Die Gründe, warum es so schwierig ist, einen Vorstand zu finden

Ergebnis-Umfrage und meine Gedanken dazu

Warum ist es so schwierig geworden, Musikerinnen und Musiker für die Vorstandsarbeit zu gewinnen? Möchte niemand mehr Verantwortung übernehmen? Und wenn ja, warum nicht?

Dieser Frage bin ich im Dezember 2017 auf dem Blasmusikblog nachgegangen und habe die Umfrage Hilfe, wir finden keinen Vorstand! gestartet.

Es wurden insgesamt 412 Stimmen abgegeben. Jeder hatte bis zu drei Stimmen zur Verfügung. Es haben also in etwa 137 Leute bei der Umfrage mitgemacht. Alternativ war es auch möglich, andere als die aufgezählten Gründe anzugeben.

Hier das Ergebnis:

Umfrageergebnis Vorstand

1. Zu wenig Unterstützung von Vereinsmitgliedern

Diese Spitzenposition hat mich keineswegs überrascht. In meinen Workshops und Vorträgen ist das ein Thema, das immer ganz oben auf der “Problemliste” steht: “Es sind immer die gleichen, die etwas tun”. Viele Musikerinnen und Musiker sind offenbar der Meinung, dass die Aufgaben, die in einer Vereinsgemeinschaft zu erledigen sind, von den gewählten Vorstandsmitgliedern bewältigt werden sollen. Die Frage ist, wie schaffen wir es in unseren Vereinen, dass sich grundsätzlich jede Musikerin / jeder Musiker nicht nur für das Musizieren an sich verantwortlich fühlt, sondern auch – zumindest phasen-, themen- oder projektweise – organisatorische Aufgaben übernimmt. Dazu ist ein großflächiges Umdenken nötig, das nicht von einem auf den nächsten Tag installiert werden kann. Fangen wir doch schon in unseren Bläserklassen und Jugendkapellen damit an, jedem jugendlichen Musizierenden eine Aufgabe zuzuteilen – sei sie auch noch so klein. Es sollte “normal” sein und werden, das jeder neben dem Musik machen auch noch einen kleinen “Job” hat. Für die Musikvereine und Blasorchester sehe ich die Aufteilung der bestehenden Aufgaben in verschiedenen Resorts/Themengebiete, ein Teamleiter für jedes dieser Segmente mit dazugehörigen Team-Mitgliedern, die die Aufgaben erledigen. Eine schriftliche Dokumentation aller Aufgaben und den Zuständigkeiten ist in diesem Zusammenhang von großer Bedeutung. Ein Blogbeitrag zu diesem Thema ist schon lange in Vorbereitung…. Er kommt noch. Versprochen.

2. Der Vorstandsposten beinhaltet zu viele Aufgaben, zu viel Arbeit

Wenn es zu viel Arbeit ist, dann ist es Management-Aufgabe des Vorstands, diese Arbeit zu verteilen und zu überwachen, ob die Aufgaben erfüllt werden. In der Erfüllung der Aufgaben gibt es eine gewisse Freiheit, wie die Aufgaben erfüllt werden. Dazu ist Vertrauen notwendig. Und auch die Fähigkeit, abgeben zu können. Auch wenn das heißt, dass man nicht alle Lorbeeren selbst sammelt.

Wichtig finde ich aber auch, dass Inventur gemacht wird, welche Aufgaben welcher Vorstandsposten mit sich bringt. Eine schriftliche “Stellenbeschreibung” ist unumgänglich…. Schwarz auf weiß sieht vieles sehr viel einfacher aus, als nur ins Blaue hineininterpretiert.

3. Zu hohe berufliche Belastung

Ein Phänomen unserer Zeit. Jeder muß sich die Frage selbst beantworten, in wie weit ein gesellschaftliches, soziales bzw. kulturelles Engagement zeitlich oder willentlich in seinem Leben möglich ist.

Musizieren ist ziemlich sicher eine gute Möglichkeit, um andere Dinge und Lebensumstände “auszuschalten”. Wenn ich musiziere, konzentriere ich mich auf die Noten, mein Instrument, mein Inneres und natürlich auch auf den Dirigenten und die Musizierenden um mich herum. Da kann ich nicht noch an die Aufgaben denken, die ich morgen früh gleich erledigen muss. Musizieren ist in diesem Fall ein guter Ausgleich zur hohen beruflichen Belastung. Diesen Ausgleich spüre ich im übrigen nicht, wenn ich daheim alleine spiele oder übe. Ich spüre ihn nur im gemeinschaftlichen Musizieren. Und da sind wir wieder am springenden Punkt: ohne eine entsprechende Organisation ist kein gemeinschaftliches Musizieren im Ensemble oder Orchester möglich. Strebe ich also einen Ausgleich zur hohen beruflichen Belastung an, muß ich mich auch nach meinen Möglichkeiten in der Organisation einbringen. Wenn die Aufgabe auch noch so klein ist…

4. Das Haftungsrisiko ist zu hoch

Das ist ein Grund, der mir bis vor kurzem noch völlig unbekannt war. Ein Teilnehmer in einem Workshop brachte mich auf den Gedanken, der sich offensichtlich genau mit diesem Thema intensiv auseinander gesetzt hat. Ich hatte und habe Vorstandsposten und habe mir noch nie Gedanken darüber gemacht, in wie weit ich persönlich haftbar bin, wenn wirklich innerhalb des Vereins mal etwas schief läuft. Ich kenne auch keine Beispiele, wo ein Problem innerhalb des Musikvereins eine finanzielle oder strafrechtliche Konsequenz für einen Vorstand hatte. Vielleicht könnt Ihr mir helfen und von entsprechenden Beispielen berichten? Dann können wir alle viel besser einschätzen, in wie weit wir uns alle in diesem Punkt Sorgen machen müssen.

5. Die Verantwortung ist zu groß

Die Verantwortung ist dann zu groß, wenn zu viele Aufgaben in meinem Aufgabengebiet liegen. Oder wenn ein 1. Vorstand meint, für alles verantwortlich zu sein. Aufgaben delegieren, Verantwortung und Verlässlichkeit einfordern heißt auch, abgeben zu können, den Überblick bewahren zu können und Vertrauen zu haben.

6. Zu wenig Zeit wegen anderer Freizeitaktivitäten

Hier möchte ich ganz plakativ dazu sagen: Jeder setzt seine Prioritäten anders. Ich verweise gerne auf das bereits geschriebene…

7. Fehlendes Fachwissen

Wissen ist etwas, das einem nicht zufliegt. Wissen ist etwas, das man sich selbst holen muß. Dazu ist es nötig, seinen eigenen Komfortbereich zu verlassen und die Kurse zum Thema Vereinsführung/-organisation/-marketing an unseren Musikakademien und / oder in den Blasmusikverbänden zu besuchen.

Bücher gibt es zum Thema Vereinsführung auch sehr viele. Ein paar kann ich Euch hier empfehlen:

Nutzt auch die Möglichkeiten, Euch mit anderen Vereinsverantwortlichen auszutauschen. Ihr braucht dabei nicht darauf zu warten, dass Eure Blasmusikverbände das für Euch anbieten. Ergreift selbst die Initiative. Tragt den Wunsch nach Austausch an Eure Verbandsverantwortlichen heran. Oder kontaktiert die Vorstände der umliegenden Vereine und trefft Euch mal ganz zwanglos zum Austausch bei einem Bier. Für viele Probleme findet Ihr im gegenseitigen Gespräch ganz automatisch Lösungen. Außerdem können dabei auch tolle gemeinsame Projekte und Kooperationen entstehen.

Auf den Punkt “Keine Lust” möchte ich nicht näher eingehen.

Hier noch die ergänzenden Bemerkungen aus dem freien Feld der Umfrage:

Umfrageergebnis Vorstand

Ganz neue Argumente sind das nicht, sie lassen sich unter den angebotenen Kriterien einordnen.

Ich bin auf der Suche nach Modellbeispielen guter Vereinsorganisation. Ihr könnt Euren Kolleginnen und Kollegen in den anderen Musikvereinen sehr helfen, wenn Ihr Eure guten Beispiele teilt. Es muß ja nicht überall das Rad neu erfunden werden. Wer also von guten, funktionierenden Konzepten aus der Vorstandsarbeit, der Jugendarbeit oder allgemein der Vereinsarbeit berichten kann, der darf sich gerne mit mir in Verbindung setzen: alexandra@kulturservice.link oder Tel.: 07633 – 9198038. Wir können uns dann austauschen, wie und in welcher Form wir Eure Konzepte im Blasmusikblog.com für alle sichtbar und nutzbar machen.

 

 

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Musik ist ein sehr wichtiger Bestandteil meines Lebens. Musizierende Menschen zusammen zu bringen meine Leidenschaft.

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