Nimbus: Das Gütesiegel für Musikvereine!

Ein Gütesiegel für Musikvereine? Was, das gibt es? Braucht es das? Und wo gibt es das überhaupt?

Diese Fragen sind drei Mal mit “Ja” zu beantworten. Und wer nun denkt, dieses Gütesiegel gibt es in ganz Deutschland, den muß ich leider enttäuschen. Das Gütesiegel nimbus ist eine Idee aus dem Niedersächsischen Musikverband e. V. und wird nur auf deren Verbandsgebiet verliehen. Schade eigentlich…

Nimbus Niedersächsischer Blasmusikverband

Der Niedersächsische Musikverband e.V. (NMV) verleiht das Gütesiegel nimbus an Vereine und Schulen, die sich in herausragender Weise um die instrumentale Bildung verdient machen. Verschiedene Kriterien sind zu erfüllen und werden durch eine Kommission überprüft:

  • Umfassendes Ausbildungskonzept und dessen Umsetzung, das über den reinen Instrumentalunterricht hinaus geht
  • Einsatz von Dirigentinnen und Dirigenten mit entsprechender Qualifikation (z. B. C-Dirigent)
  • Regelmäßiges Proben in einer größeren Gruppe
  • Qualifizierte Instrumentalausbildung durch C-Ausbilder oder externe Instrumentalkräfte
  • Durchführung von instrumentalen Leistungsprüfungen (D-Kurse)
  • Regelmäßige Aufführungen
  • Unterhaltung mindestens eines Nachwuchsorchesters
  • Förderung der Zusammenarbeit mit Schulen und Musikschule
  • Weitere regelmäßig stattfindende Projekte im Sinne dieses Gütesiegels (z.B. Wertungsspiele)

Am 10. Januar 2019 wurde das Sinfonische Blasorchester Flutissima Bardowick e.V. nach bestandenem Audit im Rahmen einer Feierstunde in der Aula der Hugo-Friedrich-Hartman-Schule mit dem Gütesiegel nimbus des Niedersächsichen Musikverbands (NMV) ausgezeichnet.

Flutissima nimbus

Floris Freudenthal, Landesmusikdirektor beim NMV überreichte das Gütesiegel in Form einer Urkunde und einer Wandtafel zur Anbringung am Vereinsgebäude oder der Schule. Ab sofort ist das Sinfonische Blasorchester Flutissima Bardowick e.V. berechtigt, das Logo im Briefkopf und in der Internetpräsenz zu integrieren.

Flutissima nimbus

Wertschätzende Grußworte überbrachten Landrat Manfred Nahrstedt und Samtgemeindebürgermeister Heiner Luhmann. Das Sinfonische Blasorchester Flutissima und die BläserKlasse umrahmten die Veranstaltung musikalisch.

Die Begründung: Das Sinfonische Blasorchester Flutissima e.V. trägt mit dem nimbus die Früchte nachhaltiger und hochwertiger Arbeit in der musikalischen und sozialen Bildung für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Seit dem Bestehen von Flutissima verfolgt der Verein dies als eine der wichtigsten Aufgaben. Das umfassende und durchdachte Ausbildungskonzept, die Qualität der Ausbildung und die Nachhaltigkeit der Jugendarbeit über die 18 Jahre des Bestehens des Orchesters haben überzeugt.

Nach drei Jahren wird das Orchester erneut auf die Qualitätsstandards geprüft.

Alexandra Link und Nicole Maack
Alexandra Link und Nicole Maack

Mit Nicole Maack, der Dirigentin, Organisatorin und Initiatorin der Nachwuchsarbeit im Sinfonische Blasorchester Flutissima Bardowick e.V. habe ich ein Interview geführt:

Warum habt Ihr Euch entschlossen, Euch zertifizieren zu lassen?

„Den Anstoß zur Zertifizierung hat das Gespräch mit einem Lehrerkollegen aus Hildesheim gegeben, der seine Schule zertifizieren lassen wollte. Nachdem wir die Kriterien überprüft hatten, waren wir uns sicher, dass unser Orchester für den nimbus geeignet ist. Ein Gütezertifikat ist immer eine gute Sache. Ob bei Milch, Strom oder Musik – das Gütesiegel sagt aus, dass sich der Träger einer Zertifizierung mit transparenten Qualitätsstandards unterzogen hat.“

Wer war von Eurer Seite aus beteiligt? Wie stehen die Musikerinnen und Musiker zum nimbus? Wie wurden sie einbezogen?

„Vorstand und Orchesterrat haben die Bewerbung erstellt. Alle Musikerinnen und Musiker wurden von Beginn an einbezogen, um den Stellenwert des nimbus für das Orchester zu transportieren. Auch die kleinste Blockflöte fieberte von Anfang an dem nimbus entgegen. Ein Vertreter des NMV hat unsere Orchesterprobe besucht, um sich einen Eindruck zu verschaffen. Ein lustiges Detail: Viele dachten bei dem Titel des Siegels zunächst an Harry Potters Besen, den Nimbus 2000.“

Was erhofft Ihr Euch von der Zertifizierung?

„Die Zertifizierung unterstreicht für uns die nachhaltige und hochwertige Ausbildungsarbeit in unserem Verein.“

Welchen Stellenwert hat der nimbus in Eurer Region?

„Im Landkreis Lüneburg sind wir das erste mit dem nimbus ausgezeichnete Orchester, so dass der nimbus nun erst durch Presse und die Beteiligung des Landrats bekannt wird. Wie interessant diese Zertifizierung nun für andere Vereine und Schulen wird, werden wir beobachten.“

Was hat die Zertifizierung Euch als Verein gebracht?

„Darauf antworte ich am besten in einem Jahr….“

Auf der Website des Niedersächsischen Musikverbands e.V. NMV ist über den Ablauf der Zertifizierung nachzulesen:

„Die Auszeichnungskriterien für Vereine und Schulen sind unterschiedlich. Die genauen Kriterien können im Merkblatt nachgelesen werden.

Die Antragsstellung erfolgt ausschließlich mit den Formularen des NMV. Sämtliche Unterlagen müssen digitalisiert im PDF-Format über die Mailadresse nimbus(at)nds-musikverband.de der Geschäftsstelle eingereicht werden. Der NMV vermittelt einen Berater zum Besuch des Vereins oder der Schule. Nach erfolgter positiver Empfehlung und endgültiger Entscheidung durch den Verband unterzeichnet der Präsident des NMV die Auszeichnung.

Die Übergabe der Auszeichnung erfolgt durch einen Vertreter des Landes- oder Kreisverbandes in einem passenden Rahmen mit Vertretern der Kommunalpolitik und möglichst unter Einschaltung der Regional- und Lokalpresse sowie bei Schulen der Träger der Einrichtung und möglichst der Landesschulbehörde.

Die Auszeichnung ist drei Jahre gültig. Ein Folgeantrag sollte ca. 3 Monate vor Ablauf über die Geschäftsstelle gestellt werden.“

Presse Nimbus

Schon allein durch das feierliche Zelebrieren der Verleihung des Gütesiegels erhält das jeweilige Orchester bzw. die Schule eine hohe Aufmerksamkeit in der Gemeinde und weit darüber hinaus durch die entsprechende Berichterstattung in den Tageszeitungen. Da hier auf dem Blog gerade die Konzertberichterstattung in Tageszeitungen diskutiert wird – eine Zertifizierung ist eine Besonderheit, über die Eure Tageszeitung sehr gerne berichten wird!

Werden die Kriterien für die Zertifizierung strikt eingehalten, kann der nimbus auf lange Zeit die Wertigkeit des jeweiligen Musikvereins unterstreichen.

Meiner Meinung nach können die Musikvereine in Zukunft nur überleben, wenn „Qualität“ zum höchsten Vereinsziel erklärt wird. Und zwar Qualität in der Ausbildung der Jugendlichen, Aus- und Fortbildung der Erwachsenen (MusikerInnen, DirigentInnen und Vorstandsmitglieder), in der Probenarbeit, der Literaturauswahl, der gespielten Musik, dem Ambiente und der Durchführung der Konzerte mit interessanten, innovativen Programmen, eine moderne, effektive Vereinsführung und nicht zuletzt in einem guten, freundschaftlichen, respektvollen Miteinander im Verein. Betonen möchte ich, dass Qualität nichts mit dem Schwierigkeitsgrad der gespielten Musik zu tun hat. Ganz im Gegenteil!

Die Zertifizierung eines Vereins, der oben genannte Qualitätssteigerungen anstrebt, ist meiner Meinung nur ein logischer Schritt. Ich hoffe, dass sich noch viele Musikverbände in Deutschland (und anderen Ländern), am liebsten in allen, die in der BDMV organisiert sind, entschließen, dieses Zertifizierungsmodell anzubieten. Es ist dann nur zu hoffen, dass alle Verbände an einem Strang ziehen und nicht jeweils im Alleingang eigene Zertifizierungs-Maßnahmen mit anderen wohlklingenden Namen erfinden und durchführen.

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Musik ist ein sehr wichtiger Bestandteil meines Lebens. Musizierende Menschen zusammen zu bringen meine Leidenschaft.

5 thoughts on “Nimbus: Das Gütesiegel für Musikvereine!

  • 17. Januar 2019 at 14:37
    Permalink

    Was ist denn ein “umfassendes Ausbildungskonzept”? Als Kriterium kann da ja wohl kaum nur MFE herhalten.

    Ansonsten hört sich das alles leider mehr nach den typischen Gütesiegeln an: wenig Aussagekraft, weit gefasste und recht einfach zu erfüllende Bedingungen.
    Ich würde wetten, dass mehr als die Hälfte der Vereine in unserem ASM-Bezirk die Liste am Beginn des Artikels erfüllen…

    Reply
    • Alexandra Link
      18. Januar 2019 at 13:00
      Permalink

      Hallo Julian,
      vielen Dank für Deinen Kommentar.
      Hier ein kleiner Überblick über die Jugendarbeit bei Flutissma:

      Kurse
      • Musikalische Früherziehung/Blockflöte 1 ab fünf Jahren
      • Blockflöte 2
      • Piccolino/Saxonett ab der 3. Klasse
      • BläserKlasse ab der 3./4. Klasse
      • BläserKlasse für Erwachsene

      Instrumentalunterricht für folgende Instrumente
      Holzbläser: Flöte/Oboe, Klarinette, Saxophon
      Blechbläser: Trompete, Waldhorn, Posaune, Euphonium, Tuba
      Schlagwerk: Drumset, Mallets, Percussion

      Orchester und Ensembles
      • Jugendorchester ~ 25 Musiker
      • Sinfonisches Blasorchester ~ 55 Musiker
      • Kleine Besetzung = Ensemble ~ 20 Musiker
      • Quartett oder Quintett

      Aktuell spielen im Musikverein Flutissima 140 Menschen ein Instrument.

      Es ist gut zu hören, dass mehr als die Hälfte aller Musikvereine im ASM so gut aufgestellt sind. Wie schön wäre es für diese Musikvereine – aus Marketing-Sicht – , nicht nur “wir sind gut aufgestellt” kommunizieren können, sondern nach außen kommunizieren: “Wir sind gut aufgestellt und haben dies von einer unabhängigen Jury bestätigt bekommen”.

      Viele Grüße
      Alexandra

      Reply
      • 18. Januar 2019 at 18:48
        Permalink

        Hallo Alexandra,

        vielen Dank für die umfassende Antwort.

        Für den ganzen ASM würde ich sicher nicht meine Hand in’s Feuer legen 😉 Hier in “unserem” Bezirk allerdings ist man halt allgemein recht aktiv, z.B. nehmen jedes Jahr über 40 Orchester am Wertungsspiel teil.

        Was mir dabei einfällt und übrigens mal ein sehr interessantes Thema wäre: Organisation von Blasmusikverbänden in Deutschland oder vielleicht sogar Europa.
        Da kann man auch eine sehr schöne Grafik machen: Welche Verbände sind im BBMV? ASM, BVV, MON, NBMB. Welche gehören zum (irgendwie unpassend benannten) BDB? Wie setzt sich die BDMV zusammen? Welche Kreisverbände gibt es im BVBW, welche Bezirke im MON oder ASM?
        Wo arbeiten die Verbände zusammen (z.B. JMLA oder C-Kurse)? Welche Akademien betreiben sie? Wo ist der Unterschied zwischen SAD und B-Kurs? usw.

        Beste Grüße

        Reply
        • Alexandra Link
          21. Januar 2019 at 10:46
          Permalink

          Hallo Julian, danke für die Anregung. Ich werde darüber mal nachdenken. Viele Grüße Alexandra

          Reply
  • Pingback: Blasmusikblog Monatsrückblick Januar 2019 – Blasmusik

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