Zehn Apps, die Blasmusikern 2021 das Leben erleichtern

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Ein Gastbeitrag von Christoph Schroth

Mittlerweile gibt es unzählige Apps, die eine weite Bandbreite an musikalischen Bedürfnissen decken. Gerade jetzt in der Corona-Zeit ist es fast unmöglich geworden, sich mit Vereins- oder Bandmitgliedern zu treffen, um zu üben oder einfach nur zu spielen.

Wer schon mal nach einer passenden App gesucht hat, hat bestimmt schnell das Problem erkannt: die schier endlose Auswahl an Apps. Um in diesem Urwald die richtige App zu finden, muss viel Zeit investiert werden. Denn nicht selten entpuppt sich die App, die sich als Helfer für echte Musiker ausgibt, als kleine Hobbyspielerei für zwischendurch.

Um euch die Suche ein wenig zu erleichtern, haben wir die besten zehn Apps für Blasmusiker zusammengetragen und möchten sie euch vorstellen. Dabei ist die Nutzung der digitalen Helfer nicht nur auf Bläser beschränkt, sondern jeder Musiker kann etwas für sich finden.

1. Tomplay

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Tomplay ist eine Art Spotify für Musizierende. Wie das Ganze funktioniert? Eigentlich ganz einfach: Tomplay stellt euch Noten verschiedenster Genres zur Verfügung und ihr könnt in Begleitung einer Band einfach drauflos spielen. Hierbei unterstützt die App eine große Anzahl an Instrumenten: Insgesamt gibt es 23 Instrumente zur Auswahl und vom Waldhorn bis zur Harfe ist eigentlich fast alles dabei. Vor allem während der Pandemie ist diese App also Gold wert, da man endlich mal wieder mit einer “Band” proben und spielen kann.

Tomplay bietet eine große Bibliothek an Partituren, weshalb für jeden was zu finden ist. Von Jazz, über Klassik, bis zu Filmmusik: Jedes Genre ist vertreten. Einziger Wermutstropfen: Nicht jede Partitur ist für jedes Instrument vorhanden. Somit hat beispielsweise die Harfe weniger Partituren zur Auswahl als das Klavier.

Die App ist dabei einfach zu bedienen und bietet einige Komfortfunktionen. So fährt beim Abspielen ein Fortschrittsbalken mit, wodurch man immer weiß, an welcher Stelle der Partitur man gerade ist. Sollte es dabei zu einer Unstimmigkeit zwischen Audio-Begleitung und Partitur kommen, kann die Latenz selbst eingestellt werden.

Hinzu kommen eine Vielzahl anderer Features. So könnt ihr das Tempo beliebig anpassen. Zusammen mit der Wiederholungsfunktion, mit der ihr Passagen “loopen” könnt, kann eine schwierige Partitur erst einmal geübt werden.

Ein weiteres nützliches Feature ist die Spielhilfe. Diese zeigt euch immer genau an, welche Tasten angeschlagen bzw. welche Saiten gezupft werden müssen. Allerdings lohnt sich die Funktion erst auf einem Tablet, da ein Smartphone-Bildschirm einfach zu klein dazu ist.

Die Metronom-Funktion glänzt hingegen auf jedem Gerät. Zusammen mit einer simplen Stimmfunktion könnt ihr überall und zu jeder Zeit loslegen. Apropos zu jeder Zeit: die Partituren werden immer heruntergeladen. Die App ist also auch offline nutzbar.

Wer es lieber analog will, kann eine Partitur auch ausdrucken und sogar davor bearbeiten und Anmerkungen hinzufügen.

Was kostet jetzt der Ganze? Die App an sich kann man kostenlos herunterladen und man erhält ein bis zwei Partituren für jedes Instrument umsonst. Wer weitere Partituren will, hat die Möglichkeit diese entweder einzeln zu kaufen (Einzelpreise beginnen bei 4,49 pro Partitur), oder ein Abo abzuschließen. Mit dem Abo habt ihr Zugang zu allen Stücken und ihr zahlt dabei 9,99 € im Monat oder 99,99 € im Jahr. Das Abonnement lohnt sich also, wenn ihr mindestens 2 Partituren im Monat nutzt. Tomplay ist zudem auf Android, iOS und PC/Mac nutzbar.

Honorable mention: WDR Big Band Play Along

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Wer von Tomplay noch nicht ganz überzeugt ist, kann sich vielleicht für die offizielle WDR Big Band Play Along App begeistern. Diese bietet 12 Partituren, begleitet von der erstklassigen WDR Big Band zum Mitspielen. Die App ist kostenlos und unterstützt 13 verschiedene Instrumente. Auch hier kann man Loops erstellen, das Tempo verlangsamen und zudem die Lautstärke der einzelnen Instrumente anpassen. Viel mehr Komfort-Features gibt es zwar nicht, dafür ist die App sehr übersichtlich gestaltet. Dadurch kann man auch testen, ob man eine App wie Tomplay überhaupt nach drei oder vier Partituren weiterhin nutzen möchte.

2. iReal Pro

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In eine ähnliche Kerbe wie Tomplay schlägt auch iReal Pro. Die App für iOS und Android lässt aber vor allem die Herzen von Jazzmusikern höher schlagen. Mit dieser Übungs- und Begleitapp könnt ihr mit Begleitung eine Vielzahl an Stücken üben.

Hierfür werden die Akkordblätter eines Stückes einfach aus dem offiziellen Forum heruntergeladen und man kann loslegen. Gerade zum Üben bietet die App viele Möglichkeiten: Tonart, Tempo und Stil sind frei veränderbar. Darüber hinaus gibt es einen Übungsmodus, in welchem das Tempo kontinuierlich erhöht wird und (wenn gewollt) die Noten transponiert werden. Des Weiteren können am “Mischpult” Instrumente der Begleitung ausgewechselt werden und deren Lautstärke verändert werden.

Ähnlich wie bei Tomplay gibt es zudem eine Anzeigehilfe für die Ukulele-, Klavier- und Gitarrenakkorde während der Wiedergabe. Was für Jazz-Enthusiasten besonders interessant ist: Man kann das Intro für den Song selbst auswählen.

Neben den vielen Möglichkeiten bei der individuellen Anpassung der Wiedergabe kann man die Stücke bearbeiten und auch selbst neue Stücke erstellen und diese anschließend im Forum teilen. Somit wächst das Angebot durch die Community stetig und man findet immer wieder neue und interessante Stücke.

iReal Pro kann im Store von Google und Apple für einmalige 16,99 € erworben werden und man benötigt danach kein Konto. Dass man kein Konto benötigt, ist einerseits ein Vorteil, da man nicht zum x-ten Mal wieder ein neues Passwort merken muss. Andererseits muss man die App wieder kaufen, wenn man sein Betriebssystem wechseln will. Ein weiterer Nachteil ist, dass sich die App wirklich nur für Jazzmusiker lohnt. Es sind zwar auch andere Genres in der App vertreten, die größte Anzahl an Stücken gibt es im Jazz-Genre. Vielleicht auch gerade deshalb wird iReal Pro zum Beispiel von der Jazzschule Berlin in hohen Tönen gelobt.

3. App-Assionato

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Apropos Schule: App-Assionato ist genau die richtige App zur Verwaltung für Musiklehrer und -schulen. Die App bietet einen Terminverwalter, Messenger sowie Übungsspiele (für Schüler). Das beste: App-Assionato ist komplett kostenlos.

Die App kann im jeweiligen Store heruntergeladen werden. Für den vollen Umfang an Features muss sich jedoch die Musikschule auf der Webseite kostenlos registrieren. Dabei kann die Webseite dann auch als Cloud-Verwaltungstool genutzt werden. Dort kann Schüler/Lehrer-Listen, Krankmeldungen, Stundenpläne und Anwesenheitslisten verwaltet werden. Dafür kann das Webtool mit der eigenen Verwaltungssoftware verknüpft werden, um Daten austauschen zu können.

App-Assionato ist nach eigenen Angaben DSGVO-konform. Die App nutzt zur Pseudonymisierung ein Tokensystem. Jeder App-Nutzer besitzt dabei einen persönlichen Token, also eine bestimmte Zahlenfolge, mit der man sich mit anderen Nutzern verbinden kann. Der Hersteller gibt zudem an, dass dauerhaft keine Daten auf seinen Servern gespeichert werden. Aus Datenschutzsicht ist dies ein Vorteil. Nachteil ist allerdings, dass mit dem Verlust des Smartphones oder mit Deinstallation der App alle Daten unwiederbringlich verloren gehen. In diesem Fall muss man auf seinem Gerät nochmals alles neu einstellen und eintragen.

Nun aber zu den Features. Die App bietet für Lehrer:innen einen schlichten Messenger zum Kommunizieren mit ihren Schülern. Schlicht deshalb, weil man nur Nachrichten verschicken kann und keine anderen Dateianhänge. Des Weiteren können sich die Lehrer:innen Profile für ihre Schüler:innen erstellen, in denen sie neben Anschrift und E-Mail-Adresse auch Terminwünsche, tatsächliche Termine und Notizen eintragen können.

Termine können zudem im App-internen Kalender eingetragen werden und mit Pins versehenen werden, wenn Unterrichtsstunden ausfallen oder verlegt werden müssen. Einen Nachteil gibt es dabei: Der Kalender kann nicht mit anderen Kalendern synchronisiert werden.

Für Schüler:innen bietet die App zudem Übungsaufgaben zu den Themen Solfege, Rhythmus, Theorie, Intonation und Tonfelder. Dabei muss zum Beispiel im angegebenen Rhythmus auf das Handy getippt werden. Den Fortschritt der Aufgaben können die Lehrer mitverfolgen. Darüber hinaus gibt es noch zwei Minispiele und zwei “kleine Helfer”. Bei den Helfern handelt es sich einmal um eine Notenanzeige, welche die Noten vorspielt, und um ein Verzeichnis der wichtigsten musikalischen Begriffe.

Die App bietet insgesamt sehr viel, die fehlenden Möglichkeit Dateien zu versenden schmerzt jedoch etwas. Auch das Design wirkt auf uns etwas überholt. Nichtsdestotrotz sollten sich Musikschulen und -lehrer App-Assionato unbedingt anschauen.

4. The ear GYM

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Weiter geht’s mit einer Übungsapp für Anfänger: The ear GYM. Die App gibt es für Android, aber leider nicht für iOS. Dafür ist sie aber kostenlos. Bevor es jetzt mit den Features weitergeht, noch ein kleiner Disclaimer: Übungsapps können auf keinen Fall echte Musiklehrer:innen ersetzen. Vielmehr können sie den Unterricht erweitern und die Schüler:innen dazu animieren, auch daheim oder unterwegs weiter zu üben.

Nun zu den Features, oder genauer gesagt, den Übungsbereichen: Es gibt Intervall, Tonleiter, Akkord und Harmonik/Analyse. Die Übungen bestehen meist aus Aufgaben, wie die Erkennung von gespielten Akkorden oder Kadenzen oder auch die Konstruktion von Intervallen. Dabei kann man selbst bestimmen, was abgefragt werden soll.

Als Beispiel kann man sich einen jungen Musikschüler vorstellen. Er kann jedes Intervall einwandfrei erkennen, nur die kleine und große Terz sind für ihn eine Herausforderung. In der App kann er nun genau diese zwei Intervalle auswählen und lernt dann schnell diese besser zu bestimmen. Die App hilft einem somit dabei, gezielt die eigenen Schwächen aufzuarbeiten und zu verbessern.

Des Weiteren gibt es für jedes Thema einen Hilfsrechner, der einem die Intervalle, Tonleitern, usw. vorspielt und die entsprechenden Noten anzeigt. Wer sich nach ein paar Übungen bereit fühlt, kann dann im Wettbewerbsbereich die Übungen für den besten Highscore abschließen (hierfür muss man sich mit seinem Google Play-Konto anmelden).

The ear GYM hat ein schlichtes Design und überzeugt mit einer guten Übersicht. Ein Nachteil für Blasmusiker ist, dass die Noten nur auf einem Klavier vorgespielt werden. Zusätzliche Optionen für ein oder mehrere Blasinstrumente währen sehr schön.

Dafür gibt es eine zusätzliche Übung, in der man geschriebene Noten für ein transponiertes Musikinstrument (insgesamt elf Blasinstrumente stehen zur Auswahl) erkennen muss. Abschließend lässt sich sagen, dass die App besonders gut dafür geeignet ist, um gezielt an den eigenen Schwächen zu arbeiten.

5. Perfect Ear

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Perfect Ear ist die zweite Übungsapp für Gehör und Theorie. Im Gegensatz zu The ear GYM kann man diese App auf Android- und Apple-Geräten nutzen. Dafür ist sie zwar in ihren Grundfunktionen kostenlos, einige Features müssen jedoch zusätzlich gekauft werden. Betrachtet man die angebotenen Übungen, unterscheiden sich beide Apps nicht besonders. So bietet Perfect Ear ebenfalls hauptsächlich Übungen und Aufgaben zu den Themen Intervalle, Tonleitern, Akkorde und Rhythmen.

Perfect Ear verfolgt jedoch einen anderen Ansatz beim Aufbau der Übungen. So stehen vorgefertigte Übungen mit steigender Schwierigkeit und eine große Abschlussprüfung am Ende zur Verfügung. Einerseits gut, da man sich somit nicht gleich am Anfang mit schwierigen Aufgaben übernimmt. Andererseits ist man beim Üben eingeschränkter als bei The ear GYM. Zusätzlich bietet die App ein kleines Lexikon, welches Intervalle, Tonleitern und vieles mehr in Textform erklärt.

Außerdem zeichnet die App Übungszeiten auf und man kann Push-Benachrichtigungen erhalten, die einen an das Üben erinnern. Des Weiteren gibt es die Möglichkeit, sich Tagesziele in der App zu setzen, zum Beispiel, dass man eine Mindestpunktzahl erreichen muss. Zudem gibt es die Möglichkeit, sich weltweit mit anderen bei den Übungen zu messen (auch hier muss man sich mit seinem Google Play-Account anmelden). Dieser Gamification-Ansatz, den wir immer mehr auch in anderen Lern- oder Fitness-Apps finden, hilft dabei spielerisch den inneren Schweinehund zu überwinden und am Ball zu bleiben.

Allgemein lässt sich zur App sagen, dass das Design sehr hochwertig und intuitiv ist und die gezeigten Statistiken die Schüler:innen extra motivieren kann. Dazu bietet sie viele Einstellungsmöglichkeiten, um die App an die eigenen Vorlieben anpassen zu können. Auch hier müssen wir feststellen, dass die Töne nur auf Klavier, Violine oder Gitarre vorgespielt werden.

Nun zu den kostenpflichtigen Paketen. Diese bieten zusätzliche Übungen für die einzelnen Themenbereiche (4 Stück je 1,29 € oder alle zusammen für 2,99 €, einmalig) bzw. einen Editor für das Erstellen eigener Übungen (0,99 €, einmalig). Die Übungspakete bieten dabei nochmal viel Inhalt und bereichern die Grundversion großzügig.

Welche App ist nun besser? The Perfect Ear oder The ear GYM? Wer kein Problem damit hat, ein wenig Geld dafür auszugeben, ist definitiv mit The Perfect Ear besser beraten. Gerade der Übungseditor gleicht die Nachteile der Grundversion wieder aus. Will man hingegen kein Geld ausgeben, ist man mit The ear GYM trotzdem sehr gut bedient. Wer ein Android-Gerät besitzt, ist gut beraten einfach beide Apps zu testen und für sich selbst zu entscheiden, welche besser ist. Zudem kann man noch anmerken, dass beide Apps auch von Fortgeschrittenen genutzt werden können. Durch die Übungen bleibt man in Routine und kann beispielsweise in Proben schnell herausfinden, wo die Terz liegt.

6. Soundcorset

Soundcorset
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Die Allzweck-App für Musiker. Im Grunde ist Soundcorset ein Metronom und Stimmgerät mit Zusatzfunktionen. Es gibt die App sowohl kostenlos im Play- und App Store, als auch werbefrei für 0,89 € im Monat oder eine Premiumversion mit Extrafeatures für 5,99 € im Monat. Bevor jetzt jemand aufschreckt beim Stichwort Werbung: Die Werbung wurde während dem Testen nicht bei den Hauptfunktionen Metronom und Stimmgerät angezeigt, sondern nur bei den Zusatzfunktionen.

Nun aber erstmal zur Metronom-Funktion. Hier könnt ihr das Tempo von Grave 15 bis Prestissimo 500 frei einstellen. Das Metronom funktioniert nicht nur mit einem Audiosignal, die App kann auch die Taschenlampe und die Vibrationsfunktion als Signal nutzen. Nur bei hohem Tempo sollte man wieder auf das Audiosignal zurückgreifen, da Tempo und Taschenlampe/Vibration auf dem Test-Smartphone asynchron wurden.

Des Weiteren kann die Taktlänge und das Taktmuster frei eingestellt werden. Im Takt-Editor können sogar eigene Beats erstellt werden. Die letzte Funktion ist eine automatische Tempoerhöhung des Metronoms, für alle, die gerne üben möchten.

Das Stimmgerät nutzt euer Smartphone-Mikrofon und zeigt euch die Tonspur und die Veränderung von Tonspur und Lautstärke an. Dabei könnt ihr zwischen deutschem und französischen Notensystem wählen und Frequenz, Transposition und Vorzeichen frei einstellen. Hinzu kommt noch eine Stimmgabelfunktion, welche euch die Töne auf 440 Hz vorspielt.

Zusätzlich kann man mit der App noch Audioaufnahmen machen und diese in der App mit anderen Nutzern teilen. Das Angebot wird von vielen Nutzern genutzt, wodurch schon eine kleine Community entstanden ist. Die Aufnahmen können auch von einer KI bewertet werden. Das ist zwar ein nettes Feature, aber allzu ernst sollte man die Bewertung am Ende nicht nehmen, da diese von der Aufnahmequalität des Smartphones abhängig ist. Die KI-Bewertung ist also mehr ein nettes Gimmick, als eine ernstzunehmende Funktion.

Des Weiteren gibt es noch eine kleine Datenbank mit Notenblättern zu klassischen Stücken. Wer Tonleitern üben möchte, kann das mit dem Analyzer, der gespielte Töne in Echtzeit anzeigt. Auch hier kann die Transposition selbst eingestellt werden. Die letzte Funktion ist ein Kalender, in dem Übungszeiten vermerkt werden können. Hierzu muss einfach nur die Stoppuhr in der App genutzt werden.

Wie bereits am Anfang erwähnt, kann man eine kostenpflichtige Premiumversion erwerben. Mit ihr erhält man mehr Platz für Aufnahmen (250 anstatt 25), die Seiten in der Notenblätter-Datenbank werden beim Spielen automatisch umgeblättert und die KI-Bewertung kann ohne Tagesbegrenzung genutzt werden. Die Premiumversion verbessert somit nur die Zusatzfunktionen, alles andere ist schon in der Grundversion komplett. Wer also nur eine Metronom-Stimmgerät-App benötigt, dem wird die kostenlose Variante reichen.

7. Anytune

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Kommen wir zur zweiten Allrounder-App im Test: Mit Anytune kann man Musikdateien bearbeiten und vor allem zum Üben nutzen. Von der App gibt es drei Versionen: Eine kostenlose Variante, die Pro+ Version (einmalig 16,99 €) und die Mac-Version (einmalig 38,99 €). Die kostenpflichtigen Versionen sind im Grunde identisch. Die Mac Version besitzt jedoch noch erweiterte Export- und Bedienfunktionen, welche man für die Pro+ Version dazukaufen kann. Ein kleiner Fun-Fact am Rande: Man kann die kostenlose Variante durch mehrere Pakete zur Pro+ Version aufrüsten. Dadurch hat man die bessere Kontrolle darüber, welche Funktionen man nutzen will. Nutzt man alle, ist man am Ende sogar billiger dran, da alle zusätzlichen Pakete insgesamt 23 Cent weniger kosten als die Pro+ Version.

Bei der kostenlosen Variante muss man gegenüber der Pro-Version einige Abstriche in Kauf nehmen. Wer eine kostenlose App möchte, findet bei anderen Anbietern Apps mit etwas mehr Funktionen.

Nun aber zu den Funktionen: Songs können aus iTunes, aus gängigen Musikdateien und aus Videodateien importiert werden. Die Lieder werden in zwei Wellenformen angezeigt (einmal das gesamte Lied und einmal der aktuelle Bereich des Liedes). Wenn Songtexte für das Lied vorhanden sind, kann man diese auch in die App laden. Diese werden dann angezeigt und “scrollen” sogar beim Abspielen des Liedes mit.

Das Tempo wird von der App automatisch erfasst, man kann es jedoch auch selbst frei einstellen. Das ist gerade beim Üben hilfreich, da man das Tempo prozentual bis zu 5 % verlangsamen oder bis zu 400 % schneller machen kann. Zusätzlich kann dann auch noch die Tonhöhe bis zum hundertstel genau angepasst werden.

Die wohl besten Funktionen der App sind das Erstellen von Audiotags und die Retune-Funktion. Die Audiotags sind im Grunde einfach nur Marker, die man in der Audiospur setzen kann. Durch diese Marker kann man Abschnitte erstellen, die man in Endlosschleife abspielen kann. Wer zwei oder mehrere Stellen in einem Lied üben will, kann beliebig viele Loops erstellen und diese hintereinander abspielen lassen. Perfekt zum Üben von schwierigen Liedpassagen. Durch die Retune Funktion erhält man noch mehr Möglichkeiten. Durch diese können ab einem Audiotag Tempo und Tonhöhe verändert werden. Wer beispielsweise lieber immer das ganze Lied beim Üben spielen will, kann nun bestimmte Abschnitte verlangsamen, anstelle des gesamten Liedes.

Durch den Tempotrainer kann schrittweise das Tempo erhöht und/oder transponiert werden. Im Zusammenspiel mit den erstellbaren Loops hat man dabei viele Nutzungsmöglichkeiten: Ein Loop kann bei jeder Wiederholung schneller werden, der Loop wird konstant schneller oder der nächste Loop wird erst gestartet, wenn der vorherige das normale Tempo erreicht hat.

Die nächste Herausforderung beim Üben könnte sein, dass man sein Instrument im Lied nicht besonders gut heraushören kann. Dabei hilft die App mit ihrem Equalizer. Bereits vorgelegte Einstellungen können bestimmte Instrumente deutlich hörbarer machen. Auf Wunsch kann man natürlich auch selbst die Einstellungen anpassen.

Wer bearbeitete Audiodateien exportieren will, muss sich in der Pro+ Version mit 20 Sekundenschnipseln zufriedengeben. Wer längere Audiodateien exportieren will, muss ein zusätzliches Paket erwerben oder auf die Mac-Version zurückgreifen.

Anytune bietet für seinen Preis richtig viel. Auf kleinen Smartphones ist die App leider etwas unübersichtlich, weshalb man sie lieber auf dem iPad oder dem iPad Pro nutzen sollte. Außerdem gibt es sie momentan leider nur für iOS. Versionen für Android und Windows sind aber in Arbeit. Ansonsten können wir Anytune auf jeden Fall weiterempfehlen.

8. Tonally

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Die nächste iOS App ist gegenüber Anytune gerade wie für das Smartphones geschaffen. Tonally (einmalig 6,99 €) hilft bei der Erstellung neuer Songs und beim Üben von Tonarten und Tonleitern. Herzstück der App ist ein interaktiver Quintenzirkel, welcher die Akkorde einer Tonart hervorhebt.

Über den Quintenzirkel kann spielend nach aufeinander passenden Akkorden gesucht werden. Hat man etwas gefunden, kann man die Akkorde unter dem Zirkel eintragen. Die ausgewählten Akkorde können dann beliebig durch Bassnote, Qualität und Erweiterungen bearbeitet werden. Die App zeigt dabei an, welche Anpassungen noch in der gleichen Tonart sind und gibt sogar selbst Vorschläge. Zusätzlich können Taktart und Tempo bestimmt werden.

Fertige Musikstücke können als MIDI-Datei geteilt oder als PDF-Datei abgespeichert werden. Beachten sollte man hier, dass die Möglichkeit zur PDF-Dateierstellung in einem zusätzlichen Add-On für 2,99 € gekauft werden muss.

Neben dem Songwriting-Modus, besitzt die App auch einen Übungsmodus. In diesem werden verschiedene Tonarten vorgespielt. Schlüssel, Vorzeichen, Tempo, Grundton und Modus sind dabei frei wählbar. Auch Tonleitern werden zum Nachspielen vorgespielt. Durch Schütteln vom Handy werden zufällig Tonart oder Tonleiter ausgewählt. Wer zudem sein eigenes Instrument nicht zur Hand hat, kann dabei auch ein interaktives Klavier in der App nutzen.

Tonally bietet für Songwriter eine moderne App, welche eine echte Bereicherung ist. Durch das handliche Design kann man überall schnell neue Ideen umsetzen oder an Alten herumschrauben.

9. MuseScore

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Hinter MuseScore verbirgt sich ein PC-Programm, eine App und eine Webseite, welche jeweils unterschiedliche Funktionen haben.

Das kostenlose Programm für Windows, Linux und Mac ist für die Erstellung von Notenblättern gedacht. Dabei bietet der Editor fast unbegrenzte Bearbeitungsmöglichkeiten. Von Angaben über Autor und Urheber, über standardisierte Notenblätter (z.B. für eine Marschkapelle) und leere Notenblätter, bis hin zu freier Bearbeitung von Notensetzung, Taktanzahl und Tempo. Man kann wirklich alles selbst bestimmen.

Das hat aber auch seine Tücken: Um wirklich alle Funktionen zu kennen und effizient Noten zu erstellen, braucht es schon mindestens ein oder zwei Wochen Eingewöhnung. Zudem können durch Plug-ins weitere Einstellungen vorgenommen werden. Beispielsweise können durch ein Plug-in die Notennamen in einer anderen Sprache angezeigt werden.

Außerdem ist das Programm MIDI-kompatibel und kann sogar selbst die Partitur vorspielen. Dabei steht einem eine riesige Auswahl an verschiedensten Instrumenten zu Verfügung. Die Soundqualität ist dabei leider nur passabel, kann sich aber nicht mit den anderen Apps in der Liste messen. Ihren Zweck erfüllt sie aber allemal.

Als Austauschplattform erfüllen Webseite und App so ziemlich den gleichen Nutzen. Was uns jedoch etwas verwirrt hat, sind unterschiedliche Funktionen, die es teilweise nur in einer der beiden Varianten gibt. Aber zunächst ein Blick auf das Wesentliche: Die App (für iOS und Android) sowie die Anmeldung auf der Webseite sind kostenlos. Es gibt jedoch auch ein Premium-Abonnement, welches monatlich 5,99 € oder 38,99 € im Jahr kostet.

Sowohl im Web als auch in der App hat man Zugang zu allen hochgeladenen Partituren der Community (auf der Webseite befindet sich dazu auch ein Forum, um sich mit anderen Musikenthusiasten austauschen zu können). Man kann sie abspielen und zum Üben das Tempo verändern und Loops erstellen. Auf der Webseite gibt es sogar eine Klavieranzeige für alle Partituren. Man kann sie außerdem auch als MuseScore-Datei downloaden, um sie im PC-Programm bearbeiten zu können. Auch besteht die Möglichkeit, die Partitur in ein Video umzuwandeln und auf YouTube zu teilen.

In der Premiumversion können die Partituren als PDF, MusicXML, MIDI und MP3-Datei heruntergeladen werden. Zusätzlich kann man bei der Wiedergabe der Partituren einzelne Instrumente stumm schalten. In der App-Version erhält man Zugriff auf einen Offline-Speicher, wodurch die App auch ohne Internet nutzbar ist, und Partituren können beliebig transponiert werden.

MuseScore bietet sehr viel für wenig Geld. Besonders das PC-Programm ist eine kostengünstige Alternative zu ähnlichen Programmen wie finale. Gerade für Neueinsteiger gibt es wenig zu bemängeln, weshalb dem eigenen Ausprobieren nichts im Weg stehen sollte.

10. PlayScore 2

PlayScore 2
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Zum Abschluss werfen wir einen Blick auf die simple App PlayScore 2. Die kostenlose App gibt es für iOS und Android. Um die App sinnvoll nutzen zu können, braucht es unserer Meinung nach aber die kostenpflichtige Version (im Abo für 4,39 € im Monat / 21,99 € im Jahr).

Aber was macht die App nun? Man kann mit ihr Notenblätter abfotografieren und scannen oder PDF Notenblätter hochladen. Die App erkennt die Noten in der PDF-Datei oder auf dem Foto und kann dann das Lied vorspielen. Man gibt das Tempo an und hat die Auswahl aus 18 verschiedenen Instrumenten. Die App kann zudem Transponieren, Loops erstellen, besitzt einen Swing-Modus und kann die gescannten Notenblätter als PDF, MIDI und MusicXML-Datei exportieren.

Leider gibt es nur eine englische Sprachausgabe, was für deutschsprachige Nutzer sicherlich ein kleiner Nachteil ist. Wer darüber hinwegsehen kann, wird mit PlayScore 2 eine App erhalten, die besonders im Alltag sehr nützlich sein kann.

Übersicht

AppBeschreibungBetriebs- systemKostenHerkunft / DSGVO-konform
TomplayBietet eine riesige Bibliothek von Partituren an. Diese können mit einer virtuellen Begleitung gespielt werden.Android/iOS/ Web9,99 € pro Monat   99,99 € pro JahrSchweiz / unklar  
WDR Big Band Play AlongZusammen mit der WDR Big Band ein Stück spielen? Für 12 Partituren bietet die Play Along App genau das.Android/iOSkostenlosDeutschland / ja
iReal ProBietet eine Vielzahl an Musikstücken, die man mit Begleitung üben kann.iOSeinmalig 16,99 €USA / ja
App-AssionatoTerminplaner und Messenger für Musikschulen und -lehrer.Android/iOSkostenlosDeutschland / ja
The ear GYMÜbungsapp für die theoretischen Basics des Musikunterrichts.AndroidkostenlosÖsterreich / unklar
Perfect EarÜbungsapp ähnlich wie The ear GYM. Bietet zusätzliche Erklärtexte zu den Übungen.Android/iOSkostenlos   (In-App-Käufe möglich)Schweden / unklar wg. Einsatz von Google Analytics
SoundcorsetMetronom- und Stimmapp mit vielen Zusatzfeautures.Android/iOSkostenlos   Premiumversion mit erweiterten Funktionen: 5,99 € pro MonatSüdkorea / nein
AnytuneApp zur Bearbeitung von Musikdateien. Perfekt zum Üben neuer Lieder.iOS/Mackostenlos   Pro+: 16,99 €   Mac: 38,99 €Kanada / unklar wg. Einsatz von Google Analytics
TonallySongwriter-App. Erstellen neuer Songs über einen Multifunktions- QuintenzirkeliOS Deutschland / ja
MuseScoreAustauschplatt- form für Partituren und andere Musikstücke (App/Web).   Erstellung von Notenblättern (PC-Programm)Android/iOS/ Web           Linux/Mac/ Windowskostenlos Premiumversion: 5,99 € pro Monat 38,99 € pro Jahr       kostenlosRussland / nein
Playscore 2Notenblätter abfotografieren und in verschiedenen Dateiformaten exportieren. Spielt sogar die Noten vor.Android/iOS4,39 € pro Monat   21,99 € pro JahrUK / Ja

Fazit

Wie ihr seht, gibt es mittlerweile eine wirklich große Auswahl an Apps für Musikbegeisterte. Auch wenn es auf den ersten Blick unübersichtlich scheint, ist es sinnvoll, ein bisschen Zeit zu investieren, um für sich persönlich die richtige App als Begleiter zu finden.

Alle genannten Apps sind Tools, die wir euch auch wirklich empfehlen können. Wenn ihr eine oder mehrere der Apps bereits ausprobiert oder vielleicht auch schon im täglichen Gebrauch habt, schreibt uns gerne von euren Erfahrungen. Oder nutzt ihr noch andere Apps, die wir unbedingt erwähnen sollten? Wir freuen uns immer über eure Meinung!

Christoph Schroth

Christoph Schroth
Christoph Schroth

Christoph Schroth ist Redakteur bei VereinsChat.de und arbeitet im Marketing bei Klubraum, der App für Gruppen und Vereine, die Mitglieder verbindet und vernetzt. In seiner Freizeit beschäftigt er sich gerne mit Musik, neuen Technologien und digitalen Themen.

Alexandra Link

Musik ist ein sehr wichtiger Bestandteil meines Lebens. Musizierende Menschen zusammen zu bringen meine Leidenschaft.

2 thoughts on “Zehn Apps, die Blasmusikern 2021 das Leben erleichtern

  • 4. Juni 2021 at 16:39
    Permalink

    Schöner, ausführlicher und gut gemachter Artikel!
    Ergänzen könnte man noch Tonal Energy.
    Bei uns leider noch nicht so bekannt, aber die vermutlich vielseitigste App für Dirigentinnen und Dirigenten sowie für Musikerinnen und Musiker. Darum erlaube ich mir die Ergänzung.
    Bei mir im Probenraum ist die App – wenn immer möglich – stets an die Wand hinter mir projeziert und im Dauereinsatz.
    Einfach mal bei YouTube nachschauen!

    Reply
  • Pingback: Blasmusikblog Monatsrückblick Juni 2021 – Blasmusik

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