den Registern, zwischen Dirigent und Registermitgliedern, zwischen Registerleiterrunde und Registermitgliedern.

3. Er / Sie entscheidet als Mitglied der Registerleiterrunde über Fragen, die das Orchester betreffen:

  • Konzertprogramme
  • Jahresterminplanung
  • Aufstellung des Budgets
  • Konzertplanung und -organisation

4. Er / Sie ist informiert über die Besetzung des Registers bei den Proben, Probetagen, Konzerten, etc. Eine Rückkoppelung mit dem Dirigenten erfolgt bei Fehlzeiten einzelner MusikerInnen des Registers.

5. Er / Sie kümmert sich um benötigte Aushilfen und informiert den Dirigenten und den Orchestersprecher, sollten Aushilfen gebraucht werden.

6. Er / Sie sorgt für die Eingliederung neuer Registermitglieder:

  • Sagt dem Verantwortlichen für die Mitgliederverwaltung Bescheid, wegen Vereinsformularen (Beitrittsformular, Infoblatt, FBO-Oberteile….)
  • Leitet das Beitrittsformular weiter an Schriftführer und Mitgliederverwaltung
  • Gibt Marketing-Verantwortlichem Bescheid zur Ergänzung der Online-Fotogalerie

7. Organisation der Registerproben/Dozentenproben: wo, wann, was (in Rücksprache mit dem Register)

8. Hält die Unterhaltungsmappe aktuell und versorgt neue Registermitglieder damit

9. Organisiert fehlende Noten

10. Sorgt dafür, dass sich alle Registermitglieder in Listen (Helferlisten, Doodlelisten, etc.) eintragen

11. Hochzeiten/Geburten im Register: Karte vorbereiten, vom Orchester unterschreiben lassen und eventuell ein Kässchen bereitstellen

Eine Besonderheit im Freiburger Blasorchester ist die Funktion der Registerleiterrunde. Diese bespricht zusammen mit dem Orchestervorstand (Musikvorstand) und dem Dirigenten den musikalischen Jahresablauf. In etwa ist das gleichzusetzen mit der für die Schweiz üblichen Musikkommission. Der Unterschied ist nur, dass in der Schweizerischen Musikkommission nicht unbedingt die Registerleiter sitzen, sondern eigens dafür gewählte Mitglieder. Es geht dabei natürlich nicht darum, dem Dirigenten Vorschriften zu machen, was auf dem Konzertprogramm zu stehen hat, sondern darum Ideen auszutauschen, über musikalische Vorhaben zu diskutieren und vor allem, die besprochenen Konzerte und Programme anschließend in die einzelnen Register und somit in das Orchester zu tragen. Dies gewährleistet – neben E-Mails, Teamplanbuch, Website, Informationsrunde nach der Probe, usw. –, dass alle Orchestermitglieder gut informiert sind und eine breite Basis für alle musikalischen Aktivitäten vorhanden ist.

Eine weitere Besonderheit im Freiburger Blasorchester ist, dass neue Mitglieder nicht nur aus der Jugendarbeit generiert werden, sondern auch auf Grund eines Zuzugs nach Freiburg (Studenten) oder aus musikalischen Gründen. Bei einem Orchester, bei dem hauptsächlich aus der Jugendarbeit die neuen MusikerInnen hinzustoßen, kommt dem Registerleiter auch die Rolle eines Paten zu, der sich intensiv um die Integration des Jugendlichen kümmert.

Die dritte Besonderheit: Im Aufgabenkatalog wird lediglich von „FBO-Oberteilen“ gesprochen. Konzerte werden in „schwarz“ gespielt, für Unterhaltungsauftritte gibt es ein FBO-Hemd. Das FBO hat also keine Uniform oder Tracht.

Und schließlich ist etwas anders als in anderen Orchestern die selbstständige Organisation von Registerproben mit externen Kräften. Die Finanzierung dieser Instrumentalprofis wird vom Verein unterstützt, aber von den Registermitgliedern hauptsächlich getragen.

Die Verbindlichkeit, dass der Registerleiter jederzeit über Fehlzeiten informiert ist, sorgt dafür, dass Proben und Auftritte nicht leichtfertig abgesagt werden. Jedem wird die eigene Wichtigkeit innerhalb des Register-Teams bewusst. Grundsätzlich wird davon ausgegangen, dass der „Normalzustand“ die Anwesenheit der Musikerin / des Musikers an allen Proben und Auftritten ist, Abwesenheit die absolute Ausnahme ist. Entschuldigungen gehen nicht ins Whats-App-Nirwana der allgemeinen Musikvereins-Gruppe (nervt somit auch nicht MusikerInnen, die das überhaupt nicht interessiert), sondern direkt an den Registerleiter. Falls zuvor nicht schon ein langfristiges „Fehlen“ im Teamplanbuch angezeigt wurde. (Informationen zum Teamplanbuch findet Ihr hier.)

Der beispielhafte Aufgabenkatalog für Registerleiter im Freiburger Blasorchester soll Euch als Diskussionsgrundlage für Eure eigene Aufstellung innerhalb Eures Musikvereines dienen, nicht um 1:1 übernommen zu werden. Schließlich ist kein Musikverein gleich, jeder hat sein eigenes Gesicht, Besonderheiten und Eigenheiten. Wichtig ist jedoch, wie auch bei Vorstandsorganigramm und den jeweiligen Stellenbeschreibungen, die schriftliche Fixierung der Aufgaben der Registerleiter. Es muss ganz klar beschrieben und geschrieben sein, was der jeweilige Registerleiter zu tun hat. Dies um seinen Aufgaben gerecht zu werden, aber auch für die Stabilität innerhalb des Registers und somit auch für das ganze Orchester.

Zusammensetzung der einzelnen Register-Teams

Auch die Zusammensetzung der einzelnen Register-Teams hängt in großem Maße von den Gegebenheiten bei Euch vor Ort ab. Gibt es jeweils nur drei Posaunen, zwei Tenorhörner und eine Tuba ist es natürlich sinnvoll, diese in einem Register-Team „Tief Blech“ zu vereinen. Ebenso, wenn beispielsweise bei den Doppelrohr-Blättern nur eine Oboe vorhanden ist, passt diese prima ins Flötenregister. Usw.

Im Freiburger Blasorchester stehen manche Register auch für Ensemble-Arbeit. Diese spielen Auftritte bei Sponsoren, kleineren Konzerten oder Umrahmungen in Stadt und Stadtteil (oder darüber hinaus) und auch jährlich an einem Sonntag im Dezember in verschiedenen Senioren- und Pflegeheimen. Dies nicht unbedingt, um Geld in die Orchesterkasse zu spülen, sondern hauptsächlich aus Image- und Werbegründen für das FBO.

Flötenregister des Freiburger Blasorchesters
Flötenregister des Freiburger Blasorchesters

Wir im Flötenregister unternehmen regelmäßig auch „außervereinlich“ (wie wir das scherzhaft nennen) etwas zusammen. Essen gehen, gemeinsam Frühstücken und so steht da regelmäßig alle paar Monate auf dem Programm. Unser guter Zusammenhalt im Register ist neben den musikalischen Herausforderungen und dem Spaß am Musizieren in diesem Orchester für mich ausschlaggebend Musikerin im Freiburger Blasorchester zu sein. Nicht zuletzt dadurch ist das FBO meine musikalische Heimat geworden.

Von anderen Vereinen habe ich gehört, dass bei der jährlichen Vereinsfeier die Register gegeneinander antreten in einer Vereinsolympiade. Oder jeweils einen Programmpunkt bei der Weihnachtsfeier vorbereiten müssen. Auch hier kann der beste Beitrag prämiert werden. Ich bin sicher, dass Ihr mit diesen Anstößen auch eigene Ideen generieren könnt, wie Ihr die Gemeinschaft innerhalb des Registers stärkt.

In Vereinen, in denen kein Registerleiter-System verankert ist, habe ich schon oft gesehen, dass immer die gleichen Grüppchen nach dem Musizieren zusammen sitzen. Oder dass Familienclans innerhalb des Vereins eine eigene Gemeinschaft bilden. Diese oft über lange Zeit gewachsenen Strukturen können durch ein Registerleiter-System aufgebrochen und gelockert werden. Familienbünde können gut sein innerhalb des Vereins, aber eben, wie viele von uns wissen, auch nicht.

Ähnliches gilt für Vereine, in denen „die Alten“ und „die Jungen“ jeweils Gruppen bilden. Eventuell mit ein paar MusikerInnen im „Mittelalter“, die zwischen Tür und Angel fallen. Innerhalb des Registers wird es immer MusikerInnen unterschiedlichen Alters geben.

MusikerInnen, die sich auf Grund ihres Charakters nicht so leicht in einen Musikverein oder allgemein in eine Gemeinschaft integrieren lassen, werden sich mittels des Systems im Verein wohler fühlen. MusikerInnen, die zu einem Musikverein stoßen, in dem sie noch niemand kennen, werden sich durch die quasi sofortige Integration in das Register schneller aufgenommen und aufgehoben fühlen. Denn da ist der Registerleiter, der sich gleich um alles und vor allem den Informationstransfer kümmert. Durch den freundschaftlichen Zusammenhalt im Register werden einzelne MusikerInnen auch nicht so schnell wegen Unzufriedenheit aufhören.

In Krisensituationen wie Streit und Uneinigkeiten zwischen Mitgliedern aus welchen Gründen auch immer, kann der Registerleiter Vertrauensperson oder Schlichter sein. In Absprache mit dem Vorstand ist die genaue Vorgehensweise zu besprechen. Dem Vorstand und eventuell – je nach Problem – dem Dirigenten obliegt es, diese Aufgabe zu übernehmen, sollte der Registerleiter selbst am Streit beteiligte Partei sein. Aber gehen wir einmal davon aus, dass diese Situationen zu den Ausnahmen gehören. Niemand spielt gerne in einem Verein, der von Uneinigkeit, Streit oder ständigen Problemen gezeichnet ist. Wir wollen bei unserem Hobby schließlich unsere Freizeit genießen, Spaß und Freude Musizieren haben und eine lockere Zeit mit Freunden verbringen.

Nun noch ein paar Sätze für diejenigen, die nun denken, ein Registerleiter-System ist nur etwas für große Vereine. Nein, ist es nicht. Auch in kleineren Blasorchestern ist es sinnvoll, die dennoch große Gemeinschaft in kleinen Teams zu organisieren. Schon oft habe ich hier auf dem Blasmusikblog.com geschrieben, dass Musikvereine im Prinzip wie Unternehmungen funktionieren und somit auch so organisiert werden können. Mit dem einzigen Unterschied, dass wir es im Musikverein mit Ehrenamtlichen zu tun haben. Unternehmungen sind auch in verschiedene Abteilungen aufgeteilt, denen jeweils ein Abteilungsleiter vorsteht. Moderner ausgedrückt: in nahezu allen Firmen ab einer gewissen Größe werden die verschiedenen Aufgabengebiete von Teams mit jeweils einem Teamleiter erledigt. Patriarchisch geführte Firmen sind heutzutage schließlich auch zur Seltenheit geworden.

Ansonsten gilt meine Empfehlung wie immer: ausprobieren. Nichts tun ist immer schlimmer, als eventuell nicht sofort das Richtige zu tun. Ganz nebenbei bemerkt, funktioniert das Register auf menschlicher Seite, beflügelt es meiner Meinung nach auch die musikalische Qualität des Orchesters. Glaubt Ihr nicht? Wie schon geschrieben. Ausprobieren.

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Musik ist ein sehr wichtiger Bestandteil meines Lebens. Musizierende Menschen zusammen zu bringen meine Leidenschaft.

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